IV.  M E T A P S Y C H I A T R I E    Teil l


Zurück zur Startseite (mit Gesamtinhaltsangabe)

Einführung

                                                                          Jede Ideologie ist (potenziell) tödlich -
                                                                                 sie fordert und rechtfertigt unterschiedliche Opfer. (Nach Andrea Mira Meneghin
)

Ich verstehe unter Metapsychiatrie die Theorie, die Psychiatrisches von übergeordneten Standpunkten aus reflektiert. Das sind vor allem weltanschauliche Standpunkte. Metapsychiatrie umfasst aber auch soziologische, psychologische, neurologische, biologische und linguistische Bereiche, weil auch diese sich mit psychiatrisch wichtigen Themen beschäftigen.
[Hinweis: Der Begriff `Metapsychiatrie´ wird im amerikanischen mit etwas anderer Bedeutung und im deutschen Sprachraum nicht verwendet.] [1]
Während die Metapsychologie danach fragt, was alles für unsere Seelen bedeutsam ist, fragt die Metapsychiatrie danach, was davon und wie dieses psychisch krank machen kann oder was an dem psychisch Relevanten selber „krank" ist. Das heißt: Metapsychiatrie handelt von allem, das mit psychischen Krankheiten zu tun hat.
Ich reflektiere diesen Bereich von (allgemein) linguistischen, existenziell-philosophischen und religionswissenschaftlichen Perspektiven aus. Das gemeinsame Thema, um das es hier geht, nenne ich „fremdes psychisch Relevantes“ oder „fremde, zweitrangige Wirklichkeiten“, zu denen auch die psychischen Erkrankungen gehören.
Die Hauptursache für die Entstehung dieses „fremden psychisch Relevanten“ und so auch der psychischen Erkrankungen sehe ich in `Inversionen
´, der Verwechslung eines Absoluten mit etwas anderem, und einer damit verbundenen Bedeutungsumkehr. Es sind vor allem Ideologien oder individuelle dogmatisierten Geisteshaltungen, die solche Inversionen hervorrufen.
Da das uns Menschen Krankmachende nicht nur in uns, sondern auch außerhalb von uns liegen kann, ist eine metapsychiatrische Sicht für unser Thema unerlässlich. Von unserer Umgebung, unseren Mitmenschen oder auch der Natur gehen positive oder negative, gesund- oder krankmachende Einflüsse aus, die aus einer isolierten psychologischen oder psychiatrischen Sicht oft zu wenig beachtet werden, sodass Analyse und Therapie einseitig werden können.

Ich bespreche in diesem Teil `Metapsychiatrie´ wie durch die `Inversionen´ etwas Fremdes, Beherrschendes entsteht - hier allgemein `Es´ und in der Person `Fremd-Selbst´ bezeichnet - welche Charakteristika es hat, wie es wirkt und die Wirklichkeit und Personen verändert und wie so seelische Krankheiten entstehen können.
2]

Hinweise

- Die eben genannten Themen bespreche ich zunächst allgemein und danach nur auf die Person bezogen. Obwohl in beiden Fällen sich Ähnliches abspielt, kann man meines Erachtens aus der allgemeinen Dynamik Rückschlüsse auch auf allgemeine gesellschaftliche (oder gar Umweltprozesse) ziehen, die aus einer lediglich auf die Person bezogene Dynamik weniger gut zu erklären sind. Wegen der Thematik dieser Arbeit steht jedoch die personale Dynamik im Vordergrund. 
- An manchen Stellen verweise ich auf die `
Übersichtstabelle ´, die im Anhang zu finden ist und die einen guten Überblick über alles vermittelt. (Man lese sie mit Zoom).
- Einige Zeilen oder Abschnitte sind in kleiner oder grauer Schrift geschrieben oder mit `fakultativ´ bezeichnet, weil sie für das Verständnis der Arbeit nicht unbedingt wichtig sind.
- Manches wiederholt sich inhaltlich: einmal, weil sich die verschiedenen Themenbereiche überschneiden, zum anderen, weil ich versuchte, das Gemeinte nicht nur allgemein, sondern auch systematisiert darzustellen.
Die Leser können dann einfach die entsprechenden Seiten, etwa die systematischen Darstellungen überblättern, wenn sie das nicht interessiert, ohne dass das Verständnis für das Gemeinte verlorengeht.
- Der Abwechslung halber schreibe ich oft nach einem Begriff hinter einem Schrägstrich (/) einen oder mehrere alternative oder synonyme Begriffe.

- Die Verursachung psychischer Krankheiten durch das negative Absolute (‒A), das ich im Teil `Metapsychologie´beschrieben habe, spielt in diesem Teil nur eine theoretische Rolle, da sich dieses nicht beweisen lässt.

Zu den häufigsten hier verwendeten Begriffen und Abkürzungen
    A = Absolutes [`A´ steht entweder für das eigentliche (erstrangige) Absolute oder für Absolutes allgemein.]

R = Relatives
W = Wirklichkeit/ Welt; P = Person; I = Ich (Abkzg. zusammen: WPI).
   [W¹, P¹, I¹  bzw. W², P², I² = erstrangige bzw. zweitrangige, fremde Formen].
Es = fremde beherrschende Entität mit möglichen folgenden Teilen:

        FA = fremdes Absolutes, als
                Pro-FA = ein FA, dem ein Kontra-FA gegenübersteht.
                Kontra-FA, FA, dem ein Pro-FA gegenübersteht.
                 aFA = absolutistisches fremdes Absolutes
                rFA = relativistisches fremdes Absolutes
        Alles (
") = hier fremdes Alles, das im Gegensatz zum Nichts (0) steht.
     Der Einfachheit halber habe ich es im Text meist nur `Alles´ genannt. Wenn aber seine Fremdheit und Zweitrangigkeit betont werden sollen,
     kennzeichne ich es extra mit einem Sternchen (*).
        F0 oder nur 0 = fremdes, bestimmendes Nichts = Nihilistisches.
FS
= fremdes Selbst (fremder dominierender Komplex in einer Person).

Hinweis: Das Es ist immer dreiteilig, kann aber überwiegend zweiteilig oder einteilig erscheinen. Deshalb spreche ich nicht immer vom ganzen Es, sondern manchmal nur  von seinen Teilen (dann häufig FA statt Es, wenn dessen Charakter im Vordergrund steht) obwohl die nicht genannten Teile an sich immer mit dabei sind.
Der Begriff `fremd´

Als charakteristisches Leitwort/ Kennwort für die häufigste Vorform von Störungen, habe ich das Wort `fremd´ (f) gewählt. Ähnlich könnte man auch sagen: fehlerhaft, falsch, feindlich (für `f´ stehend). Sie klingen jedoch zu negativ oder moralistisch, denn genau genommen handelt es sich nur um überwiegend oder nur langfristig Negatives, das im konkreten Fall durchaus positiv wirken kann. Dass das subjektive Empfinden oft ein ganz anderes als das Objektive ist, dazu später mehr. Synonym zu fremd: zweitrangig, uneigentlich, invers.
`Fremd´ ist begleitet von seinen Gegenteilen `hyperidentisch´ und `indentitätslos´. Man müsste sie immer mitdenken.

   Als charakteristisches Leitwort/ Kennwort für die häufigste Vorform von Störungen, habe ich das Wort `fremd´ (f) gewählt. Synonym dazu: uneigentlich, zweitrangig. Ähnlich könnte man auch sagen: fehlerhaft, falsch, feindlich (für `f´ stehend). Sie klingen jedoch zu negativ oder moralistisch, denn genau genommen handelt es sich nur um überwiegend oder nur langfristig Negatives, das im konkreten Fall durchaus positiv wirken kann. Dass das subjektive Empfinden oft ein ganz anderes als das Objektive ist, dazu später mehr.

Inhaltsübersicht

Unter `Inversion´ verstehe ich Verkehrungen von Absolutem (A) und Relativem (R).
Durch Inversionen werden vor allem Relativa zu fremden Absolutheiten (FA) und Absolutes wird Nichts (0).

Diese Formen bilden zusammen fremde, beherrschende Entitäten, die ich `Es´ nenne.
Diese Es erzeugen „verkehrte“, fremde, zweitrangige Wirklichkeiten (W²) - Grundlage von psychischen Krankheiten.
[Dieses die Wirklichkeit Beherrschende nenne ich v.a. der Abwechlsung halber mal Es oder FA oder in der Peson Fremd-Selbst (FS).
Synonym für `Verkehrungen´ könnte man auch einsetzen: Verdrehungen oder Umkehrungen.]

Die Inversionen und deren Folgen können sowohl im individuellen als auch gesellschaftlichen Bereich stattfinden. Beide Bereiche hängen miteinander zusammen und haben ähnliche Charakteristika und Dynamiken. Da es aber in dieser Arbeit vor allem um seelische Krankheiten geht, steht die Person im Vordergrund. Psychische Krankheiten entstehen dann, wenn personale Komplexe (Zusammenschlüsse personaler Es) bestimmte Charakteristika und Ausmaße erreicht haben. Natürlich könnengesellschaftliche oder `Umweltkomplexe´ seelisch krank machen - dazu müssen sie aber zunächst verinnerlicht, also personalisiert werden.

Folgen wir der Logik dieser Arbeit, so müssen primäre Ursachen von pr Veränderungen/ Störungen, so auch von seelischen Krankheiten, letztlich (!) im Umgang mit dem Absoluten gesucht werden. Sonst haben wir es immer nur mit sekundären Ursachen zu tun - also von Ursachen, die selbst Folge von anderen Ursachen sind. Die Geschichte der Entstehung seelischer Krankheiten beginnt also ursprünglich mit dem Umgang mit dem Absoluten und endet in Störungen, von denen eine seelische Krankheiten sind.
Dabei handelt es sich um einen höchst spannenden und komplizierten Prozess, der an dieser Stelle schon kurz erläutert werden soll.

Eine Inversion hat zwei Anteile, die untrennbar zusammenhängen:
1. Die Verabsolutierung von Relativem (R).
[3]
2. Die Negierung eines eigentlichen Absoluten (A¹).
Zu 1. Durch eine Inversion wird etwas Relatives verabsolutiert oder totalisiert, das sich als ein fremdes Absolutes (FA) bzw. Absolutistisches oder Relativistisches (FR*) etablieren kann. Statt des Primat des Absoluten und der Unterordnung des Relativen (R), gewinnt durch die Inversion () das Relative die Oberhand über das Absolute. Das neue verabsolutierte R hat als FA einen ganz anderen Charakter als das urprüngliche Relative: einerseits ist es an sich relativ, nimmt aber andererseits absolute Züge an, da es nicht mehr durch ein übergeordnetes A relativiert wird. (Durch eine Verabsolutierung wird etwa aus einer relativen Unterschiedlichkeit ein konträrer Gegensatz, aus einer Zweiseitigkeit ein Zwiespalt usw.) Es hat sich so etwas neues Fremdes in einer Wirklichkeit oder einer Person gebildet und verselbstständigt, das diese beherrscht. Im nächsten Schritt bildet dieses neue FA ein Herrschaftssystem. Als neues Absolutes hat es die Macht, sich anderes R zu unterwerfen und zu verändrn, das es dem Einfluss des eigentlichen A entzieht. Es entsteht so ein System mit dem neuen, fremden Absoluten und unterworfenem und verändertem Relativen. Unterwerfung und Spaltung sind zwei Hauptkennzeichen dieses neuen FA-Systems.
Personal gesehen kann man formulieren: Das neue FA unterwirft und verändert die Person in dem Bereich, in dem es herrscht. Wir werden später sehen, dass diese Dominanz des FA über die Person nicht rein negativ ist, sondern auch positive Seiten hat. Dieses Faktum spielt für das Verständnis der Entstehung der seelischen Krankheiten eine wesentliche Rolle.
Zu 2. Parallel zur Etablierung dieses fA-Herrschaftssystems geht ein Verlust von eigentlichem Absolutem einher.
Diese drei tatsächlichen Absolutheiten werden negiert: 1. Das +A, 2. das ‒A, 3. das `Wahlabsolute´.
Damit geht auch entsprechende eigentliche Welt/ Wirklichkeit/ Personalität verloren. Statt einer ausschließlich eigentlichen Welt/ Wirklichkeit/ Person finden wir nun daneben fremde Welten/ Wirklichkeiten/ Personales.

    Damit ist dieser Prozess aber nicht abgeschlossen. Da jedes neue FA bald in einen Gegensatz zu anderen Absolutheiten gerät, beginnt, kaum hat sich ein FA-System etabliert, ein Kampf der Absolutheiten untereinander um die Vorherrschaft in den betreffenden Wirklichkeits- bzw. Personbereichen. Das heißt, wir sind meist vielfältigen Gegensätzlichkeiten und Spannungen ausgesetzt, deren Grundlage „Systeme“/ Komplexe von sehr unterschiedlichem Charakter sind. Einerseits bekämpft ein FA andere FA, andererseits paktiert es mit noch anderen. Schließlich stehen alle FA im Gegensatz zu den eigentlichen A. Und letztendlich ist jedes FA bzw. Es in sich selbst gespalten und widersprüchlich. Solange die Inversionen bestehen bleiben, bleibt diese Auseinandersetzung bestehen. Deshalb findet die Welt/ die Person keine Ruhe und ist bezüglich der psychischen Erkrankungen immer gefährdet.

    Kehren wir zu folgender Hypothese zurück: Es gibt eine Vielzahl von inneren und äußeren Welten bzw. Wirklichkeiten: eine eigentliche +Welt und eine Unzahl mehr oder weniger fremder, zweitrangiger Welten.[4] Alle diese Welten sind absolut und relativ (AR)-dimensioniert und „bestehen“ aus SLQ und deren Z,[5] oder, differenzierter, aus 23 Aspekten und deren Zusammenhängen. Die verschiedenen Welten werden durch deren jeweilige Absoluta bestimmt. Diese bilden Zentrum und Grundlage für die von ihnen abhängigen relativen Bereiche.
Wie wir leben, auch ob wir gesund oder krank sind, hängt von den äußeren und inneren Welten/ Wirklichkeiten ab. Da diese jeweils A-bestimmt sind, hängt unser Leben also vor allem von diesen A ab. Für das Individuum unmittelbar bestimmend ist zunächst dessen innere Welt, mittelbar auch dessen äußere Welt (Umwelt), soweit sie ins Innere der Person hineinwirkt. Dabei wird eine wichtige Frage sein, wie sehr die jeweilige Person ihr Inneres vor einer krankmachenden Umwelt schützen kann.
Die eigentliche Welt ist an sich stärker als die uneigentlichen, fremden Welten/ Wirklichkeiten. Sie ist +A bestimmt, während die uneigentlichen Welten durch fremde Absoluta dominiert werden. Letztere sind, wie gesagt, eigentlich Relativa, die aber eine absolute Rolle spielen.

Während es in der Metapsychologie ganz allgemein um AR-dimensionierte Systeme geht, stehen in der Metapsychiatrie fremde Systeme, also FA/Es-Komplexe im Mittelpunkt, wobei die personalen Veränderungen unser Hauptthema sind.

Schwierigkeiten bezüglich des Verständnisses von Verursachung und Charakter psychischer Erkrankungen haben v.a. folgende Gründe:
• Die Person ist in größere Zusammenhänge eingebettet.
• Die Ursachen für Erkrankungen können außerhalb des Erkrankten liegen.
• Folgen von Ursachen wirken sich keineswegs nur beim Verursacher aus.
• Die Ursachen psychischer Krankheiten sind oft verdeckt, unbewusst, chiffriert und sehr komplex.
• Jede Inversion  streut so, dass sie vielerlei Störungen verursachen kann, so wie eine Störung von vielerlei Inversionen  stammen kann.

• Inversionen können sich auch anders als in psychischen Störungen äußern.
• Negatives bewirkt nicht unbedingt Negatives und Positives nicht unbedingt Positives.
• Die Ursachen psychischer Krankheiten können auch im Positiven liegen.
• Subjektives Erleben und objektive Sicht stimmen oft nicht überein: D.h. entstehende Störungen müssen von dem Betroffenen keineswegs nur negativ erlebt werden.
• Störungen oder deren Ursachen können auch von der Gesellschaft positiv bewertet und deshalb gefördert werden (z.B. Arbeitssucht).
• Krankheiten sind objektiv nicht absolut negativ und Gesundheit nicht absolut positiv.

Wie Inversionen fremde Wirklichkeiten erzeugen


                                                                                                                                         „Hypothesen sind Netze, nur der wird fangen, der auswirft.“  (Novalis)

Eine wichtige Hypothese lautet: Inversionen erzeugen fremde, zweitrangige Wirklichkeiten, die wiederum wichtigste (aber nicht einzige) Grundlage für die Entstehung seelischer Erkrankungen sind.
[6]
Zu diesen fremden, zweitrangigen Wirklichkeiten gehören vor allem fremde, zweitrangige Welten, fremdes, zweitrangiges Personales und Individuelles.[7]
`Fremd´und `zweitrangig´ oder `zweite´sind gleichbedeutend; Abkürzung: ² oder 2.
WPI² oder 2.WPI steht für zweitrangige, fremde Welt/ Person/ Ich.

Die Besprechung der Wirklichkeiten folgt im Wesentlichen der bisherigen Einteilung des psychisch Relevanten in Dimensions- und Differenzierungsaspekte.
Auf der Basis invertierter Dimensionen wird zunächst die Bildung fremder Wirklichkeiten allgemein, dann speziell die von fremdem Personalem (P²/ I²) nach den Hauptdifferenzierungsaspekten (Sein, Leben, Qualitäten) und ihren Zusammenhängen betrachtet und dann gegebenenfalls noch weiter differenziert (23 Einzelaspekte).
Dem ersten Hauptaspekt folgend wird zunächst die Bildung neuer fremder Seinsformen dargestellt und gezeigt, wie sich fremdes, absolut Gesetztes zu etwas (FA/ Es) materialisiert und dieses 2.Wirklichkeiten (allgemeine und personale) bildet.
Im nächsten Kapitel, der den zweiten Hauptaspekt („Leben” bzw. Dynamik) beinhaltet, soll gezeigt werden, wie die Dynamik dieser 2.Wirklichkeiten, insbesondere der personalen Formen, ist.
Der 3. Hauptaspekt, der der Qualitäten, wird nicht in einem gesonderten Kapitel behandelt, denn die genannten neuen Seinsformen und Dynamiken werden schon unter dem Aspekt verschiedener Qualitäten (vor allem einer positiven und negativen bzw. pro- oder kontra-Qualität) gezeigt.
In einem weiteren Kapitel werden die Zusammenhänge in den zweitrangigen Wirklichkeiten, vor allem in der Person oder zwischen Personen dargestellt.
Wegen der umfangreichen Thematik kann manches nur kurz ausgeführt werden, vor allem, wenn es mit der Entstehung seelischer Krankheiten nur indirekt zu tun hat. Dagegen werden die Seinsformen und Dynamiken, die direkter seelische Krankheiten hervorrufen oder fördern, ausführlicher dargestellt.
Formeln:
WPI → Inversion = A/R-Verkehrungen→ FA/ Es → WPI² → Krankheit.
Als Kürzel: WPI → Etwas* → Es → ²→ K.
Insgesamt kann man die entstandenen zweitrangigen Wirklichkeiten mit ihren Einheiten, Dimensionen und Differenzierungen formelhaft so darstellen:
[A / R  + / – / 0  WPI  SLQZ 23]².

 `Inversionen´ - Verkehrungen des Absoluten und Relativen

                                        „Die Dinge selbst haben bereits ihren Rang, bevor wir sie einordnen. Es gibt Dinge ersten Ranges und Dinge niedrigste Ordnung. …
                                         Durch jede Überschreitung des erlaubten Raumes fühlen sie sich misshandelt … die auf den letzten Platz verwiesenen erstrangigen  Dinge verkümmern, sterben an Erschöpfung.
                                         Umgekehrt aber … geschieht es, dass die auf den ersten Platz geschobenen … Dinge keineswegs gedeihen, sondern austrocknen und zerschellen.“

                                        José Hortega y Gasset (in "Triumph des Augenblicks - Glanz
der Dauer").

Ich wiederhole zunächst wichtiges Metapsychologisches:
Ich unterscheide absolute und relative Dimensionen (und das Nichts).
Die Dimensionen können jeweils erstrangig (= eigentlich) oder zweitrangig (= fremd) sein.
Ich unterscheide also:
Erstrangiges Absolutes und Relatives und zweitrangiges Absolutes und Relatives.
Dieselbe Einteilung verwendete ich bei der Unterscheidung verschiedener Ursachen und Folgen:
1. erstrangige (eigentliche) Ursachen
    a. absolute Ursachen für
    b. Relatives (das wiederum sekundäre `Ursache´ für anderes Relatives sein kann).
2. zweitrangige (fremde) Ursachen
    a. Fremdes Absolutes (FA), als Ursache für
    b. fremdes Relatives
[Im Folgenden spreche ich der Einfachheit halber nur von erstrangig oder eigentlich bzw. zweitrangig oder fremd].
Wenn ich in dieser Arbeit eigentliche von fremden Absolutheiten und damit eigentliche von fremden Ursachen unterscheide, dann ist mir das für das Verständnis der Genese psychischer Erkrankungen besonders wichtig. Warum?
Ich möchte das hier nur kurz erklären.
Ich glaube, jeder Mensch hat, wie erwähnt, unabhängig von allen Unfreiheiten, eine eigene absolute Wahlmöglichkeit. Er kann in dieser absoluten Freiheit ein eigentliches + oder − Absolutes wählen oder er wählt ein Relatives als Absolutes, das dann ein fremdes Absolutes (FA) ist. Dieses unterscheidet sich in seinem Charakter wesentlich vom eigentlichen Absoluten und stellt, wie gesagt, (neben dem −A) die wichtigste Grundlage für das Entstehen psychischer Krankheiten dar.

Definition

Unter `Inversion´ verstehe ich Verkehrungen/ Verdrehungen von eigentlichem Absoluten (A) und Relativem, die zur Bildung von neuen, fremden, beherrschenden Entitäten (`Es´) führen, die zweitrangige, fremde, „verkehrte“ Wirklichkeiten bilden, zu denen auch seelische Erkrankungen gehören.

Ähnliche „Definitionen“:
- Etwas ungenauer:
`Inversion´: Verwechslung von eigentlichem Absoluten (A) und Relativem.

- Inversionen = v.a. Ideologisierungen, im Sinn allgemeiner oder individueller Dogmatisierungen, die Menschen dominieren und mit einer Negierung eigentlicher Absolutheiten verbunden sind.
- Aus religiöser Sicht könnte man auch formulieren: Inversionen bestehen darin, dass Gott und das eigentliche Selbst durch Fremdes ersetzt werden.
  Inversion bedeutete auch, in der Sprache D. Bonhoeffers, wenn man das Letzte (Gott) durch ein Vorletztes (z.B. das Irdische) ersetzt.
- Inversion = Sich in der „Himmelsrichtung“ irren.
- Inversion = Der Mensch verlässt oder verliert seine Mitte und wird nun von fremden Mächten beherrscht. Er wählt oder lässt etwas Fremdes in sein
  personales Zentrum und gibt eigentliches Absolutes auf.
- Inversion = Existenzielle Positionsumkehrung.
- Inversion im engeren Sinne: Geist-Materie-Umkehr. Auch: die Herrschaft der Dinge über den Geist.
- Verlust des Urvertrauens und Ersatz durch sekundäres Vertrauen.
- Inversion geschieht dort, wo sich Menschen unterwerfen oder unterworfen werden; Wo Menschen ihre Freiheit, ihre Wahlmöglichkeiten verlieren;
  Wo Menschen vom Muss diktiert werden.

Ich werde später genauer besprechen, dass Inversionen keine eingleisige Sache sind, sondern dass sie aus zwei Hauptdynamiken (`Hauptanteile ´) bestehen, die gleichzeitig ablaufen:
1. Fehlverabsolutierung
2. Negierung
D.h. Fehlverabsolutierung von Relativem  bzw. von etwas das nicht absolut ist und gleichzeitig Negierung des eigentlichen Absoluten.
Auf die Person bezogen: P gewinnt Zweitrangiges und verliert Erstrangiges. Der Gewinn des Zweitrangigen spielt dabei für die später zu besprechende Krankheitsdynamik eine große Rolle. 

Synonyme und ähnliche Begriffe

Inversion = Verkehrung, Verdrehung, Ersatz durch, Umkehrung, Umdrehung, Pervertierung von pr Dimensionen.
Ähnlich der Begriff `Ideologisierung´.[8]
Invertieren = verkehren, umkehren, umwenden, z.T. ersetzen durch; invertiert = verkehrt, umgekehrt; invers (= verkehrt, umgedreht z.B. inverse Funktion).
Invertat = das Verkehrte, Verdrehte, Ersatz; d.h. die verkehrten, verdrehten (dogmatisierten) pr Dimensionen bzw. Geisteshaltungen, die im Wesentlichen den Ideologien entsprechen.
Ich verwende in dieser Arbeit die Begriffe `Invertieren´ und `Inversion´ praktisch synonym, obwohl der Begriff `Invertieren´ eher für bewusst-gewollte Aktionen und der Begriff `Inversion´ eher für unbewusste Vorgänge steht.

Zur Verwendung der Begriffe `Inversion´ und `Ideologisierung´:
Der Begriff `Ideologie´ wird in der Literatur unterschiedlich definiert und verwendet. Er hat i.d.R. eine abwertende Bedeutung, wobei häufig die Dogmatisierung der Ansichten - im Gegensatz zu dem Begriff `Weltanschauung´ - hervorgehoben wird. „Heute wird der Begriff Ideologie fast nur noch als Bezeichnung für eine unechte, aus materiellem, auch politischem Interesse nur vorgetäuschte Weltanschauung benutzt …“.[9]
Es gibt eine reichhaltige Literatur zum Thema `Ideologiekritik´.[10]

`Ideologie´ steht in dieser Arbeit als Leitbegriff für alle inversiven Geisteshaltungen, auch die individuellen.
Wichtig: Jede Ideologie hat neben negativen auch positive Seiten. Sie ist umso besser, je mehr sie dem noch zu besprechenden positiven Absoluten ähnelt und umso schlechter und krankmachender, je gegenteiliger sie zu diesem ist oder, anders gesagt, je weniger Liebe sie vermittelt. Jede Ideologie verlangt Opfer.
 Mit dem Begriff `Inversion´ möchte ich deutlich machen, dass es neben der Dogmatisierung einer Weltanschauung bzw. Geisteshaltung zusätzlich zu einer Negierung primärer, eigentlicher, freier Geisteshaltungen kommt, was durch den Begriff der `Ideologien´ bzw. `Ideologisierung´ nicht deutlich wird.
Dennoch verwende ich, der Einfachheit halber, in dieser Arbeit beide Begriffe praktisch synonym, es sei denn, ich will bestimmte Unterschiede deutlich machen.
Ich versuche in dieser Arbeit neben einer Ideologiekritik auch eine ideologiefreie Weltanschauung vorzustellen, d.h. eine, die vom Zeitgeist, von Klassen, von gesellschaftlichen Verhältnissen, Parteien usw. unabhängig ist.

Wo spielen sich Inversionen ab?

Inversionen bzw. Ideologisierungen sind primär geistiger Natur: Durch eine bestimmte Idee kann eine Ideologie entstehen.[11]
Inversionen bzw. Ideologisierungen und ihre Folgen spielen sich zwar sowohl im materiell-somatischen, als auch geistig-seelischen Bereich ab.
Ich glaube jedoch, dass allererste Ursachen im geistigen Bereich liegen, die dann wiederum materiell-somatische Veränderungen hervorrufen können, wobei diese Veränderungen wiederum als nunmehr sekundäre Ursachen für weitere Veränderungen in Frage kommen. Man wird jedoch das Primat einer geistigen (oder ideellen) Verursachung ebenso wenig wie das Primat einer materiellen Verursachung beweisen können.

Kann Geist neue Wirklichkeiten erzeugen?
(Ontogenese des Es)

Hypothese: Geist kann neue, fremde Wirklichkeiten/ Wesenhaftes/ Entitäten erzeugen (Ontogenese).

„Ontogenese… (von griechisch οντογένεση; Kompositum aus ον on, Wesen´ und γένεση genése, `Geburt´, `Entstehung´.“[12]
Hier verstanden als Geburt eines neuen Wesenhaften, einer nf Entität - aus Geist, aus Information.[13]
Dieses fremde „Wesen(hafte)“, unser Es, ist letztlich ein Schein- oder Ersatzwesen, denn ihm liegt nur ein Schein- bzw. Ersatzabsolutes - eben das Fehlverabsolutierte - zugrunde.
Sonst versteht man unter Ontogenese:
- Allgemein die Geschichte des strukturellen Wandels einer Einheit ohne Verlust ihrer Organisation.
- Im engeren Sinne bezeichnet der Begriff Ontogenese (im Gegensatz zur universellen Stammesgeschichte, der Phylogenese) in der Entwicklungspsychologie und Psychoanalyse die individuelle (psychische) Entwicklung (präziser: Psychogenese).
- In der Biologie und Medizin die individuelle Entwicklungsgeschichte (nach Ernst Haeckel 1866), also die Entwicklung des einzelnen Lebewesens von der befruchteten Eizelle zum erwachsenen Lebewesen.[14]

Man könnte auch von einer Materialisierung des Geistes, d.h. der Entstehung von Materie aus Geist sprechen.
Sie hätte eine Parallele in der Transformation von Energie zu Materie. Einsteins `E = m x c²´ bedeutet: Materie kann aus Energie entstehen. Spricht man dem Geistigen Informationsgehalt zu, so wird auch die Grenze zwischen Natur- und Geisteswissenschaften und die damit verbundene Problematik deutlich. Dazu zwei Zitate:
„In den Naturwissenschaften geht es um kausale Erklärungen, in den Geisteswissenschaften um das Verstehen von Sinn. Dieser Gegensatz verliert mit dem Einzug des Informationsbegriffes in den Naturwissenschaften zunehmend an Bedeutung." „Die Natur ist ... im Wesentlichen Materie, Energie und Information. Dabei gilt für Materie und Energie ... ein Erhaltungssatz. Ein solcher gilt für die Information nicht: Informationen kann erzeugt und vernichtet werden."[15]
Hypothese: Inversionen sind ursprünglich Geisteshaltungen, die sich umso mehr organisieren und materialisieren, je länger sie von dem Betreffenden eingenommen werden. Es bilden sich dann entsprechende materielle Repräsentanzen, Strukturen (FA/Es-Komplex) mit entsprechenden Funktionen. D.h. FA/Es und ihre materiellen Repräsentanzen können relativ konstant aber auch so flüchtig sein, wie man etwa kurzzeitig vom Anblick einer attraktiven Frau gefesselt sein kann. Allerdings stecken hinter solchen flüchtigen FA meist andere tiefer gelegene FA.[16]

Andere Begriffe und Themen in diesem Zusammenhang (fakultativ)

„Entität (neulat. entitas von lat. ens, seiend) ist in der Philosophie ein ontologischer Sammelbegriff, der alles Existierende bezeichnet. So werden Gegenstände, Eigenschaften, Prozesse usw. als Entitäten in einer Oberklasse zusammengefasst. Traditionell bezeichnet der Ausdruck das unspezifizierte Dasein von etwas…“
„Reifikation bedeutet (falsche) Vergegenständlichung, d. h. die Betrachtung einer Vorstellung, eines Synonyms oder einer Floskel, als würde ein konkreter Sachverhalt oder Gegenstand beschrieben werden. Beispiel: `Sein guter Engel hielt ihn davon ab, in diesen Zug zu steigen.´“
Autogenese als Begriff aus der Psychologie, „der … als Bezeichnung für eigenverantwortliche Lebens- und Selbstgestaltung verwendet wird. Der Ausdruck Autogenese wird wissenschaftlich in anderem Kontext auch für Ontogenese verwendet.“
[17]
Autopoiesie s.u.
Kreationismus und Evolutionismus Wichtige Vertreter:
[18]
- Henri Bergson, der in seiner Lebensphilosophie die schöpferischen Aktivität des Lebens (élan vital) in den Mittelpunkt stellte und das Individuum als eine „fließende, rational nicht festhaltbare, unzerlegbare Mannigfaltigkeit und das Leben nur durch eigenes Erleben, nur durch Intuition begreifbar“ sah.
- Darwin bzw. Darwinismus. Grundlagen: „Veränderlichkeit der Lebewesen (Variabilität), Vererbung (Heredität) und Überproduktion von Nachkommen … Aus dieser Überproduktion sieht der Darwinismus einen Kampf ums Dasein unter den Lebewesen hervorgehen, der zu einer Auslese (Selektion) führt, diejenigen, die wegen unzulänglicher Eigenschaften den Kampf nicht bestehen, gehen zugrunde … diejenigen, die ihn infolge günstiger Eigenschaften und Fähigkeiten bestehen, erhalten ihre Rasse, indem sie sich fortpflanzen und ihre Eigenschaften durch Wahl geeigneter Fortpflanzungspartner (Zuchtwahl) auf ihren Nachkommen vererben.“
s.a. Sozial-Darwinismus
- Lamarck, der, im Gegensatz zu Darwin, die Vererbung der aus Gewohnheiten erworbenen Eigenschaften postulierte.

Ich glaube, 1. Dass Darwin und Lamarck Recht hatten, die Lamarcksche Theorie jedoch zu wenig beachtet wird.
2. Dass Kreation und Evolution nebeneinander bestehen und sich nicht ausschließen, wie das Kreationisten und Evolutionisten tun. Damit hängt das Problem zusammen, ob es eine ureigene, nicht ableitbare Kreativität gibt.

Was geht den Inversionen voraus? [19]
1. Ausgangssituation (wie bei Adam und Eva)

Die biblische Urgeschichte steht für mich exemplarisch für die Entstehung dieser fremden Wirklichkeiten, der „Welt“. Sie hat sich aber auch vielfach in anderen Geschichten niedergeschlagen. (z.B. Goethes `Faust´).
Die Schlange sagt uns: „Du wirst sein wie Gott …“.[20] Dahinter steckt eine bestimmte Idee, die uns verführt und an Gott zweifeln lässt. Ich sehe darin ein Grundmuster der Inversionen bis heute. Dieses Grundmuster finden sich ganz allgemein in den unterschiedlichsten Ideologien, speziell auch in Verführungen etwa durch Drogen, Prostitution, Populisten oder irgendwelchen `Führern´, aber auch ganz unauffällig in vielen Alltagsgeschichten.
Die Verführer dienern sich an, geben uns kostenlos irgendwelche Köder und wir inthronisieren dann etwas, das uns als das Absolute erscheint, das uns aber früher oder später beherrscht.
Gibt es einen gemeinsamen Nenner für dieses Geschehen?
Die biblische Geschichte sagt: Wir wollen unser eigener Gott sein.[21] Deshalb verlassen wir das Paradies und bilden unsere eigenen, zweitrangigen Wirklichkeiten mit den unterschiedlichsten fremden Göttern und ihren Versprechungen, aber auch fremden „Teufeln“ und ihren Bedrohungen. Dahinter steckt nicht unbedingt immer eine Hybris, wie das oft gesagt wird, sondern eher menschlich verständliche Sehnsucht nach einem allmächtigen Absoluten.[22]
So, wie man sagen kann: Wir verlassen Gott und dienen fremden Göttern, so kann man auch sagen: Wir verlassen uns selbst und werden uns fremd. Ganz am Anfang, also vor der eigentlichen Inversion, steht aber zunächst i.d.R. eine verführerische Idee nach einem neuen fremden positiven Absoluten - oder aber auch eine Bedrohung durch ein fremdes negatives Absolutes. Auch nach der Psychoanalyse sind Versuchungs- und Versagungssituationen von besonderer Bedeutung.
Ich glaube, die Geschichte von Adam und Eva ist sowohl zeitlich, als auch überzeitlich-symbolisch zu verstehen.
Steht diese Geschichte nicht für uns alle? M.a.W.: Ist nicht jeder von uns Adam oder Eva? Jedenfalls kann ich mich gut mit Adam identifizieren. Essen wir nicht täglich die Äpfel vom Baum der Erkenntnis und machen daraus Ideologien, die uns kurzfristig gut erscheinen, langfristig aber schaden? „Der Kern aller Versuchung ist das Beiseiteschieben Gottes ... sie lädt uns gar nicht direkt zum Bösen ein … sie gibt vor, das Bessere zu zeigen … Sie tritt zudem unter dem Anspruch des wahren Realismus auf ... Es geht um Gott: ist er der Wirkliche, die Wirklichkeit selbst, oder ist es nicht? Ist er der Gute, oder müssen wir das Gute selber erfinden? Die Gottesfrage ist die Grundfrage, die uns an den Scheideweg der menschlichen Existenz stellt.“[23] [24]

2. Wahl, Entscheidung, „Primärvorgang“

Viele von uns haben eine tiefe Sehnsucht nach dem Absoluten. Nach absoluter Liebe, Ewigkeit, ewigem Glück, ewigem Leben usw.
Wenn uns jemand dieses Absolute verspricht, haben wir, wie das schon Kiergegaard festgestellt hat, diesem Absoluten gegenüber absolute Wahlfreiheit. Wir können Gott und vieles andere Absolute bzw. absolut Erscheinende wählen oder auch abwählen. Mir scheint, S. Freud meinte mit „Primärvorgang“ und „Lustprinzip“ Ähnliches, wonach alle psychischen Vorgänge danach streben, Lust zu gewinnen und Unlust zu vermeiden.
So auch F. Nietzsche: „Denn alle Lust will Ewigkeit!“[25]

Warum invertieren wir?

Aus unterschiedlichsten Gründen. Am häufigsten ist die unbewusste Übernahme von FAs von den wichtigsten Bezugspersonen in der Kindheit oder schon pränatal.
Seltener sind Inversionen, die primär von dem Betreffenden selbst stammen und sicher noch seltener, wenn diese ganz bewusst-gewollt vollzogen werden. Vor allem dann wird uns das Invertieren anfangs kurzfristige Vorteile bringen und eine gewisse Allmacht vortäuschen können. Wenn wir etwas oder jemanden verabsolutieren, sind wir wie in der Rolle eines Königmachers. Derjenige, der den `König´ macht, ist, zumindest anfangs, noch mächtiger als der König selbst. Ja irgendwie scheinen wir allmächtig, denn wir können bestimmen, wer oder was König wird. D.h. die Verabsolutierung von etwas/jemand geschieht dann aus einer eigenen absoluten, quasi allmächtigen Position. Ich vermute, dass wir in den meisten Fällen nicht überblicken, dass das von uns Verabsolutierte uns später beherrschen wird. Denn wir, die wir anfangs den König bestimmten, werden nun von ihm bestimmt. Wir müssen nun tun, was er (bzw. der FA/Es-Komplex) `will´. Obwohl wir nun wie die Sklaven unseres Königs geworden sind, nehmen wir doch noch teil an dessen Absolutheit, die wir ihm einst gaben. Es ist immer noch unser König, der uns versklavt. Wir sind auch Er bzw. wir sind auch FA/Es, auch wenn es uns noch so bedrückt und zwingt. Ich habe im Laufe meines Lebens nicht nur an mir, sondern auch an vielen anderen Menschen gesehen, dass diese unterdrückende Position, in die wir uns begeben haben, dieses Ich-muss-Unbedingt, nicht nur bedrückend und erniedrigend ist, sondern, mehr im Geheimen, durchaus auch erhebend oder auch überheblich sein kann. Z.B. „Ich bestimme, was gemacht werden muss!" Oder „Einer muss es ja machen!“ Oder, mehr im Stillen: „Nur ich kann das machen!“ o.ä. Also eine Position, die im wahrsten Sinn des Wortes zwiespältig, hybrid ist. Wäre diese Position nur erniedrigend und bedrückend, würde sie bald aufgegeben. Weil sie uns aber, wenn auch indirekt und um den Preis der Selbstaufgabe, erhöht, erhalten wir sie. Und wir zahlen den Preis der Selbstaufgabe auch gerne, weil das eigentliche Selbst (bis auf das `Wahlabsolute´) nur teilmächtig und von Gott abhängig ist, während dieses andere, fremde Selbst,  das den König machte, allmächtig erscheint und indirekt weiter besteht, solange unser König, unser Absolutes, noch lebt. Wie viele Selbstgespräche und therapeutische Gespräche habe ich nicht geführt, um mir und meinen Patienten Mut zu machen, uns von dieser inneren Tyrannei, diesen vielen Unbedingt-Müssen, zu befreien. Wie oft aber habe ich festgestellt, wie groß der Widerstand dagegen ist. Wir sind stolz darauf, uns für diese oder jene Sache zu opfern, denn es hat etwas Heroisches, für irgendetwas oder irgendjemanden zu sterben.
Wie gesagt, kann man sich aber auch aus Not oder Angst an Relatives anklammern und so invertieren und nicht nur aus einer Hybris heraus.

Inversionen und Folgen aus der Sicht der Sprachanalogien

Betrachten wir die Thematik unter dem Gesichtspunkt der grammatikalischen und syntaktischen Analogien, so erinnern wir uns der Hypothese: Psyche habe zu tun mit dem, was Substantive, Verben und Adjektive repräsentieren[26] - also mit „Strukturen“ (Formen), „Bewegungen“ und „Qualitäten“ - und psychisch relevante Zusammenhänge habe etwas zu tun mit dem, was Subjekte und Prädikate repräsentieren.
Wir hätten also bei Inversionen zu untersuchen: Was ändern sie an den „Strukturen“ (Formen), „Bewegungen“ und „Qualitäten“ und was an den Zusammenhängen? In den nachfolgenden Analysen des Geschehens versuche ich, mehr oder weniger konsequent, bei jedem neuen Schritt auch danach zu fragen, welches die entsprechenden Substantiv-, Verb- und Adjektiv-Repräsentanzen sind (morphologische Analyse) und wie die Subjekt-/Objekt- bzw. Prädikat-Zusammenhänge sind (syntaktische Analyse). Salopp formuliert: Was ändert sich an den „Substantiven“, „Verben“ und „Adjektiven“ und was und wie ändern sich die „Subjekt-Objekt/ Prädikatbeziehungen“ in uns? Zwar kommt es dadurch, wie in der Sprache selbst, zu Überlappungen, doch würde so größtmögliche Vollständigkeit der Betrachtung garantiert.
Übersetzen wir die oben genannten Schritte in diese Sprachanalogie so könnte man formulieren:
Im ersten Schritt wird gezeigt, wie der Mensch, in der Rolle eines primären Subjekts, ein Objekt (das Relative) zum primären Subjekt macht (und dadurch selbst zu dessen Objekt wird). Als solches kann er, neben der Objektrolle, nur als sekundäres, zweitrangiges Subjekt fungieren (syntaktische Analyse). Es besteht auch hier eine Analogie zur Grammatik: Das Subjekt zwingt über ein Verb als Prädikat dem Objekt bestimmte Formen auf. „Das Objekt wird vom Verb `beherrscht´.“ (W. Jung)[27]
Genauer:
WPI fungiert als Subjekt (Beispiel: Ich als Subjekt) „Ich invertiere“ (Grammatik: Tätigkeitsverben). Als Objekte fungieren Relatives (Etwas) und Absolutes (personaler Geist).
a) Verwandlung/ Inversion: Relatives (etwas) und Absolutes (personaler Geist) werden  invertiert (Grammatik: Partizip Perfekt, wobei das Partizip Perfekt sich in ein Adjektiv verwandelt, wenn es nicht korrigiert wird).
b) Verwandlung der Objekte (R und A) in Subjekte²: Vorgang, der grammatisch durch Vorgangsverben dargestellt wird. „Es invertiert sich“: das invertierte Relative zum fremden Absoluten (FA), bzw. Alles² und das Absolute zum Nichts² - die Hauptanteile des Es.
c) Wirkungen des Es auf WPI: das Es fungiert jetzt als Subjekt² und WPI als Objekt²: Es invertiert WPI (Verben des Wirkens).
d) Reaktionen von WPI²: WPI² fungiert jetzt als objektales Subjekt („Sobjekt“). Die Reaktionen von WPI² sind vor allem Sekundäraktionen/ Reaktionen und Vorgänge (repräsentiert durch personale Vorgangsverben).
[Die Übersichtstabelle folgt im Wesentlichen dieser Einteilung}.

Kurzfassung:
WPI [Subjekt¹] invertieren [Tätigkeitsverben] → AR¹ [Objekt¹] verwandelt sich [vom Partizip Perfekt über Adjektiv zum] → Es [nf Subjekt²] wirkt und verändert WPI [Objekt²] → WPI² [„Sobjekt“] reagiert, funktioniert [sek. Tätigkeitsverben, Vorgangsverben ].

Unterscheide
Absolute/ „relative“ Inversionen

Ich spreche von Inversion bzw. Invertieren hier nur in dem Sinn einer „absoluten Inversion“, wenn also Verhalten oder Einstellungen eines Menschen den Absolutbereich der Person verändern. D.h. auch, dass keineswegs jedes Fehlverhalten, jede fragwürdige Einstellung der Menschen in diesem Sinne inversiv wirkt. Natürlich rufen solche Verhaltensweisen auch Änderungen oder Störungen hervor, die aber durch entsprechende Absolutheiten/ übergeordnete Dimensionen kompensiert oder „gelöscht " werden.
Solche „relativen Inversionen“ sind entweder Ausdruck einer tieferliegenden eigentlichen Inversion (die also den Absolutbereich betrifft) oder sie sind durch ein positives Absolutes kompensiert und haben dadurch keine weitergehende Wirkung. Im anderen Falle, im Falle der Verabsolutierung jedoch, wird die höchste Ebene verändert, sodass deren Veränderung sich dann auf viele, ihr untergeordnete Relativbereiche erstreckt. Außerdem betreffen auch diese Veränderungen, wie wir das bei der Komplexbildung sehen werden, auch mehr oder weniger alle anderen fremden absoluten Bereiche, mit denen dann paktiert oder gegen die gekämpft wird oder die sich gegenseitig neutralisieren (um nur die wichtigsten Reaktionsmöglichkeiten zu nennen).
Nicht krankmachend sind also relative „Inversionen“ z.B. relative Aussagen bzw. Verhaltensweisen, die inadäquat oder falsch sind.

Existenzielle und alltägliche Inversionen

Nicht nur die großen Menschheitsthemen, sondern auch Alltägliches wie Krankheiten, Partner- oder Kinderprobleme, diese oder jene Alltagssorge, Erfolg oder Misserfolge im Beruf - alles das kann in den Absolutbereich eindringen und existenzielle Bedeutung erlangen. Inversionen können flüchtiger Natur sein und in kurzer Zeit von einem anderen Absoluten verdrängt werden, aber auch das ganze Leben lang bestehen.
Wie gesagt, ist es ihr Kennzeichen, dass sie für den Betreffenden mehr als relative Bedeutung haben.
Einige Beispiele mögen das belegen:       

Eine Alltagssituation fesselt mich so, dass ich nicht „aussteigen“ kann.
Eine Frau bekommt ein Kind und vernachlässigt ihr eigenes Leben.
Man verliebt sich und gibt nur noch den Wünschen der geliebten Person nach.
Man glaubt unbedingt dies oder das tun zu müssen, obwohl keine unbedingte Notwendigkeit besteht.
Man gibt jemandem immer Recht, um keine Nachteile zu haben.
Man verurteilt jemanden aus fixierten Vorurteilen oder negativen Motiven heraus.
Man powert sich aus, weil für einen Arbeit das Wichtigste ist.
Ich mache alles für eine Person oder für Anderes (für meinen Erfolg, für die Gesundheit, für die Parteien, für einen Führer usw.)
Dies oder das muss ich ganz schnell oder ganz richtig machen.
Ich darf auf keinen Fall einen Fehler machen. Das darf mir nie wieder passieren.
Die anderen müssen unbedingt mit mir zufrieden sein.
Ich darf keinen Streit gekommen.
Ich darf auf keinen Fall meine Arbeit verlieren.
Ich muss unbedingt gesund bleiben.
Ich muss mich unbedingt durchsetzen.
Ich muss unbedingt authentisch sein.
Ich nehme Sachfragen persönlich.
Du darfst auf keinen Fall böse sein.
Reiß ´dich zusammen!
Du musst dich mir gegenüber unbedingt so oder so verhalten.
Du bist mein Ein und Alles.
Es muss unbedingt so und so kommen/ sein, es darf auf keinen Fall dies oder das eintreten.
Wir müssen auf jeden Fall zusammenhalten.
Unsere Familie muss nach außen hin unbedingt gut dastehen.
Man beschmutzt nicht sein eigenes Nest.
Über Tote redet man nichts Schlechtes.

Die Palette der Inversionen ist nahezu unbegrenzt. Ich werde sie in einem späteren Abschnitt systematisieren.
Der gemeinsame Nenner aller dieser Verhaltensweisen oder bzw. der zugrunde liegenden Einstellungen ist, dass sich die Personen einem fremden Absoluten unterwerfen und eigentliches Absolutes aufgeben.

Kurz- und langdauernde Inversionen

Zwar endet die primäre Inversion indem Moment, in dem der Betreffende seine Haltung revidiert - die Folgen von Inversionen jedoch bestehen i.d.R. länger. D.h. wenn sich die anfänglich geistig-ideelle Idee oder Haltung materialisiert hat, dann bestehen diese Folgen i.d.R. noch wesentlich länger als die ursprüngliche Ursache, also die Inversion selbst. D.h. wenn sich die anfänglich geistig-ideelle Idee oder Haltung materialisiert hat, dann bestehen diese Folgen i.d.R. noch wesentlich länger als die ursprüngliche Ursache, also die Inversion selbst.[28]
Ob inversive Haltungen, die sich in einer ganzen Gesellschaft oder größeren Gruppe „ausgebreitet“ haben, länger bestehen bleiben als in einer einzelnen Person, wie man das annehmen könnte, vermag ich nicht zu sagen, denn es gibt auch sehr kurzlebige Inversionen in einer Gesellschaft wie z.B. bestimmte Modediktate oder die schnelle Auswechslung irgendwelcher Führungspersonen oder politischer Leitlinien, wenn dieser nicht mehr ins Bild passen[29] und andererseits gibt es inversive Haltungen in bestimmten Familien, die sich über Generationen halten.

Inversion und Verhalten

Inversion betrifft primär Einstellung, Haltung, Glauben - nicht konkretes Verhalten. An den konkreten Handlungen aber lassen sich dahinterstehende Einstellungen größtenteils erkennen. Einstellungen, Haltungen, Glauben sind häufig im Absolutbereich der Person „lokalisiert“ - konkretes Verhalten ist davon abhängig, also relativ. Man kann am konkreten Verhalten deshalb keine ganz sicheren Rückschlüsse auf die dahinterstehenden primären Einstellungen ziehen. So ist ein Fehlverhalten kein sicheres Zeichen für eine Inversion, wie auch kein „richtiges“ Verhalten kein sicheres Zeichen für eine richtige Einstellung ist. Zwei Personen können sich gleich verhalten, etwa bestimmte Normen einhalten (oder auch übertreten) - die eine Person kann das aus einer unfreien, fixierten, sich den Normen unterwerfenden Position heraus tun, die andere nicht.

Inversion und Sünde

Zum Unterschied Inversion und Sünde nur kurz: Inversion ist umfassender und häufig unbewusst.
Sünde wird ja meist im Sinn konkreter bewusster Fehlhandlung, v.a. im Verletzen der Gebote Gottes verstanden. Ich kann sündigen ohne zu invertieren oder invertieren ohne zu sündigen oder richtig handeln, aber aus inverser Haltung. Sowohl die übliche Sünde, als auch die übliche Inversion sind objektiv von relativer Bedeutung, nichts Letztes, sondern Vorletztes. Subjektiv allerdings oft von absoluter Bedeutung.
Religiös könnte man formulieren: Inversion liegt vor, wenn der Mensch seine Position zwischen Gott und der Welt verlässt, indem er sich oder Anderes an die Stelle Gottes setzt oder sich unterwirft (oder unterworfen wird). Wenn er die Geborgenheit Gottes, das Paradies, verlässt, sich seine eigene Welt schafft, die er glaubt zu beherrschen, obwohl sie ihn beherrschen wird. Man kann auch sagen: Inversion ist dort, wo der Mensch sich mit Gott oder den Dingen oder auch mit anderen Menschen verwechselt.
Inversion liegt auch vor, wenn der Mensch etwas zum negativen Absoluten macht, das es aber nicht ist. Auch davon wird er beherrscht und überfordert, denn er sieht sich nun vielen Gefahren gegenüber, die er absolut erlebt, obwohl sie es nicht sind. Wie schon erwähnt, hängen Vergötzung und Verteufelung eng zusammen. Sie sind zwei Seiten eines Vorgangs.
Inversion ist keineswegs das Negative oder gar Böse, eher etwas Nachrangiges (Zweites bis Vorletztes), das trotz aller Nachteile häufig als Notlösung fungiert.

Inversion und Verdrängung (Freud)

Der Begriff der Verdrängung stimmt teilweise mit dem Begriff Inversion überein, wenn man darunter versteht, dass das eigentliche Absolute durch ein Relatives verdrängt wird. Legt man die psychoanalytische Konzeption zugrunde, so würde das verdrängte Absolute dann ins Unterbewusste gehen.
• Unterschiede zum Konzept der Verdrängung bei Freud:
Bei Freud werden Triebe verdrängt (vor allem durch Geistiges s.a. bei Wyss).
Mein Konzept: Absolutes, also primär Geistiges, wird durch Relatives (das kann Geistiges und Materielles sein) verdrängt. D.h. Geistiges kann durch Geistiges, aber auch durch Materielles verdrängt werden.
Wird nicht bei Freud ein +FA (sexueller Trieb), der von einem −FA (Über-Ich) verboten wird, erst gegenbesetzt und dann verdrängt?
Die Verdrängung setzt bei Freud eine Gegenbesetzung voraus (s.a. bei Mertens), während in meinem Konzept eine Gegenbesetzung keine Voraussetzung für eine Verdrängung, sondern ein Vorgang innerhalb zweiter Wirklichkeiten ist - es sei denn man fasst die Gegenbesetzung so auf, dass ein R einem A entgegengesetzt wird, bevor es dieses verdrängt.
• Übereinstimmung mit psychoanalytischen Vorstellungen:
Zweck der Verdrängung bzw. Inversionen ist i.d.R. die Vermeidung von Unlust.
Das Verdrängte wird v.a. ins Unbewusste verdrängt. Dort wird es nicht gelöscht, sondern versucht, ständig Befriedigung zu erlangen.
Die Verdrängung/ Inversion bindet ständig Energie.
Verdrängung/ Inversion „steht allgemein im Gegensatz zur bewussten Auseinandersetzung und Verzicht.“ (Peters). „Ökonomisch gesehen wird die eine ursprüngliche Vorstellung begleitende psychische Energie auf eine ursprünglich gleichgültige übertragen.“ (Peters). D.h. wohl, dass die „Triebenergie“ auf eine ursprünglich gleichgültige, relative (Vorstellung) übertragen wird. Das hieße hier, dass die Energie von einem A auf ein R übertragen wird.
Wenn für Freud der sexuelle Trieb absolut gemeint ist, sehe ich auch da mögliche Parallelen.

Inversion und Gegen-Inversion

Mit der Fehlverabsolutierung von Etwas/Jemand geht automatisch eine Verabsolutierung des Gegenteils einher.[30]
Hypothese: Jede Inversion so kann zu Gegensätzen, Dilemmata, Paradoxien führen. Dazu später Näheres.

                                         
                    Bild: Etwas wird herausgehoben.
Etwas wird Es = Alles² = neue fremde 2.Welt.
                    Vorher wie Kugel, jetzt Ei. Vorher rundlaufend jetzt eiernd.
Vorher 1 Mittelpunkt, jetzt 2 Mittelpunkte.
                    Vorher war jedes R auf der Oberfläche selber auch ein Mittelpunkt,
jetzt bekommt es mindestens einen Gegenspieler.




Partielle oder totale Inversion?
Inversionen und ihre Folgen betreffen (zum Glück) nie die gesamte Person oder Gesellschaft. Es bleibt immer ein letztlich (!) stärkerer Anteil erstrangiger Wirklichkeit erhalten.
Wo entstehen Inversionen?
Individuell

Möglichkeiten bzw. Entstehungstypen für Inversionen:
1. Bewusst-gewolltes Invertieren
2. Unbewusstes Invertieren

    Zu 1. Bewusst-gewollt stellt die Inversion einen geistigen Schöpfungsakt dar. Sie ist wie eine Zeugung, wie ein Schöpfungsakt. Es entsteht etwas Neues, Fremdes - und bleibt bestehen, solange der „Akt“ nicht rückgängig gemacht wird.
Eine solche bewusst-gewollte Inversion stellt eine primär-absolute Ursache dar, wie sie im Kapitel metapsychologische Hauptthemen beschrieben wurde. Man kann auch formulieren: Ganz am Anfang steht die inversive Idee die, wenn sie unkorrigiert bleibt, zur inversiven Haltung/ Handlung wird und diese sich schließlich zum invertierten, verkehrten Sein verwandelt.[31]
    zu 2. Dies ist wohl der häufigste Entstehungstyp für Inversionen und bedeutet, dass wir unbewusst verkehrte Grundannahmen von anderen Menschen (sekundär) übernehmen. Vor allem Kinder übernehmen, zunächst unbewusst, verdrehte Anschauungen. Hierzu gehören auch negative Erfahrungen, wie seelische Traumata, die die Grundeinstellungen eines Menschen verändert haben.
(s. später Kapitel: `Entstehung seelischer Krankheiten´).[32]

                                                                 





Die Abbildung zeigt verschiedene „Orte“ bzw. Möglichkeiten der Entstehung oder Übernahme von „Invertaten“.
  Ganz oben wäre die schöpferische Idee, quasi aus dem Nichts heraus oder eine freie Entscheidung.
  Nach unten ist ein zunehmend immer strukturierteres Invertat dargestellt, das auf eine Person übertragen wird,
  von seelischen Übertragungen bis hin zu genetischen Übertragungen reichend.





       

Gesellschaftlich

Inversionen betreffen nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Gruppen oder ganze Gesellschaften.
Sie finden sich hier vor allem als unterschiedliche Ideologien bzw. „Ismen“, aber auch in unzähligen namenlosen Grundeinstellungen und Überzeugungen in einzelnen kleinen Gruppen, wie Familien, bestimmten Schichten und Gesellschaften z.T. weltumspannend und über viele Generationen hinweg etwa vom aktuellen Mainstream bis hin zu fragwürdigen Weltanschauungen und Ideologien.
Sie alle haben den später zu beschreibenden Charakter der `Es´ und deren Wirkungen. Sie wirken, vor allem in Bezug auf das Individuum, mehr oder weniger unterdrückend, andersdenkende Menschen ausschließend und potenziell krankmachend. Sie sind letztlich auf primäre individuelle Inversionen zurückzuführen.
Ist deshalb die Forderung nach Ideologiefreiheit berechtigt?
In gewisser Weise ja bei Ideologien im Sinne von festgelegten Weltanschauungen, Grundeinstellungen und Wertungen, nach denen sich alle zu richten haben, denn sie stellen das dar, was ich mit dem fremden Absoluten und dem `Es´ bezeichne. Dazu gehört aber auch das Ideal einer ausschließlich objektiven Weltsicht, einer reinen Wissenschaftlichkeit als letzte Instanz, wobei gerade diese Vertreter glauben, ideologiefrei zu sein. Ich glaube, dass Jesus in diesem Sinne ideologiefrei war, weil für ihn Freiheit und Selbstbestimmungsrecht zentrale Werte waren und er am konsequentesten gegen jede Manipulation und Unterdrückung durch Ideologien eingetreten ist. (Siehe vor allem seine Auseinandersetzung mit den Pharisäern).

Symbole, Formeln und Bilder für Inversion

↕ oder ⊗ = Inversion
* = FV (Fehlverabsolutieren)
                        + = +FV
                        = −FV
° = Negierung

Formelhafte Darstellung von Inversion

R wird A und A wird R oder 0. Beides hängt miteinander zusammen. Folge: R wird wichtiger als A und A wird unwichtiger als R.
Formeln: A¹Rx ⊗→ Rx* A°. Bezüglich Welt: WA¹Rx ⊗→ WRx*A° = W². Bezüglich des Ich: I ¹Rx ⊗→ I Rx*A°= I².

Erklärung der Formel: Durch die Inversion wird ein Relatives (Rx) an die Stelle des A¹ gesetzt und das eigentliche Absolute A¹ wird an die Stelle des Relativen gesetzt und so in seiner Rolle als eigentliches Absolutes negiert. Diese Inversionen sind praktisch für alle „Einheiten“ gleich - also auch für „die Welt“ (W), die Person (P) und das Ich (I).

Häufig verwendete Bilder für Inversionen

             a                                                    b                                                          c                                                  d                                                e

Die Abbildungen zeigen Inversionen entsprechend einiger Aspekte der Dimensionen.
Im Grunde genommen handelt sich immer um denselben Vorgang, der nur verschieden dargestellt wird.
Von links nach rechts:
a) Ganz links sehen wir, wie Absolutes aus der Mitte verlorengeht und andererseits Relatives die Mitte besetzt.
b) Absolutes verliert seine Dominanz und Relatives wird ihm übergeordnet. Personal: P wird einem R untergeordnet.
c) Absolutes wird nicht mehr Grund und Basis - und umgekehrt wird einem Relativen eine Basisposition eingeräumt.
d) Absolutes wird nicht mehr primär gesehen, statt dessen wird Relatives an die erste Stelle gesetzt.
e) Absolutes wird nicht mehr als das Umfassende und Relatives dagegen als das Umfassende gesehen.
Überall entstehen „Verrückungen” des Mittelpunktes und  „Bruchstellen" zwischen der erstrangigen Ausgangsbasis und der neuen fremden Situation. 


Diese Abbildung soll zeigen, wie durch den Einbruch des Relativen in den Absolutbereich bzw. das Aufgeben der Mitte durch die Person an den entsprechenden Stellen, das heißt sowohl im Absolutbereich, als auch im ursprünglichen Relativbereich Defekte entstehen, da ja an diesen Stellen sowohl das ursprüngliche Relative, als auch das ursprüngliche Absolute verschwunden sind. Dadurch entstehen zwei neue leere Bereiche. (Dazu später Näheres). Man könnte auch formulieren, dass durch die Inversion ein fremdes Alles und zwei fremde Nichts-Bereiche (Doppeldefekt) entstehen.


Systematik der Inversionen (optional)

Ich bespreche nacheinander:
• Inversion der Dimensionen
     - Die Hauptdynamiken der Inversionen
     - Weitere Umkehrungen
• Inversion der Differenzierungen
     - Inversion der Einheiten

Inversion der Dimensionen

Die Hauptdynamiken der Inversionen      
Die Hauptdynamiken der Inversionen werden durch ihre Dimensionen bestimmt.

Inversionen haben zwei Hauptdynamiken, die gleichzeitig ablaufen:

1. Fehlverabsolutierung
2. Negierung

Frage: Was kommt zuerst? Negierung oder Fehlverabsolutierung? Beides möglich.


Die folgende Grafik soll das Gemeinte darstellen:

 I. Ein R wird durch Verabsolutierung zum fremden Absoluten (FA).
  (Dieses kann positiv oder negativ konnotiert sein).
II. Gleichzeitig wird das eigentliche A (wie auch das übrige R) negiert.



Eine weitergehende Einteilung ist folgende:
I.
Fehlverabsolutierungen führen zu einem fremden Absoluten (FA).
 1. Dieses kann in Form von Absolutistischem (A*) auftreten, das
       a) als Hyper-A (s. Beispiel 1 in Grafik
) oder
       b) als fremdes Absolutistisches (s. Beispiel 2 in Grafik
erscheint. Oder es entsteht
2. Relativistisches (R*)
[33]
       a) ursprüngliches A wird als beherrschendes R* zum relativistischen A*(rA*) (s. Beispiel 3 in Grafik
).
       b) ursprüngliches R wird Hyper-R (tR*) genannt. In diesem Fall wird alles Relative zur letzten Instanz (s. Beispiel 4 in Grafik
). Zur  Entstehung von Hyperformen: Wenn etwa A totalisiert wird , dann wird das an sich mit ihm verbundene R von ihm getrennt und negiert (oder vereinnahmt) - es entsteht ein Hyper-A. Wird R totalisiert, dann wird das an sich mit ihm verbundene, übergeordnete A von ihm getrennt und negiert (oder als ein R vereinnahmt). Es existiert im ersten Fall dann nur noch Hyper-R. Deutlich werden so Spaltungen und Ausschlüsse (Abspaltungen oder Verdrängungen), aber auch Übereinschlüsse (Fusionen) von anderem pR. Solche Inversionsfolgen sieht man ja auch bei psychischen Erkrankungen, speziell  bei der Schizophrenie, wie ich sie in der Übersichtstabelle aufgeführt habe.
II. Negierungen führen zu einem fremden beherrschenden Nichts (F0/
Ñ)
a) von ursprünglichem A
b) von ursprünglichem R

In Formeln und Abkürzungen:
I.
FV → FA
   1. → A*
            a) A → Hyper-A  (A als Hyper-A)
            b) R → FA (R als A)
   2.
→ R*
            a) A → rA* (= A als R*)
            b) R → Hyper-R (alle R als FR*)
II. Negierungen
   von AR → F0 (Ñ, 0²)

Die nachfolgenden Grafiken sollen das Gemeinte veranschaulichen:
Die nachfolgenden Grafiken sollen das Gemeinte veranschaulichen:
                   


Die beiden Grafiken und zeigen weitergehende Möglichkeiten der Darstellung von Inversionen, weil ich hier das `fremde  Absolute´ (FA) unterteilt habe
in ein Absolutistisches (A*) und ein Relativistisches (R*), die beide dem Nichts (Ñ, F0) entgegenstehen und wie angegeben weiter unterteilt werden können
wie ich das auch in der folgenden Grafik
tuet.
Bei der Grafik
habe ich angegeben, woher das jeweilige FA stammen kann. Im Einzelnen im Abschnitt `Systematische Übersicht über A-, R- und 0- Umwandlungen´aufgeführt.
Die Abkürzungen aB und rB in der rechten Grafik sollen bedeuten, dass ich das A* als das absolutistisch Bestimmende, das R* als das relativistisch Bestimmende und 0B  als das bestimmende Nichts sehe.
[34] 
In der nachfolgenden Grafik , die ähnlich aufgebaut ist wie die Grafik wird gezeigt, wie eine Idee durch Invertierung oder Ideologisierung zum Invertat bzw. zur Ideologie werden kann, die immer zwei Hauptwirkungen: Fehlverabsolutierung und Negierung hat, die zu fremdem Absoluten und Nihilistischem führen.
Diese werden, wie in der Grafik aufgeführt, weiter differenziert und mit Beispielen belegt.
Weitere Beispiele siehe Systematik.


Hypothese: Die Dynamiken und Interaktionen der Es und der Ideologien sind gleich.

[Hinweis: Unter `Ideologie´ verstehe ich, wie schon erwähnt, nicht nur die bekannten politische Ideologien, sondern ebenso dogmatische familiäre und individuelle Anschauungen.]
Wenn man Fehlverabsolutierung und Negierung so definiert wie oben geschehen, dann müssten diese beiden Anteile in allen Inversionen wiederzufinden sein.
Ebenso hätten alle Ideologien sowohl Fehlverabsolutierungs- als auch Negierungscharakter.
Und gleichfalls könnte man die Schlussfolgerung ziehen, dass alle diese Fehlverabsolutierungen und Negierungen potenziell krankmachend sind bzw. alle primären (!) Ursachen für psychische Erkrankungen auf diese beiden Mechanismen zurückzuführen sind. Sie sind umso krankmachender, je unähnlicher sie dem postiven Absoluten (+A) sind, aber auch umso positiver und gesundmachender, je ähnlicher sie dem +A sind.
In der nachfolgenden Besprechung der Inversionen und ihrer Folgen verwende ich z.T. die erste, z.T. die zweite oder beide Einteilungen nebeneinander, je nachdem, womit ich das Gemeinte am besten darstellen kann.

Umkehrungen

Mit den Begriffen `Umkehrungen‘ (oder seltener `2. Inversionen´) ist der Umstand gemeint ist, dass durch die entstandenen Es anschließend auch WPI invertiert wird. (Siehe Übersichtstabelle Spalte J).

Fehlverabsolutierungen (Fv)

Ich wiederhole: Fehlverabsolutierung bedeutet (nach der Einteilung Nr. 1):
1. Es werden relative Dinge - und das ist fast alles auf dieser Erde - absolut genommen. Es wird etwas absolut genommen, was es nicht ist; etwas für selbst gehalten, was es nicht ist; etwas eigentlich, einheitlich, unbedingt, primär und unabhängig genommen, was es nicht ist.[35]
Zusätzlich nach Einteilung Nr.2: Ein eigentliches Absolutes wird totalisiert d.h. ohne sein dazugehöriges Relatives gesehen bzw. von ihm abgespalten, sodass daraus ein Hyper-A entstehen kann.
Verabsolutierung hat zur Folge: → Verselbstständigung → Verwirklichung bzw. Vereigentlichung →  Unbedingt-Werdung usw.
Weiter: „Belebung“ → Änderung der Qualitäten → Subjektivierung usw. von etwas Fremdem. 
Im Folgenden bespreche ich nur die Fehlverabsolutierung des Relativen.
Abkürzungen: FV = Fehlverabsolutieren bzw. Fehlverabsolutierung.[36]

Fehlverabsolutierung ist mehr als „Auch-Absolutierung“

Bisher habe ich definiert, dass Fehlverabsolutierung bedeutet, dass etwas Relatives absolut gesetzt wird.
Gleichzeitig habe ich dargestellt, dass das erstrangige Relative in ein Absolutes eingebettet ist, d.h. aber auch, dass jedes Relative¹ auch ein Auch-Absolutes ist, also ein Teil eines Absoluten ist.
Wenn ich von „fehlverabsolutieren“ spreche, dann meine ich, dass dadurch das Relative mehr als nur auch-absolut, nämlich wie völlig absolut wird.

Was kann fehlverabsolutiert werden?

Alles Relative, also alles außer einem eigentlichen Absoluten, kann fehlverabsolutiert (fv) werden.
(Das Relative, das verabsolutiert wird, kann ein erstrangiges oder zweitrangiges Relatives sein).
Nicht nur Einstellungen sondern auch Erlebnisse in der Kindheit können verabsolutiert werden: Das können scheinbar positive Erlebnisse sein, im Sinne von Verführungen oder negative Erlebnisse wie Traumatisierungen oder als dritte Hauptursache Negierungen des Kindes oder seiner essenziellen Bedürfnisse. Diese Menschen haben dann als Kinder kein Urvertrauen entwickeln können. Etwas anderes ist an diese Stelle getreten: Vertrauen zu etwas, das an sich nur einen relativen Wert hatte oder zu viel Angst und Misstrauen einem relativen Negativen gegenüber oder schließlich kein Vertrauen, Vertrauen zu nichts.
Was im Einzelnen verabsolutiert werden kann, ist in den Differenzierungsaspekten aufgelistet. Die verinnerlichten Fehlverabsolutierungen werden unter den verschiedenen Fremd-Selbsts im Text später besprochen.
Die Aufzählung der verschiedensten Verabsolutierungen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie soll nur das Wesentliche zum Thema veranschaulichen. In der heutigen westlichen Gesellschaft als „Leistungsgesellschaft“ werden wohl vor allem Taten und Erfolg (=Asp.15), Sexualität (=Asp.6), Besitz (=Asp.9), andere Menschen als Idole (=Asp.3) verabsolutiert. Die Kirche gerät wohl am ehesten in Gefahr, die Moral oder sich als Institution (=Asp.12 bzw. 3) absolut zu setzen. Der Rationalismus verabsolutiert den Verstand (=Asp.16), die Romantiker das Gefühl (=Asp.7) usw.
Man könnte so für verschiedene Zeitepochen, Kulturströmungen, Weltanschauungen, aber auch für verschiedene Gruppierungen analysieren, welche Geisteshaltungen vorherrschten bzw. vorherrschen, d.h. die jeweiligen möglichen Verabsolutierungen benennen. Wenn bei dieser Aufzählung in erster Linie bestimmte Geisteshaltung in bestimmten Epochen oder in bestimmten Gesellschaftsschichten genannt wurden, dann nicht, weil ich annehme, dass dies die wichtigsten oder gar einzigen Fehlverabsolutierungen seien. Sie haben aber - meist als Ideologien - eine Bezeichnung und bieten sich deshalb als geeignete Beispiele an.
Es geht aber auch um bestimmte, namenlose Geisteshaltungen, die in Familien, Staaten, Kulturen, Medien usw. herrschen und verinnerlicht werden. Verinnerlicht werden wir sie, wie gesagt, Fremd-Selbst nennen. Sehr wichtig erscheint mir der Hinweis, dass viele Verabsolutierungen, sprich: „Verrücktheiten“ in der Gesellschaft oder in Familien existieren, ohne dass sie als solche benannt werden - ja sie werden häufig als die „richtigen“ Lebensvollzüge angesehen und gefördert. Sie stellen wichtige Ursachen für seelische Krankheiten dar. Man kann M. Siirala durchaus zustimmen, wenn er in seinem gleichnamigen Buch direkte Beziehungen zwischen der `Schizophrenie des Einzelnen und der Allgemeinheit´ zieht.[37] Ich versuche auch in dieser Arbeit, zwischen verschiedensten familiären und gesellschaftlichen Ideologien bzw. Inversionen einerseits und den verschiedensten klinischen Krankheiten des Einzelnen andererseits Zusammenhänge herzustellen.
Viel stärker als die genannten gesellschaftlichen dürften sich auf den Einzelnen die familiären Geisteshaltungen auswirken. Diese hängen natürlich auch stark von der in der Gesellschaft herrschenden Ideologie ab.
Der Sonderfall: Das `Ich´ als fremdes Absolutes s. unten.

Positive und negative Fehlverabsolutierungen

                                                                                    „Die Ägypter machten sich Götter von dem, was sie fürchteten und was sie sich wünschten.“
                                                                                      Ägyptische Fremdenführerin.

Verabsolutierung kann
1. unter positivem bzw. „pro“-Vorzeichen (= + Fehlverabsolutierung),
2. unter negativem bzw. „kontra“ -Vorzeichen (= − Fehlverabsolutierung) geschehen (s.u.) oder
3. quasi neutral oder
4. zwiespältig bewertet sein.
Man kann statt von positiver FV auch von `Pro-Verabsolutierung´ und statt von negativer FV auch von `Gegenverabsolutierung´ (bzw. Kontraverabsolutierung) sprechen, wie ich es überwiegend mache, da eine Pro-Verabsolutierung meistens positiven und eine Gegenverabsolutierung meistens negativen Charakter hat. Dabei verwende ich die Bezeichnungen pro/ + oder kontra/ –.
Positive oder negative FV können jeweils direkt oder durch Gegenverabsolutierung entstanden sein:
D.h. direkt als positive oder negative Verabsolutierung oder durch Gegenverabsolutierung eine positive Verabsolutierung als Folge einer negativen oder eine negative Verabsolutierung als Folge einer positiven Verabsolutierung (oder beide als Folge einer Negierung).[38]
Gleichzeitige primäre positive und negative FV ein und derselben Sache i.S. einer zwiespältigen FV ist wohl selten der Fall, aber im Verlauf des Wechselspiels zwischen der Person und seinen FA als Zwiespalt und Ambivalenz eher die Regel.
Wie gesagt, findet neben einer Verabsolutierung auch (meist latent) eine Gegenverabsolutierung und Negierung des eigentlichen Absoluten statt.
Salopp gesagt: Mit den Götzen werden auch, meist unbewusst, die entsprechenden „Teufel" und das Nichts gewählt. Sie sind im Grunde genommen nur verschiedene, gegensätzliche Teile dessen, das ich, wenn zur Entität geworden, ein `Es´ nenne.

    Konkret bedeutet positive oder negative Fehlverabsolutierung:
Wir lieben etwas mehr (+FV) als das eigentliche +A und hassen etwas mehr (–FV) als das eigentliche –A.
Meistens wird etwas, das von der Allgemeinheit als positiv angesehen wird, eher positiv und etwas, das von der Allgemeinheit negativ gesehen wird, eher negativ verabsolutiert. Das muss nicht immer so sein. Wir werden später sehen, wie beim Einzelnen durch besondere Gründe nicht nur die Fehlverabsolutierungen an sich verständlich werden, sondern wie es sogar dazu kommen kann, dass etwas relatives Positives (wie z.B. Kontakte, Besitz, Erfolg, Gewissen, ja sogar Gesundheit, Freude und Liebe) überwiegend negativ und beängstigend erlebt wird und wie der Patient deshalb das, was ihn an sich krank macht, fördert und verteidigt und dem, was ihm Heilung bringen könnte, Widerstand entgegensetzt. Subjektives Empfinden und objektive Wahrheit klaffen dann weit auseinander. (s.a. Paradoxe FA).
Es ist auch ab einem bestimmten Punkt egal, ob etwas positiv oder negativ fehlverabsolutiert wird. Es sind, wie gesagt, zwei Seiten derselben Medaille, so gegensätzlich sie auch erscheinen. Hier stimmt die französische Redewendung „Les extrêmes se touchent.“ - „Die Gegensätze berühren sich.“[39] Diese Problematik soll uns später bei der Besprechung des Es und des Fremd-Selbst genauer beschäftigen.

Positive Fehlverabsolutierungen

Relatives wird als absolut positiv/ richtig angesehen. D.h., dass etwas Relatives v.a. relativ Positives als ausnahmslos, total, immer positiv - also absolut positiv bzw. richtig angesehen wird, ohne es zu sein.[40]
Typische Beispiele sind: Treue, Pflicht, Gesundheit, Gewissen, Erfolg, Anerkennung, Leistung, Arbeit, Hilfe, Verstand, Hoffnung, Harmonie, das eigene Ich, andere Personen (Idole), die Natur, Harmonie, ja alles Irdische überhaupt.[41]
Man kann auch einzelne Attribute des positiven Absoluten verabsolutieren, wenn man sie vom +A (von Gott) ablöst. z.B. Wahrheit, Freiheit, Autonomie, Humanität, Moral, Versöhnung, Frieden usw.
Moral wird so Moralismus, Wahrheitssuche führt zu Rechthaberei, Autonomie zur Selbstherrlichkeit, Humanismus wird Hartherzigkeit, Versöhnung und Frieden müssen dann um jeden Preis erreicht werden - auch um den Preis der Selbstaufgabe.[42]   Die Ideale können dann in ihrem überhöhten Anspruch nicht durchgehalten werden und fördern schließlich ihr Gegenteil.[43]
(Siehe auch I. Kant: Primärtugend sei ein guter Wille. Fehle dieser, können alle anderen Tugenden „auch äußerst böse und schädlich werden“.)[44]
Solche verabsolutierten Werte „ertragen“ keine relativen Werte. Diese müssen dann bekämpft oder abgespaltet werden. Das eigentliche +A dagegen sieht in dem relativen Wert keinen Feind, der bekämpft werden muss, sondern etwas Relatives, das ihm immer noch ein Stück entspricht.
Die verabsolutierten, wenn auch noch so positiven Werte aber werden inhuman, einschränkend usw., auch wenn sie anders erscheinen.
Beispiel: Mir scheint, dass dies ein Grund für das Scheitern der Französischen Revolution war, die zwar einerseits solche hehren Ideale wie Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit propagierte, andererseits aber alle jene, die davon abwichen, bekämpfte und liquidierte. Ähnliche Fehler haben ja auch andere, mehr oder weniger einer „Humanität*“ verpflichtete Strömungen gemacht.


Die Abbildung soll zeigen, wie eine Stelle im Absolutbereich durch ein relatives Positives besetzt wird
und dadurch dieses Verabsolutierte nun die Charakteristika eines fremden positiven Absoluten annimmt.




Die Person definiert sich nun über das verabsolutierte Ideal (Ich-Ideal [45]) und gibt damit ihre eigene primäre Definition auf! Das +FA wird zum Teuersten im doppelten Sinn: es wird (subjektiv) das Beste, aber (objektiv) das Kostspieligste. Die enstehenden Ideale fördern schließlich, wie gesagt, ihr Gegenteil: das scheinbar erlösende Ideal wird zum Tyrannen; `Liebe´ wird zu Hass usw.
Die +FA imitieren nicht nur, sondern übertreffen anfangs oft das +A in ihrer positiven Wirkung. Dadurch werden sie besonders verführerisch.
Allerdings ist diese hyper-positive Wirkung mit vor allem später auftretenden größeren Nachteilen verbunden, auf die ich noch zu sprechen komme.

Wenn man die Dimensionsaspekte durchdekliniert, dann besteht auch eine positive Verabsolutierung dann, wenn:
Einiges zum +Alles, Relatives, wie beschrieben, zum +Absoluten, Anderes oder Fremdes zum +Selbst (+Identischen), Wahrscheinliches oder Mögliches zum +Eigentlichen, Teilweises oder Uneinheitliches zum +Einheitlichen, Bedingtes zum +Unbedingten, Sekundäres zum +Primären und Abhängiges zum +Unabhängigen gemacht wird.
Wenn man die 4 Hauptdifferenzierungen durchdekliniert, dann besteht eine positive Fehlverabsolutierung dann, wenn:
Relatives Sein zum +absoluten Sein, relatives Leben zum absoluten +Leben, relative Qualitäten zu absoluten +Qualitäten, relative Subjekte oder Objekte zu absoluten +Subjekten oder Objekten und relative Zusammenhänge zu absoluten +Zusammenhängen gemacht werden.
Und wenn man schließlich die 23 Einzelaspekten durchdekliniert, dann besteht eine positive Fehlverabsolutierung dann, wenn:
das Irdische, oder relative personale Anteile, oder relative(r) Dinge, Zustände, Besitz, Fähigkeiten, Möglichkeiten, Notwendigkeiten, Pflichten, Rechte, Strebungen, Neues, Taten, Informationen, Darstellungen, Werte, Fehler, Vergangenheiten, Gegenwärtiges, Zukünftiges, Geschlecht, Positives oder Negatives und Umstände absolut positiv genommen werden.


Beispiel Moral:
Moral an sich ist relativ, aber nicht absolut gut.
Sie wird jedoch häufig positiv, seltener negativ verabsolutiert, z.T. auch negiert.
Wird Moral +verabsolutiert, wird sie zum Moralismus und zu einem Machtinstrument. Nicht ohne Grund hat sich Jesus gegen solche Einstellungen gewandt, denn die Moral soll dem Menschen dienen, aber nicht beherrschen. Insofern ist es auch einseitig oder unklar, wenn heutzutage die katholische Kirche lediglich eine „Relativierung der Moral" beklagt und nicht auch die Gefahr ihrer Verabsolutierung sieht und damit auch der Gefahr nicht entgeht, Moral als Machtinstrument einzusetzen oder die christliche Religion auf eine Moralideologie zu reduzieren. Zu beklagen wäre deshalb nicht nur eine Abwertung oder gar Negierung der Moral, sondern auch die Verabsolutierung einer Moral im Sinne von Moralismus. Ob Moral für den Menschen immer nur gut ist, hängt letztlich von den dahinter stehenden Absolutheiten ab. Wie gesagt, entsprechen den personalen Absolutheiten bestimmte Grundeinstellungen und Motivationen, die nicht beweisbar, aber den daraus entspringenden z.B. Handlungen übergeordnet sind.
Wesentliche Folgen einer Verabsolutierung von Moral:
Die Verabsolutierung von Moral fördert eher ihr Gegenteil, die Unmoral.
Die an sich relative Gegenüberstellung von Moral und Unmoral wird zum absoluten Gegensatz, der den Menschen, vor allem den (über)moralischen, beherrschen und evtl. krank machen wird.

Synonyme für +FV:
Verben: vergötzen, sakralisieren, vergöttern, fetischisieren, idealisieren, anbeten, glorifizieren, verherrlichen, anhimmeln, beweihräuchern, zu sehr lieben, „libidinisieren“ (von `Libido´).
Adverbien: etwas total, absolut, eindeutig, eigentlich, völlig, unbedingt, primär, selbstverständlich… positiv ansehen/ glauben/ behandeln…
Substantive: ~Libido (Freud), Affenliebe, symbiotische Liebe, z.T. auch Verführung.

Negative Fehlverabsolutierungen

= Relativa, die absolut negativ genommen werden. Hier „negatives Fehlverabsolutieren“ genannt und −FV oder −*abgekürzt.
Etwas Relatives (i.d.R. etwas relativ Negatives) wird als total, immer, absolut negativ, schlecht oder böse angesehen.
Typische Beispiele sind: Unmoral, (relative) Schuld, Krankheit, Schwäche, Unterlegenheit, Ohnmacht, Misserfolg, Leid, Tod, Konflikte, Probleme, Sorgen, Streit, Aggressivität, das Böse[46], Einsamkeit, Traumata, bestimmte Personen (etwa Schwiegermütter, Kriegsgegner o.ä.) Tod (s.u.).[47]
Negativ fv kann alles werden, von dem wir meinen, dass es uns bedroht, alles, gegen das wir total ankämpfen, alles, von dem wir glauben, es um jeden Preis besiegen zu müssen usw. Das, das wir als (negatives) Unbedingtes, als Unheil oder Böses, als Tabu, als Urschmerz (Janov) erleben, das, was wir als unannehmbar, unerträglich und unverzeihbar ansehen, als etwas höchst Peinliches oder Schamvolles, wo wir am liebsten in der Erde sinken würden, wo wir glauben, uns nicht mehr im Spiegel ansehen zu können usw.
Weitere Beispiele häufig erkennbar an „Ich darf auf keinen Fall…“: wie etwa:
„Ich darf nicht böse sein!“, „Ich darf auf keinen Fall wie Vater werden!“



Die Abbildung soll zeigen, wie ein relatives Negatives in den Absolutbereich eindringt (oder:Wie ein Defekt im Absolutbereich durch ein relatives Negatives besetzt wird) und durch diese Verabsolutierung selbst die Charakteristika eines fremden negativen Absoluten annimmt.



Wenn man die 7 Dimensionsaspekte durchdekliniert, dann besteht eine negative Fehlverabsolutierung dann, wenn:
Einiges zum −Alles, Relatives, wie beschrieben, zum −Absoluten, Anderes oder Fremdes zum −Selbst, Wahrscheinliches oder Mögliches zum −Eigentlichen, Teilweises oder Uneinheitliches zum −Einheitlichen, Bedingtes zum −Unbedingten, Sekundäres zum −Primären und Abhängiges zum −Unabhängigen gemacht wird.
Wenn man die 4 Hauptdifferenzierungen durchdekliniert, dann besteht eine negative Fehlverabsolutierung dann, wenn:
Relatives Sein zum absoluten −Sein, relatives Leben zum absoluten −Leben, relative Qualitäten zu absoluten−Qualitäten, relative Subjekte oder Objekte zu absoluten −Subjekten oder Objekten und relative Zusammenhänge zu absoluten −Zusammenhänge gemacht werden.
Und wenn man schließlich die 23 Einzelaspekten durchdekliniert, dann besteht eine negative Fehlverabsolutierung dann, wenn
Irdisches, relative personale Anteile, wenn Dinge, relative „Zustände“, Besitz, Fähigkeiten, Möglichkeiten, Notwendigkeiten, Pflichten, Rechte, Strebungen, Neues, Taten, Informationen, Darstellungen, Werte, Fehler, Vergangenheiten, Gegenwärtiges, Zukünftiges, Geschlechter, Negatives oder Negatives und Umstände, wenn diese Relativa absolut negativ genommen werden.


Wie schon erwähnt, fördert jede Fehlverabsolutierung auch ihr Gegenteil. Bezüglich der negativen FV bedeutet das: Jedes relativ Negative, das absolut gesetzt wird und zum unbedingten Verbot, zum Tabu, zur Todsünde oder Ähnlichem gemacht wird, wird zwar einerseits kurzfristig besonders stark wirken und abschrecken, gleichzeitig aber, vor allem langfristig, eine attraktive „+“ Kehrseite entwickeln. In den Märchen findet man eine Fülle solcher Beispiele, wo ein Verbot das Gegenteil bewirkt. Ich komme später noch darauf zurück.

Synonyme für +FV:
Verben: vergötzen, sakralisieren, vergöttern, fetischisieren, idealisieren, anbeten, glorifizieren, verherrlichen, anhimmeln, beweihräuchern, zu sehr lieben, „libidinisieren“ (von `Libido´).
Adverbien: etwas total, absolut, eindeutig, eigentlich, völlig, unbedingt, primär, selbstverständlich… positiv ansehen/ glauben/ behandeln…
Substantive: ~Libido (Freud), Affenliebe, symbiotische Liebe, z.T. auch Verführung.

+FV von relativ Negativem und –FV von relativ Positivem

Wir stellten fest, dass das Relative vom +Absoluten −1 bis zum −Absoluten +1 reicht, d.h. sich diesen beiden Extremen stark annähern kann. Wenn nun Inversion vor allem die Verabsolutierung von Relativem bedeutet, dann müssen hier erhebliche qualitative Unterschiede bestehen, je nachdem, was für ein Relatives verabsolutiert wurde. Wenn etwa ein an sich überwiegend positives Relatives positiv verabsolutiert wird, dann wird das viel geringere Auswirkungen haben, als wenn ein überwiegend positives Relatives negativ verabsolutiert wird bzw. überwiegend negatives Relatives positiv verabsolutiert wird.
Beispiel: Es ist ein erheblicher Unterschied, ob man den Humanismus oder den Faschismus +absolut setzt.
D.h. Je mehr Relatives gegenteilig verabsolutiert wird, umso schlimmer sind die Folgen. Mit anderen Worten: Je ähnlicher das Relative dem eigentlichen Absoluten (positiven oder negativen) ist, umso geringer werden die negativen Folgen einer Invertierung sein - während die negativen Folgen umso größer sein werden, je unähnlicher das verabsolutierte Relative dem eigentlichen Absoluten ist.
Die extremste Invertierung ist die von +A und −A.
Je mehr an sich relativ Negatives positiv verabsolutiert oder an sich relativ Positives negativ verabsolutiert wird oder bestehende FA in ihr Gegenteil umschlagen, umso mehr haben wir es mit FA zu tun, die widersinnig, paradox und verrückt erscheinen und entsprechende Auswirkungen haben. Deshalb nenne ich in dieser Arbeit solche FA auch „paradoxe FA“.

Leben und Tod als FA

Für die meisten Menschen ist wohl das irdische Leben wichtigstes positives FA und entsprechend der Tod schlimmstes FA. Man könnte alle anderen FA als deren Vorstufen/ Vorläufer oder auch als deren Folgen verstehen. Ganz genau müsste man diese als Tod² und Leben² kennzeichnen, denn es handelt sich m.E. nicht um den eigentlichen Tod und das eigentliche Leben, sondern um Verabsolutierungen irdischer Existenzformen.  
Beide bedingen einander: Je größer unsere Gier nach Leben ist, umso größer ist unsere Angst vor dem Tod.
Und: Je größer unsere Angst vor dem Tod ist, umso größer ist unsere Gier nach Leben.
            Aber auch ab einem bestimmten Punkt ( Umkippen des Systems): Je größer unsere Angst vor dem Tod ist, umso eher wollen wir sterben. Und: Je mehr wir gierig leben, umso weniger Angst haben wir vor dem Tod, weil wir ihn dann verdrängen. (Alle Möglichkeiten können auch gleichzeitig nebeneinander bestehen.) Dass Tod und Leben sich auch gegenseitig verstärken können, obwohl sie völlig gegensätzlich empfunden werden, ist ein Charakteristikum ihrer zweitrangigen  Wirklichkeit.
 
Für mich ist die Möglichkeit der gegenseitigen Verstärkung des verabsolutierten Lebens und Todes auch ein Zeichen dass diese nicht die letzten Instanzen sind und man sie gelassen nehmen könnte. Nur der völlige Tod (nach Offb 20,6 der `zweite Tod´) und das erstrangige ewige Leben sind miteinander völlig unvereinbar und schließen sich aus.

Totale Relativierung

Ich unterscheide: totale Relativierung, die zum Relativismus führt und totale Verabsolutierung, die zum „Absolutismus“ führt.
(Ich verweise auch auf die o.g. Einteilung Nr. 2, in der ich versuche, von bestimmten Inversionen Formen des Relativismus abzuleiten).
Der Begriff Relativismus wird in der Literatur wie folgt definiert:
     a) erkenntnistheoretische Lehre, nach der nur die Verhältnisse der Dinge zueinander, nicht diese selbst erkennbar sind.
     b) phil. Anschauung, nach der jede Erkenntnis nur relativ richtig und nicht allgemeingültig ist.[48]
Der Begriff `Relationismus´ ist ähnlich, weil er nur die „Erkenntnis von Beziehungen … als möglich anerkennt (Kant, Bergson, Marburger Schule).“[49]
„`Relativismus´ ist ...  das Gegenteil von `Absolutismus´. Im `Absolutismus´ wird die Ansicht zum Ausdruck gebracht, dass es nur einen Standard von Wahrheit gibt und dass Aussagen, Werte und Glaubensauffassungen, die ihm entsprechen, für jeden zu jeder Zeit und an jedem Ort wahr sind. `Relativismus´ dagegen ist die Ansicht, dass es in jeder Kultur, jeder intellektuellen Disziplin und in vielen anderen Bereichen sehr unterschiedliche Standards von Wahrheit gibt und dass diese Standards oder Bezugsrahmen der Wahrheit untereinander inkompatibel oder unverrechenbar sind. So kann etwas nur in Beziehung zu oder relativ zu einem besonderen Bezugsrahmen wahr sein.“[50]
„Relativistischen Theorien zufolge ist die Geltung von Aussagen prinzipiell abhängig von Voraussetzungen, die ihrerseits keine allgemeine Geltung beanspruchen können … Vor dem Hintergrund einer anscheinend objektiv erkennbaren Welt - etwa auch mit Hilfe von Messinstrumenten - sind Wissenschaftler oft geneigt, an eine objektive wissenschaftliche Wahrheit zu glauben. Bei genauer Betrachtung allen wissenschaftlichen Arbeitens aber zeigt sich, dass es keine Wissenschaft gibt, die nicht bestimmter Festsetzungen bedarf, um überhaupt zu klären, worin ihr Objektbereich besteht und von welcher Art die Erkenntnismethoden über diesen Objektbereich sein sollen … Der Wahrheitsrelativismus (ontologischer Relativismus) … vertritt die Ansicht, dass es keine absolute Wahrheit gibt, sondern die Wahrheit vom Beobachter abhängt. Jede Überzeugung (Religionen, Ideologien, Wissenschaften, Weltbilder etc.) baue auf Dogmen und Axiomen auf. Da diese Dogmen und Axiome hinsichtlich ihres Absolutheitsanspruches von Relativisten angezweifelt werden, findet er keine absolute Wahrheit mehr. Weil aber absolute Wahrheiten wegen ihrer grundsätzlichen Beziehungslosigkeit gar nicht für spezielle Problemlösungen verwertbar sind, sucht der Relativist auch keine absoluten Wahrheiten, sondern nur Begründungsendpunkte, von deren Geltung er zwar persönlich überzeugt ist, für die er aber grundsätzlich keinen Absolutheitsanspruch stellen kann und will.“[51]
    Ich stimme dieser Meinung insofern zu, als ab einem bestimmten Punkt Aussagen auf der Grundlage von nicht mehr beweisbaren Axiomen oder Überzeugungen gemacht werden müssen. Ich halte es aber bei der Bearbeitung von subjektiven Themen, wie in dieser Arbeit, für fatal, wenn man diese Grundüberzeugungen nicht weiter reflektiert und sie nicht auf ihre Glaubwürdigkeit überprüft und die subjektiven Erfahrungen anderer Menschen unberücksichtigt bleiben. Relativistische Positionen entstehen, wenn der absolute Bezugspunkt bzw. Perspektive („sub specie aeternitatis“, Spinoza) fehlt und man im Vergleich stecken bleibt. Dann aber ist nach Kiergegaard das Vergleichen „das Ende des Glücks". Ähnlich „... dass man sich davor hüten muss, sich in den Zerstreuungen des Lebens zu verlieren. Heidegger nannte es den Sturz in die Alltäglichkeit des Lebens … " (Aus I.D. Yalom in: `Die Schopenhauer Kur´).
„Absolutismus“ wird in dieser Arbeit v.a. verstanden als psychisch Relatives mit Absolutheitsanspruch. Gegensatz: Relativismus: In dieser Arbeit, wie allgemein, verstanden als Ansicht, dass alles nur relativ sei und es keine absolute Wahrheit gäbe.

Hinweis:  So wie sich Alles und Nichts, +FA und FA bedingen, so auch aFA und rFA.
Konkret: Relativismus fördert Absolutismus und umgekehrt.

Fremdes `Wahlabsolutes´

An sich ist das `Wahlabsolute´ absolut frei in der Wahl des +A oder A. Ideologien versuchen jedoch diese Wahl entweder zu negieren („Der Mensch hat keinen freien Willen“) oder auszuweiten („Der Mensch ist völlig frei“).

Negierung von A

Synonyme:

Verben: negieren, liquidieren, eliminieren, ignorieren, ausschließen, beseitigen,[52] nullen, annullieren, löschen, vernichten, verneinen;
z.T. verdrängen, verleugnen, verbieten, absondern (eines eigentlichen A¹ ).
Adverbien: absolut/ unbedingt, auf alle Fälle, total usw. D.h. A¹ für null und nichtig, gegenstandslos, wertlos halten, ansehen, behandeln usw.

Begriffsklärung:

Unter Negierung verstehe ich im Folgenden nicht nur eine Relativierung des eigentlichen Absoluten usw., sondern sehe auch in dessen Relativierung eine Negierung, weil das Absolute durch eine Relativierung ja auch negiert wird.
Mit der Negierung des eigentlichen Absoluten wird auch das ihm untergeordnete eigentliche Relative negiert.
Der Einfachheit halber schreibe ich auch im Folgenden oft nur vom Absoluten oder A, obwohl zwei eigentliche Absolutheiten (+A¹ und −A¹) gemeint sind. Außerdem erwähne ich das dazugehörige Relative, das mit dem A auch negiert wird, oft nicht extra.
Formel: A(R)¹ → AR° [bedeutet: Erstrangiges AR wird negiert und kann ein fremdes Nichts (F0, 0², Ñ) werden].
Negierung bedeutet also:
A wird nicht beachtet, ignoriert, wird abgewählt usw. A kommt in einen nichtigen Bereich.
Personell bedeutet das i.d.R. eine generelle Abwertung einer Person und Negierung ihres eigentlichen Selbst.
Mit der Wahl des Nichts* wählt man, wie oben beschrieben, auch das gegenteilige fremde Alles bzw. fremde Absoluta mit.

Beispiel Mephisto zu Faust: „Nichts wirst du sehn in ewig leerer Ferne, den Schritt nicht hören den du tust, nichts Festes finden, wo du ruhst.“ 
Faust: „In deinem Nichts hoff´ ich das All zu finden.“ (Goethes Faust 2. Teil, 1. Akt.)

Negation erzeugt so auch entsprechende kontradiktorische Gegensätze (z.B. nicht weiß/ weiß).[53]    
Wenn ich vom Relativieren oder Negieren der eigentlichen A schreibe, dann ist damit nicht gemeint, dass der Negierende tatsächlich ein „echtes“ Relatives oder Nichtiges erzeugen könnte. Insofern müsste man genauer von einem Fehlrelativieren statt von einem Relativieren und von einem Fehlnegieren statt von einem Negieren sprechen. (Der Einfachheit halber mache ich das nur in besonderen Fällen). Es ist also unmöglich, dass das eigentliche Absolute als eigentliches Relatives oder eigentliches Nichts, sondern, genauer, nur als ein fremdes, fehlerhaftes Relatives oder als ein fremdes, fehlerhaftes Nichtiges angesehen bzw. behandelt wird.
Das relativierte oder negierte Absolute ist also letztlich für den Betreffenden weder ein richtiges Relatives noch ein richtiges Nichtiges. Es liegt, so empfinde ich es, zwischen einem richtigen, eigentlichen Relativen und dem richtigen, eigentlichen Nichts. Es ist kein richtiges Relatives, weil durch das Invertieren das eigentliche Absolute auch negiert wird und ebenso ist es kein richtiges Nichtiges, weil das eigentliche Absolute nicht vernichtet werden kann. Man kann etwa schwerlich zugleich behaupten, dass man an Gott glaubt, dass dieser aber nur eine relative Rolle spiele. Oder: Man kann schwerlich von der Einzigartigkeit, der Einmaligkeit oder der Würde eines jeden Menschen sprechen, ohne ihr nicht gleichzeitig einen absoluten Wert zuzugestehen, denn diese Begriffe drücken Absolutheit aus. Ich kann zwar auch sagen, dass diese Werte für mich überhaupt keine Bedeutung haben, also nichtig sind, sie also völlig negieren, dadurch werden sie aber nicht eigentlich nichtig sondern nur uneigentlich, unecht nichtig, denn in Wirklichkeit sind sie absolut. Aber daran kann man nur glauben. M.a.W.: Selbst wenn das eigentliche Absolute wie ein Nichtiges, nicht Existierendes behandelt wird, so ist es nicht weg, denn es wirkt im Untergrund, wenn auch schwächer, dennoch weiter, weil es als Absolutes nicht völlig negiert werden kann, denn das Absolute kann man nur unterdrücken, aber, wie gesagt, nicht vernichten. Das ist für die Therapie wichtig!
Absolute, existenzielle Probleme werden von uns oft relativiert oder negiert oder mit „relativen Mitteln“ oder gar nicht behandelt.[54]

Was ist das Absolute, das negiert wird?

 +A¹ ,−A¹ und das `Wahlabsolute´.

Bezüglich des +A:
Was ist das +A? Ich glaube, das +A sind Gott und dessen Zusagen an jeden Menschen,[55] wie sie auch die allgemeinen Menschenrechte oder  die Liebe ausdrücken. (Hier nach den 7 Dimensionsaspekten geordnet aufgezählt):[56]

1. Die unbedingte Liebe Gottes zum Menschen - d.h. dass jeder Mensch um seiner selbst willen geliebt ist.
2. Die unbedingte personale Identität - das Selbst.
3. Die Einzigartigkeit der Person.
4. Die Integrität der Person.
5. Die unbedingte Existenzberechtigung der Person.
6. Die unbedingte Würde der Person.
7. Das Selbstbestimmungsrecht der Person.
8. Der Glaube, dass alles gut wird.

Der Mensch verlässt sein inneres Paradies und invertiert sich dadurch, wenn er solche absoluten Zusagen ablehnt oder nicht für sich in Anspruch nimmt. Man kann auch sagen: Inversion findet dort statt, wo der Mensch nicht glaubt, dass er einzigartig und einmalig, unbedingt liebenswert, gleich, frei geboren usw. ist. Dennoch bleibt das eigentliche +Absolute erhalten, auch wenn es noch so sehr überlagert wird.

    Wie könnte man das eigentliche +A und −A sonst beschreiben?
Das +A müsste sehr stark sein, so stark, dass man sich immer darauf verlassen kann, es dürfte uns aber nicht bedrücken und beherrschen. Es müsste gerecht, aber auch gnädig sein. Es müsste auf Fehler hinweisen, aber nicht mit Liebesentzug reagieren; es müsste uns bedingungslos unsere Würde lassen ohne Ansehen der Person. Es müsste sehr liebevoll sein, ohne uns zu schmeicheln. Es müsste uns die Freiheit lassen, auch ein anderes Absolutes zu wählen. +A wäre etwa so, wie wir uns den besten Partner oder Freund, die liebsten Eltern vorstellen würden, aber ohne deren menschliche Schwächen und stärker und vollkommener.
Was aber wäre das eigentliche −A, also das Schlimmste? Wohl wenn jemand bewusst und auf Dauer das Gegenteil vom +A will. (Aus dieser Sicht wäre das –A ungefährlich, wenn man es nicht bei sich entdeckt).
Kein Leid, keine Krankheit, selbst nicht der irdische Tod wäre das Schlimmste, weil +A stärker wäre als diese. Gegen das eigentliche −A aber unternähme +A nichts, denn der Betreffende hätte sich ja freiwillig so entschieden - und Liebe (Gott) zwingt nicht.
Beide eigentliche A sind von uns letztlich frei wählbar.[57]

Negierung von −A¹

Auch die Beachtung der Negierung des −A ist wichtig, weil durch dessen Negierung nun ein anderes Negatives, das an sich nur relativ ist, an dessen Stelle tritt und absolute Bedeutung für uns gewinnt. Das heißt, dass etwas, das uns nur relative Sorgen machen sollte und nur ein relatives Problem ist, nun unerträglich und unlösbar erscheint. Die Menschen haben nun Angst vor etwas, was sie so nicht fürchten müssten. Wie viele totalitäre Systeme, wie viele Diktatoren, wie viele eigene Angstdämonen wären nicht wie Kartenhäuser zusammengebrochen, wenn Menschen den Mut gehabt hätten, ihnen gegenüber eine +A-Position einzunehmen. Außerdem, und das ist vielleicht noch gravierender, muss ich, wenn ich von der Nichtexistenz eines primär (d.h. frei gewählten) Bösen ausgehe, allem Negativen, das ich erleide, Verständnis entgegenbringen. (S. auch Abschnitt `Gibt es das Böse überhaupt?´).

R¹-Negierung

So, wie mit A¹ auch R¹ negiert wird, so wird mit der Negierung von R¹ zumindest partiell auch A¹ negiert.
Beispiel: den irdischen Belangen wird keine entsprechende Bedeutung zugemessen; z.B. Buddhismus, Stoiker, Schopenhauer.[58]
Andere Beispiele: Wenn leidende Menschen auf das Jenseits vertröstet werden, um ihnen hier auf dieser Erde nicht helfen zu müssen. Wenn man auf Gott als Helfer verweist, obwohl man selber helfen müsste.[59]

• Negierung des `Wahlabsoluten´

Wie gesagt: An sich ist die "absolute Haltung" bei der Wahl von + A oder -A absolut frei. Ideologien negieren jedoch entweder diese Wahl ("Der Mensch hat keinen freien Willen") oder erweitern sie ("Der Mensch ist völlig frei").

Systematische Übersicht über  A-, R- und 0- Umwandlungen (optional)

A-INVERSIONEN

1. A Hyper-FA [A ohne R] [60]
= A ohne R = < ASEEUPU ohne RFUUBSA.
A wird ohne Relativität (Relationen), ohne Anderes, Mögliches, Vielfältiges, Unbestimmtes, Sekundäres, Abhängiges -ohne Irdisches, Funktionales (Rollen), ohne rel.+/ −, Objekte genommen/ geglaubt usw.
Im Einzelnen:
⦁ Absolutes wird ohne Relatives (ohne Relationen, ohne Relationales, ohne Verhältnismäßiges, ohne Wechselseitiges genommen.
→ Absolutes wird unbeeinflussbar und beziehungslos, hat keine Rückkopplung = absolutistisch.
⦁ Selbst, Identisches wird ohne Anderes, Fremdes genommen.
→ Selbst, Identisches wird überidentisch, ohne Abstufungen = selbstherrlich
⦁ Eigentliches, Tatsächliches und Wahres wird ohne Uneigentliches, Mögliches, Künstliches, Scheinhaftes genommen. → Eigentliches, Tatsächliches wird hyperreal, konkretistisch, objektivistisch. (Objektivismus, Faktizismus)
⦁ Einheitliches wird ohne Vielfalt, ohne Teile genommen
→ Das Einheitliche wird Fusioniertes, als Verschmelzung, also als etwas, in dem die einzelnen Bestandteile der Einheit bzw. des Systems nicht voneinander getrennt sind, quasi kein Eigenleben haben.
⦁ Unbedingtes, Konstantes, Bestimmtes wird ohne Bedingtes, Zufälliges, Unbestimmtes genommen.
→ das Unbedingte wird überdeterminiert und fixiert, für immer festgelegt, wie ein ehernes Prinzip o.Ä. usw.
⦁ Primäres, das Wichtigste, Grund, Basis, die Spitze einer Hierarchie wird isoliert ohne Sekundäres, weniger Wichtiges, Oberflächliches genommen. → das Primäre wird überhöht, extrem
⦁ Unabhängigeres, Autonomes, Selbständiges wird ohne Unselbständiges, Abhängiges genommen.
→ das Unabhängige wird zu unabhängig, überautonom, unbeeinflussbar
⦁ Geisteshaltungen werden ohne Bezug zur Realität, ohne ihren Anteil an Materie (Geist ohne Materie) (hier Ismen, Ideologien?)
→ Geisteshaltungen werden abgehoben, isoliert, quasi überirdisch, unabhängig von der Welt, dem Materiellen usw.
⦁ Leben wird nur absolut gesehen, z.B. himmlisch und das irdische Leben negiert oder vernachlässigt.
→ Leben wird „überbelebt“, hypervitalisiert, aufgeputscht.
⦁ Qualitäten werden nur absolut genommen; bezüglich + und − nur als absolut + oder absolut −
Nur Schwarz-oder-Weiß, nur richtig oder-nur falsch; nur digital.
⦁ Subjekte wird isoliert gesehen, ohne Bezug zu entsprechenden Objekten

⦁ Alles, das Ganze, wird ohne seine Teile gesehen.
⦁ Die Person, das Ich nur absolut, nur geistig (wohl als Idole, Ideale).
⦁ Gott ohne die Welt.Gott ohne die Welt.

Insgesamt kann man auch formulieren:
Absolutes, das Selbst, Eigentliches, Einheitliches, Unbedingtes, Primäres und Unabhängiges, sowie geistiges Sein, Leben, absolute Qualitäten, Subjekte und schließlich Ganzes (Alles), Personales und Individuelles, Gott und „Teufel“ wird ausschließlich / nur / zu
zu absolut (zu losgelöst), überidentisch, hyperreal, fusioniert, überdeterminiert, überhöht, zu autonom -
ideologisiert, überbelebt, nur + oder nur−, nur in ihrer Rolle als Subjekte gesehen und schließlich nur wie quasi überirdisches Ganzes (Alles), Personales, Individuelles, Göttliches und Teuflisches (die mit dem Leben hier auf dieser Erde nichts zu tun haben).


2. A    →  R* (`Kontra-FA´)

A wird nur als Relatives (Relationales), Anderes, Mögliches, Vielfältiges, Unbestimmtes, Sekundäres, Abhängiges genommen
→ A wird als Kontra-FA: zu relativ (nur bezogen), fremd, künstlich, gespalten, zufällig, nebensächlich, überabhängig; materialisiert, funktionalisiert, zu objekthaft.
Durch die Umwandlung von A in R* geht das A verloren.
Die absolute Dimensionen wird verweltlicht.

Im Einzelnen:
⦁ Absolutes wird nur relativ gesehen  → relativistisch.
⦁ Selbst, Identisches → als fremd.
⦁ Eigentliches, Tatsächliches → als künstlich, scheinhaft.
⦁ Einheitliches → als gespalten oder gegensätzlich.
⦁ Unbedingtes, Konstantes, Bestimmtes → als zufällig.
⦁ Primäres → als nebensächlich.
⦁ Unabhängiges → als abhängig.

⦁ Geistiges → primär als Materie.
⦁ Leben → nur als Funktionieren oder nur Existieren dargestellt, d.h. funktionalisiert, mechanisiert.
⦁ Qualitäten haben nur eine relative Bedeutung.
⦁ Subjekte → nur als Objekte behandelt.

⦁ Das Ganze, Alles → nur als Teil.
⦁ Die Person, das Ich → nur als Ding (als Objekt) gesehen / → verdinglicht.
⦁ Gott, Welt → profanisiert, ohne Geist (z.B. Gott als Wunscherfüller).

Insgesamt kann man auch formulieren:
Absolutes, das Selbst, Eigentliches, Einheitliches, Unbedingtes, Primäres und Unabhängiges, sowie geistiges Sein, Leben, absolute Qualitäten, Subjekte und schließlich Ganzes (Alles), Personales und Individuelles, Gott und „Teufel“ werden ausschließlich/ nur/ zu
relativ (losgelöst), fremd, künstlich, gespalten, zufällig, nebensächlich, abhängig sowie materialisiert, funktionalisiert, in nur relativen Qualitäten, nur als Objekte und schließlich nur als Einzelnes (Teile), Ding oder Profanes gesehen.
V.a. Alles nur als Teil; Person, Ich nur als Ding; Gott nur irdisch, dinghaft.
Umkehr nenne ich es, wenn gleichzeitig entsprechendes R zu A wird.

3. A F0 [A als fremdes Nichts]

Negierung (und dadurch Verlust) von A¹:
⦁  Negierung von 7 erstrangigen Dimensionsaspekten
      1 Erlöstheit
      2 Identität, Selbst
      3 Realität, Wahrheit
      4 Einheit, Vielfalt, eigtl. Gegensätze
      5 Sicherheit Freiheit
       6 Grund, Zentrum
      7 Autonomie
⦁  Negierung der erstrangigen Hauptaspekte SLQZ¹: d.h. Negierung und Verlust von erstrangigem
Sein, Leben, Qualitäten
Subjekte/ Objekte/ Zusammenhänge
⦁  Negierung erstrangiger Einheiten und weiterer Aspekte:
1. Alles
2. Gott, Welt
3. Personen, Gemeinschaft
4. Ich, Individualität
5. Dinge/ Ideen
6. Sexualität, Liebe
      Negierung weiterer erstrangiger Einzelaspekte:
7. Zustände, Befinden
8. Wollen, Motivation
9. Besitz
10. Können, Möglichkeiten
11. Ordnung
12. Orientierungen
13. Freiheit
14. Kreativität, Realität
15. Ziele, Erfolge
16. Informationen
17. Wahrheit
18. Bedeutungen, Werte
19 Vergangenheit
20 Gegenwart, Zeit
21 Zukunft, Perspektive
22. Kompensation
23. Schutz.

R- INVERSIONEN

1. R Pro-FA
[R als A, R imitiert A, R verwandelt sich in fremdes A] = R- Inversion!
Ʃ rfuubsa Diff./ Einh.
F aseeupu Diff./ Einh. mit A-Verlust.
Die einzelnen Aspekte habe ich hier nicht weiter aufgeführt, da ich diese weiter unten näher bespreche.

2. R Hyper-R

[R ohne A, „absolutes R², R → als R wie es ist absolut gesetzt, R ersetzt A]
rfuubsa Diff./ Einh. → nur / ausschließlich / absolut und ohne A als rfuubsa Diff./ Einh. genommen.
Z.B.
Relatives, das auch absolut ist, → nur relativ genommen,
 
Fremdes, das auch es selbst ist, → nur fremd,
 
Uneigentliches, das auch eigentlich und real ist, → künstlich; Uneinheitliches, das auch einheitlich ist, → gespalten; usw. Materielles, das auch eine geistige Basis hat, → ausschließlich als Materie gesehen;
 
Unlebendiges, Funktionales, das auch eine lebendige Basis hat, → nur unlebendig; Relatives+ oder −, die nicht nur relativ sind, → nur relativ;
 
Objekte, die auch mit Subjekten zusammenhängen, → nur Objekte;
 
Teile eines Ganzen → nur als Teile ohne das Ganze;
 
Dinge, Objekte → ohne Geist ; Irdisches/ Welt → ohne Gott, ohne Himmel.

3. R F0

rfuubsa Diff./ Einh. → negiert, → fremdes 0.
Z.B.
Relatives → sinnlos oder völlig beziehungslos;
 
Fremdes → identitätslos, wesenlos;
 
Uneigentlicheres, aber Mögliches → völlig uneigentlich und unwirklich; Uneinheitlicheres bzw. weniger einheitliches, → uniform, chaotisch;
 
Bedingtes, relativ Unbestimmtes → völlig unbestimmt;
 
Sekundäres → völlig egal;
 
Relativ Abhängiges → völlig ungeborgen;
 
Materielles → entgeistigt und entmaterialisiert;
 
Relativ Lebendiges → devitalisiert und tot; Relativ + oder − → völlig egal;
 
Objekte → objektlos, zunichte;
 
Etwas, Teile → zunichte, zerstört;
 
Dinge → dinglos, zunichte;
 
Irdisches, Welt → weltlos, zunichte.

0 - INVERSIONEN
1. 0 → Pro-FA
Aus Nichts → eine Pro-FA Form
2. Kontra-FA
Aus Nichts → eine Kontra-FA-Form
3. 0 → F0
Aus Nichts → ein fremdes, uneigentliches Nichts.
u


Inversion bzgl. der 7 Dimensionsaspekte (optional)

Übersicht

Aus der Einteilung der einzelnen Dimensionsaspekte ergeben sich v.a. folgende Inversionsmöglichkeiten:[61]
1. Relatives macht man zum Absoluten und Absolutes zum Relativen oder Nichtigen.
2. Was an sich fremd ist, macht man zum Eigenen - und was an sich völlig es selbst ist (mit-sich-Identisches ist), macht man zum Fremden oder Uniformen.
3. Was an sich uneigentlich und scheinbar ist, macht man zum Eigentlichen - und was an sich ganz eigentlich ist, macht man zum Scheinbaren, Uneigentlichen.
4. Was an sich uneinheitlich ist, macht man zum Einheitlichen - und was an sich ganz einheitlich ist, macht man zu Teilen oder zum Uneinheitlichen.
5. Was an sich bedingt ist, macht man zum Unbedingten - und was an sich ganz unbedingt ist macht man zum Bedingten oder Nichtigen.
6. Was an sich sekundär oder nichtig ist macht man zum Primären - und was an sich ganz primär ist, macht man zum Sekundären oder Egalen.
7. Was an sich abhängig ist, macht man zum Unabhängigen - und was an sich ganz unabhängig ist, macht man zum Abhängigen. Summenformel: RFUUBSA
« ASEEUPU

Durch die Inversion wird WPI vor allem fehlabsolutiert/ fanatisiert und negiert, überidentifiziert und verfremdet, fehlindividualisiert und entindividualisiert, totalisiert und entdifferenziert, dogmatisiert, radikalisiert usw.

3 Hinweise

1. Hinweis: Der Mensch hat absolute und relative Anteile.
Der Mensch hat ein eigenes, unabhängiges Absolutes (die absolute Wahlmöglichkeit des Absoluten) und mehrere geschenkte, übertragene Absolutaspekte (s. allgemeine Menschenrechte).
Aus diesem Grund können durch Inversionen seine absolute Anteile negiert/ relativiert und seine relativen Anteile verabsolutiert werden. Im Gegensatz dazu steht etwa das Materielle, wie Dinge, Sachen, die keinen eigenen absoluten Anteil haben. Sie können deshalb auch nicht in sich invertiert werden (s. aber ggf. `Relativismus´). Die Person aber kann durch ihren eigenen absoluten Anteil bei sonstiger Relativität auch in sich selbst invertiert werden.

2. Hinweis: Verwendung synonymer oder analoger Begriffe bei verschiedenen Inversionen.
Teilweise verwende ich, wenn ich die verschiedenen Inversionen bespreche, neben den bisher genannten Begriffen auch synonyme bzw. analoge Begriffe. Die verschiedenen Dimensionen etwa wurden von mir bisher primär von Adjektiven bzw. Adverbien abgeleitet wie: absolut, relativ, eigentlich usw. Diese wiederum haben nun andere Synonyma, die ich zur eindeutigeren Darstellung dessen, was invertiert wird, auch, meist in substantivierter Form, verwende.
So stehen beispielsweise für „eigentlich“ auch die Synonyme „wirklich“, „tatsächlich“ und für „uneigentlich“ auch die Synonyme „unwirklich“ und „irreal“. Ich beschreibe dann die Inversion in dem entsprechenden Aspekt nicht nur als Inversion von eigentlich und uneigentlich, sondern spreche dann auch von einer Inversion von Wirklichkeit und Unwirklichkeit.
Bei der Darstellung der einzelnen Inversionen beschreibe ich deshalb i.d.R. nacheinander zwei verschiedene Formen: Zunächst die Umwandlung der relativen Form in eine absolute, dann die Umwandlung der absoluten Form in eine relative oder nichtige - schließlich eine entsprechende Analogie in substantivierter Form.
Beispiel: Inversion im Bereich des Seins.
1. Relatives Sein bekommt absolute und absolutes Sein bekommt eine relative oder nichtige Bedeutung.
2. Materielles bekommt geistige und Geistiges bekommt materielle Bedeutung. (Weil, so lautet die Hypothese, dem relativen Sein das Materielle, die Dinge und dem absoluten Sein eher das Geistige entspricht).

3. Hinweis
Wie beschrieben, bilden sich bei der Verabsolutierung eines Relativen drei Vektoren: ein primärer Pro-Vektor (der ein Pro-FA erzeugen kann) und zwei latente Gegen-Vektoren: ein konträrer Vektor (der ein Anti-FA erzeugen kann) und ein kontradiktorischer Vektor (der ein F0 erzeugen kann).

In der folgenden Besprechung der einzelnen 7 Dimensionsaspekte führe ich auf der linken Seite die Fehlverabsolutierungen auf und auf der rechten Seite die Negierungen des entsprechenden A.
Ich weise darauf hin, dass bei den entsprechenden Beispielen nur solche gemeint sind, die für den Betreffenden eine absolute Bedeutung haben.
Die Einteilung der absoluten Dimension in 7 Aspekte zeigt letztlich nur 7 Aspekte ein und derselben „Sache“, eben des Absoluten als Ganzem - das bedeutet auch, dass mit einer Änderung eines dieser Aspekte sich alle anderen mit ändern.

Ich folge bei der Besprechung der einzelnen Formen der Dimensionen und Differenzierungen also folgendem Grundmuster:

  Fehlverabsolutierungen und Negierungen

Fehlverabsolutierungen

Negierungen

   Dimensionen werden isoliert und totalisiert

a1 Absolutes/ Relatives

Fehlverabsolutierungen und Negierungen

Verabsolutierungen:
Rx wird verabsolutiert (x = 1 oder mehrere)
Annahme: R sei ganz absolut (pro oder kontra).
R sei = A
Z.B. Absolutaussagen:
„Immer bist du…
„Das (ein R) ist absolut sicher oder absolut wahr.“
„Der Mensch ist das Maß aller Dinge.“
„Dem Menschen ist nichts unmöglich.“
„Du bist meine Göttin.“ „Ich bete dich an.“
„Ich erziehe meine Kinder so, dass sie niemals…“
„Mein Lebensziel ist es, dass ich immer…“
„Eltern wollen nur das Beste.“

Negierungen:
A wird negiert
Annahme: A sei ganz relativ oder nichtig
z.B. Der Grundsatz: „Alle Menschen haben den gleichen Wert“ wird negiert.

Das unbedingte Absolute des Menschen oder die unbedingte Liebe Gottes zum Menschen, der primäre Sinn, die prinzipielle Erlöstheit usw. werden negiert oder aufgegeben.

Dimensionen werden isoliert und totalisiert

R insgesamt ohne A,  d.h. Das Relative an sich/ insgesamt wird verabsolutiert.
R an sich wird isoliert. R wird ohne A gesehen.
(Folge:→ „Multi-R“ / „Hyper-R“→ Relativismus)
z.B. Es gibt nichts Absolutes, wie Gott. Es gibt nur Relatives. Alles ist relativ.

A ohne R
(Folge: → „Hyper-A“)
z.B. Es gibt nur Absolutes. Es gibt nichts Relatives bzw. das Relative ist bedeutungslos. Etwa: nur Gott oder ein anderes Absolutes ist entscheidend.

Verben, die auf mögliche Inversion in diesem Aspekt hinweisen können (d.h. bei absoluter Bedeutung):
fanatisieren, radikalisieren, ideologisieren, schwören, dogmatisieren, indoktrinieren, säkularisieren.
 +*: sakralisieren, vergötzen, vergöttern, fetischisieren, idealisieren, anbeten, glorifizieren, verherrlichen, anhimmeln, beweihräuchern, zu sehr lieben = libidinisieren.
−*: dämonisieren, verteufeln, hassen, verdammen, verfluchen.
Mögliche Quellen: Atheismus, Aberglaube, Deismus, Quietismus, Mystizismus.

Fehlverabsolutierung erzeugt auch dessen Gegenteil und 0;
z.B. „Diese Frau ist absolut +“ erzeugt latent auch −, etwa weil diese Anbetung mit einer Selbstaufgabe verbunden ist oder immer anstrengender wird, aber auch 0, weil die eigentliche, „wirkliche“ Frau negiert wird. Auch: andere oder alle anderen Frauen sind gegenteilig oder nichts.
Oder: Die Verabsolutierung einer irdischen Stärke bedeutet auch die Verabsolutierung seines relativen Gegenteils der Schwäche. Ein weiteres Gegenteil ist die Fehlrelativierung etwa in der Form: das Gemeinte ist keine Stärke sondern Anderes. Und schließlich das kontradiktorischer Gegenteil: die Verneinung, d.h. das Gemeinte ist weder stark noch schwach. (Zu diesem Thema später mehr).
a2 Selbst/ Anderes

Anderes, Fremdes wird als eigentliches Selbst, als eigentliche Identität, als mit sich völlig identisch angesehen
und das eigentliche Selbst als fremd oder bedeutungslos

Fehlidentifikation  mit einem Anderen, Fremden:
Annahme: Das Andere, Fremde, sei das völlig Identische, sei das Selbst. Es habe eine absolute Identität.
Beispiele:
-Der Mensch bekäme durch ein etwas ihm Fremdes, ein absolutes Selbst und echte Identität.
-Das Irdische ist an sich uneindeutig bzw. vieldeutig. Es kann aber inversiv eindeutig dargestellt werden. z.B. Etwas wird als völlig eindeutig definiert - in Wirklichkeit
aber ist es nur relativ eindeutig.

Deidentifikation:
Annahme: Die eigentliche Identität, das Selbst, habe eine relativ oder keine Bedeutung.
Die tatsächlichen, erstrangigen Identitäten, vor allem die personale Identität - das Selbst werden aufgegeben.
Der einzelne Mensch wird nicht in seiner Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit gesehen. Damit wird auch der beste Schutz gegen Selbstwertkomplexe und Identitätsstörungen aufgegeben.
Beispiele:
-Der Mensch habe kein eigentliches Selbst, keine absolute Identität, nur eine relative.
Er sei nie ganz er selbst.
-Identifizierung der Person mit Dingen, Objekten.
-Identifizierung der Person mit etwas, das sie nicht oder nur teilweise ist. „Du bist wie dein Vater“, „Männer/ die Menschen/ Ausländer … sind alle gleich.“
-Primäre Definition der Person über seine (oder andere) Attribute. „Du bist ein böses Kind!“ Aber auch: „Du bist nur gut.“
Das bedeutet auch: die Etablierung eines attributiven Selbst anstelle des Kernselbst, der primären Identität.
-„Du kannst dein Selbst/dich/deine Identität/dein Gesicht verlieren, wenn du/ wenn ich /unter bestimmten Umständen …“
-„Ich bin nicht mehr Ich-Selbst, weil ich dieses oder jenes getan habe.“
-Zur Zeit scheint man in intellektuellen Kreisen „Authentizität“ als wichtigstes Identitätsziel zu sehen. „Hauptsache Du bist authentisch!“
Aber bin ich nicht in einem höheren Maß authentisch, wenn ich auch nicht authentisch sein darf? Und wer wird es nicht immer wieder sein?
Das bedeutet, dass in diesen Fällen die Unbedingtheit der Identität, des Selbst der Person in Frage gestellt wird, also ein personales A negiert wird.

Dimensionen werden isoliert und totalisiert

Annahme: Alles ist fremd. Es gibt kein Selbst.
→ „Hyper-Fremdes“

Alles ist identisch, es gibt nichts Fremdes.
→ „Hyper-Selbst“

Verben, die auf mögliche Inversion in diesem Aspekt hinweisen können (d.h. bei absoluter Bedeutung):
Sich mit etwas Relativem identifizieren, darüber definieren/
 entmündigen, Selbstbestimmung, −achtung nehmen, gleichschalten/
fehlidentifizieren, überidentifizieren, f. Vorbilder u. Ideale, Identität über Identifikation, Jd. etikettieren
Mögliche Quellen: (Auto) Determinismus, Operationalismus, z.T. Identitätsphilosophien.
Folgen v.a.: Mit-sich-Identisches, Selbst wird fremd oder identitätslos und Fremdes wird überidentisch oder zu fremd. (s.a. später).

a3 Eigentliches/ Mögliches

Mögliches, Künstliches, Unwirkliches wird als eigentlich, tatsächlich usw. dargestellt und erstrangige Realitäten, Wahrheiten als unwirklich oder nichtig gesehen.

Fehlrealisierungen“: Annahme: R als Mögliches, Künstliches, Unwirkliches sei ganz eigentlich, wirklich, wahr.
Beispiele: Z.B. Aussagen oder Haltungen wie:
„Es ist ganz klar, dass es so kommen musste.“
„Das ist so und kann nicht anders sein.“
„Es gibt nur objektive Tatsachen.“
Manche Menschen kennen kaum die Möglichkeitsform, den Konjunktiv. Sie verwenden dafür die Wirklichkeitsform, den Indikativ, auch wenn es sich nur um eine Möglichkeit handelt.

Derealisierungen:
Annahme: A, das Eigentliche, sei irreal, unwahr.
Die erstrangige Wirklichkeit, vor allem die Einzigartigkeit der Person, wird negiert oder aufgegeben.

Dimensionen werden isoliert und totalisiert

Annahme: Es gibt nur Irreales. Es gibt keine richtige Wirklichkeit. Es gibt keine absolute Wahrheit.

Es gibt nur eine Wirklichkeit. Es gibt nur eine einzige richtige Wirklichkeit und sonst nichts.
Es gibt nur eine Wahrheit und sonst nichts.

Verben, die auf mögliche Inversion in diesem Aspekt hinweisen können (d.h. bei absoluter Bedeutung):
lügen, täuschen, verdrehen, Wahres für falsch halten.
Mögliche Quellen: Realismus, Objektivismus, Positivismus, Faktizismus/ Antirealismus, Skeptizismus, Idealismus, Relativismus, Formalismus
.
Folgen: Wahres, Realistisches oder Künstliches wird hyperreal oder zu künstlich oder irreal.(s.a. später)
Z.B. „Objektivierungsdruck: Alle subjektiven Erfahrungen stehen unter dem hohen Druck der Objektivierung: Menschen wollen Techniken und Methoden an die Hand bekommen, die sie mit Garantie in den Flow führen. Solche Garantien gibt es nicht. Objektivierbar sind nur die Türen, nicht der Raum selbst. Aufgrund des Tractatus-Syndroms
[62] (`Nur sagen, was sich sagen lässt. Über alles andere muss man schweigen.´) wird daher mehr über die Türen gesprochen als über den Raum selbst. Das ursprünglich Wichtige kann dabei verloren gehen.“[63]Das wiederum fördert sein Gegenteil den `Anti- bzw. Postfaktizismus´.

a4 Einheitliches/ Teilweises

Teile werden wie Ganzes behandelt oder Ganzes wie Teile oder Uniformes.

Falsche Vereinheitlichungen, Generalisierungen, Vereinseitigungen:
Annahme: Ein Teil sei ein Ganzes. R als Uneinheitliches, als Teil sei ein vollständiges Ganzes, eine Einheit für sich; Relativa könnten für sich ein Ganzes bilden.

Beispiele: Aussagen oder Haltungen wie::
„Einer für alle, alle für einen.“ „Als Eltern müssen wir mit einer Stimme sprechen!“ „Alle Familienmitglieder müssen sich einem bestimmten Ziel unterordnen.“ Allgemeiner: „Wir müssen alle … " „Wir sind eins.“
„Wir Deutschen sind doch viel besser/ schlechter als andere.“
Wenn ich versuche, eins mit etwas/ jemand zu werden.
Auch: „Mein Denken und mein Handeln muss übereinstimmen, muss eine Einheit bilden.“

Spaltungen, Uniformierungen (Gegensatzbildungen):
Negiert wird: Die primäre Einheit und Ungespaltenheit des Personenkerns und der erstrangigen Wirklichkeit - damit auch der wirksamste Schutz gegen Spaltungsphänomene.
Annahme: A, das eigentliche Ganze, Vollständige sei nur ein Teil, es sei in sich oder zu R ganz gegensätzlich. Auch Relativa seien völlig voneinander getrennt bzw. sie stünden sich unvereinbar gegensätzlich entgegen.
Beispiele:
Der Mensch wird als die Summe seiner Teile gesehen (etwa als Konglomerat seiner Moleküle oder Atome o.ä.) Die primäre Einheit des Menschen wird in Teile zerlegt oder gar zersplittert oder diese werden zueinander in Gegensatz gesetzt.
Will man den Menschen primär z.B. durch digitales Denken (oder Denken in zweiwertigen Logiken) erfassen, so führt das zu Spaltungen, Paradoxien, Dilemmata, Verrückungen („Verrücktheiten“). Der Mensch wird dann in viele 1 oder 0, Alles oder Nichts, richtig oder falsch, Freund oder Feind aufgesplittert bzw. eingezwängt. Dann wird der eigentliche Dualismus zwischen + und −A auf -zig andere Bereiche übertragen, die dann auf den Menschen spaltend wirken. Es werden dann nicht nur das eigentliche −A, sondern eine ganze Reihe von −R ausgeschlossen, weil sie als absolut unannehmbar erlebt werden.

Dimensionen werden isoliert und totalisiert

Annahme: es gäbe nur Teile und kein Ganzes.

Annahme: Es gibt nur ein Ganzes. Alles ist einheitlich.

Verben, die auf mögliche Inversion in diesem Aspekt hinweisen können (d.h. bei absoluter Bedeutung):
pauschalieren, vereinseitigen, simplifizieren, falsch abstrahieren, über einen Kamm scheren, auch kitten, verkleben, zusammenschweißen, -quetschen, komprimieren, f. Einheiten, Ganzes machen, totalisieren, vereinnahmen, einverleiben, s. einmischen, einschließen
/ "zer-", zerstören, zerteilen, f.differenzieren, abspalten, aussondern, zu sehr zweifeln, isolieren, vereinzeln, P. „digitalisieren" auch: extremisieren, Grenzen überschreiten, entgrenzen.
Mögliche Quellen: Monismus, Holismus, Universalismus, Integralismus, Totalitarismus, Expansionismus
/ Dualismus Dialektik / Singularismus, Pluralismus, Atomismus Separatismus Reduktionismus
    Folgen (s.a. später v.a. unter STW Spaltungen und Fusionen).

Zur Spaltung, Gegensatzbildung und Fusion

Aus der letzten Tabelle wird deutlich, dass Inversion auch Spaltung, Gegensatzbildung oder Fusion bedeutet.
Man kann „äußere" und „innere" Spaltungen, Gegensatzbildungen und Fusionen unterscheiden.
    a) Wie kommt es zur „äußeren" Spaltung, Gegensatzbildung und Fusion?
Jedes Relative hat nicht nur in sich verschiedene Seiten, sondern besitzt auch ein oder mehrere relative Gegenüber, wobei auch diese, im Fall der Verabsolutierungen, zu absoluten Gegensätzen werden. Das bedeutet auch, dass wir mit jeder Fehlverabsolutierung auch deren Gegenteile mitwählen, auch wenn wir das nicht wollen.
Mit einem +Teil wählen wir auch das − Gegenteil, mit dem zu Positiven auch das zu Negative; mit dem Götzen erzeugen wir auch den dazugehörigen Teufel und das Nichts; mit jedem Pro * wählen wir auch zwei Kontras*; mit jedem Spieler* zwei Gegenspieler.
Konkret: Mit der positiven Verabsolutierung etwa von Besitz fürchten wir umso mehr die Armut und das Nichts. Wählen wir den unbedingten Sieg, dann (unbewusst) auch eine unbedingte Niederlage. Wollen wir auf jeden Fall absolute Freiheit, dann werden wir auch den Zwang mitbekommen. Halten wir das Wohlbefinden für das Höchste, wird sich umso eher Leid einschleichen. Wollen wir einen Partner um jeden Preis festhalten, ist die Trennung schon vorprogrammiert. Mache ich eine Person zu meinem „Ein und Alles”, dann fördert dies das Gegenteil (etwa den Verlust der geliebten Person) und alles Übrige verliert an Bedeutung und wird mehr oder weniger zum Nichts. Selbst die ursprüngliche eigentliche Person, die man idealisierte, wird negiert.
Am Ende haben wir keine Dreieinigkeit, sondern eher eine Dreispaltigkeit. Aber diese Dreispaltigkeit, diese Triade ist eine besondere, denn die drei Teile sind nicht nur voneinander geschieden und stehen sich gegensätzlich gegenüber, sondern haben quasi eine gemeinsame Wurzel, ein gemeinsames eisernes Band, das sie zusammenschweißt. Sie sind scheinabsolut getrennt und scheinabsolut zusammengeschweißt. Sie sind drei gegensätzliche Teile eines eigenartigen Ganzen, das eben doch kein echtes Ganzes, sondern ein Scheinganzes ist.
(S. später mehr bei Charakteristik des `Es´).
    b) Wie kommt es zur „inneren" Spaltung, Gegensatzbildung und Fusion?
Wie erwähnt, gehe ich von der Hypothese aus, dass kein Relatives nur eine einzige Eigenschaft hat, sondern auch sein relatives Gegenteil und andere Eigenschaften in sich birgt. Durch die Verabsolutierung bekommen nun die einzelnen Anteile eines jeden Relativen quasi-absoluten Charakter, d.h. die vorher fließenden Übergänge verschwinden und stattdessen entstehen neue fremde Grenzen, die neue fremde Anteile scharf voneinander trennen.
Es wird das ganze Relative verabsolutiert, auch wenn vordergründig nur eine Seite verabsolutiert wurde. Wird nun ein Relatives etwa positiv verabsolutiert, so wird zwar dessen negative und 0-Seite unterdrückt, sie bleiben aber potenziell bzw. im Hintergrund, auch absolutiert, erhalten. Schließlich wird durch die Verabsolutierung das ursprüngliche, eigentliche Relative auch negiert.
Wenn ich etwa Erfolg verabsolutiere, dann wird dieser zu positive Erfolg auch zu negativ (etwa, weil ich nun zum Erfolg verdammt bin und fürchten muss, ihn nicht zu erreichen oder wenn ich ihn erreicht habe, ihn zu verlieren). Der Erfolg* wird dann zu positiv und zu negativ (und zu nichtig) zugleich.

Jede Inversion ist so letztlich doppelt trivektoriell spaltend, denn sie erzeugt 3 gegensätzliche FA mit je 3 gegensätzlichen Seiten. D.h. Die Inversion hat
1. drei „äußere Vektoren“: einen primären Pro-Vektor und zwei latente Gegen-Vektoren (einen konträren Vektor und einen kontradiktorischen Vektor).
2. drei „innere Vektoren“, die die dominante Vorderseite und zwei Kehrseiten (konträr und kontradiktorisch) erzeugen.
Jede unkorrigierte Inversion führt so letztlich zu einem komplexen, in sich mehrfach gespaltenen Gebilde, das wir später „Es“ nennen wollen und das eine entscheidende Rolle bei der Krankheitsentstehung spielt.
Man sieht, dass mit jeder Inversion schon die Grundlage zur späteren Spaltungen, Widersprüchen, Paradoxien, Verkehrungen ins Gegenteil usw. gelegt wird, wie sie vor allem bei der Bildung von schizophrenen Psychosen zu sehen sind.

 a5 Unbedingtes/ Bedingtes

Inversion von Bedingtem und Unbedingtem
Inversiv wirkt es, wenn Relatives als Bedingtes als absolut und unbedingt angesehen wird und andererseits das eigentliche Absolute als das Unbedingte und Freie als bedingt oder unfrei oder nichtig behandelt wird. Etwa entsprechend der Inversion von Sicherheit bzw. Konstanz und Zufälligkeit.

Bedingtes wird unbedingt und Unbedingtes wird bedingt oder nichtig genommen

Fixierungen, falsche Determinierungen, Nötigungen („falsches MUSS“):
Annahme: R sei ganz unbedingt, gäbe es auf jeden Fall, immer, sicher.
Auch: R sei ganz frei
Beispiele:
Wenn wir Wahrscheinliches für absolut sicher halten.[64]
Wenn wir (unbedingte) Forderungen statt Wünsche an uns oder das Leben haben;
Wenn wir zu „Muss-Menschen“ werden.
Wenn wir uns oder Andere nötigen oder dogmatische Ansichten vertreten.
Man postuliert ein Muss, wo kein Muss ist.
Aussagen oder Haltungen wie:
„Du musst unbedingt so oder so werden.“
„Das sind für mich eiserne Prinzipien!“
„Es gibt keine Zufälle, alles ist vorherbestimmt.“
„Ich schwöre dir…“
„Das stimmt auf alle Fälle!“
„Dies oder das muss ich unbedingt, um jeden Preis, erreichen!“
„Ich muss im Leben unbedingt gesund/ erfolgreich … sein, sonst hat es keinen Sinn.“

Entwurzelungen, Verunsicherungen:
Annahme: A sei unfrei, A sei ganz unbestimmt, unsicher
A sei völlig determiniert und fixiert;
Wenn wir absolut Sicheres für wenig wahrscheinlich oder unwahrscheinlich halten.
Die Unbedingtheit und Freiheit der Person, ihre unbedingte Existenzberechtigung wird negiert oder aufgegeben. Damit wird auch die stärkste Kraft gegen Zwänge und Unterdrückungen aufgegeben.

Dimensionen werden isoliert und totalisiert

Annahme: Es gibt nur Bedingtes, Unsicherheit.
Es gibt keine absolute Sicherheit.

Es gibt nur Unbedingtes, wie Sicherheit.
Alles ist unbedingt, alles ist absolut sicher.

Verben, die auf eine Inversion in diesem Bereich hinweisen:
schwören, f. bestimmen, dogmatisieren, nötigen/ Unbedingtes¹ zum Bedingten² machen/negieren keine notwendigen Bedingungen erfüllen.

Mögliche Quellen: Dogmatismus, Determinismus, Fatalismus, z.T. Skeptizismus,
Folgen (s.a. später).

a6 Primäres/ Sekundäres

Sekundäres, Nachrangiges wird primär und Primäres wird als sekundär oder nichtig angesehen

Falsche Überordnung, Extremisierung, Radikalisierung:
Annahme: R, Zweitrangiges, Sekundäres sei das Allererste, Wichtigste… Nebensachen werden zu Hauptsachen gemacht.

Beispiele: „Das Allerwichtigste ist Gesundheit/ Erfolg/ Harmonie / Moral/ Besitz/ Karriere/ Ideale…“
Die Verwendung von Superlativen für relative Handlungen oder Vorgänge ist typisch.

Falsche Unterordnung:
Annahme: A sei zweitrangig, unbedeutend, sei kein Grund, keine Mitte.
Der primäre Grund, die Quelle, die Mitte, die Hauptsache des Seins und Lebens wird negiert oder aufgegeben.
Bezüglich der Person: Die unbedingte Würde der Person, auch die Mitte der Grund der Person wird aufgegeben oder negiert.

Z.B.: Wenn der Mensch sich Sachzwängen oder Dingen unterordnet. Insgesamt: wenn der Mensch sich Anderem als Gott unterordnet.[65]

Dimensionen werden isoliert und totalisiert

Annahme: Es gibt keine primären Ursachen.
Es gibt nur Folgen.

Es gibt keine Folgen. Es gibt nur Primärursachen.
Falls es Folgen oder Sekundärursachen gibt, sind sie unbedeutend.


Verben, die auf mögliche Inversion in diesem Aspekt hinweisen können (d.h. bei absoluter Bedeutung):
radikalisieren, prostituieren, unterordnen; auch f. Vorbilder, Vorwände, Vorurteile, Vorbehalte, Vorbedingungen, aus zweiter Hand leben, pervertieren, Pferd von hinten aufzäumen, Unterstellungen/
übertreiben überhöhen.
Mögliche Quellen: Radikalismus, Extremismus.
Folgen (s.a. später)
.

Weitere Beispiele
Ich finde, dass wir Menschen oft den Fehler machen, die Ebenen, in denen sich Probleme befinden, zu vertauschen. Wir starren oft auf ein Symptom, wie etwa unsere Herzbeschwerden, schlechten Schlaf oder Alltagssorgen und wir versuchen dann nur, diese zu beseitigen, ohne deren Ursachen zu bedenken. D.h. wir suchen Problemlösungen oft nur im relativen Bereich. Dadurch bleiben wir aber nicht nur in einer symptomatischen Behandlung stecken, sondern verstärken das Symptom noch zusätzlich. (Parallelen zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung). Wenn ich nachts im Bett liege und irgend welche Probleme wälze und dann Herzbeschwerden bekomme und mich nur darauf konzentriere, wie ich diese beseitigen kann oder wie ich meinen Schlaf wiederfinde (vordergründig und symptomatisch), dann merke ich, wenn ich die Symptome nicht „in den Griff“ bekomme, wie sich meine Herzbeschwerden verstärken und mein Schlaf eher schlechter wird. Jeder von uns weiß ja auch, um ein anderes Beispiel zu nennen, wie unsinnig es ist, sich krampfhaft zu bemühen, einen vergessenen Namen zu erinnern oder, wie bei Stotterern sehr häufig, bestimmte Worte fehlerfrei aussprechen zu müssen. Wir sind dann Gefangene der Situation, uns fehlt dann jener Absolutbereich (wörtlich: ein Bereich des Losgelöstseins), der das Problem relativiert und uns gelassen sein lässt. Ich denke, diese kleinen Beispiele können auch für unser Leben überhaupt stehen.

                        Symbolbild:

a7 Unabhängiges/ Abhängiges

    Inversiv wirkt, wenn das Relative als Unselbständiges autonom und andererseits das eigentlich Selbständige abhängig oder nichtig angesehen wird.

Unselbständiges wird autonom und andererseits das eigentliche Selbständige als abhängig oder nichtig angesehen