I. EINLEITUNG


3 Mottos

„Der ist ein Arzt, der das Unsichtbare weiß, das keinen Namen hat,
das keine Materie hat und doch Wirkung." Paracelsus

Es gibt nur ein Problem, ein einziges: Es gilt, wieder zu entdecken, dass es ein Leben des Geistes gibt,
das noch höher steht als das Leben der Vernunft und das allein den Menschen zu befriedigen vermag.“ Konfuzius

„Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren/ Sind Schlüssel aller Kreaturen/ Wenn die, so singen oder küssen /Mehr als die Tiefgelehrten wissen/ Wenn sich die Welt ins freie Leben/
Und in die Welt wird zurück begeben/ Wenn dann sich wieder Licht und Schatten/ Zu echter Klarheit werden gatten/ Und man in Märchen und Gedichten /
Erkennt die ew`gen Weltgeschichten/ Dann fliegt vor einem geheimen Wort/ Das ganze verkehrte Wesen fort.“ Novalis

Vorwort

Zu mir, Torsten Oettinger, als Verfasser:
Ich bin Nervenarzt-Psychotherapeut und will nach jahrzehntelangen Erfahrungen als Psychotherapeut dabei gewonnene Erkenntnisse veröffentlichen.
Mit den vorliegenden Texten glaube ich neue Perspektiven und Möglichkeiten in Psychiatrie und Psychotherapie aus folgenden Gründen zu eröffnen:
1. Ich gehe von einer neuen Theorie der Psyche und ihrer Störungen aus.

2. Ich untersuche, welchen Einfluss unterschiedliche Ideologien und Weltanschauungen auf die Psyche und die `Psychotheorien´ haben.

zu 1.
Ich verwende die Sprache als Analogie für das, was psychisch relevant ist, denn mit der Sprache besitzt der Mensch ein Werkzeug, das all das erfasst, was für ihn von Bedeutung ist und die nichts psychisch Relevantes ausschließt.
Grundlegende Sprachmuster dienen deshalb in dieser Arbeit als Analogie für Grundmuster
(„Differenzierung) des psychisch Relevanten allgemein und der Psyche speziell. [1] Diese Differenzierungen werden weiter nach ihrer Bedeutung in die „Dimensionen“ absolut, relativ oder 0 eingeteilt. Das ist die Haupteinteilung des psychisch Relevanten und seiner speziellen Form: der Psyche selbst.
Diese Einteilung umfasst alles psychisch Relevante und Psychologische und sie geht, vor allem im Gegensatz zur universitären Psychologie, über das nur wissenschaftlich Erfassbare hinaus, da dieses, so glaube ich, nur einen Teil dessen ist, was Psyche ausmacht.
In „Inversionen“ (Verwechslungen des Relativen und Absoluten) sehe ich die Hauptursache für psychische Erkrankungen. Im Teil `Metapsychiatrie´ stelle ich dar, wie diese Inversionen fremde Absolutheiten erzeugen und diese dann `zweitrangige Wirklichkeiten´ bilden, zu denen auch die psychischen Krankheiten gehören.

zu 2. Obwohl der Einfluss, den unterschiedliche Ideologien und Weltanschauungen auf die Psyche haben, ganz offensichtlich ist, wird er von psychologischer Seite wenig reflektiert. Noch weniger Beachtung findet der Einfluss von Ideologien und Weltanschauungen auf entsprechende psychologische Theorien, obwohl diese die Grundlage für diese Theorien bilden. Die Ursache dafür liegt darin, dass sich Psychologie und Psychiatrie zu einseitig als Wissenschaft definieren. Sie reflektieren nur das, was wissenschaftlich zugänglich ist.
Selten werden in der Literatur Angaben gemacht, von welchen Grundlagen (Apriori) das jeweilige Theoriengebäude ausgeht - geschweige denn, dass diese in ihrer Unterschiedlichkeit und Zweckmäßigkeit diskutiert würden. Dabei werde ich auch einer grundlegenden Frage nachgehen: Welche der Weltanschauungen und Psychotheorien und -therapien ist die Beste für uns? Poetisch gefragt: Welche enthält am meisten Liebe?
Ist denn der Materialismus, der die philosophische Grundlage unserer gegenwärtigen Psychologie und Psychiatrie ist, tatsächlich die beste Philosophie für unsere Seelen? Ich glaube nicht. Die Besprechung existenzieller und tiefer gehender Lebensfragen kommt zu kurz und die Antworten auf diese Fragen enthalten wenig Trost und Liebe.  Ich glaube, dass Glaube und Liebe für die Menschen wichtiger als Wissen und Wissensvermittlung ist, aber zum Nachteil der Patienten vernachlässigt wird.
[2] Das prinzipielle Ignorieren von Transzendenz durch die heutige Psychologie ignoriert nicht nur die Erkenntnisse und Erfahrungen aller religiösen Menschen, sondern auch die nicht "frommer" Philosophen wie Kant, Heidegger, Jaspers, Sartre - um nur einige neuere zu nennen. Ziel dieser Arbeit ist es, psychische Krankheiten und deren Therapie primär aus geistiger bzw. geisteswissenschaftlicher Sicht und erst sekundär aus naturwissenschaftlicher Sicht darzustellen. Im Gegensatz dazu setzt die vorherrschende Psychiatrie die Akzente umgekehrt: Sie gibt der naturwissenschaftlichen Sicht Priorität und vernachlässigt erheblich die geistige Dimension.
Dabei ist für mich die Glaubwürdigkeit der Aussagen das entscheidende Kriterium - Glaubwürdigkeit, die Wissen und Erfahrungen mit einschließt, diesen aber übergeordnet ist.
Die vorliegende Arbeit möchte helfen, diese Diskrepanz zwischen offenkundigen spirituellen und religiösen Bedürfnissen der Menschen einerseits und ihrer mangelnden Reflexion durch Psychologie und Psychiatrie andererseits zu beheben. Ich glaube, dass dadurch wesentlich neue Perspektiven im Verständnis und in der Therapie psychischer Krankheiten (vor allem der Psychosen) eröffnet werden.
Zusammenfassung der Kritik: Psychologie und Psychiatrie, wie sie gegenwärtig gelehrt und ausgeübt werden, sind zu einseitig materialistisch, zu atheistisch, zu verwissenschaftlicht, zu objektbezogen, zu positivistisch, zu wenig tröstend und wenig liebevoll. Und bezüglich ihrer Therapieziele erscheinen sie zu einseitig auf Funktionalität, Anpassung, vordergründige Gesundheit und Wohlbefinden fixiert.
    Diese Arbeit ist über viele Jahrzehnte hinweg auch aus einer eigenen Problematik entstanden. Nach dem Medizinstudium arbeitete ich etwa zehn Jahre lang als Allgemeinmediziner in der damaligen DDR. Weil ich mit dem Staat (und mit mir) zunehmend in Konflikt geriet, kam ich in eine Krise und musste mich in der DDR psychotherapeutisch behandeln lassen. Obwohl die damaligen Therapeuten fachlich versiert waren, blieben für mich die entscheidenden Probleme, die mich krank gemacht hatten, ungelöst, denn man beschränkte sich, der materialistischen Weltanschauung des Staates folgend, im Wesentlichen darauf, das Objektivierbare meiner Person und Situation zu erfassen, zu verändern und mich wieder funktionsfähig zu machen (noch dazu im Sinne der dort herrschenden Ideologie). Damals nahm ich an, dass dieses eingeschränkte Vorgehen nur Ausdruck der marxistisch-materialistischen Ideologie war. Nachdem ich aber auch die „westliche“ Schulpsychologie und Psychiatrie kennengelernt hatte stellte ich fest, dass auch hier der Materialismus (wenn auch ohne Marxismus) Grundlage dieser Fachrichtungen ist. Wir waren 1981 in die Bundesrepublik übergesiedelt und ich absolvierte dann eine zweite Facharztausbildung als Neurologe und Psychiater mit Zusatzausbildung Psychotherapie und habe als solcher ca. 20 Jahre in einer eigenen Praxis gearbeitet. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass für meine Patienten, wie auch für mich, weniger die objektiv nachweisbaren Fakten, sondern das Subjektive, Individuelle und Nichtbeweisbare das Wichtigste war. Um es an einem Beispiel zu sagen: Ich glaube, wir Menschen sehnen uns mehr nach Liebe als nach Wissen. Aber Liebe kann kein Gegenstand der Wissenschaft sein. Obwohl wahrscheinlich viele Fachkollegen dieser Feststellung zustimmen würden, wird es sehr schwierig sein, diese Diskrepanz zwischen solchen Erfahrungen vieler Menschen einerseits und offiziellen, universitären Lehrmeinungen andererseits, zu beheben.
Warum ist das so? Ich kann wesentliche Gründe hier nur andeuten.

INHALTSÜBERSICHT

Hinweis: Auch die Gesamtübersichtstabelle (Übersichtstabelle hier öffnen) gibt eine textliche und tabellarische Übersicht. Dadurch ist es möglich, spätere Kapitel zuerst zu lesen und die wichtigsten Zusammenhänge zu erkennen.

Im Teil `Metapsychologie´ entwickele ich eine allgemeine Einteilung des psychisch Relevanten, die auch die Grundlage der Einteilungen aller anderen Kapitel ist.

Erstens gehe ich von der Hypothese aus, dass alles psychisch Relevante (pR) am besten durch Sprache ausgedrückt und in Analogie zu grundlegenden Sprachmustern gegliedert und differenziert werden kann. Diese `Differenzierung´ kann alles, was psychisch relevant ist, erfassen.

Zweitens ordne ich jedem psychisch Relevanten drei prinzipielle Bedeutungen zu: absolut, relativ oder 0.
Das nenne ich die `Dimensionen´ des psychisch Relevanten. Da das jeweilige Absolute der bestimmende Faktor für jedes psychisch Relevante ist - wie auch für jeden Menschen (!) - steht es im Mittelpunkt dieser Untersuchung.
  

Im Teil `Psychologie' übertrage ich diese metapsychologische Einteilung auf die Person.

Im Teil `Metapsychiatrie verwende ich die oben genannte Einteilung und gehe von der Hypothese aus, dass psychische Krankheiten hauptsächlich durch  `Inversionen´ der oben genannten Dimensionen entstehen. Ein tatsächliches Absolutes wird durch etwas anderes ersetzt. Wird etwa etwas Relatives verabsolutiert, (was vor allem bei Ideologien oder familiären und individuellen  dogmatischen Einstellung der Fall ist) - so wird aus dem Relativen ein fremdes Absolutes (fA) und das eigentliche Absolute wird negiert  und zum fremden  Nichts (fO). Es hat so eine prinzipielle Bedeutungsumkehr stattgefunden.
Fremdes Absolutes und Nichts bilden Gegensatzpaare, eine Art `Alles-oder Nichts-Komplexe´, die ich allgemein `Es´ und in der Person Fremd-Selbst (fS) genannt habe, weil diese Begriffe das Gemeinte gut kennzeichnen:

[D.h.: `Fremd-Selbst´: eine fremde Instanz, die eine Person bestimmt; `Es´: allgemeine nicht näher bezeichnete Ursache eines Geschehens, z.B. „Es macht mich wütend/ traurig/ krank ... “]. (Nicht mit dem Freud´schen Es zu verwechseln. Mehr dazu in `Es - eine fremde beherrschende Entität´). Diese `Es´ oder Fremd-Selbsts stellen neue fremde Entitäten dar, die sich verselbständigt haben und Wirklichkeiten und Personales dominieren und verändern und so neue fremde (`zweitrangige´) Wirklichkeiten/ Personales und auch Krankheiten hervorrufen können.
Ist an diesem Geschehen mehr oder weniger die „ganze” Psyche (also alle Aspekte) beteiligt, dann kann eine psychotische Symptomatik entstehen. Betrifft dieses Geschehen nur einzelne oder mehrere Aspekte, so entstehen, je nach Aspekt, „nur“ neurotische oder psychosomatische oder andere Symptome.
Diese Störungen sind meines Erachtens nur dann erklärbar, wenn man sie auf Störungen im Absolutbereich der Person zurückführt. Denn solange ein Mensch Probleme relativ, also locker, nehmen kann, wird daraus schwerlich eine Krankheit. Mit der Etablierung jedoch eines verabsolutierten `Etwas´ fungiert dieses als die Person bestimmendes Es bzw. fremdes Selbst. Dieses Etwas wird zu absolut und der Mensch zu relativ. Etwas wird zu selbstständig und der Mensch zu unselbstständig. Etwas wird zum Subjekt und der Mensch zu dessen Objekt. Etwas wird personal und die Person wird „Etwas“.
Etwas beherrscht den Menschen und nicht er es.
Es ist der
Sieg" des Relativen über die Person.
Für das Verständnis der Genese der Störungen ist ein Vorgang wichtig, den ich „Streuung und Verdichtung“ genannt und unter dieser Bezeichnung im Teil `Metapsychiatrie´ näher beschrieben habe.
D.h. jede Inversion streut so, dass sie vielerlei Störungen verursachen kann, so wie eine Störung von vielerlei Inversionen stammen kann. Dabei unterscheide ich obligatorische und fakultative Vorgänge („Haupt- und Nebenstoßrichtungen" der Inversionen). So werden etwa Inversionen eines bestimmten Aspektes obligatorisch die in demselben Aspekt aufgeführten Störungen, fakultativ aber auch die in allen anderen Aspekten genannten Störungen hervorrufen können. Andererseits können dieselben Störungen aber auch durch Inversionen aller anderen Aspekte entstehen.

Wie im Teil `Psychiatrie´ beschrieben und in der `Gesamtübersichtstabelle´ zusammengefasst, können diese `Es´ bzw. Fremd-Selbsts verschiedenste Krankheiten hervorrufen.
Speziell versuche ich das am Beispiel der schizophrenen Psychosen zu zeigen. Aus dieser Sicht halte ich auch das Problem der Entstehung und Therapie der Psychosen theoretisch für prinzipiell gelöst.

Im Teil `Metapsychotherapie´ untersuche ich die `psychotherapeutische Qualität’ der wichtigsten Weltanschauungen und Religionen und im Teil `Psychotherapie´ die der bekanntesten psychotherapeutischen Schulen. Im Kapitel `Primäre Psychotherapie´ stelle ich eine ideologiefreie Geisteshaltung vor, die, wie ich meine, die stärkste Kraft gegen psychische Krankheiten ist.

Wer ist für die Psyche zuständig?

                                        „Wer lernen will, muss glauben." Aristoteles
                                        „Naturwissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Naturwissenschaft ist blind." A. Einstein

    Wir stehen vor der Frage: Mit welcher Methode lässt sich die geistig-seelische Dimension des Menschen (hier nur Psyche genannt) am besten erfassen und beschreiben? Das hängt mit der Frage zusammen: Was ist die Psyche? Diese wiederum mit der Frage: Wer bin ich? Oder: Was ist der Mensch? Und diese wiederum hängt mit den `letzten´, metaphysischen Fragen zusammen wie: „Warum existiert das Universum und wie ist es entstanden? Gibt es einen Gott und welche Eigenschaften besitzt er? Gibt es einen `wirklichen´ Unterschied zwischen Geist und Materie und, wenn ja, wie ist er zu charakterisieren? Besitzt der Mensch eine unsterbliche Seele, verfügt er über einen freien Willen, und wenn ja, in jeweils welchem Sinne genau?“[3]
Alle diese Menschheitsfragen kann man von verschiedenen Perspektiven aus sehen: aus theologischer, philosophischer, sozialer, anthropologischer, psychologischer, biologischer Sicht - um nur die wichtigsten zu nennen. Und je nach Antwort wird die jeweilige Philosophie, Theologie, Anthropologie oder irgendeine Ideologie - aber eben auch die jeweilige Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie aussehen.
Alle diese Theorien gehen allerdings von bestimmten Grundlagen aus, die sich selbst nicht beweisen lassen, die bestenfalls bestimmte Phänomene einleuchtend erklären und gesetzmäßige Zusammenhänge aufzeigen können. Im Letzten sind diese Grundlagen selbst also nur zu glauben. Sie gehen von A-priori-Annahmen aus, auf denen das nachfolgende Theoriegebäude aufbaut.
[4]  Obwohl die so verwendeten Ausgangspunkte für die entsprechenden Theorien eine absolute Bedeutung haben, wird das von den wenigsten Psychologen und Psychiater, die sich als Wissenschaftler verstehen, reflektiert. Das Dilemma aber ist, dass eine rein wissenschaftliche Sicht erkauft wird durch eine Nichtbeachtung wichtiger Grundlagen unseres Menschseins und damit auch unseres Seelenlebens.
Andererseits kommen wir jedoch, wenn wir die Wissenschaft vernachlässigen, in Gefahr, Spekulationen den Vorrang vor der Wissenschaft zu geben. Wieviel Leid hat die Menschheit nicht auch durch verfälschte Religiosität, Subjektivismus und überzogenen Individualismus erlitten!
Dennoch: Sollen wir, um es anders auszudrücken, Subjektivität und Religiosität, weil sie sich letztlich der reinen Wissenschaft entziehen, einer sterilen „Objektivität“ bzw. dem Materialismus opfern, nur, um auf jeden Fall auf der (scheinbar) sicheren Seite zu sein?  Ich denke nicht. Das schließt ja keineswegs Objektivität aus. Nur wird, wenn wir dem Subjektiven den Vorrang vor dem „Objektiven“ geben, der Schwerpunkt vom Wissen auf den Glauben verlagert. Theorien, wie der vorliegenden, geht es zuerst um Glaubwürdigkeit, dann um die reinen Fakten. Ich denke, das entspricht auch den Kriterien zwischenmenschlicher Beziehungen, um die es in der Psychiatrie und Psychotherapie vorrangig geht.
Man muss deutlich sagen, dass die heutige Psychologie und Psychiatrie im Wesentlichen von einer materialistischen, szientistischen Sicht ausgeht. Das muss prinzipiell hinterfragt werden. So sehr Detailerkenntnisse gewonnen wurden, so einseitig ist deren Ausgangsposition.
Dadurch herrscht in Psychologie und Psychiatrie eine gewisse Methodendiktatur: Forschung und Lehre im universitären Betrieb sind einseitig materialistisch ausgerichtet und so ideologisiert. Zwar verstehen sich diese Fächer als empirische, also Erfahrungswissenschaften, schließen aber Erkenntnisse von Philosophen, Schriftstellern oder gar Theologen weitgehend aus, obwohl sich dort Einsichten finden lassen, die manche Fachliteratur steril und kümmerlich erscheinen lassen.
Andererseits hat auch die Theologie den Menschen oft klein und unfrei gemacht und psychische Krankheiten einseitig, etwa als direkte Folge von Sünden der Betroffenen gedeutet.
Psychologie und Psychiatrie sind aber nun ins andere Extrem verfallen.
Diese Tatsache wird nur ausnahmsweise diskutiert. Wie z.B. durch G. Vinnai: „Die Psychologie an der Universität wird von Vertretern einer Wissenschaftsrichtung beherrscht, die sich am naturwissenschaftlichen Erkenntnisideal orientieren. Sie vertreten ihr Wissenschaftsverständnis, vom Verband der Universitäts-psychologen unterstützt, an den Hochschulen nahezu mit einem Monopolanspruch. Sie sorgen dafür, dass es in der Psychologie einen Wissenschaftspluralismus so gut wie nicht gibt. Die universitäre Stellenvergabe, die Prüflings- und Studienordnungen, die Forschungsfinanzierung werden von Vertretern dieser Wissenschafts-richtung sehr weitgehend festgelegt … Eine naturwissenschaftlich geprägte instrumentelle Vernunft, die an der Universität vorherrscht, zeigt ihre Schattenseiten besonders in einem Gegenstandsbereich, der ihr so wenig angemessen ist wie der der menschlichen Subjektivität:“ Derselbe a.a.O.: „Das Buch soll helfen, den einschüchternden Anspruch der etablierten Wissenschaft als weitgehend hohl zu durchschauen. Dadurch könnte es unkonventionellem, offenem Denken Mut machen.“
[5]
Es geht mir nicht darum, eine der genannten Methoden oder Fachdisziplinen zu negieren. Sie spielen in der Beantwortung von Menschheitsfragen alle eine Rolle. Wichtig aber ist die Frage: Welche Methode ist dem Thema `Psyche´ am adäquatesten? Was hat Priorität?
[6] Ich glaube, wie gesagt, erstrangig ist eine geisteswissenschaftliche, zweitrangig eine wissenschaftliche Sicht.[7] 
         In dieser Arbeit gehe ich von einer einer christlichen Anthropologie aus, in der der Mensch primär als Subjekt und sekundär als Objekt gesehen wird. Er ist aus dieser Sicht unbedingt von Gott geliebt, einzigartig, unvertretbar, mit höchstem Wert und größter Freiheit ausgestattet und es istzweitrangig, was er daraus macht. Deshalb ist diese Anthropologie für mich auch das beste psychotherapeutische Fundament zumal sie keine gute Wissenschaft ausschließt. Im Gegensatz dazu spielen in der Wissenschaftsliteratur philosophische oder gar religiöse Refexionen kaum eine Rolle. Dazu P. Kaiser: „Religiöse Thematik sucht man in den gegenwärtig aktuellen deutschsprachlichen nervenheilkundlichen Kompendien, Lehrbüchern sowie mehrbändigen Standard- und Nachschlagewerken nahezu vergebens.“
 
[8 Stellt man diese Aussagen dem Glauben und den Bedürfnissen von Milliarden religiösen oder zumindest sinnsuchenden Menschen gegenüber, dann ist dieser Sachverhalt nahezu unfassbar. Mir scheint, als hätte sich die heutige universitäre Psychologie in den Elfenbeinturm steriler Wissenschaftlichkeit zurückgezogen und den Realitätsbezug zu den grundsätzlichen Menschheitsfragen verloren. Ich habe in meiner jahrzehntelangen praktischen Tätigkeit - ähnlich wie C.G. Jung - die Erfahrung gemacht, dass die meisten (oder letztlich alle) tiefergehenden Problematiken mit sehr subjektiven, existenziellen oder spirituellen Fragen zusammenhingen und deshalb eine rein wissenschaftliche Vorgehensweise an diesen Menschen vorbeigeht.
Die Nichtbeachtung einer positiven Religiosität ist für mich so, als würde man die Bedeutung der Liebe - die sich ja auch nicht beweisen lässt - negieren. Denn für mich ist beides fast identisch: Der Religion geht es, wie der Liebe, um den Menschen. Beides lässt sich jedoch missbrauchen. Immer wieder zeigen weltbewegende Umwälzungen, aus ideologischen oder religiösen Gründen verursacht, die Macht und die Bedeutung des Glaubens sowohl in positiver, als auch, leider, in negativer Hinsicht. Wenn man Religionen und Ideologien als Weltanschauungen definiert - also etwas an das man glaubt und diesen die Wissenschaften als etwas, was man weiß (genauer müsste man sagen: „was man glaubt zu wissen“) gegenüberstellt, so scheinen mir Religionen und Ideologien in ihrer Bedeutung für das Seelenleben der Menschen weitaus wirksamer zu sein, als der Einfluss der Wissenschaften.
[9]
Es sollte jedoch kein Prioritätsstreit zwischen Theologie und Psychologie ausgetragen werden. Es geht nicht darum, Glaube und Wissen konträr gegenüberzustellen. Es geht vielmehr um die Frage, welchen Stellenwert beide Standpunkte hinsichtlich der Psyche bzw. der psychiatrischen Erkrankungen haben. Diese Frage kann aber erst beantwortet werden, wenn wir den Charakter des „Untersuchungsgegenstandes“ bestimmt haben.
Es besteht m.E. Übereinstimmung, dass „Objekte“/Objekthaftes, Materielles am besten mit naturwissen-schaftlichen Methoden untersucht werden, während für Subjektives, Lebendiges, Geistiges andere Methoden adäquater sind. Wenn wir nun davon ausgehen, dass der Mensch sowohl geistige und seelische als auch körperliche „Anteile“ hat, müsste weiter gefragt werden, welche dieser Anteile im Zentrum der Untersuchung stehen. Das scheinen vor allem die subjektiven, geistig-seelischen Anteile zu sein, die sich am ehesten „geisteswissenschaftlich" erschließen. Das schließt keineswegs naturwissenschaftliche Methoden aus, die eine umso größere Rolle spielen müssen, je mehr sich seelische Erkrankungen körperlich manifestieren oder dort Ursachen haben. Letzteres ist jedoch seltener der Fall.
Die folgende Tabelle soll den „Untersuchungsgegenstand“ Mensch mit seinen beiden Polen: Geist und Seele einerseits und Körper andererseits, sowie deren Charakter, Erkenntniswege und philosophische Richtungen bzw. sich damit beschäftigende Fächer darstellen. Es soll deutlich werden, wie schwierig es ist, den Menschen erkenntnistheoretisch einzuordnen.

Untersuchungs-gegenstand

Charakter des zu Bestimmenden

Methode

Philosophische Richtungen

Fach

Geist, Psyche, Subjekt, Sinn, Wesen

lebendig, unsichtbar, wenig berechenbar, abstrakter, unbewusster, freier z.T. irrational, nicht direkt fassbar, transzendenter

Glaube, Basis-Überzeugungen Verstehen, Einsicht, Intuition, Ideen

Religion
Idealismus

Theologie
Philosophie

Mensch

Empirismus
Skeptizismus

Geisteswissenschaften
Kulturwissenschaften Humanwissenschaften

Körper, Materie, Stoff, Substanz, Objekte

v.a. stofflich, materiell, sichtbar, berechenbar, konkreter, bewusster wahrnehmungsnäher, gebundener, immanenter

Beweise, Wissen Beobachtungen Experimente, Messungen, Rechnen

Materialismus Rationalismus
Positivismus

Naturwissenschaft (Physik, Mathematik) Biologie, Neurowissenschaften


Die unterschiedlichen Positionen sollen einige typische Zitate deutlich machen:

Kontra einseitige Naturwissenschaft

Pro Naturwissenschaft

„Daran erkenn ich den gelehrten Herrn!
Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern,
Was ihr nicht faßt, das fehlt euch ganz und gar,
Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr,
Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht,
Was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht.“
Goethe (Mephistopheles in Faust II).
„Wir fühlen, dass selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind.“ (Ludwig Wittgenstein).
[10]
„Die logischen Gesetze gelten im Unbewussten nicht“
S. Freud
[11]
Die Richtigkeit oder Falschheit eines Systems lässt sich nur außerhalb dieses Systems feststellen. = Gödel´sches Unentscheidbarkeitstheorem.
[12]

Immanuel Kant: Man müsse in der Metaphysik „das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu haben.“ Dabei hat sich Kant nur gegen eine Vereinseitigung der Vernunft ausgesprochen, aber nicht gegen diese.


„Solange man es nicht verstand, an die Untersuchung der Tatsachen zu gehen, stellte man stets a priori allgemeine Theorien auf, die stets unfruchtbar blieben... Der Metaphysiker in der Psychologie räsonierte darüber, was die Seele ist... Es geht nicht an, über die Seele zu räsonieren, ohne die psychischen Prozesse im Einzelnen erklärt zu haben: Der Fortschritt muss hier gerade darin bestehen, dass man die allgemeinen Theorien und philosophischen Konstruktionen über die Seele aufgibt und es versteht, die Untersuchung der diese oder jene psychischen Prozesse kennzeichnenden Tatsachen auf den Boden der Wissenschaft zu stellen." (Lenin)[13]
Nach dem Großinquisitor in Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasow" gibt es Glück für den Menschen nur ohne Freiheit. Glück gibt es nur, wenn der Mensch auf eine Art gehorsame Maschine reduziert wird.

 

Sind Psychologie und Psychiatrie selbst „krank“?

    Sind Psychologie und Psychiatrie selbst „krank“, weil sie, um es scherzhaft zu sagen, auch an leichten „Geisteskrankheiten" leiden, die man „Absolutitis", „Relativitis" und „Nihilitis" nennen könnte, weil durch sie Relatives verabsolutiert und dogmatisiert, Absolutes relativiert und manches Andere negiert oder ignoriert  wird.

Zu dem der Relativitis" zugrunde liegenden Relativismus: „Lehre, dass alle Dinge für uns nur in ihren Beziehungen zueinander, nicht aber als Dinge selbst erkennbar sind.“[14] M.E. nimmt die heutige Wissenschaft, so auch die Psychiatrie und Psychologie (inklusive Psychotherapie) einen relativistischen Standpunkt ein, indem sie sich auf relative Probleme beschränkt. „Gegen den Relativismus wird geltend gemacht, dass seine Grundthese, es gebe keine absolute Wahrheit, in sich ein Widerspruch sei, insofern das Urteil, die Wahrheit sei relativ, für sich selbst Allgemeingültigkeit beanspruche. Ein ernst genommener Relativismus würde Begriffe wie `Wahrheit´, `Wissen´, `Fortschritt´ als Leitregeln menschlichen Strebens ausschließen und Erkenntnis auf den Rahmen von Problemlösungen für technisch-praktische Zwecke reduzieren, ethische Verbindlichkeiten von jeweils faktischen Machtverhältnissen abhängig machen.“[15] Eine rein wissenschaftsorientierte Psychologie oder Psychiatrie spaltet deshalb in ihrem Relativismus, mit dem nur Fakten und ihre Beziehungen untersucht werden, die wichtige, wenn nicht sogar wichtigste Eigenschaft des Menschen ab: seine Einmaligkeit und Subjektivität. Durch diese Einseitigkeit wird sie an Grenzen gelangen, die den Zugang zu tieferen Lösungen psychischer Krankheiten (vor allem der Psychosen) versperren. Auch wird sie durch diese Spaltung des Menschen kaum tiefergehende Spaltungsphänome überhaupt erhellen können.
Man kann, noch weiter gefasst, formulieren: rein wissenschaftsorientierte Psychologie und Psychiatrie werden nicht nur dem einzelnen Kranken nicht gerecht, sondern ihnen werden wesentliche Teile der Wirklichkeit verschlossen bleiben. Mit anderen Worten: sie leiden an einem Realitätsverlust. Insgesamt haben sie die Charakteristika einer zweitrangigen Wirklichkeit, die im Einzelnen in der Gesamtübersichtstabelle (im Anhang) Spalte I nachzulesen sind. Als Teil dieser zweitrangigen Wirklichkeiten können sie selbst, der Logik nach, über andere zweitrangige Wirklichkeiten nur bedingte Aussagen machen.

In Anlehnung an das `böse´ Wort von Karl Kraus: „Psychoanalyse ist jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich hält."[16] sollten wir Psychiater (und Psychologen) uns durchaus fragen, was an unseren Theorien „krank“ sein könnte und ob wir „die Krankheiten des Geistes auf Krankheiten ohne Geist“ (Basaglia) reduziert haben. Leiden wir nicht an „Normitis“, wenn wir jede Abweichung vom „Normalen“ pathologisieren? Die Diagnose „Zwangsneurose“ trifft zu, wenn wir glauben, alles kontrollieren, beweisen und absichern zu müssen. Sind wir nicht auch „submanisch“, wenn wir dem Hype mancher Neurowissenschaftler folgen, sie würden bald alles (oder zumindest das Meiste) geklärt haben. Stimmt nicht auch die Diagnose „Abhängigkeit“ für manchen von uns im Sinn einer Abhängigkeit von der Pharmaindustrie und ihren Versprechungen? Haben wir nicht eine „Phobie“ vor Transzendenz und Spiritualität, weil diese sich nicht beweisen lassen, so dass in der Wissenschaftsliteratur nur selten auf philosophische oder gar religiöse Erkenntnisse und Erfahrung Bezug genommen wird, so als ob die Weisheit vom wissenschaftlichen Fortschritt abhinge.[17] Ein jüdischer Witz erzählt von einem Juden, der überrascht ist, einen anderen Juden in der Synagoge zu treffen, von dem er weiß, dass dieser ungläubig ist. „Warum kommst du hierher? Du glaubst doch nicht an Gott?" fragt er ihn deshalb. „Ja“, antwortet dieser „aber ich weiß nicht, ob ich recht habe.“
Diese Offenheit wäre den Dogmatikern aller Seiten zu wünschen.

Die neuen Gesichtspunkte

1. Psyche/ Psychisches wird anders als üblich eingeteilt.
2. Psyche wird eingebettet gesehen in größere psychisch relevante Zusammenhänge oder Systeme, die eine ähnliche Grundstruktur und Dynamik wie die Psyche selbst haben.
3. Es werden absolute und relative Dimensionen der Psyche bzw. des psychisch Relevanten unterschieden, die deren Charakter und Dynamik im Wesentlichen bestimmen.
4. In „Inversionen“ (Verkehrung von Relativem und Absolutem) wird die Hauptursache für psychische Erkrankungen gesehen.
5. Es werden die Grundannahmen (Ideologien, Weltanschauungen und Religionen), die den gängigen psychologischen und psychiatrischen Theorien zugrunde liegen, auf ihre psychotherapeutische Relevanz hin kritisch reflektiert und optimale Grundannahmen dargestellt.
[18]

Zu 1. Psyche speziell bzw. psychisch Relevantes allgemein teile ich anders als üblich ein:
Ich leite Psyche bzw. psychisch Relevantes von grundlegenden Sprachmustern ab. Das heißt, ich verwende die Sprache als Analogie für das, was psychisch relevant ist, denn mit der Sprache besitzt der Mensch ein Werkzeug, das alles erfasst, was für ihn von Bedeutung ist und nichts psychisch Relevantes ausschließt. Grundlegende Sprachmuster dienen deshalb in dieser Arbeit als Analogie für Grundmuster („Differenzierung“) des psychisch Relevanten allgemein und der Psyche speziell. D
iese Differenzierungen werden nach ihrer Bedeutung weiter in die „Dimensionen“ absolut, relativ oder 0 (unbedeutend) eingeteilt.
Diese Einteilung umfasst wohl die meisten, wenn nicht gar alle anderen Einteilungen der bekannten Psychologien. Und sie geht, vor allem im Gegensatz zur universitären Psychologie, über das nur wissen-schaftlich Erfassbare hinaus, da dieses, so glaube ich, nur einen Teil dessen ist, was Psyche ausmacht.
(Näheres dazu im Teil `Metapsychologie´.)
Zu 2. Durch die Annahme eines ähnlichen Aufbaus (und damit Verwendung einer ähnlichen Terminologie) von Psyche einerseits und anderen psychisch relevanten Systemen andererseits sind deren Beziehungen leichter und klarer darstellbar; z.B. Analogien zwischen Einzelperson und Gesellschaft.
Zu 3. Auf die Frage, welchen Stellenwert das jeweilige psychisch Relevante hat, soll die absolute oder relative „Dimension“ eine Antwort geben. Im Zentrum dieser Arbeit steht so die Frage nach dem Absoluten (oder den jeweiligen Absolutheiten).
Zu 4. Ich versuche im Teil `Metapsychiatrie´ darzustellen, wie durch diese Inversionen fremde, zweitrangige Wirklichkeiten (personale und nichtpersonale) bilden, zu denen auch psychische Krankheiten gehören.
Zu 5. Neben der kritischen Reflexion wichtigster Weltanschauungen, insbesondere des den meisten Psychotherapierichtungen zugrundeliegenden Materialismus, wird eine eigene Theorie und Psychychotherapie entwickelt, die sowohl rein Subjektives als auch Transzendentes mit berücksichtigt. Dadurch werden Theorie und Therapie psychischer Krankheiten wesentlich erweitert.
Ich glaube, dass sich durch dieses Vorgehen z.T. völlig neue Gesichtspunkte bezüglich der Genese und Therapie psychischer Krankheiten, v.a. der Psychosen, ergeben - bewährte wissenschaftliche Erkenntnisse aber gut zu integrieren sind.

- Die in den Fußnoten z.T. unvollständig angegebenen Literaturangaben sind in den Literaturangaben am Schluss der Arbeit vollständig angegeben.

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[1] Diese allgemeine Grundlage kann bei Bedarf individuell ausdifferenziert werden.

[2] 1. Mit Glauben meine ich: Es geht um Plausibilität, darum, dass etwas einleuchtet, verständlich, begreiflich wird, auch wenn es nicht beweisbar ist.
2. Dazu gehören gerade die existenziellen Themen wie Glaube, Liebe, Hoffnung, Treue, Würde, Vertrauen, Hingabe, Trost, Schuld und Verzeihung, Sterben und Tod, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung, Einsamkeit, Leiden. Ähnlich T. Fuchs: „Zentrale Begriffe der Psychiatrie ... sind nur auf dem Weg der philosophischen Reflexion zu erhellen.“ (Lit. 2100, S. 240)

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik  2011.

[4] Arthur Eddington hat ein hilfreiches Bild für die Grenzen von (Natur-) Wissenschaft entworfen. Er vergleicht den Wissenschaftler mit einem Ichthyologen, also Fischkundler, der herausbekommen will, welche Fische im Meer leben. Er benutzt dafür ein Netz. Mit diesem fängt er nur Fische, die größer als 5 cm sind. Er schließt daraus, dass es im Meer nur Lebewesen gibt, die größer als 5 cm sind und bemerkt dabei nicht, dass seine 100% -igen empirischen Erkenntnisse durch die Maschengröße seines Netzes vorgegeben sind ...
Hans-Peter Dürr leitet aus dem Ansatz von Eddington folgende Kennzeichen von Wissenschaft ab: 1. Meist `beobachten wir nicht mehr direkt die Natur, sondern verwenden dazu immer kompliziertere Geräte´ [oder Theorien]. Diese `schieben´ sich zwischen uns und die Natur. Sie bedeuten, dass wir die Natur nicht an sich erkennen, sondern durch eine bestimmte Brille ... 2. Das bedeutet aber, `dass die ... durch wissenschaftliche Methoden beschreibbare Wirklichkeit nicht die eigentliche, die ganze Wirklichkeit darstellt und darstellen kann´ ... 3. Das Objekt einer Naturwissenschaft ist nicht an sich da, ist nicht an sich gegeben, es ist allein das, `was er mit dem Netz fangen kann´. Die Natur ist dem Wissenschaftler immer nur als ein solches `Objekt´, das er durch die Wahl seiner Maschengröße selbst definiert, erkennbar, nie an sich.
Gekürzt aus: Hempelmann, Heinz-Peter: http://heinzpeter-hempelmann.de/hph/wp-content/uploads/2013/01/%C3%A4pfel.pdf  in: ThBeitr. 40. Jg. (2009), S. 201-217.
Ähnlich schon I. Kants `Kritik der reinen Vernunft´.

[5] G. Vinnai: „Die Austreibung der Kritik aus der Wissenschaft: Psychologie im Universitätsbetrieb“ 2013, in:  http://psydok.psycharchives.de/jspui/bitstream/20.500.11780/260/1/Die_Austreibung_der_Kritik_aus_der_Wissenschaft.pdf 

[6] Diese Prioritätenaufzählung gilt, wie gesagt, v.a. in Bezug auf unser Thema. Ein Chirurg oder ein Physiologe wird einer naturwissenschaftlichen Sicht Priorität geben.

[7] Der Begriff der Geisteswissenschaft erscheint mir dann optimal, wenn „Geist“ sowohl den metaphysischen als auch den geistigen und intellektuellen Bereich umfasst. Er beschränkte sich dann nicht nur auf das Wissen, sondern bezöge den Glauben und das Subjekthafte mit ein.
Ähnlich Franco Basaglia, „der Geisteskrankheit als Phänomen begriffen, das nur im Rahmen einer philosophisch-metaphysischen Logik und Wissenschaft adäquat erschlossen werden kann.“ (Wikipedia, 3/2016, STW Basaglia).

[8] Peter Kaiser: Religion in der Psychiatrie, V&R unipress Göttingen 2007 S. 329 ff (zit. aus Internet).

[9] Wie gesagt, beruht aber jede Wissenschaft auch auf Glaubensprämissen.

[10] Ludwig Wittgenstein in Tractus. Zit. bei W. Schüssler Hg. Religionsphilosophie Karl Alber Verlag, Freiburg/ München, 2002 S. 23

[11] zitiert bei Loch S. 75.

[12] s.a. Logik Wörterbuch S. 189

[13] Zitat von Lenin aus Logik Wörterbuch S. 41

[14] Duden: Großes Fremdwörterbuch.

[15] Brockhaus Enzyklopädie, STW Relativismus. Weiteres über diese Problematik siehe in `Metapsychiatrie´ Abschnitt `Totale Relativierung´.

[16] Karl Kraus, Nachts (Zeit); in: G. Fieguth: Deutsche Aphorismen, Reclam Verlag, Stuttgart 1978, S. 227.

[17] Siehe in diesem Zusammenhang z.B. auch: Felix Hasler: `Neuromythologie´ und M. Lütz: `Irre´. (S. Lit.)
Und Karl Jaspers dazu:
Wissenschaft sei in der Psychiatrie wichtig „Aber die Ausschaltung der Philosophie wird trotzdem für die Psychiatrie verhängnisvoll.“ Allgemeine Psychopathologie Springer, Berlin 9. Auflage 1973 S.643.

[18] Solche Grundannahmen werden, wie erwähnt, in der entsprechenden Literatur i.d.R. nicht diskutiert.