II. M E T A P S Y C H O L O G I E
        INHALT
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Einführung                                   

                                                                             Am Anfang war das Wort,
                                                                            und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort…
                                                                            Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht
                                                                            und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.
                                                                            In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. (Joh 1, 1-4)

 Definitionen und Hypothesen:
           • Metapsychologie ist die Lehre von allem psychisch Relevanten.
           • Alles, worüber ein Mensch spricht bzw. sprechen kann, ist psychisch relevant.
           • Psychisch Relevantes wird am besten durch Sprache ausgedrückt.
  
        • Für die Einteilung von psychisch Relevantem sind allgemeine Sprachstrukturen als Analoga sehr geeignet.
          
• Psychologie ist die Lehre vom personalen psychisch Relevanten (s. später).

Ich verstehe unter Metapsychologie - entsprechend der mehrfachen Bedeutung des Präfix `meta´ (über, zwischen, hinter, jenseits) - einen Bereich, der nicht nur die Psychologie selbst und alle Fächer, die mit ihr zusammenhängen, umfasst, sondern vor allem eine Betrachtungsebene oberhalb der Psychologie darstellt, von der aus sie reflektiert und bestimmt werden kann.
Zu den Disziplinen, die mit der Psychologie zusammenhängen, zähle ich vor allem - neben der Psychiatrie - Soziologie, Neurologie, Biologie und Linguistik;
Zu den Disziplinen, die mit der Psychologie zusammenhängen, aber auch deren Grundlagen von einem übergeordneten Standpunkt („Weltanschauungs-Perspektive“) aus reflektieren, zähle ich Philosophie (Metaphysik) und Theologie bzw. Religionswissenschaft.
Das Thema der Psychologie ist die Psyche. Das Thema der Metapsychologie ist alles das, was mit der Psyche zusammenhängt, eine Bedeutung für sie hat, auf sie wirken kann und sie von einer höheren Ebene aus reflektiert. Es geht also in der Metapsychologie um alles psychisch Relevante (pR) und dessen Reflexion. Man könnte sagen: Metapsychologie ist die Lehre vom psychisch Relevanten und seiner Reflexion.
Die Beachtung des metapsychologischen Bereichs und ihres „Gegenstands“, des psychisch Relevanten, ist deshalb sinnvoll, weil die isolierte Betrachtung der Psyche ganz wichtige Zusammenhänge außer Acht lässt.
Es geht mir deshalb um die Beachtung aller Dimensionen des Menschseins und nicht nur der wissenschaftlich zugänglichen. D.h. neben allen wissenschaftlichen Erkenntnissen soll auch das Beachtung finden, was über unsere Erfahrungen, über das Beweisbare, über das sinnlich Wahrnehmbare hinausgeht: alle relevanten metaphysischen, philosophischen und religiösen Phänomene, weil sie von existenzieller Bedeutung sind.[1]
Im Unterschied zur oben genannten Betrachtungsweise wird der Begriff „Metapsychologie“ - in Anlehnung an Freud - vor allem von der Psychoanalyse zur Beschreibung der dynamischen, topischen und ökonomischen Beziehungen psychischer Phänomene verwendet. In der Topik ging es Freud vor allem um die Instanzen Ich, Es und Über-Ich; in der Dynamik um die Kräfte zwischen diesen seelischen Instanzen; in der Ökonomik um den Nutzen bestimmter seelischer Vorgänge für den Betreffenden. Auch in dieser Arbeit geht es um strukturelle, dynamische und qualitative Aspekte, die den psychoanalytischen Theorien durchaus ähneln, wobei letztere aber nur einen Teil der Metapsychologie und Psychologie darstellen und auch aus einer anderen Perspektive dargestellt werden.
[Der Topik Freuds entsprächen etwa die personalen Repräsentanten psychisch relevanter (pr) Substantive und Subjekte; der Dynamik die der pr Verben und Prädikate und der Ökonomik v.a. die Repräsentanten der Dimensionen.]
Umfassender kann man sagen, dass alle schulmedizinischen Modelle nicht über eine anthropologische Sicht hinausgehen; d.h. sie sehen die Psyche und ihre Erkrankungen, nach den Begriffen dieser Arbeit, nur aus einer horizontalen Perspektive, die Analyse- und Therapiemöglichkeiten  deutlich einschränkt. Deshalb bleiben vor allem Fragen, die für die Menschen am wichtigsten sind und existenzielle Bedeutung haben, nicht oder zu wenig beantwortet. Darauf haben vor allem die Existenzialphilosophen hingewiesen (s.a. Vorwort dieser Arbeit).
Da wir auf die existenziellen Probleme nur einen bedingten Einfluss haben, werden sie verständlicherweise gern verdrängt. Damit aber engen wir uns erheblich ein. Wir können dann nicht über uns selbst hinausgehen, sind auf uns selbst zurückgeworfen und werden, ob aus Angst oder falschem Stolz, dann zum alleingelassenen Mittelpunkt unserer eingeengten Welt. Der Mensch lebt dann auch in Spaltung und Verfremdung zu sich, zu anderen Menschen und zur Wirklichkeit, weil er nicht mehr eingebettet ist in das große Ganze, in den Urgrund, in Gott. Außerdem entsteht zwischen ihm als Subjekt und den „Objekten” eine Spaltung, wo an sich nur ein relativer Unterschied besteht. Schließlich gerät der Mensch in eine prinzipielle Überforderung - wichtige Bedingungen für seelische Krankheiten.
    Metapsychologisches soll (wie auch die anderen Kapitel) erst allgemein und dann speziell anhand einiger metapsychologische Themen, die für diese Arbeit wichtig sind behandelt werden. Das ist nur eine Auswahl, denn im Grunde genommen sind alle Themen, die sich mit dem Menschen beschäftigen und vor allem in Philosophie, Theologie, Anthropologie, Psychiatrie und Psychologie selbst behandelt werden, psychisch relevant.
• Der erste Abschnitt („Allgemeines psychisch Relevantes“) ist gegliedert in eine „horizontale“ und eine „vertikale“ Einteilung des psychisch Relevanten.
Horizontale Einteilung: Differenzierung des psychisch Relevanten durch Analogien von grundsätzlichen Sprachstrukturen her.
Vertikale Einteilung: Das psychisch Relevante in seinen Dimensionen.
• Im zweiten Abschnitt behandele ich spezielle metapsychologische Themen. Die Psyche selbst steht im Kapitel danach im Mittelpunkt.

Allgemeines psychisch Relevantes

Einführung und Einteilung

Es geht hier allgemein um alles, was psychisch relevant ist.[2]
Abkürzungen: psychisch Relevantes = pR; bzw. psychisch relevant = pr.
Synonyme: psychisch/ seelisch Bedeutsames (sB), -Wichtiges, -Wirkliches.

Es ist fast alles psychisch relevant (pr). Und wenn etwas faktisch nicht pr ist, so doch potenziell. Es ist schwer, sich etwas vorzustellen, das nicht pr ist oder werden könnte.
Der Begriff `Wirklichkeit´ kommt dem allgemeinen psychisch Relevanten am nächsten, wenn man unter Wirklichkeit alles das versteht, das auf uns wirkt. Dazu gehören neben den objektiven dann auch die subjektiven Sachverhalte. Andererseits umfasst der Begriff Wirklichkeit umgangssprachlich normalerweise nicht das Mögliche, auch nicht das Transzendente und auch nicht das Nichts - die aber für die Psyche durchaus von Bedeutung sind. Wenn ich hier den Begriff Wirklichkeit verwende, dann entspricht er annähernd dem allgemeinen psychisch Relevanten.[3] (Im Gegensatz zu dem Begriff `Realität´, der in dieser Arbeit für das Faktische, das mit den Sinnen Erfassbare und Nachweisbare steht).

Es geht  darum, das psychisch Relevante (pR) zu differenzieren und seiner Bedeutung nach zu ordnen.
Man kann auch sagen:
Es geht um eine adäquate Einteilung der Wirklichkeit/ Welt nach ihrer Bedeutung für die menschliche Psyche.

Ich versuche eine Einteilung, die einerseits Akzente setzt, andererseits nichts psychisch Relevantes von vornherein ausschließt.
Ich teile das psychisch Relevante bzw. die Wirklichkeiten ganz allgemein ein nach:

● Differenzierungen
● Dimensionen

Bezüglich der Differenzierung leite ich Grundmuster des psychisch Relevanten wie auch der Psyche von Grundmustern der Sprache ab.
Ich beziehe mich hier auf einfache Grammatiken entwickelter Sprachen.

Dabei unterscheide ich mehrere Differenzierungsstufen und möchte hier die erste kurz vorwegnehmen:
Aus den Hauptwortarten: Substantive, Verben und Adjektive und aus der Syntax werden abgeleitet:
Formen von Sein (= EInheiten), Leben (= Dynamik), Qualitäten und deren Zusammenhänge.[4]


  Die `DIMENSIONEN´ des seelisch Relevanten, so auch die genannten Differenzierungen, teile ich ein in:

    - Absolutes (absolute Dimension)
    - Relatives (relative Dimensionen)
    - das Nichts[5]

Die Dimensionen sind metasprachlich und teilweise metapsychologisch.
Sie stellen die sogenannte vertikale Einteilung dieser Arbeit dar.
Sie sind gegenüber den Differenzierungen bestimmend.
Sie sagen v.a. etwas über die Stellung und Bedeutung des pR aus.

  

Nimmt man Differenzierung und Dimensionierung zusammen, so ergibt sich folgendes Bild:

                                                                                  
Das psychisch Relevante bzw. die pr Wirklichkeit wird durch die Differenzierungen und Dimensionen wie durch eine horizontale und eine vertikale Ebene eingeteilt.
In der horizontalen Einteilung differenzieren grundlegende Sprachstrukturen das psychisch Relevante so, als würde man ein Netz mit Koordinaten waagerecht über das zu Bestimmende legen, um es zu ordnen. Horizontal bzw. waagerecht nenne ich die Einteilung deshalb, weil durch sie keine Aussage darüber gemacht wird, welche Wichtigkeit („Höhe“) das Gemeinte hat. Darüber gibt die senkrechte Einteilung Auskunft, die die Dimensionen des psychisch Relevanten anzeigt.
Es geht also um eine Differenzierung des pR in bestimmten Dimensionen durch Sprache.
Man kann auch sagen: Das psychisch Relevante „besteht“ aus dem, was man über die Wirklichkeiten (Personen, Umwelt usw.) aussagen kann und ob dieses absolute oder relative (oder keine) Bedeutung hat.


Die grundlegende Einteilung in Dimensionen und Differenzierungen des psychisch Relevanten dient als Grundlage für die Einteilung aller Kapitel; d.h. nicht nur für die Kapitel Metapsychologie und Psychologie, sondern auch für das Kapitel der Psychiatrie, der psychischen Krankheiten und ihrer Genese z.T. auch der Therapie.
In den folgenden Abschnitten sollen zunächst die Differenzierungen und die Dimensionen des seelisch Relevanten, wie sie in dieser Arbeit verwendet werden, näher beschrieben werden. Schließlich, wie einzelne pr Einheiten dimensioniert und differenziert sind.




Einteilungsstufen

Ich unterscheide 3 Stufen in der Einteilung des psychisch Relevanten - sowohl der Dimensionen als auch der Differenzierungen:

DIMENSIONEN

DIFFERENZIERUNGEN

1. Dimensionsstufe:
Absolutes (A), Relatives (R) und Nichts (0).

1. Differenzierungsstufe:
4 Hauptaspekte: Sein, Leben, Qualitäten, Zusammenhänge
(Abkzg. SLQZ)

2. Dimensionsstufe:
Die 7 Synonyme des Absoluten und Relativen.

2. Differenzierungsstufe:
23 Einzelaspekte

3. Dimensionsstufe:
Alle in der Gesamtübersichtstabelle aufgeführten Begriffe, die Dimensionen betreffend.

3. Differenzierungsstufe:
Alle in der Gesamtübersichtstabelle aufgeführten Begriffe, die Differenzierungen betreffend.


Hinweis: Von den Dimensionen her verwende ich der Einfachheit halber oft nur die 1. Einteilungsstufe (AR0),
um die absolute, relative oder Null-Bedeutung der Aspekte zu kennzeichnen.
Von den Differenzierungen her verwende ich meist die 1. und 2. Stufe. (Dazu später mehr.)


Allgemeine Differenzierungen (Analogie von Sprache und psychisch Relevantem)

Sprache und psychisch Relevantes

                                                                                            „Sprache ist mehr als Blut.“
                                                                                             Franz Rosenzweig [6]

Die Differenzierung des psychisch Relevanten beruht auf der Annahme einer Analogie zwischen Sprache und seelisch Relevantem - so auch der Psyche.
Ich wiederhole: Seelisch Relevantes (also alles in der Welt, das eine Bedeutung für uns hat) kann „horizontal“ und „vertikal“ eingeteilt werden. Die horizontale Einteilung soll seelisch Relevantes differenzieren, die vertikale Einteilung soll mit ihren Dimensionen Auskunft über die Bedeutung des Differenzierten geben.
Die Differenzierung gleicht, wie erwähnt, dem Gitternetz von Längen- und Breitengraden, mit der wir die Erdoberfläche eingeteilt haben, um uns zu orientieren. Bei der Betrachtung des seelisch Relevanten vermittelt die Sprache diese „Längen- und Breitengrade“ („horizontale Einteilung“), während die Dimensionen des Absoluten, Relativen und Nichts uns Auskunft darüber geben, welche „Höhe“ (Bedeutung) das Gemeinte hat („vertikale Einteilung“).

In diesem Kapitel geht es zunächst um die Differenzierung von psychisch Relevanten („horizontale Einteilung“) in Analogie zu allgemeinen Sprachmustern.

Kein anderes Instrument gibt uns so viele Informationen über den psychisch relevanten Bereich wie die Sprache. Sie hat nicht nur individuelle, sondern auch allgemeine Ausdrucksformen und Bedeutungen.
Psyche selbst kann nur indirekt bestimmt werden. Man kann aus dem Verhalten der Menschen, ihren Träumen, der Kultur allgemein und der Kunst speziell  oder der Geschichte der Menschheit aber auch aus der Sprache und vielen anderen Quellen Rückschlüsse auf die Psyche und auf das, was für sie bedeutsam ist, ziehen.
Die Sprache ist also keineswegs das einzige, aber, wie ich meine, das wichtigste Mittel der Menschen, um das auszudrücken, was sie angeht. Das scheint der Alltagserfahrung zu entsprechen. Erfahren wir nicht am meisten über die Welt und über uns Menschen durch das, was wir sagen? Ist Sprache nicht deshalb
dafür geeignet, Rückschlüsse auf unser Inneres zu ziehen, weil Sprache am besten Psyche und was für diese relevant ist widerspiegelt?
Ich denke ja. Sprache erscheint
so als erstrangiges metapsychologisches Instrument/ Medium, um auch Aussagen über die Psyche zu machen.

            Aus diesem Grunde liegt es nahe, grundlegende Sprach
charakteristika als Analogien oder Homologien für grundlegende psychische und psychisch relevante Charakteristika zu verwenden.
Einen ähnlichen Gedanken hatten schon Lévi-Strauss und Lacan, die eine `Homologie´ von Sprache und (allerdings nur) dem Unbewussten postulierten.
(Siehe z.B. https://de.wikipedia.org/wiki/Strukturalismus 4, 2017.)

Ich möchte deren Hypothese, das Unbewusste sei strukturiert wie die Sprache, erweitern und präzisieren. Ich glaube:

• Grundlegende Charakteristika  der Sprache inbezug auf ihre Struktur, Dynamik und Qualitätsaussagen finden sich auch allgemein im psychisch Relevanten und speziell in der Psyche wieder.
Nur die Psyche betreffend:
• Psyche zeigt analoge Charakteristika wie die Sprache in Bezug auf ihre Struktur, Dynamik und Bedeutungsinhalte.

Ich meine, in der Sprachentwicklung hat in allgemeinen Sprachbestandteilen und -regeln vor allem das seinen Niederschlag gefunden, was seit Jahrtausenden für Menschen seelisch wichtig ist. Was für sie wichtig ist, hat die Menschheit aber nicht nur durch Worte und Begriffe, sondern auch durch entsprechende Wortarten und Satzglieder festgelegt. Die Menschheit hat so mit der Sprache nicht nur bestimmten Phänomenen Begriffe zugeordnet, sondern sie widerspiegelt auch  deren Verbindungen und Funktionen als Ausdruck unserer Psychen und ihrer Welterfahrung. Deshalb bilden allgemeine, basale Sprachbestandteile, wie die Wortarten, hervorragende Analoga zur Darstellung allgemeiner psychisch relevanter „Grundbausteine“ - und die Syntax wiederum gibt uns in Form von Subjekt, Objekt, Prädikat und deren Funktionen Hinweise auf analoge psychische Formen und deren Funktionen und die Semantik zeigt deren Bedeutungen.
Wie die Sprache sehe ich auch die Psyche als hochdiffenziertes System, das einerseits bestimmte Charakteristika hat, andererseits aber sehr flexibel und immer lebendig ist.
In Analogie zur Grammatik der Sprache könnte man von einer Grammatik der Psyche sprechen.
Dabei gehe ich in dieser Arbeit von einfachen Grammatiken entwickelter Sprachen aus, die in ihren Regeln im Wesentlichen übereinstimmen. Hier kann ich nur kurz auf dieses Thema eingehen.
[7]

1. Differenzierungsstufe (→ 4 "Hauptaspekte")

Eine grundlegende Einteilung, die sich in fast allen entwickelten Sprachen wiederfindet, ist, von den Wortarten her, die von Substantiven, Verben und Adjektiven und die von Subjekt und Prädikat aus syntaktischer Sicht. Legt man diese Gedanken zugrunde, wird man feststellen, dass in allen üblichen Sätzen vier Komponenten enthalten sind:
• Erstens eine Komponente, die eine mehr statisch-strukturelle Seite der Welt und ihrer "Einheiten" repräsentiert und die ich unter dem Begriff „Sein“ (S) zusammenfasse. Diese Komponente wird in der Sprache v.a. durch Substantive (von den Wortarten her) und durch Subjekt und Objekte (von der Syntax her) repräsentiert. Eine besondere Rolle spielen dabei Personen - als quasi lebendige Seinsformen - weil sie als primäre Subjekte fungieren können. (Dazu später mehr).
• Zweitens eine Komponente, die Dynamiken bzw. „Bewegungen“ (Aktionen und Funktionen) darstellt und die ich unter dem Begriff „Leben“ (L) bzw. Lebens-Formen zusammenfasse.
Sie wird von der Sprache her v.a. von den Verben bzw. dem Prädikat repräsentiert.
• Schließlich drittens eine qualitative Komponente, unter dem Begriff „Qualität“ (Q) zusammengefasst, die sprachlich v.a. von den Adjektiven repräsentiert wird.
• Hinzukommt als Viertes der Zusammenhang (Z) dieser vier Hauptaspekte - sprachlich v.a. durch die Syntax repräsentiert.[8]
(s. folgende Tabelle)

1. Differenzierungsstufe

S P R A C H F O R M E N

P s y c h i s c h   r e l e v a n t e  F o r m e n


                                       HAUPTASPEKTE

        Wortart

Substantive

I. Seins-Formen

Einheiten

Verben

II. Lebens-Formen

Dynamiken

Adjektive

III. Qualitäten

Qualitäten

                               Syntax

IV. Zusammenhänge

Zusammenhänge,
Subjekte/ Objekte
















In Anlehnung an die psychoanalytische Terminologie könnte man formulieren: Die Instanzen (Topik) werden repräsentiert durch seelisch relevante Substantive; die Dynamik durch seelisch relevanten Verben; die Qualitäten durch seelisch relevante Adjektive; und deren Zusammenhänge durch seelisch relevante Subjekt-Prädikat-Objekt-Beziehungen usw.
Man kann also psychisch Relevantes, ebenso wie Sprache, in diese vier Hauptkomponenten: Sein, Leben, Qualitäten und deren Zusammenhänge einteilen. Abgekürzt: SLQZ.

    Alles psychisch Relevante hat also erstens eine Seins-Komponente, zweitens eine dynamische (Leben), drittens eine qualitative Komponente und schließlich einen Kontext - so wie in der Sprache, jede sinnvolle Aussage aus einem Subjekt (in der Regel repräsentiert durch ein Substantiv) und einem Prädikat (in der Regel repräsentiert durch ein Verb) besteht und es dabei um bestimmte Qualitäten (Hauptrepräsentant: Adjektive) und deren Kontext geht. Das, was Substantive, Verben und Adjektive repräsentieren, existiert in bestimmten Zusammenhängen, die sprachlich in syntaktischen und morphologischen Regeln ihren Niederschlag finden. Anders gesagt: Bei allem seelisch Bedeutsamen finden sich diese vier Komponenten in bestimmten Zusammenhängen immer wieder. Das heißt auch: Es gibt keine seelisch relevante Struktur ohne „Bewegung“ (Dynamik) und ohne bestimmte Qualitäten; ebenso keine Bewegung oder Qualität losgelöst vom Statisch-Strukturellen. So hat alles Lebendige auch eine Seinsform - und dies in bestimmter Art und Weise und in bestimmten Zusammenhängen. Sein und Leben sind in bestimmten Qualitäten untrennbar ineinander verflochten.[9]  Dabei findet dieses Zusammenspiel auf verschiedenen Ebenen bzw. Dimensionen statt, die später noch erläutert werden sollen.
    Ich habe dann in einer „2. Differenzierungsstufe“, auch in Analogie zur Sprache, die 4 Hauptaspekte des seelisch Relevanten und der Psyche bis auf 23 Aspekte weiter differenziert. Am Ende aller Differenzierungen stünde das, was alle möglichen pr Worte in ihrer unendlichen Vielfalt repräsentieren.
Diese fast unbegrenzte Differenzierung muss natürlich im Rahmen dieser Arbeit erheblich eingeschränkt werden. Dennoch ist es mir wichtig, nicht in einem geschlossenen theoretischen System zu arbeiten, sondern diese Vielfalt, zumindest potenziell, zu erhalten, d.h. seelisch Relevantes, wie auch die Sprache selbst, als offenes System darzustellen. Das erscheint mir deshalb einleuchtend, weil alles in dieser Welt für den einen oder anderen Menschen oder für ganze Gruppen von besonderer Bedeutung werden kann und man Bedeutsames nicht von vornherein auf bestimmte Themen einschränken sollte, wie etwa die Beziehung der Kinder zu den Eltern oder Sexualität usw. Selbst wenn diese Themen auch für die meisten Menschen wahrscheinlich auch in Zukunft bedeutend bleiben, so können doch andere Probleme, auch solche, die wir heute noch nicht sehen, eine durchaus größere Bedeutung gewinnen. Man denke nur daran, welche Rolle in früheren Zeiten die Verletzung der Ehre, adlige Herkunft usw. hatten - Themen, die heute kaum noch eine Rolle spielen -, während gegenwärtig zerstörte Umwelt und religiöser Fundamentalismus für die Menschen als existenziell bedrohlich erlebt werden. Die Sprache-Psyche-Analogie soll so helfen, dass man psychisch relevante Themen nicht von vornherein, wie das häufig aus einem Zeitgeist heraus geschieht, einschränkt, sondern so weit offen lässt, dass sich im besten Fall, jedes Individuum, egal mit welcher Problematik und in welcher Zeit, wiederfinden kann.
In dieser Arbeit spielen Ideologien eine besondere Rolle, denn mir scheint, es sind viel mehr Menschen durch bestimmte Ideologien geschädigt worden oder umgekommen, als durch ungünstige Familienverhältnisse oder ungelöste sexuelle Fragen (wobei natürlich beides nicht strikt voneinander getrennt werden kann).
[Ps: In dieser Arbeit steht `Ideologie´für alle inversiven Geisteshaltungen - auch die individuellen].

Weitere Differenzierung

Bisher hatten wir in einer 1. Differenzierungsstufe folgende Analogien hergestellt:

    I. Substantive     «     Sein (= Seinsformen oder pr Einheiten)
    II. Verben            «     Leben (= Dynamiken)
    III. Adjektive       «     Qualitäten
    IV. Syntax            «     Subjekte, Objekte und deren Zusammenhänge
    (Abkzg. NVAdSy «     SLQZ) [N steht für Nomen]

Mit dieser 1. Differenzierung erhalten wir die genannten 4 Hauptaspekte des psychisch Relevanten. Ich glaube, sie spiegeln auch 4 wichtige Themen der Menschheit wider:
I. Sein oder Nichtsein, II. Leben oder Tod, III. gut oder böse, IV. Subjekt oder Objekt.
Diese wiederum sind eingebettet in das existenzielle Thema des Absoluten.
(Im Teil `Metapsychotherapie´ im Abschnitt `Grundprobleme´ dazu Näheres).


Im Folgenden habe ich schon deren absolute und / relative Repräsentanten aufgeführt:
    I Seinsformen               =     Geist / Materie
    II Dynamiken                =     Leben/ Funktionieren
    III Qualitäten                =     absolute/ relative Qualitäten
    IV Zusammenhänge    =     Subjekte/ Objekte

2. Differenzierungsstufe: Differenzieren wir die genannten 4 Hauptaspekte, allgemeinen Sprachbestandteilen folgend, noch weiter, so kann man zu unterschiedlich vielen Aspekten gelangen, je nachdem, wie und wie weit man differenziert. In meiner Arbeit hat sich eine weitere Differenzierung bis auf 23 Einzelaspekte bewährt.
(In einer anderen, noch unveröffentlichten Arbeit: „Grammatik der Psyche“ ist dies ausführlich dargestellt). Hier sollen diese Aspekte nur aufgelistet werden.

Weitere Differenzierung der Hauptaspekte bis zu 23 Einzelaspekten = 2. Differenzierungsstufe:

SPRACHFORMEN
 Psychisch relevante Formen  =   EINZELASPEKTE
  SUBSTANTIVE
 

 Seins-Formen
   I. Einheiten
1 Alles / Einiges (Nichts)
2 Gott / Welt 
3 Personen/ Nichtpersonales, Dinge
4 Ich / Andere(s)
5 pers. Geist / Seele, Körper
              Artikel  
6 Geschlecht
VERBEN  



Modalverben
 Lebens-Formen


Modalitäten
  II. Dynamiken (und Modalitäten)
7 sein
8 wollen
9 haben
10 können
11 müssen
12 sollen
13 dürfen
Vollverben
               Tätigkeiten
14 erzeugen
15 tun
16 wahrnehmen
17 wiedergeben
18 werten
Zeitformen
              Zeiten  
19 Vergangenheit
20 Gegenwart
21 Zukunft
 ADJEKTIVE    Qualitäten   III. Qualitäten
22 richtig, falsch
23 negativ, positiv (erst- und zweitrangig)

[Die einzelnen Differenzierungsaspekte sind verschieden dimensioniert. In der obigen Tabelle  habe ich bei den Einheiten nach dem Schrägstrich schon solche mit relativer Dimensionalität angegeben].

Erläuterungen zur 2. Differenzierungsstufe:


I. Zum I. Hauptaspekt (Ableitungen aus den Substantiven bzw. Subjekten = „Seinsformen“ = pr Einheiten):
Substantive repräsentieren vor allem Lebewesen (= `personale Einheiten´) oder Dinge (Asp. 2-5) und
die Artikel der Substantive deren Geschlecht Asp. 6.
Unter dem Aspekt 1 „Alles“ fasse ich alle pr Substantive zusammen, denn dieser Aspekt spielt in seiner Gegenüberstellung zu der Dimension des Nichts eine besondere Rolle. „Alles“ entspricht im Wesentlichen dem „Allgemeinen psychisch Relevanten“ oder der pr „Wirklichkeit“ insgesamt.

II. Zum II. Hauptaspekt (Ableitungen aus den Verben = „Lebensformen“ / Dynamiken):

Sie sind von Aspekt 7-13 von den Hilfs- und Modalverben, von Asp. 14-21 von Voll- bzw. Tätigkeitsverben und den Zeitformen abgeleitet.
Substantiviert haben diese Verben folgende Bedeutung:

sein = Existenz, Zustand
wollen = Strebungen
haben = Besitz
können = Fähigkeiten, Möglichkeit
müssen = Notwendigkeit
sollen = Pflichten
dürfen = Freiheit
erzeugen = Neues
tun = Taten, Erfolge
wahrnehmen = Wahrnehmungen
wiedergeben = Wiedergabe
werten = Werte, Bedeutungen
Vergangenheit
Gegenwart
Zukunft

III. Zum III. Hauptaspekt (Ableitungen aus den Adjektiven = Qualitäten):
In der Übersichtstabelle sind zwar nur zwei Qualitätsaspekte (Asp. 22 und 23) aufgeführt - andererseits stellen die später zu besprechenden „Dimensionen“ ebenfalls Qualitäten dar. („Differenzierungen“ und „Dimensionen“ überschneiden sich hier.)

Bezüglich des Themas dieser Arbeit hat es sich bewährt, die „Dimensionen" wegen ihrer besonderen Rolle extra zu behandeln und vor allem folgende Qualitätsaspekte hervorzuheben:
1. positives oder negatives („Ausrichtung") und
2. erstrangiges  oder zweitrangiges  psychisch Relevantes („Rang" des pR).

[ `erstrangig´ steht auch für eigentlich; `zweitrangig´ für fremd. So unterscheide ich z.B. erstrangiges positives und negatives Absolutes (+A und −A) und zweitrangiges (fremdes) Absolutes (+fA und ‒fA), erst- und zweitrangige positive und negative Wirklichkeiten usw. (Später mehr dazu).]

IV: Zum IV. Hauptaspekt der Syntax:
Da Subjekte und Objekte i.d.R. durch Substantive und Prädikate durch Verben präsentiert werden, habe ich auf eine weitere Differenzierung hier verzichtet und sie unter den oben genannten Hauptgruppen I und II mit berücksichtigt.

Die einzelnen Differenzierungsaspekte sind verschieden dimensioniert. In der obigen Tabelle hatte ich bei den Einheiten nach dem Schrägstrich schon solche mit relativer Dimensionalität (gegenüber dem Absoluten) angegeben.

Die 3. Differenzierungsstufe findet man in der  Übersichtstabelle

Die hier verwendete Differenzierung von psychisch Relevantem bzw. Psychologischem durch Sprachanalogien hat auch den Vorteil, dass ihre Einzelaspekte unbegrenzt erweitert werden können, so dass jeder psychisch relevante Begriff eingeordnet werden kann oder dass man nur die 1., 2. oder 3. Differenzierungsstufe oder eine ähnliche, besonderen Gegebenheiten angepasste, verwendet.
(Die Problematik der verschiedenen Einteilungsmöglichkeiten von Inversionen habe ich im Teil `Metapsychiatrie´ Abschnitt `Systematik der Inversionen´ besprochen).

Ein Einwand gegen diese Differenzierungen lautet, dass es Sprachen mit ganz anderen Grundstrukturen gibt, ja selbst für die hochentwickelten Sprachen existieren ganz verschiedene Grammatiktheorien, die sich von der üblichen einfachen, hier verwendeten „Schulgrammatik“ unterscheiden. Ohne Zweifel ist dieser Einwand berechtigt. Ich glaube aber, dass ab einem bestimmten Punkt alle Sprachen und alle Grammatiken das für den Menschen Wichtigste ausdrücken können. (Sonst wären ja auch adäquate Übersetzungen in verschiedenste Sprachen nicht möglich). Insofern ist für mich die hier verwendete Einteilung nur eine von vielen Möglichkeiten, psychisch Relevantes von allgemeinen Sprachformen abzuleiten - allerdings eine, die einerseits von einer hoch entwickelten Sprache ausgeht und andererseits eine Grammatik („Schulgrammatik“) zugrunde legt, die m.E. den Alltagsgebrauch der Sprache am besten ausdrückt. Neben der Sprache widerspiegelt natürlich auch vieles andere psychisch Relevantes: unser Verhalten, Gestik, Mimik, Kunst usw. Keine dieser Ausdrucksformen ist jedoch so differenziert und für alle verständlich wie die Sprache.

(Hinweis: Die folgenden zwei Abschnitte in kleiner Schrift sind nur für Interessierte).

Zur Sprachphilosophie

Man kann die Teile `Metapsychologie´ und `Psychologie´ dieser Arbeit auch als Beiträge zur  Sprachphilosophie verstehen.
„Die Sprachphilosophie ist die Disziplin der Philosophie, die sich mit Sprache beschäftigt, z. B. mit dem Zusammenhang zwischen Sprache, Bewusstsein und Realität. Damit ergeben sich zwei Untersuchungsfelder: die Beziehung zwischen Sprache und Wirklichkeit und die Beziehung zwischen Sprache und Bewusstsein. Die Sprachphilosophie steht somit in engem Zusammenhang mit den benachbarten Gebieten der Erkenntnistheorie und der Philosophie des Geistes…
Die Philosophie der idealen Sprache betrachtet die normalen Sprachen als defizitär, da diese aufgrund verschiedener Ungenauigkeiten nicht den strengen Ansprüchen der Logik genüge. Ziel dieses Zugangs ist die Revidierung oder gar Ersetzung der natürlichen Sprachen für Zwecke der Wissenschaften durch eine ideale, formale Sprache... Als Begründer der Philosophie der idealen Sprache gilt der Mathematiker, Logiker und Sprachphilosoph Gottlob Frege. Weitere wichtige Vertreter sind Bertrand Russell, Ludwig Wittgenstein, Rudolf Carnap sowie Wilhelm Kamlah und Paul Lorenzen…
Die Philosophie der normalen Sprache betrachtet die normale Sprache nicht als defizitär, sondern als völlig brauchbar für den Zweck, für den sie eingesetzt wird, nämlich zur Verständigung im sozialen Umfeld. Als Begründer der Philosophie der normalen Sprache gilt Ludwig Wittgenstein in seinen späten Jahren. Zahlreiche Philosophen markieren auch in verschiedenen Einzelfragen die Fruchtbarkeit normalsprachlicher Methodik, darunter etwa in Debatten um die Beziehung von Geist und Materie…“[10]

    Die Sprachen, die wir verwenden, sind nicht ideal. Sie spiegeln einerseits etwas Ursprüngliches, Natürliches wider, andererseits sind sie durchsetzt von verfremdeten, mehrdeutigen, künstlichen Begriffen und Inhalten. Die reine Ursprache könnte die verlorengegangene Sprache des Paradieses gewesen sein. Nur in ihr könnte man die Welt `wahrhaftig´ beschreiben. M.E. ist dies aber auch nicht die Sprache der Mathematiker oder Logiker, wie man meinen könnte.
In Anlehnung an Victor Klemperers Buch „LTI“, das übrigens ein exemplarisches Beispiel für die Sprache der später beschriebenen „zweiten Wirklichkeiten“ ist, könnte man die Sprache dieser zweiten Wirklichkeiten, die in dieser Arbeit eine große Rolle spielen, „LSI“ (Litera secundaria imperii) nennen.
Die Kennzeichen von LSI siehe Gesamtübersichtstabelle im Anhang.

Man kann die Teile `Metapsychologie´ und `Psychologie´ dieser Arbeit auch als Beiträge zur  Sprachphilosophie verstehen.
In dieser Arbeit geht es aber nicht um das Problem, ob und inwieweit Sprache Denken , Erkenntnis und Weltbild prägt. (Sapir, Whorf, W.v. Humboldt u.a.), sondern umgekehrt, inwieweit sich psychisch Relevantes und Psyche in Sprache widerspiegeln.

Psycholinguistik (Sprachpsychologie) im Sinne einer „Wissenschaft von den psychischen Vorgängen beim Erlernen und Gebrauch der Sprache"11] steht hier auch nicht zu Diskussion.

Einiges zur Grammatik, unser Thema betreffend

„…die Wortarten sind … ein kategorienartiges Abbild der Wirklichkeit, keine Bedeutungsklassen im engen Sinne. Sie ordnen sprachlich die uns umgebende Welt, die nach unserer Erfahrung aus Gegenständen oder Dingen im weitesten Sinne (Personen oder Sachen), Handlungen und Vorgängen, aus Beschaffenheitsmerkmalen für die Dinge und das Geschehen und aus Beziehungen zwischen den Dingen und dem Geschehen besteht … In diesem Sinne sind die Wortarten ein `natürliches´ Beziehungsmittel, das uns die Welt sprachlich vermittelt … In der Sprache kennzeichnet äußerlich gleiche Form nicht immer den gleichen Inhalt. … die gleiche Form steht oft nicht nur für verschiedene Funktionen und umgekehrt, sondern auch der Inhalt wird im Laufe der Geschichte und in der Gegenwartssprache oft sprachlich verschieden ausgedrückt … Aber ein Sachverhalt lässt sich nicht verkennen: Die Welt der Dinge findet ihren sprachlichen Niederschlag in den `Dingwörtern´ (den Substantiven); die Kennzeichnung von Eigenschaften, Merkmalen und Urteilen übernehmen die `Eigenschaftswörter´ (die Adjektive); Tätigkeiten und Vorgänge werden durch `Tätigkeitswörter´ (Verben) ausgedrückt.“ (nach E. Otto aus W. Jung S. 170 /171)

Zu den Substantiven
„Substantiv: eigentlich `Wort, das für sich alleine (be)steht´ auch: Hauptwort, Dingwort, Gegenstandswort …
Wortart, die vor allem zur Bezeichnung von stofflich vorhandenen und daher wahrnehmbaren Dingen oder Lebewesen, aber auch von nichtgegenständlichen, gedachten Eigenschaften, Zuständen, Vorgängen, Verhältnissen und anderem dient.“ (Aus Brockhaus).
„Substantive … bilden die häufigste Form … des Subjekts, aber auch die häufigste Form der Objekte.“ (W. Jung)
„Es ist umstritten, ob die Wortart Substantiv universalsprachlich ist. Hingegen wird von der Unterscheidung Nomen (im weiteren Sinn) einerseits und Verb andererseits behauptet, dass es sie in fast allen Sprachen gibt…
Das Substantiv wird unterschiedlich definiert:
- Wortart mit festem grammatischem Geschlecht, mit einem bestimmten Numerus und Kasus;
- Wort, das `deklinierbar, nicht komparierbar und artikelfähig´ ist…
Ein Substantiv kann Gegenständliches und Nichtgegenständliches bezeichnen. Es bezeichnet zum Beispiel ein Objekt (ein Ding, eine Sache), ein Lebewesen (Person, Tier, Pflanze), einen Sachverhalt (Situation etc.), einen Vorgang…, eine Eigenschaft … oder Begriff…
Ein Substantiv kann im Satz folgende Rollen einnehmen: Subjekt (Satzgegenstand), Objekt (Ergänzung), adverbiale Bestimmung (Umstandsangabe), Attribut…
Substantive werden unter anderem semantisch eingeteilt in:
Eigennamen (nomina propria; lat. nomen proprium) Beispiele: Vanessa, die Alpen, Berlin
Gattungsnamen (Appellativa) (lat. nomen appellativum) Beispiele: Mensch, Tisch, Kunst, Liebe
   Gattungsnamen werden wiederum eingeteilt in:
            Konkreta (Beispiele: Katze, Stuhl, Auto)
            Abstrakta (Beispiele: Freundlichkeit, Streik).[12]

Zu den Verben
„Verb (von lat. verbum (temporale) „Zeitwort“) ist ein fachsprachlicher Ausdruck der traditionellen Grammatik für eine Wortart, die eine Tätigkeit, ein Geschehen oder einen Zustand ausdrückt … Schulseitig heißt es, dass das Verb die veränderbare (flektierbare) Wortart, die eine Tätigkeit, ein Geschehen, einen Vorgang oder einen Zustand bezeichne … Aus Sicht der (extensionalen) Logik erscheint das Moment der zeitlichen Einordnung als sekundär, steht die prädikative Funktion im Vordergrund und sind Verben schlicht ein- oder mehrstellige Prädikate im logischen Sinn... Verbreitet ist die Einteilung in: Zustandsverben, Vorgangsverben (Verlaufsverb), Tätigkeitsverben (Aktivitätsverben).“[13]
Zu den Adjektiven
`Adjektiv´: aus lat. adiectivus „hinzugefügt“: Eigenschaftswort, Artwort, Beiwort. (Großes Fremdwörterbuch).
„Das Adjektiv … in der Sprachwissenschaft die Wortart, welche die Beschaffenheit oder eine Beziehung eines (konkreten) Dinges, einer (abstrakten) Sache, eines Vorganges oder Zustandes usw. beschreibt … Nach dem traditionellen Wortparadigma werden die Wortarten Adjektiv und Adverb (Umstandswort) unterschieden... Vereinzelt werden Adjektive (im traditionellen Sinn) und Adverbien als Adjektive im weiteren Sinn zusammengefasst. Schulmäßig heißt es ausdrücklich, dass Adjektive sich `auf Substantive oder Verben´ beziehen können und attributiv (der schöne Tag), prädikativ (Der Tag ist schön) oder adverbial (Er singt schön) verwendet werden könnten.
Adjektive können ihrer Form nach verändert (gebeugt, flektiert, d. h. hier dekliniert) werden … Die meisten Adjektive der deutschen Sprache können gesteigert werden. Dieser Vorgang heißt Komparation: Positiv: schön, Komparativ: schöner, Superlativ: am schönsten … Bezeichnungen absoluter Eigenschaften wie schwanger, tot (Absolutadjektive) können zwar dekliniert, jedoch nicht gesteigert werden. Andere Sprachen kennen auch den Elativ (auch `absoluter Superlativ´) als weitere Steigerungsstufe, der jedoch keinen Vergleich ausdrückt und im Deutschen mit `sehr´, `äußerst´, `höchst´ usw. umschrieben wird.
Syntaktische Funktion: Die Wortart Adjektiv ist unabhängig von ihrer syntaktischen Funktion.
Das Adjektiv kann syntaktisch in vier Verwendungen vorkommen:
attributiv (Beifügung zu einem Substantiv oder Adjektiv): `Sie hatte braune Augen. ´
prädikativ (in Verbindung mit sein, werden, bleiben und wenigen ähnlichen Verben): `Er war neugierig. Er blieb immer freundlich´, modal-adverbial: `Sie singt schön´, satz-adverbial: `Er weint schnell´...
Adjektive werden in semantischer Hinsicht unterschiedlich eingeteilt. Verbreitet ist die Einteilung in
Eigenschaftswörter (im engeren Sinn) (auch: qualifizierende Adjektive);
Beziehungsadjektive (auch: relationale Adjektive);
Zahladjektive (auch: quantifizierende Adjektive)…
Adjektivierung: Eine Adjektivierung ist die Bildung eines Adjektivs aus einer anderen Wortart: hölzern (zum Substantiv Holz), lächerlich (zum Verb lachen).“[14]

Zur Syntax
„Unter Syntax versteht man in der Grammatik die Satzlehre … Abstrakter versteht man darunter in der Sprachphilosophie die rein formalen Beziehungen zwischen (sprachlichen) Zeichen oder die Lehre davon…
In der allgemeinen Zeichentheorie (Semiotik) bedeutet Syntax die formale Ordnung der Zeichen. Die Syntax als Teildisziplin der Semiotik unterscheidet sich dadurch von den anderen Disziplinen oder Perspektiven der Semiotik: der Lehre von der Bedeutung der Zeichen (Semantik) und der Lehre von den Beziehungen der Zeichen zu den Zeichenbenutzern (Pragmatik). Im herkömmlichen Sinn bedeutet Syntax dann die Lehre vom (korrekten) Satzbau…
In der Linguistik erfolgt die Syntax als wissenschaftliche Untersuchung von Form und Struktur natürlicher Sprachen durch die verschiedenen Theorien und Schulen unterschiedlich. Es besteht eine Vielfalt und Konkurrenz von Syntaxmodellen. Neben den Modellen der traditionellen Schulgrammatik wird die Syntax anhand (behaupteter) universeller, angeborener Formprinzipien (Noam Chomsky) oder ihres kommunikativen Zwecks (Funktionale Syntax) oder ihrer Rolle beim Aufbau von komplexen Bedeutungen (logische Semantik, Montague-/kategoriale Grammatik) untersucht. Eine wichtige linguistische Syntaxtheorie generativer Prägung ist die Government and Binding-Theorie (Chomsky 1981). Zwei weitere bedeutende Syntaxtheorien sind die Generalized Phrase Structure Grammar und die Head-driven Phrase Structure Grammar.“[15]
`Subjekt´: aus lat. subiectum, eigtl. `das Zugrundeliegende´ … Das Subjekt (der Satzgegenstand, die Grundgröße) ist das Satzglied, über das im Satz etwas ausgesagt wird. Es kennzeichnet den Träger eines Vorganges oder eines Zustandes … Das Subjekt ergibt sich aus dem Prädikat oder das Prädikat aus dem Subjekt … Das Subjekt ist i.d.R. ein Substantiv.[16]
„Subjekt (traditionelle Grammatik: Satzgegenstand) wird in der Linguistik unterschiedlich definiert. Am geläufigsten ist die Auffassung, dass es sich um eine syntaktische Funktion handelt, die eine Wortgruppe (ein Satzglied) im Satz ausübt. In vielen Sprachen bildet das Satzglied im Nominativ mit dem Prädikat die Kernaussage des Satzes. Dieses wichtige Satzglied wird Subjekt genannt. Es handelt sich also um dasjenige Satzglied eines Satzes, das mit der Frage `Wer oder was?´ erfragt werden kann … In der vereinfachten Form der Grammatik wird das Subjekt als dasjenige Satzglied behandelt, `um das es im Satz geht´. In einfachen Ausdruckssätzen geht es um das, was das Subjekt tut, bzw. was mit ihm getan wird. Daher ist es meist mit der Frage: `Wer oder Was tut etwas?´ zu erschließen. Es kongruiert mit dem Prädikat des Satzes in Person und Numerus. Die Art des Subjektes wird vom Prädikat festgelegt. Der Gegenstand als Subjekt eines Satzes drückt die Vorstellung eines Selbständigen aus: Entweder als Hauptwort als Stoffwort, das Ausdruck des besonderen Inhalts ist, den das Subjekt bezeichnet (Mensch, Tier, Haus, Liebe usw.) oder als Pronomen…, das den Gegenstand nur mit seinem stellvertretenden Ausdruck bezeichnet [Pro Nomen = (stellvertretend) für das Nomen] (ich, du, er, sie, es usw.)
   Arten von Subjekten:
In der Linguistik wird gelegentlich zwischen verschiedenen Arten von Subjekten unterschieden:
-  grammatisches Subjekt: Das ist etwa im Deutschen die Wortgruppe, die im Nominativ steht und mit dem Prädikat kongruiert und den Kern der Aussage bildet;
-  logisches Subjekt: In einem Satz wie `Hans wurde von Peter gesehen´ steht `Hans´ im Nominativ und ist daher das grammatische Subjekt, `Peter´ dagegen als Agens ist das logische Subjekt;
-  psychologisches Subjekt (entspricht der semantischen Rolle Agens): In Sätzen wie `Dir ist zu heiß?´ gibt es kein grammatisches Subjekt; das psychologische Subjekt steht in diesem Fall im Dativ: `dir´…
Wenn man sich nur auf den Begriff des grammatischen Subjekts bezieht, so gibt es im Deutschen auch subjektlose Sätze. Dabei handelt es sich um Sätze, in denen keine Wortgruppe (= Satzglied) im Nominativ enthalten sind und die dennoch als grammatisch korrekt gelten: `Mir ist draußen viel zu kalt. ´ (= Nullsubjekt). In anderen Sätzen ist zwar formal ein Subjekt vorhanden, das sich aber auf nichts außerhalb des Satzes bezieht: Es (= Scheinsubjekt) in `Es ist kalt draußen. ´
(Unter Scheinsubjekt versteht man in der Linguistik Ausdrücke, die der Form nach ein Subjekt eines Satzes darstellen, sich aber auf nichts Außersprachliches beziehen. Im Deutschen sind solche Scheinsubjekte unter anderem bei Gefühls- und Witterungsverben üblich: `Es friert mich.´ oder `Es regnet.´ In diesen beiden Fällen ist `es´ ein Scheinsubjekt, das sich auf nichts außerhalb des Satzes bezieht.)“[17]
`Prädikat´: zu lat. praedicare „öffentlich ausrufen, verkünden“; = Satzaussage. Das, was von einem Subjekt oder Gegenstand ausgesagt wird. (Nach Jung).
„Besonders kennzeichnend für das Prädikat ist es, dass man es im Gegensatz zu den anderen Satzglieder mit … dem Verb gleichsetzen kann.“ (W. Jung)
Ein Geschehen zielt oft auf ein Etwas, auf eine Person oder Sache oder ein anderes Geschehen. Diesen Sachverhalt … drückt man sprachlich mithilfe zahlreicher Verben aus, die auf ein Objekt bezogen werden. Neben der Subjekt-Prädikat -Beziehung bildet die Beziehung Verb-Objekt die wichtigste syntaktische Beziehung im deutschen Satzbau.“ (W. Jung S. 46)
„Das Subjekt-Prädikat-Schema der Umgangssprache wird für die Logik durch ein Argument-Funktion-Schema ersetzt. Dabei vertritt das Argument einen Gegenstand, von dem bestimmte Eigenschaften oder Beziehungen gelten, die durch eine Funktion (d.h. ein logisches Prädikat) ausgedrückt werden.“ [18]


Übergreifende Inhalte bei verschiedenen Wortarten
Wenn wir von den drei Hauptwortarten: Substantive, Verben und Adjektive ausgehen, dann können wir jedem Wort einer bestimmten Wortart ihnen entsprechende bzw. zu ihnen gehörende Worte der anderen Wortarten zuordnen, z.B.
Adjektiv /Adverb: absolut. Entsprechendes Substantiv: das Absolute, auch: Geist, Sinn. Entsprechendes Verb: glauben, transzendieren.
Nomen: das Leben. Entsprechendes Verb: leben. Entsprechendes Adjektiv: lebendig
Adjektiv/Adverb: eigentlich. Entsprechendes Substantiv: das Eigentliche Tatsächliche, Realität. Entsprechende Verben: für wahr halten, die Wahrheit sagen usw.
Adjektiv/Adverb: primär. Entsprechende Substantive: das Erste, Zentrum, Mitte, Grund. Entsprechende Verben: gründen, wurzeln, unter-, überordnen usw.
Dabei gibt es neben der direkten Transformation (etwa der Substantivierung eines Adjektivs) noch andere Worte, die inhaltlich dem Gemeinten entsprechen, obwohl sie nicht unbedingt gleich lauten. 

Allgemeine Dimensionen



                                                                „Das Wort ist, nach seiner Natur, die freieste unter den geistigen Kreaturen, aber auch die gefährdetste  und gefährlichste.
                                                                  Darum bedarf es der Wächter des Wortes. “ Hrabanus Maurus [
Aus H. Cibulka: Tagebücher, Halle (Saale), 1976, S. 137]
Erläuterung der Begriffe

Ähnliche Begriffe wie Dimension sind: Bezugssystem, z.T. Position, Stellung, Perspektive, Bedeutung, Wichtigkeit.[19]

Ich unterscheide in der 1. Dimensionsstufe, wie gesagt, drei Dimensionen des seelisch Relevanten:
• das Absolute (A),
• das Relative (R)
• das Nichts (0).

Die Dimensionen stellen die „vertikale Einteilung“ des seelisch Relevanten dar. Sie geben den pr Einheiten und Differenzierungen entsprechende Bedeutung. Je nach Dimension haben diese also ganz unterschiedliche Bedeutung: absolute, relative oder keine Bedeutung.
Das Absolute ist das Entscheidende.
Hat etwas relative Bedeutung, dann gibt es viele Abstufungen (etwa von wenig bedeutend über bedeutend bis sehr bedeutend). M.a.W.: Das Relative ist etwas Komparatives, es ist steigerungsfähig und vergleichbar, während das Absolute und das Nichts weder gesteigert, noch direkt verglichen und auch nicht bewiesen werden können! Auch das weist m.E. darauf hin, dass das Absolute und das Nichts „geistiger Natur“ sind, während es sich beim Relativen um mehr Faktisches handelt.
In den Bereichen des Absoluten oder Relativen oder des Nichts gelten jeweils völlig andere Gesetze. Je nach Dimension hat das seelisch Relevante dort also einen ganz anderen Charakter und andere Dynamik. Diese Tatsache spielt für die Theorie der Entstehung seelischer Krankheiten eine wichtige Rolle.
Zur Kennzeichnung der Dimensionen eignen sich absolute oder relative Adjektive (bzw. deren Substantivierungen). Sie geben darüber Auskunft, ob Seins- und Lebensformen, Qualitäten und deren Zusammenhänge absolute oder relative oder keine Bedeutung haben.
    In unserem Zusammenhang sind zwei Arten von Adjektiven von Bedeutung:
1. solche, die sich steigern lassen
2. solche, die sich nicht steigern lassen.

• zu 1. Bei den Adjektiven, die sich steigern lassen, spricht man von Vergleichsformen (Steigerungsformen) des Adjektivs (Komparation).
Dabei unterscheidet man:
- (der) Positiv (lat. festlegen) = Grundstufe = gleicher Grad.
- Komparativ (lat. vergleichen) = Höherstufe = ungleicher Grad.
- Superlativ (lat. übertragen) = Höchststufe = höchster Grad im Vergleich).
- (Hyperlativ = regelwidrige Steigerung eines absoluten Adjektivs. z.B. optimalste Lösung).
[20]
• zu 2. Bei den Adjektiven, die sich nicht steigern lassen, kann man unterscheiden:
- Absolute Adjektive: „Ein absolutes Adjektiv ist in der Sprachwissenschaft ein Adjektiv, das semantisch keine Steigerung erlaubt, da die Teilhabe an dieser Eigenschaft nur ganz oder gar nicht, aber nicht in variierendem Maße möglich ist."
[21] D.h. Es handelt sich um Adjektive ohne Vergleichsformen, da ihre Bedeutung keinen Vergleich erlaubt, z.B. „absolut“.
- Elativ (lat. herausheben) ist eine besondere Gebrauchsweise des Superlativs (absoluter Superlativ), nämlich ein Superlativ ohne Vergleich.
- Der „Exzessiv“ (lat. herausgehen/ überschreiten) hat im Deutschen keine eigene Adjektivform. „Der Terminus Exzessiv benennt eine adjektivische Steigerungsform, die entweder ein extrem hohes (`sehr sehr´) oder übersteigertes Maß (`zu´) der bezeichneten Eigenschaft ausdrückt.“
[22]

Ich verwende in dieser Arbeit (in der Regel) den
Exzessiv vor allem zur Kennzeichnung sogenannter Hyperformen
,
23]
steigerbare Adjektive zur Kennzeichnung der relativen Dimension und
absolute Adjektive zur Kennzeichnung der absoluten Dimension.

Weitere Analogien

    In der Physik, aber auch in der Psychologie, spielen zwei Begriffe eine wichtige Rolle, die auch in unserem Zusammenhang von Bedeutung sind und die ganz Ähnliches meinen, wie der hier verwendete Begriff „Dimension“: 1. der Begriff `Bezugssystem´. 2. der Begriff `Raum´.
(
In dieser Arbeit verwende ich die Begriffe Dimension und Bezugssystem synonym).
•zu 1. Bezugssystem:
In der Physik „Ein … festgelegtes Koordinatensystem, das bei der Messung oder mathematischen Beschreibung eines physikalischen Sachverhalts zugrundegelegt wird … Die Wahl des Bezugssystems ist weitgehend beliebig … Ein durch räumlich und zeitlich unveränderliche Gegebenheiten festgelegtes absolutes Bezugssystem gibt es nicht. …Beim Übergang von einem Bezugsystem zu einem anderen müssen die Messergebnisse sowie die den physikalischen Gegebenheiten zugrundeliegenden Gesetze … transformiert werden …"
[24]
Ein besonderes Bezugssystem ist das Inertialsystem der Relativitätstheorie. „Praktisch kann als Inertialsystem ein Bezugssystem angesehen werden, das in der Milchstraße verankert ist.“[25] (Hier etwa einer absoluten Dimension entsprechend).
In der Psychologie: „Jegliches Erleben und Beurteilen geschieht unter Bezug auf ein System von Werten und Normen, von Bedeutungen und Erfahrungen, die sich im Lauf der individuellen Entwicklung herausbilden. Insofern sind alle wahrnehmbaren oder erlebbaren Erscheinungen von einem Bezugssystem abhängig und von ihm her verständlich, auch wenn der vergleichende Charakter des Urteils nicht unmittelbar gegenwärtig ist … so können alle erlebnishaft absoluten Eigenschaften … und absolut scheinende Zustände … nur von einen psychologischen Bezugssystem bestimmt werden, wobei ein erlebter Durchschnittswert als Nullpunkt dient." (W. Metzger). Besonders die Gestaltpsychologie … und die Sozialpsychologie haben sich mit der Entstehung und Struktur von Bezugssystemen beschäftigt, und die verstehende Psychologie hat auf die individualspezifischen Bedeutungs- und Wertzusammenhänge hingewiesen.“[26]
zu 2. Raum:
„Die Relativitätstheorie spricht dem Raum und der Zeit den Charakter des Konkreten ab, aber damit `ist derselbe nicht aus der Welt geschafft, sondern er ist nur weiter rückwärts verlegt worden, und zwar in die Metrik der vierdimensionalen Mannigfaltigkeit, welche daraus entsteht, dass Raum und Zeit mittels der Lichtgeschwindigkeit zu einem einheitlichen, vierdimensionalen Kontinuum zusammengeschweißt werden´ (M. Planck)... Auch die Psychologie der Gegenwart stellt fest, dass der Raum als solcher uns nie gegeben ist, dass er vielmehr stets von einer Mannigfaltigkeit umfassenderer und engerer Bezugssysteme, zu denen verschiedene Gegenstände gehören, erfüllt ist. Auch für die Bezugssysteme, deren Insgesamt man also als Raum bezeichnen könnte … ist ihre Unscheinbarkeit, Unauffälligkeit charakteristisch … Die moderne Physik definiert den Raum als dasjenige, worin sich Felder (s. Feldtheorie) befinden; die Verwandtschaft von Feld und Bezugssystem ist unverkennbar.“
[27]

Diskussion
: Sowohl die Aussage „ein absolutes Bezugssystem gibt es nicht“ vonseiten der Physik, als auch die Aussage `ein erlebter Durchschnittswert diene als Nullpunkt´ oder Ähnliche vonseiten der Psychologie erscheinen mir fragwürdig und negativistisch. Ich gehe davon aus, dass es ein absolutes Bezugssystem, hier `absolute Dimension´ genannt, gibt.
Die oben genannte Beschreibung der Bezugssysteme in der Psychologie von Metzger (oder anderen) entspricht den Bezugssystemen, die i.d.R. relativen oder fremdabsoluten Charakter haben und die ich in dieser Arbeit mit dem Begriff `zweitrangige Wirklichkeiten´ (man könnte auch sagen `zweitrangige Bezugssysteme´ bzw. `Räume´) bezeichne.

Einteilungsübersicht
Dimensionen werden im Einzelnen betrachtet unter folgenden Gesichtspunkten:

• Bereich (Dimensionalität, Ausdehnung, Charakter, Bezogenheit):
- Absolute Dimension = A
                A-Kern, -Zentrum
                A-Außenbereich
- Relative Dimension = R
- Nichts = 0

• Rang (Rangordnung, Stufe, Grad, Stellung):
- erstrangig, eigentlich = ¹  [z.B.  A¹ oder R¹ = erstangiges, eigentliches A oder R].
- zweitrangig, fremd (2. Grades, 2. Ordnung) = ² [z.B. A² auch fA oder R² = zweitrangiges, fremdes A oder R].
               
Merke: A² und fA verwende ich synonym!
- 0 Rang


• Ausrichtung (Einstellung, Wertung):
+ bzw. pro (z.B. +A oder +fA)
− bzw. kontra (z.B. −A oder −fA)
± bzw. ambivalent (z.B. ±fA)
0 bzw. neutral

• Vorkommen, Repräsentanzen:
Dimensionen der Einheiten = v.a. Dimensionen von WPI,[28]
Dimensionen der Differenzierungen = Dimensionen von SLQZ 23.

• „Inhalt“: dargestellt durch je 7 synonyme Begriffe für die Dimensionen „absolut“ und „relativ“ (siehe später).

Weil alle Differenzierungen, so auch die pr Einheiten, durch die Dimensionen bestimmt werden, kann man auch die Differenzirungsaspekte unter den angegebenen Gesichtspunkten betrachten und einteilen.
Umfassender ausgedrückt: Jedes pr Phänomen lässt sich unter den Gesichtspunkten: erst- oder zweitrangig / absolut oder relativ oder 0 /
+ (pro) oder − (kontra) oder 0 / sowie nach „Vorkommen" und „Inhalt" einordnen.

  Erläuternde Tabelle der Einteilungsbegriffe:

erstrangig

zweitrangig

absolut

relativ

fremd-absolut

fremd-relativ
inadäquat

primär

sekundär

z.B. radikal

z.B. verrückt

eigentlich

möglich

hyperreal

fremd

Eins

vielfältig

Alles² (")

Nichts (0)

In der Tabelle sind die wichtigsten erst- und zweitrangigen Begriffe und einige ihrer Synonyme aufgelistet.

- erstrangig = eigentliche, erste Rangordnung = ¹
- zweitrangig = fremde Rangordnung = ²

- absolut (erstrangig) = primär, eigentlich und weitere  absolute Synonyme (s.u.)
- fremd-absolut = zweitrangig absolut


- relativ = erstrangig relativ
- fremd-relativ = zweitrangig relativ, inadäquat.

- primär = erstrangiges Erstes
- sekundär = erstrangiges Zweites.

 


Absolutes

                                                                                                       Motto: Der Grund der Dinge ist das Unbedingte, das Absolute.[29]

Was bestimmt uns am meisten? Was ist für uns von größter Bedeutung? Was hat auf den Menschen die größte Wirkung?
Hunger und Liebe? (F. Schiller), Lust- oder Realität ? Die Gene? Die Triebe und das Unbewusste? (S. Freud). Das „Fressen“? (B. Brecht).[30] Die Ideologien? Die Naturgesetze?
Die Ansichten gehen auseinander. Ich nenne es das Absolute.
Das Absolute ist der bestimmende Geist des psychisch Relevanten (pR).
Das Absolute ist die entscheidende Instanz, nach der sich letztlich alles in seinem Einflussbereich richtet.
Wie gesagt ist es (wie das Nichts) weder beweisbar noch vergleichbar, aber dennoch von entscheidender, existenzieller Bedeutung.
Da das Absolute das Wichtigste ist, weil von ihm alles andere abhängt, scheint die Frage danach von erheblicher Bedeutung.

Wenn aber das Absolute das Wichtigste ist, warum stellt man es nicht selbst in den Mittelpunkt einer Theorie und Praxis, die sich mit dem Menschen beschäftigt?
Dieser Gedanke ist nicht neu, aber in Vergessenheit geraten. Wenn man das Absolute in den Mittelpunkt stellt, schließt das selbstverständlich analytische, systemische oder kognitive Sichten nicht aus, sondern versucht, sie aus der Sicht eines (positiven) Absoluten zu sehen und das Sinnvolle davon zu integrieren.
Mit anderen Worten: Ob ich analytisch, verhaltenstherapeutisch, systemisch oder anders therapiere, ist von relativer Bedeutung (aber keineswegs unbedeutend!). Die Hauptsache ist jedoch, dass ich mit den verschiedensten Methoden das absolut Wichtigste „transportiere“ und ihm das absolut Positive vermittele. Was das ist, auch davon soll diese Arbeit handeln. Schon jetzt sei gesagt, dass das absolut Positive etwas mit der Würde des Menschen, seiner Einmaligkeit, seiner Freiheit, seiner Gottesebenbildlichkeit usw. zu tun hat.

Ich unterscheide:
eigentliches Absolutes (A)
fremdes Absolutes (fA) - das durch „Inversionen“ entsteht.
(Hinweis: In dieser Arbeit verwende ich die Begriffe `eigentlich´und `erstrangig´ und die Begriffe `fremd´ und `zweitrangig´ synonym.)
Beide Arten können positiv oder negativ, die fA auch ambivalent, konnotiert sein.
Ich unterscheide so genauer:
Ein eigentliches +Absolutes (+A), ein eigentliches ‒Absolutes (‒A) und ein `Wahlabsolutes´ von
• fremden, positiven oder negativen (oder ambivalenten) Absolutsetzungen (+fA, fA oder ±fA). (Ich bespreche diese später).[31]

Für den Begriff des Absoluten kann man auch entsprechende Synonyme einsetzen (2. Einteilungsstufe): Das Absolute ist auch das Unbedingte, Existenzielle, Selbständige, Unableitbare, der Grund, die Ur-Sache, das die Person letztlich Bestimmende, für sie Wichtigste, Unaufgebbare. Es ist als Grundlage unseres Seelenlebens immer dabei. Auf ihm basiert unser Leben. Auf ihm spielen sich sowohl unser Alltag als auch die Höhen- und Tiefpunkte unseres Daseins ab.
Das, was Menschen für das Wichtigste oder Absolute halten, ist natürlich sehr unterschiedlich. Ich denke, jeder Mensch hat seine Absolutheiten. Subjektiv oder individuell haben wir Tausende von Absolutheiten: Götter, die wir über alles lieben oder Teufel und Feinde, die wir fürchten und hassen. Jeder glaubt an irgendetwas: dass die Welt und der Mensch so oder so sind, dass es sinnvoll ist, so oder so zu leben, nach diesem oder jenem zu streben oder anderes unbedingt zu vermeiden usw. Manche glauben, Sicherheit sei das Wichtigste, andere glauben, Gesundheit sei das höchste Gut, ein Dritter meint, der Lebenssinn bestünde darin, ein guter Mensch zu sein, noch ein anderer sieht das Wichtigste im Fortschritt, wieder ein anderer hält bestimmte Personen für am wichtigsten usw. Jeder von uns hat so seine Weltanschauung, sein „Bezugssystem“, in dessen Zentrum jeweils etwas Absolutes steht - oft unbewusst, durch die Eltern und Umgebung geprägt und übernommen, oder, seltener, bewusst frei gewählt. Zum Teil haben diese Weltanschauungen Namen, zum Beispiel die von Religionen und Ideologien, zum Teil nicht. Ich habe die Erfahrung gemacht: Selbst, wenn jemand einer bestimmten Kirche angehört, haben die meisten Leute daneben noch eine Vielzahl privater Glaubenssysteme, die oft in krassem Gegensatz zu dem stehen, zu dem sie sich offiziell bekennen. Es besagt also nicht unbedingt etwas, wenn jemand, wie viele in unserem Land, katholisch oder evangelisch ist, also offiziell an Gott glaubt. Er kann daneben auch an das Geld, die Macht, den Fortschritt, an eine Partei, an Vater, Mutter, seine Frau oder nur an sich selber glauben - und wer von uns täte das nicht. [F. Nietzsche: „Es gibt mehr Götzen als Realitäten in der Welt."]
Das Wichtigste kann aber auch etwas Negatives sein: Man kann es als Hauptsache ansehen, auf keinen Fall unmoralisch zu sein oder untreu oder abhängig oder wie diese oder jene Person zu werden usw. Es ist dann etwas, was man um jeden Preis vermeidet, das Schlimmste, Unannehmbare, Unverzeihliche, die sog. Todsünde oder Ähnliches.

Was fällt am tatsächlich oder vermeintlich Wichtigsten/Absoluten auf?
1. Es kann positiven oder negativen Charakter haben.
2. Man kann es nur glauben, aber nicht wissen. Deshalb gehen die Meinungen darüber ja auch so weit auseinander. Es muss dem Betreffenden auch nicht bewusst sein, dennoch ist es in ihm.
3. Es nimmt in der jeweiligen Person eine gewisse Mittelpunktstellung ein, die anderes, was nicht im Mittelpunkt liegt, wesentlich beeinflusst. Genauer: Es hat wesentlichen Einfluss auf alles Andere und ordnet sich das Andere unter und bestimmt die Person zentral. Man kann formulieren: Wir werden am meisten bestimmt durch unsere „Götter“ und „Teufel“ bzw. das, was wir am meisten lieben und hassen. Das positive und das negative Absolute haben die größte Macht über uns.
4. Das, was man für das Wichtigste oder Absolute hält, muss es, wie gesagt, nicht sein. Man kann sich irren. Viele Menschen sehen z.B. im Materiellen das Wichtigste, obwohl das sicher ein Irrtum ist. Es entsteht die Frage, ob es Absolutheiten gibt, die „objektiv“ stimmen und die für alle Menschen gelten. Also etwas, das man eigentliches Absolutes nennen könnte.
5. Das, was der Mensch für das Wichtigste/Absolute hält und das, was es tatsächlich ist, müssten auch im Mittelpunkt von Analyse und Therapie seelischer Krankheiten stehen. Priorität bei der Beschäftigung mit dem Menschen sollten deshalb dessen subjektiven und die „objektiven“ Absolutheiten haben.

    Alle unbewussten oder bewussten, offiziellen oder privaten Lebens- bzw. Weltanschauungen lassen sich meines Erachtens auf solche unterschiedliche Absolutheiten zurückführen, die diesen Anschauungen zugrunde liegen. Weiterhin gehe ich von der, wie mir scheint, einfachen Schlussfolgerung aus, dass diese Absolutsetzungen entscheiden, wie gut jemand mit sich, den anderen Menschen und der Welt klarkommt oder nicht und die deshalb auch für Krankheitsentstehung und -therapie von entscheidender Bedeutung sind.

    Die Idee, das Absolute in den Mittelpunkt der Psyche zu stellen, ist nicht neu. Der Philosoph Karl Jaspers meint, was für einen Gott ein Mensch habe, mache ihn aus. (Genauer ließe sich sagen: Was für einen Gott und „Teufel“ man hat, macht ihn aus). Ähnlich äußerte sich S. Kierkegaard.[32]
Vor allem Psychotherapeuten der Wiener Schule, hier besonders W. Daim und I. Caruso haben Fehlverabsolutierungen in den Mittelpunkt der Entstehung psychischer Krankheiten gerückt. Ihre Arbeiten sind jedoch wenig bekannt.
Warum aber ist dieser offensichtlich so fruchtbare Ansatz nicht weiter verfolgt worden?
Die Ursache dafür liegt meines Erachtens hauptsächlich in der Wissenschaftsgläubigkeit unserer Zeit. Es gilt nur, was beweisbar ist. So sinnvoll in den meisten Fachgebieten rein wissenschaftliche Verfahrensweisen sind, so schwierig und fragwürdig ist es jedoch, wenn man das Subjektivste, was es meiner Ansicht nach überhaupt gibt - das menschliche Seelenleben - nur mit objektiver Wissenschaftlichkeit behandeln will. Leider tun sich Psychologen und Psychiater schwer, über die Grenzen reiner Wissenschaftlichkeit hinauszugehen.
    Noch einmal zurück zu der Bedeutung des Absoluten: Das Absolute ist wie das Basisprogramm eines Computers. Man sieht es nicht, dennoch steuert es aus der Tiefe alles. Das Absolute durchdringt unsichtbar und meist unbewusst die gesamte Oberfläche, den Alltag. Das Absolute ist immer dabei. Dem Absoluten wird alles andere untergeordnet. Es ist Grund, Ur-Sache und Zentrum des Lebens. Nehmen wir ein leicht zu durchschauendes Beispiel: Ein junger Mann setzt seine Geliebte auf den Thron und unterwirft sich ihr. Die Geliebte ist genauer gesagt eher eine Angebetete. Sie stellt für ihn etwas Absolutes dar. „Ohne Dich kann ich nicht leben“, „Du bist mein Ein und Alles“. Wer kennt nicht solche Gefühle, die, nebenbei gesagt, allerdings mehr Abhängigkeit als Liebe ausdrücken. Man kann sich leicht vorstellen, wie sich in einer solchen Situation alles um die betreffende Dame dreht. Sie ist Zentrum in seinem Herzen. Alles andere wird untergeordnet.[33]
Als primär Geistiges hat das Absolute eine metaphysische Dimension.[34] Allerdings lassen sich diese Hintergründe häufig nur schwer aufdecken.

Zusammenfassung

Das Absolute (A) ist Identitätszentrum der Person. (Etwa nach dem Motto: „So wie mein A ist, so bin ich“ oder: „Mein A ist mein Leben“).[35] Das A ist auch der eigentliche schöpferische Raum. Absolut wird für den Menschen das, was er über sich stellt.
Das Absolute ist nicht beweisbar, ist aber mehr oder weniger offenkundig (Evidenz), glaubwürdig und erlebbar.
So wie das Absolute an sich kann man das Absolute der Person (sein Selbst, seinen Sinn, seine Identität, seinen Wert …) nicht beweisen, man kann daran nur glauben.
Das Absolute ist an sich eine metaphysische bzw. geistige Kategorie, d.h. wir können es nur umschreiben bzw. in Analogien, Metaphern usw. darstellen. Es ist in diesem Sinn letztlich unaussprechlich. Wir drücken den absoluten Charakter von etwas (unvollkommen) aus, wenn wir es mit den oben genannten oder ähnlichen Begriffen bezeichnen. Wir werden später sehen, dass diese Attribute auch auf Fehlverabsolutierungen hinweisen können.
Das Absolute ist auch nicht direkt definierbar, nicht ableitbar. Man kann nicht weiter dahinter zurückgehen.
Es ist eine Grundannahme, ein Apriori, ein Axiom. Das Absolute „definiert“ sich aus sich selbst.[36] Es ist selbsterklärend.
Das Absolute ist auch Kriterium: (Unterscheidungszeichen, Kennzeichen, Prüfstein) von psychisch Relevantem.
Im Absolutbereich herrschen, wie erwähnt, andere Gesetze und Charakteristika als im Relativbereich. (Diese Aussage ist für das Verständnis der später besprochenen Inversionsfolgen und damit auch für die Krankheitsentstehung von besonderer Bedeutung).
Das Absolute ist meta-, trans-, über-, supra-, jenseits, hindurch.
Es ist transzendent, metaphysisch, „überirdisch“ - aber auch durch das Irdische, Relative, Immanente hindurchgehend: „transirdisch“, „transrelativ“ „transimmanent“. Bzgl. der 4 Hauptdifferenzierungsaspekte (SLQZ) ist das Absolute: transsubstanziell, transexistenziell, transqualitativ, transkontextuell.[37]
Bzgl. der Einzelaspekte: Auch hier: über diesen stehend und diese durchdringend, wie z.B. überzeitlich, transrational...supranatural (s. Supranaturalismus).
Die Frage nach den (absoluten) Ur-sachen, auch seelischer Krankheiten, ist letztlich eine Frage nach dem Absoluten! Mit anderen Worten: Die Wege nach den (primären) Ur-sachen führen immer in den Absolutbereich.
Parallel dazu stammen auch die primären und wichtigsten Antworten (Therapie) aus dem Absolutbereich.
Setzt man an die Stelle des eigentlichen Absoluten nur einen seiner Aspekte, dann reduziert und verfälscht man es (wenn auch noch so geringfügig).[38]

7 Synonyme des Absoluten

Der Charakter des Absoluten (A) zeigt sich schön an der Herkunft des Wortes:
Es stammt von dem lateinischen Wort „absolutus“ und bedeutet: das Losgelöste, Unabhängige, Unbedingte, Selbstständige.

Ich verwende in dieser Arbeit 7 Synonyme für das Absolute (2. Einteilungsstufe).[39]
 Das Absolute ist:

1. absolut (verwendet als Adjektiv und Adverb, Substantiviert: das Absolute)
2. selbst
3. eigentlich
4. einheitlich
5. unbedingt
6. primär
7. unabhängig

(In Abkürzungen fasse ich diese Hauptaspekte des Absoluten mit ihren Anfangsbuchstaben zusammen: „aseepuu“, substantiviert: „ASEEUPU“).
`Absolut´ fungiert als Leitbegriff bzw. als Leitdimension.
Weitere Charakteristika des Absoluten habe ich diesen 7 Hauptaspekten zugeordnet. Ich nenne hier nur die wichtigsten. Noch weitere sind in den Anlagen und in der Gesamtübersichtstabelle (a1-a7) genannt.
1. absolut = losgelöst, frei, nicht verfügbar - aber wählbar-, unvertretbar, schöpferisch, unberührbar, unantastbar, verabsolutierend und relativierend.
2. selbst = mit sich identisch, einmalig, selbständig, alleine bestehend, unauswechselbar, invariant, eindeutig, individuell, unersetzlich, selbstverständlich, unvergleichbar, persönlich.
3. eigentlich = an sich, tatsächlich, wahr, wirklich.
4. einheitlich = ganz, völlig, total, integer, widerspruchsfrei, unteilbar, umfassend, uneingeschränkt, unbegrenzt, eins.
5. unbedingt = notwendig, entscheidend, vorbedingungslos, am wichtigsten, existenziell, bestimmend.
6. primär = zentral, grundlegend, übergeordnet, letztlich, definitiv, ursächlich, unableitbar, direkt, ur-.
7. unabhängig = selbstständig, autonom, eigenständig.

Die genannten absoluten Eigenschaften werden, wie erwähnt, durch sogenannte absolute Adjektive repräsentiert, d.h. durch Adjektive, die nicht weiter steigerbar sind und die dadurch das Gemeinte besonders gut darstellen können.
Substantivisch ausgedrückt: Das Absolute ist das Selbst (das Mit-sich-Identische), das Eigentliche, Einheitliche, Unbedingte, Primäre und Unabhängige, das Wichtigste, Wesentlichste, Existenzielle. Es erscheint als das Primäre, der Ur-Grund, die Ur-Sache, Ur-sprung, das letztlich Bestimmende, das Unvergleichliche,[40] Nichthinterfragbare, Grundlegende, Prinzipielle, Fundamentale, Hauptsächliche, Grundsätzliche, Elementare.
Es ist der Kern, Mittelpunkt, Herz, Schaltstelle, Zentrum des Betreffenden usw.
 
Die eigentlichen Absoluta definieren sich aus sich selbst. D.h. wenn das Selbst es selbst ist, dann ist es auch ein absolutes, eigentliches, einheitliches, unbedingtes, primäres und unabhängiges Selbst. Oder: absolutes Einheitliches ist auch mit sich identisch (es selbst), eigentlich, unbedingt, primär und unabhängig usw.
Wenn hier vom Absoluten die Rede ist, so ist damit i.d.R. das eigentliche +Absolute gemeint. Wenn vom negativen Absoluten die Rede ist, dann nenne ich es auch das negative Absolute oder kürze es −A ab.
Zur Unterscheidung beider siehe später.

Kurze Systematik
Aufbau des A
               
             Man kann vom Absoluten unterscheiden:
                Gesamtes Absolutes (hier nur `Absolutes´ genannt) bestehend aus:
                Kern-Absolutes = absolutes Absolutes, Nur-Absolutes.
                Außen-Absolutes = relatives Absolutes, Auch-Absolutes.
[41]

In der erstrangigen Wirklichkeit wird das Relative vom eigentlichen Absoluten mitverabsolutiert, sodass dieses Relative hier ein Auch-Absolutes ist.
Ich sehe Gott als „das positivste personale Absolute“, der uns Menschen ins positive Absolute „hineinziehen“ kann, d.h. uns mit ihm eins werden lassen kann, ohne dass wir unsere Identität (oder er die seine) verlieren. Dazu später mehr.
(Über den Menschen mit seinen eigenen absoluten und relativen Anteilen s.a.a.O.).

Rang des A

Rang = Rangordnung, Stufe, Grad, Stellung.
Nach dem Rang unterscheide ich erstrangige (vorrangige) und zweitrangige Absoluta.
• Die erstrangigen Absoluta sind die eigentlichen Absolutheiten, sie sind unbedingt, nicht mehr hinterfragbar.
Ich zähle dazu:
Das eigentliche positive Absolute (+A¹) und das eigentliche negative Absolute (−A¹)
Man kann auch ein eigenes Absolutes der Person, das ich auch „Wahlabsolutes“ nenne und später bespreche, erstrangiges Absolutes nennen.
• Die zweitrangigen Absoluta sind keine eigentlichen Absolutheiten, sondern uneigentlich und bedingt, denn sie sind verabsolutierte Relativa, die als Ersatz-Absolutheiten fungieren und eine wesentliche Rolle bei der Entstehung der psychischer Krankheiten spielen, hier fremde Absolutheiten genannt und „fA“ abgekürzt.
Ich zähle dazu: Positive und negative fA und 0 (Siehe später).

Abkürzungen:
erstrangiges A = A¹ oder A´.[42]
zweitrangig (nachrangig) = fA oder A².                                                 

         
Ausrichtung des A

Ausrichtung = Einstellung, Position.
Von der Ausrichtung her kann man unterscheiden:
1. positives A (+A¹) oder Pro-A (bzw. zweitrangig: positive oder Pro-fA)
2. negatives A (−A¹) oder Kontra-A (bzw. zweitrangig: negative bzw. Kontra-fA)
3. ambivalente fA (nur zweitrangig)
4. neutrale bzw. indifferente fA bzw. f0 (nur zweitrangig).

Nur +A¹ und −A¹, also das erstrangige positive Absolute (Gott) und das absolute Negative stehen sich in absoluter Gegensätzlichkeit und Unvereinbarkeit gegenüber. Alle anderen Gegensätze oder Unvereinbarkeiten sind an sich nicht absolut, obwohl sie oft als solche gesehen oder empfunden werden.
+A¹ und −A¹ repräsentieren so auch die eigentliche absolute Spaltung.[43]

−fA und +fA und Nichts (0²) sind nur relativ gegensätzlich, werden aber subjektiv als absolut gegensätzlich und als miteinander unvereinbar erlebt. Sie kopieren quasi +A¹ und −A¹ in ihrem Charakter und in ihrer Dynamik, aber in verzerrter, verrückter Art und Weise und stellen m.E. die wesentlichen primären Ursachen für seelische Erkrankungen dar.

Abkürzungen:
    + = pro
    − = kontra
    ± = ambivalent
    0 = neutral

Gott und die Liebe sehe ich als das erstrangige absolut Positive (+A¹) - Genaueres siehe nächster Abschnitt.[44]

Merke: 1. +fA und Pro-fA einerseits und −fA und Kontra-fA andererseits werden in dieser Arbeit i.d.R. gleichgesetzt.
              2. Die fA können auch ambivalent sein. (Dazu später mehr).

Übersicht und Vorschau über die verschiedenen Begriffe und Abkürzungen der psychisch Relevantes bestimmenden Kräfte nach Rang und Ausrichtung

        Erläuterung:

K = allgemeine Abkürzung für Komplexe, die personale und andere Wirklichkeitsbereiche dominieren.*
Es = Komplex bestehend aus:
                                fremdem Alles/fA und Nichts (`Dyade´) oder
                                Pro- und Kontra-fA/ fS und 0 (`Triade´).
fA = fremdes Absolutes (allgemein)
fS = fremdes Selbst (= personales fA)
" = fremdes Alles in einer Alles-oder-Nichts-Beziehung.

Diese Begriffe und ihre Funktionen werden später im Teil `Metapsychiatrie´ genau erklärt.



*Einfachste Komplexe sind die fA, fS, " und 0. Die `Es´ sind aus diesen Teilen zusammengesetzte Komplexe.
`Hyperkomplexe´ bestehen aus sehr vielen Es. (Siehe auch Abschnitt über Komplexbildung im Teil `Metapsychiatrie´.)

.

Repräsentanten

Ich unterscheide:
Repräsentanzen von +A:
- Gott (die Liebe) als das eigentliche +A
                        a) Nur Gott selbst = “Kern“ Gottes
                        b) „Auch-Gott“ = das was Gott integriert, so auch alles Relative. D.h. Gott ist nicht nur Geist, sondern auch in der Materie/
                            Gott drückt sich auch in Materie aus.
- +A- anteile der Person / des Ich.
                        a) die sog. +Absolutwahl (P+A / I+A)
                        b) das von Gott Geliebte an der Person/ am Ich.
Repräsentanzen von A:
- möglicherweise nichtpersonales Böses
- die negative absolute pesonale Entscheidung (P
A / IA)
Repräsentanzen von fA
             +fA: personale oder individuelle +fA-Anteile
                                   Ideal von sich selbst = `Ideal-Ich´ bzw. `Selbst-Ideal´,
                                   Ideal von Anderem (z.B. von anderen Menschen, der Welt als Idol, Ideologie usw.)
             
fA: personale oder individuelle fA-Anteile = absolut negativ Genommenes (Tabus u.ä.)
             0fA = 0²: negiertes oder verdrängtes Erstrangiges.

Näheres zum +A und −A siehe im Kapitel `Spezielle Differenzierungen´ in diesem Teil.
Zur Wahlmöglichkeit zwischen +A und −A siehe `Die absolute, existenzielle Wahlmöglichkeit des Ich´ im Teil `Psychologie´.[45]

Relatives

Bedeutung des Relativen[46]

Das Relative ist letztlich ein Geschöpf eines Absoluten.
Das Relative ist dem Absoluten untergeordnet. Es hat ihm gegenüber eine relative Bedeutung.
Relatives wäre, genau genommen, nur im Komparativ zu beschreiben (also: Etwas ist fremder, uneigentlicher, bedingter usw. als das Absolute oder gegenüber einem anderen Relativen).
Im Gegensatz zum Absoluten, das nur eine Bedeutung hat, also eindeutig ist, haben Relativa die unterschiedlichsten Bedeutungen - so wie Traum- oder Symptomdeutungen - aber nie eine absolute, eindeutige Bedeutung. Die Relativa können allerdings für den Menschen als fremde Absolutheiten (= fA) eine absolute Bedeutung haben und sind dann nicht nur mehrdeutig, sondern häufig widersprüchlich und paradox.

Relatives als Teil des Absoluten

An sich ist das Relative nicht losgelöst zu betrachten!
Man könnte salopp sagen: In jedem Relativen steckt ein Stück Absolutes drin. Auch: Jedes Relative basiert auf einem Absoluten. (Über den Zusammenhang von Absolutem und Relativem s. später).
Wenn wir den Begriff „Relatives“ verwenden, so müsste es eigentlich genau heißen: „Relatives vom Absoluten“, d.h. das Relative existiert nicht so unabhängig wie der isolierte Begriff vortäuscht. Das Wort „relativ“ bezeichnet ja v.a. eine Beziehung. Dadas Relative nur ein Teil des Absoluten ist[47], ist es von diesem unbedingt abhängig. Man könnte vielleicht auch sagen, das Relative ist vom Absoluten durchdrungen oder hat dieses als Basis. Das Relative kann ohne das Absolute nicht existieren. So existiert auch kein Teil ohne das Ganze. Man kann es isoliert nur denken. So existieren auch Krankheiten nicht isoliert vom Menschen. Es sei denn man sagt, sie hätten eine relativ eigene Existenz. Man kann sie ganz unabhängig nur als Gedankenkonstrukt betrachten.
Relatives kann man letztlich (!) nicht aus einem anderen Relativen definieren, sondern nur aus dem Absoluten.
An sich bildet der relative Bereich insgesamt, wie auch seine einzelnen Anteile, ein relatives Kontinuum, das durch unsere sprachliche Begriffsbildung häufig in abgegrenztere Einheiten eingeteilt wird, als es an sich der Fall ist. Das gilt auch für die Krankheitseinteilungen.
Das Relative kann dem Absoluten gegenüber an sich nur in einer relativen Opposition stehen. Ebenso können zwei Relativa nur im relativen Gegensatz zueinander stehen. Deshalb besteht kein Dualismus im Sinne einer absoluten Gegensätzlichkeit zwischen Leib und Seele, Gesundheit und Krankheit, Subjekt und Objekt usw.
Eine absolute Gegensätzlichkeit und Spaltung besteht nur zwischen +A und −A.

Ein besonderer Fall liegt vor, wenn das an sich Relative absolut genommen wird, also eine Fehlverabsolutierung stattgefunden hat. In diesem Falle geht zwar subjektiv die ursprüngliche Einheit von Absolutem und Relativem verloren und es kommt zu „Spaltungen“ zwischen dem eigentlichen Absoluten und dem verabsolutierten Relativen (fA), aber auch zu einer „Spaltung“ des fA selbst (s.a. Kap. Spaltungen) - obwohl es sich objektiv bzw. aus erstrangiger Sicht gesehen nicht um echte, eigentliche Spaltungen, sondern quasi nur um Einschnitte handelt, deren Teile noch miteinander verbunden sind, auch wenn sie als völlig getrennt und miteinander unvereinbar erlebt werden. Spaltungsphänomene werden oft absolut erlebt, beispielsweise von Menschen bei Trennungen oder intrapsychisch bei schizophrenen Psychosen, aber auch bei vielen anderen psychischen Erkrankungen.

7 Synonyme des Relativen

Parallel zu den 7 Synonymen des Absoluten wären 7 Synonyme des Relativen zu nennen (2. Einteilungssstufe).
Das Relative ist (im Vergleich zum Absoluten):
1. relativ(er), relationaler, verhältnismäßig, vergleichsweise, beziehungsweise, sich beziehend, z.T. gegenseitig, reziprok.
2. anders, fremd(er) = nicht einmalig, unselbständiger, nur relativ alleine bestehend, weniger mit sich identisch, auswechselbarer, weniger individuell, weniger persönlich, eher Sachen betreffend.
3. möglich, uneigentlich(er) = weniger an sich, weniger tatsächlich, dafür scheinbarer, unwirklicher, unwahrer, attributiver, ergänzter, hinzugefügter, uneindeutiger, mehr- vieldeutiger; Bild von…
4. teilweise, uneinheitlich(er) = weniger ganz, eingeschränkter, ausschließender, begrenzter, gemischter uneindeutiger.
5. bedingt = nur relativ unbedingt/ bedingt, vorbehaltlich, kontingenter, akzidenziell, nicht existenziell.
6. sekundär = peripherer, oberflächlicher, untergeordneter, vorletztes, nur nachfolgend ursächlich, unwichtiger indirekter.
7. abhängiger = gebundener, unfreier, verfügbarer, beweisbarer, berührbarer, antastbarer.[48]
(Abkürzung nach den Anfangsbuchstaben: „rfuubsa“ oder „ramtbsa“).

Das Relative (R) (vom lat. relatus) ist - substantivisch ausgedrückt - das Abhängige, Bedingte, Nicht-Losgelöste, Angenäherte, Unselbstständige, Untergeordnete, Sich-auf-anderes-Beziehende, Relationale, Je-nach-dem-Standpunkt-Verschiedene und damit ab einem gewissen Punkt auch (relativ) Widersprüchliche, Zwiespältige und Irdische.
Es erscheint im Gegensatz zu dem Absoluten als das Beweisbare.[49]

Zum Vergleich wichtigste Charakteristika zweitrangiger Relativa (R²), d.h. Relativa, die einem fremden Absoluten (fA) untergeordnet sind. Dabei dominieren die linken, erstgenannten Formen.
(Siehe auch Gesamtübersichtstabelle Spalten I und L, Zeilen 1-7. Charakter der fA ebd. Spalte K, Zeilen 1-7).
1. inadäquat/ hyperabsolutiert/ beziehungslos
2. fremd/ überidentisch/ identitätslos
3. irreal/ hyperreal/ wesenlos
4. gespalten/ einseitig/ entgrenzt
5. akzidentell/ determiniert/ unbestimmt
6. zu untergeordnet/ extrem/ folgenlos
7. zu heteronom/ pseudoautonom/ losgelöst
.

(Im Gegensatz zu den erstrangigen R wird hier deren Zwie- bzw. Trispältigkeit deutlich).


Das Relative reicht vom:
1. Absoluten minus 1 über das sonstige Relative bis zum Nichts plus 1,
2. es reicht vom Selbst minus 1 über das sonstige Fremde bis zum Nichtselbst plus 1,
3. es reicht vom fast absolut (oder ganz) Eigentlichen über das relativ Uneigentliche bis fast zum absolut Uneigentlichen,
4. es reicht vom fast ganz Einheitlichen über das relativ Uneinheitliche bis fast zum ganz Uneinheitlichen,
5. es reicht vom fast ganz Unbedingten über das relativ Bedingte bis fast zum völlig Bedingten,
6. es reicht vom fast ganz Primären über das relativ Zweitrangige bis zum Vorletzten und
7. es reicht vom fast ganz Unabhängigen über das relativ Abhängige bis zum fast ganz Abhängigen.

Das Relative reicht bezüglich der Hauptaspekte der Differenzierungen:
von absoluter Wirklichkeit - 1 über viele relative Seinsformen/ Wirklichkeiten bis zum absoluten Nichts + 1,
bzgl. des Lebens: von absolutem Leben - 1 über viele relative Lebensformen bis zum absoluten Tod + 1,
bzgl. der Zusammenhänge von absoluten Subjekt - 1 bis zum absolut nichtigen Objekt + 1,
bzgl. der Qualitäten: Vom absolut Positiven -1 über viele relative Qualitäten bis zum absolut Negativen +1.

Das Relative hat also Grenzen zum +A und −A hin. Es kann, zum +A hin, ein sehr gutes, fast vollkommenes R sein und so auch als gutes Fehlabsolutes (+fA) fungieren - auf der anderen Seite, zum −A hin, ist es fast ganz negativ und als −fA dann sehr destruktiv, tyrannisch usw.
Die qualitative Bedeutung der Relativa ist nicht absolut festgelegt, das heißt, im Einzelfall kann etwas, das meist negative Bedeutung hat, positiv wirken und umgekehrt. Das heißt etwa auch:
Lügen kann im Einzelfall „richtiger“ sein, als die (relative) Wahrheit zu sagen. Jemanden körperlich verletzen oder Schmerzen zufügen (z.B. bei einer Operation) ist manchmal sinnvoller, als nicht zu verletzen; Ein symptomatisches Vorgehen kann manchmal sinnvoller sein als ein ursächliches usw. Entscheidend ist die dahinterstehende Grundeinstellung/ Motivation. (Siehe später auch bei therapeutischen Paradoxa).
Alles Relative hat so eine relativ positive (+) und eine relativ negative (−) Seite oder mehrere dieser Seiten. Es gibt so im Relativen keinen Vorteil ohne Nachteil und keinen Nachteil ohne Vorteil. Ein rein positives oder rein negatives Relatives gibt es nicht, dann wäre es nicht mehr relativ, sondern absolut. Diese Aussage ist in bezug auf die seelischen Krankheiten, die ja auch nur Relativa sind, in mehrfacher Hinsicht wichtig. Sie relativiert insbesondere die häufige Auffassung, Krankheiten und ihre Entstehung nur völlig (absolut) negativ und Gesundheit und ihre Entstehung nur ganz positiv zu sehen. (Darüber später mehr).
Im relativen Bereich ist so ein Gewinn auch mit einem Verlust, ein Sieg auch mit einer Niederlage, ein Fortschritt auch mit einem Rückschritt, eine Problemlösung auch mit Ungelöstem oder neuen Fragen verbunden usw. Sollte das jeweils relative Positive nicht das genau entsprechend relative Negative mit sich bringen, dann doch zumindest ein anderes relatives Negatives. So könnte man vorsichtiger formulieren: Im relativen Bereich ist ein Positives immer ein relatives Positives, so ein Gewinn immer nur ein relativer, ein Sieg nur ein relativer, ein Fortschritt nur ein relativer, eine Gesundung (im üblichen Sinne) nur eine relative. Von vielen Patienten habe ich gehört: „Wie ich mich entscheide, entscheide ich mich falsch.“ Da ist etwas dran. Das Problem ist nur, dass in diesen Fällen die übergeordnete Perspektive fehlt, die solche Entscheidungen relativiert.
Das Relative hat also eine große Spannbreite und lässt sich an sich nicht mit einem Wort fassen (es ist eben nicht das Eindeutige). Die Redewendungen „Alles (Relative) hat zwei Seiten“ und „Alles hat seine Vor-und Nachteile“ sind bekannt. Bei Aussagen über das Relative stimmen also beide bzw. alle seiner Seiten. (Natürlich können die verschiedenen Seiten unterschiedlich ausgeprägt sein). Es herrscht ein Sowohl-als-Auch, ein Überwiegen der einen oder anderen Seite - kein (absolutes, höchstens ein relatives) Entweder-Oder.
(Auf weitere Differenzierung bis zu 23 Aspekten wurde hier verzichtet - s. Anlage und Tabelle)

Weiter kurze Systematik
Erst- und zweitrangige Relativbereiche zwischen Absolutbereich und Nichts:
Absolutbereich Relativbereich Nichts
0 Bereich
  erstrangiger R-bereich zweitrangiger R-bereich  
 alles einiges zu wenig nichts (mehr)
absolut relativ zu relativ, relativistisch beziehungslos
selbst anders, fremder zu fremd identitätslos
eigentlich, tatsächlich möglich, wahrscheinlich irreal, uneigentlich, scheinbar, künstlich unwirklich
einheitlich teilweise einseitig, chaotisch/ gespalten uneinheitlich
unbedingt bedingter, manchmal zu bedingt zufällig / fixiert unbestimmt
primär sekundär erniedrigt, inadäquat ranglos, folgenlos
unabhängig abhängiger zu abhängig ungeborgen, heimatlos
abs. Sein v.a. Geist belebte Materie, Leib tote Materie Nicht-Sein
Leben Funktionieren zu funktional unlebendig, funktionslos
abs. +/ − teils plus teils minus scheinbar nur − oder +; (schwarz oder weiß) eigenschaftslos, bedeutungslos
abs. Subjekthaftes Objekte fehlsubjektiviert desubjektiviert, deobjektiviert


Rang des Relativen

Wie die Absoluta kann man die Relativa einteilen in:

• Erstrangige, eigentliche Relativa Abkzg: R´ oder R¹, d.h. R als Teil eines eigentlichen A.
• Zweitrangige, fremde Relativa:
- R unter der Herrschaft eines fremden Absoluten oder fremden Nichts. Abkzg. R².
- Oder R verabsolutiert als fA.

Im Teil `Metapsychiatrie´ bespreche ich, wie Relatives durch Verabsolutierung zum fremden Absoluten (fA) wird.

Ausrichtung des Relativen

Die 3 Ausrichtungen des R (pro, +/ kontra, −/ 0)
Man kann bzgl. der Ausrichtung formulieren:
• R¹, das eigentliche Relative, kann drei Ausrichtungen haben: relativ pro/+, relativ kontra/− und relativ neutral.
• Die Ausrichtung des R², der fremden Relativa, richtet sich nach den sie bestimmenden fA.

Repräsentanzen des Relativen

Allgemein: Materie. Personell: Körper, (Leib).

Das Relative wird repräsentiert von
a) v.a. Materiellem also Dingen/ Dinglichem. Es existiert also v.a. als `Etwas´ oder `es´.
[50] Genauer: Relativ sind von den Differenzierungen her, neben den „Dingen“ vor allem: Materielles, Sachen, Körper, das Funktionale, die Objekte, physikalische Gesetze. Speziell von den Einheiten her: Die Umwelt, die „Welt“, das Irdische, die Körperlichkeit des Menschen, so auch Gesundheit und Krankheit.[51]
b) relativ Geistigem/ Spirituellem - wie etwa von alltäglichen Haltungen, Meinungen zu irgendeiner Sache.

Die Psyche erscheint relativ absolut, sie steht dem Absoluten näher als die Materie bzw. steht zwischen Materie und Geist, ist jedoch dem absoluten Geist gegenüber relativ. Der Körper erscheint überwiegend relativ; er steht dem Absoluten, dem Geistigen weniger nahe, ist aber auch von ihm durchdrungen.
Wie R gegenüber A relativ ist, so sind auch die Materie, der Leib, das Funktionieren, die Objekte, die Dinge gegenüber dem Geist, dem Leben, den Subjekten, den Personen relativer, anders, weniger eigentlich, uneinheitlicher, bedingter, sekundärer, abhängiger.
Überall ist das Relative eingebettet in ein Absolutes.
Gibt es nur Relatives bzw. Materielles ohne Absolutes einerseits und nur Absolutes bzw. Geistiges ohne Relatives andererseits?
Wohl nicht in dem Sinn, dass es etwas Materielles gäbe, das nicht in irgendeiner Weise vom Absoluten abhinge, also nicht auch in irgendeiner Weise „durchgeistigt" wäre. Die Frage, ob nur Absolutes ohne Relatives, also nur Geistiges ohne Materielles existiert, entspricht wohl der philosophischen Problematik des „reinen Geistes“ und ist spekulativ. Für mich hängt dies vor allem mit der Frage zusammen, ob Gott ein solcher reiner, absoluter Geist sei - einerseits ja (denn er benötigt das Relative oder uns nicht für seine Existenz), andererseits insofern nein, als er das Materielle, Irdische, auch uns Menschen, liebevoll umschließt und sich damit (relativ) identifiziert hat.

Geschlossen oder offen?
Die relativen Systeme sind relativ offen und relativ geschlossen.
+A ist nur für −A völlig geschlossen, sonst offen.

Absolutes und Relatives im Vergleich 

Zu Beginn möchte ich die Leser für mögliche Wiederholungen um Entschuldigung bitten, doch ist dieses Thema in Bezug auf die psychischen Erkrankungen wichtig.
Ich vergleiche hier erstrangiges Absolutes und Relatives (also A¹ und R¹) - es sei denn, ich kennzeichne es anders


Das Absolute ist wichtiger als das Relative.[53]
D.h. das + Geistige, Lebendige und z.T. die Subjekte sind an sich eher absolut, eigentlich, einheitlich, unbedingt, primär und unabhängig und bestimmen das Materielle und sind deshalb wichtiger als dieses. Und umgekehrt: Das Materielle, das Funktionale und die Objekte und deren Zusammenhänge sind an sich dem Absoluten gegenüber weniger wichtig, relativ, fremder, uneigentlicher, uneinheitlicher, bedingter, sekundär und abhängig. Sie sind aber nicht abgekoppelt vom Absoluten, Geistigen.
Da der Mensch sowohl geistige als auch materielle „Anteile“ hat, hat er sowohl die Charakteristika des Absoluten als auch des Relativen. Er wird aber vor allem bestimmt durch seine jeweiligen Absolutheiten.
Das eigentliche Absolute ist Geist und das von ihm bestimmte Materielle, Irdische ist das Relative, das von dem Absoluten durchdrungen, aber nicht mit ihm völlig identisch ist (nur relativ identisch).
- Menschliche Ebene: Eine Parallele ergäbe sich dann auch für den Menschen bezüglich der Wichtigkeit von Geist und Körper. Ein bestimmter Geist wäre dann das Absolute und der Körper vom Geist durchdrungen und von ihm abhängig.
- Religiöse Ebene: Das hieße auch, dass Gott einerseits das Materielle, Irdische geschaffen hat und durchdringt, aber andererseits mit diesem nicht völlig identisch ist. Das hieße weiter: Gott braucht das Materielle als das Relative nicht unbedingt, aber umgedreht braucht das Relative, das Materielle, Gott unbedingt - es hat aber eine relative Selbstständigkeit.

Die relativen Bereiche überschneiden sich, das +A und −A nicht.
(Siehe Abbildung).

Deshalb ist Relatives immer mehrdeutig (höchstens relativ eindeutig).[54]
Das Absolute dagegen ist eindeutig und nicht abgestuft. Man kann es allerdings von verschiedenen Seiten aus ansehen, deshalb kann man auch Synonyme bilden. Die R¹- Formen hingegen sind abgestuft und unterschiedlich (R² z.T. widersprüchlich).

Wie unterscheide ich A und R?
Das Absolute kann ohne das Relative sein und geht ihm voraus; Das Relative kann aber nicht, oder nur vorübergehend, ohne das Absolute sein und folgt ihm nach. Die primäre Ursache geht der Folge voraus. Die Folge kann aber nicht ohne Ursache sein.
Das Ganze, die Einheit, kann ohne Einzelteile sein, die Einzelteile aber können nicht ohne die Vorstellung einer Einheit eines Ganzen sein.[55]
Unabhängigkeit ist primär, Abhängigkeit sekundär. Das Abhängige muss letztlich von einem Unabhängigen abhängen.
Ein absoluter Geist geht der Materie voraus und ist, so glaube ich, deren Ursache. Primär absolute Materie gibt es deshalb wahrscheinlich nicht, höchstens verabsolutierte Materie. Aus Materie kann kein primärer absoluter Geist entstehen, nur relatives Geistiges.
Man sagt, alles habe seine zwei Seiten. Das entspricht dem Charakter des Relativen.
Kugel und Kreis, die keine zwei Seiten haben, symbolisieren hingegen eher das Ganze, das Absolute.
Die relativen Formen sind von den Absolutformen abhängig und werden durch sie bestimmt. Untergeordnete relative Formen können auch von übergeordneten relativen Formen abhängig und von diesen bestimmt sein, dann aber nur in bedingtem, begrenztem und relativem Umfang.

Das Verhältnis von Absolutem und Relativem hat in der Philosophie schon immer eine große Rolle gespielt. So z.B. bei Aristoteles, der die Unterscheidung von `Substanz´ und `Akzidenz´ in die Philosophie eingeführt hat. Er teilt die Uraussageweisen in zehn Kategorien ein. Eine ist die Substanz als Wesen und fundamentale Grundbestimmung, und die anderen neun sind die Akzidenzien: Quantität, Qualität, Relation, Zeitbestimmung, Ortsbestimmung, Tätigkeit, Leiden, Lage und Besitz. Ich sehe in dieser Einteilung eine Parallele zu meiner Einteilung des psychisch Relevanten, insbesondere, weil mit `Substanz´ (von lat. `sub stare´ = darunter stehen) in der ursprünglichen Bedeutung dasjenige gemeint war, das als Grundlage unter den veränderlichen Eigenschaften bzw. Akzidenzien steht und so für etwas Absolutes und die `Akzidenzien´ für Relativa stehen können. [56]

Kurze Systematik

A und R bezüglich der 7 Dimensionsaspekte im Vergleich.
Zuordnung bestimmter absoluter und relativer Aspekte zueinander:

Absolutes

Relatives

absolut
selbst
eigentlich
einheitlich
unbedingt
primär
unabhängig

relativ
anders
möglich
teilweise
bedingter
sekundär
abhängiger

Für das +Absolute kann v.a. Gott, Liebe, Selbst, Geist, Leben eingesetzt werden.
Für das Relative kann eingesetzt werden: v.a. Materie, Leib, Ding, Objekt, das Irdische, Funktionieren.

Absolutes und Relatives der Differenzierungsaspekte

I. „Seinsformen“(Repräsentanzen ) des Absoluten und Relativen

Was oder wer hat hauptsächlich absoluten Charakter?
Das Absolute drückt sich v.a. im Geistigen aus. Aber nicht jeder „Geist“/ Geisteshaltung hat absoluten Charakter.
Synonyme für Geist:
    + Geist: Gott, Sinn, Liebe, z.T. Lebenselixier, die „Substanz“, Himmel, Paradies.
    − Geist: Das Böse, Todfeind, Dämon, Teufel.
Absolut absolut sind nur +A (Gott) und das −A.

Ausdruck des Absoluten ist also v.a. das Geistige/ Geist. Weniger das, was „Psyche“ und Ideen sind, noch weniger das Körperliche - im Gegensatz zum Relativen, das ganz allgemein einem „Etwas“ entspricht und das sich in umgekehrter Reihenfolge konzentriert.
Neben Gott tragen hauptsächlich die Menschen Absolutes in sich. Dabei zeigen vor allem die Begriffe „Person“, „Persönliches“ und „Selbst“ besonders gut den absoluten Teil des Menschen.
Auch Begriffe wie Geist, Wahrheit, Gerechtigkeit, Würde, Freiheit, Liebe weisen auf das eigentliche Absolute hin.
Die genannten Begriffe müssten aber genauer definiert werden, denn es gibt neben einer eigentlichen Wahrheit auch eine sterile Wahrheit, neben einer eigentlichen Gerechtigkeit auch eine harte Gerechtigkeit, neben einer eigentlichen Würde auch eine aufgesetzte Würde, neben einer befreienden Liebe auch eine einengende symbiotische Liebe usw.

Ich glaube nicht, dass es ein primäres, absolutes Nichts gibt. Ich sehe es als Folge des −A oder das Nichts² als eine Kategorie der zweiten Wirklichkeiten.

II. vom Leben her

Absolut: Leben.
Relativ: Funktionieren. Auch: diese oder jene Sache ist auch mein Leben (z.B. Hobby, Beruf, Partner).

III. Qualitäten

Absolut: vollkommen.
Relativ: z.B. gut, schlecht.

IV. Syntax

Absolut: eigentliches, absolutes Subjekt, eigentliche Zusammenhänge, eigentliche Trennungen.
Relativ: Objekte, relative Zusammenhänge und Trennungen.

Einige Fragen bezüglich des Absoluten und Relativen

Wenn das Absolute eine geistige und das Materielle eine relative Dimension hat, so ergeben sich daraus eine Reihe grundsätzlicher Fragen.
Davon einige, die für unser Thema relevant sind:
- Die Frage nach dem Primat - Geist oder Materie? Mensch oder Ding? Psyche oder Körper?
- Die Frage nach der Priorität in der Therapie, primär geistig oder materiell orientiert?
- Sind die objektiven oder die subjektiven Faktoren im therapeutischen Gespräch wichtiger?
- Von welchen Menschenbildern gehen Therapeuten und Patienten aus?
- Wie sehr soll sich der Therapeut mit den Patienten identifizieren?
- Philosophisch etwa auch die Frage nach der Absolutheit der Naturkonstanten.[57]
Diese sind m.E. letztlich Glaubensfragen auf die ich im Laufe dieser Arbeit zurückkommen werde.

Symbole und Abkürzungen des (eigentlichen) Absoluten und Relativen

Symbole

                                   
                        Häufigste Symbolbilder für erstrangige +A- und R- Bereiche