VII. M E T A P S Y C H O T H E R A P I E

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        Was bedeutet Metapsychotherapie

Geist ist stärker als Materie.
Glaube ist stärker als Wissen.
Das Selbst
ist stärker als das Ich allein.
Gott ist stärker als der Mensch
und seine Liebe stärker als der Tod.

Metapsychotherapie bedeutet eine Ebene oberhalb der Psychotherapie, von der aus Psychotherapie reflektiert und bestimmt werden kann.[1]
Zur Metapsychotherapie gehören alle für die Psyche nützlichen Erkenntnisse der Menschheit, wie sie verschiedenste Weltanschauungen (Religionen, Philosophien und Ideologien) und Wissenschaften vermitteln.[2] Man kann auch sagen: Zur Metapsychotherapie gehören alle allgemeinen Lösungen (`Metalösungen´) für die wichtigsten (psychischen) Menschheitsprobleme (`Metaprobleme´). Metapsychotherapie bietet aber nicht nur Metalösungen an sich an, sondern soll optimale Lösungen in der Psychotherapie insgesamt ermöglichen.
In diesem Kapitel geht es vor allem um die Frage, welche Auswirkungen verschiedene Weltanschauungen auf unsere Seelen haben - ausgehend von der Hypothese, dass diese den verschiedenen Psychotherapierichtungen zugrunde liegen und sie wesentlich bestimmen.
[3] D.h. auch: die Weltanschauung des Psychotherapeuten wird auch seine Therapie wesentlich bestimmen. Dabei gehe ich davon aus, dass jeder Therapeut von der Richtigkeit seiner Weltanschauung überzeugt ist und es legitim ist, dass er das, was er für das Beste für sich hält, auch seinen Patienten zugute kommen lassen will. Das wird, je nach Weltanschauung, bestimmte Vor- und Nachteile haben. Ein Psychotherapeut etwa, der an Gott glaubt, kann dadurch andere Perspektiven eröffnen und den Patienten in seiner Verantwortlichkeit entlasten, kann gleichzeitig aber in Gefahr geraten, die menschlichen Möglichkeiten zu unterschätzen und zu vernachlässigen, während etwa ein Therapeut, der sich der Leistungsgesellschaft und ihren Werten verbunden fühlt, dagegen auf die menschlichen Möglichkeiten setzt und der Wiedererlangung von Funktionalität seiner Patienten Priorität geben wird mit den möglichen Nachteilen einer Überforderung oder eines nur oberflächlichen Erfolges, etwa durch vordergründige Symptombeseitigung durch Psychopharmaka. Oder, um ein anderes Beispiel zu nennen: Wie gut kann wohl ein rationalistisch denkender Psychotherapeut Irrationales, wie wir es bei psychischen Krankheiten zuhauf finden, verstehen? Beispiele, die die Problematik nur andeuten sollen.
Ich beschränke mich in dieser Arbeit auf die Besprechung wichtigster Weltanschauungen.
[4] Milliarden von Menschen haben den einen oder anderen Glauben und ich halte es deshalb für sinnvoll, den möglichen Nutzen oder Schaden dieser Anschauungen auf unsere Psychen zu reflektieren. Das kann im Rahmen dieser Arbeit, bei dem riesigen Umfang dieser Themen und meinen nur bedingten Kenntnissen nur ganz kurz und subjektiv sein, aber hoffentlich zu einer konstruktiven Diskussion anregen. Wenn ich aus metapsychotherapeutischer Sicht vor allem auf die Weltanschauungen abhebe, dann deshalb, weil ich sie diesbezüglich für am wichtigsten halte.
Zu diesem Thema gibt es im deutschen Sprachraum erstaunlich wenige Veröffentlichungen.
[5] Wahrscheinlich, weil die dem Zeitgeist entsprechenden wissenschaftsfundierten, sogenannten evidenzbasierten Therapien weitgehend dominieren. Sie sind nicht unumstritten.[6]
J. Wiltschko etwa kritisiert sie hart. Unter der Überschrift „Was ist evidenzbasierte Psychotherapie?“ führt er aus:
[7] Im gängigen Verständnis werde „mit Evidenz eine Aussage gemeint, die durch wissenschaftliche Ergebnisse untermauert ist, wobei nur die quantitativen Methoden der empirischen Forschung als `wissenschaftlich´ angesehen werden... Diese Definition von `evidenzbasiert´ wird zunehmend auch auf die psychotherapeutischen Verfahren angewendet. Als evidenzbasiert werden all jene psychotherapeutischen Methoden bezeichnet, deren Wirksamkeit in randomisierten kontrollierten Studien (sogenannten RCTs) bei definierten psychischen Störungen nachgewiesen wurde. Dabei soll ein Therapieverfahren möglichst als Manual, also in der Form eines standardisierten Interventionskatalogs, vorliegen. Die(se)... Interventionen werden dann in sogenannten `Leitlinien´ zusammengefasst, die die Grundlage für die Behandlung einer spezifischen psychischen `Störung´ abgeben sollen. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) hat bereits 2005 54 solche Leitlinien für unterschiedliche psychische Störungen publiziert. Damit sollen Psychotherapeuten auf die darin zusammengetragenen RCT-geprüften Interventionen verpflichtet werden... Eine evidenzbasierte Psychotherapie... geht aber an der Wirklichkeit psychotherapeutischer Praxis und an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen... vorbei... :
1. Die Person des Klienten wird auf einen anonymen Träger von psychischen Störungen reduziert.
2. Worunter Klienten leiden, wird künstlich fragmentiert in einzelne, voneinander isolierte, allgemein definierte Störungen. 3. Die therapeutischen Handlungen werden nicht auf den Menschen, sondern auf diese Einzelsymptome bezogen. 4. Die therapeutischen Handlungen (`Interventionen´) werden auf das unter laborähnlichen Bedingungen Machbare reduziert und in statistischen Verfahren getestet, die mit der konkreten therapeutischen Situation nichts zu tun haben. 5. Das, was therapeutisch wirksam ist, wird reduziert auf die `Technik´ des Psychotherapeuten... (Wichtigste) Bestandteile der Psychotherapie verkommen in RCTs zu einer Ansammlung von Störvariablen, die idealerweise durch Manualisierung kontrolliert werden müssen...“ Und: „Die Forderung nach Evidenzbasierung ist das gegenwärtige Endprodukt eines Prozesses, der in einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung begründet liegt.“
[8] Diese beruht, wie schon mehrfach betont, vor allem in einer materialistischen Sicht, die vor allem für psychologische Fragen wenig geeignet ist. Wir kommen als Therapeuten in Gefahr, wie die Pharisäer im Alten Testament, den „Buchstaben“ über den Geist zu setzen - obwohl der Buchstabe alleine tötet und der Geist befreit.[9] Wenig hat Jesus so sehr kritisiert, wie einen solchen pharisäischen Geist. Ich hoffe jedenfalls, etwas polemisch gesagt, dass wir Psychotherapeuten in einigen Jahren nicht, wie die Pharisäer damals, Hunderte von Vorschriften einhalten müssen.[10]
Unter der Überschrift „Evidenzbasiert trösten?“ schreibt Dunja Voos: „Viele Patienten mit psychischem Leid suchen nach Trost, Unterstützung, nach einem Sinn im Leben, nach einer vertrauensvollen Beziehung und nach Geborgenheit - unabhängig davon, wie die Diagnose lautet. Ein Kind, das weint und traurig ist, lässt sich von seiner Mutter oder seinem Vater in den Arm nehmen und trösten. Egal, ob es ein Spielzeug verloren oder sich mit einem Freund gestritten hat. Die Eltern können trösten - und sie tun es nicht nach evidenzbasierten Methoden, sondern mit Gefühl.“
[11] Man könnte auch sagen, die Eltern tun es aus Liebe (die sich ebenso wenig „evidenzbasieren“ lässt). Eine Therapie, die diese Bedürfnisse nicht befriedigt, erscheint mir im wahrsten Sinn des Wortes trostlos. So auch die S. Freuds, wenn er feststellt: „So sinkt mir der Mut, vor meinen Mitmenschen als Prophet aufzustehen, und ich beuge mich ihrem Vorwurf, daß ich ihnen keinen Trost zu bringen weiß, denn das verlangen sie im Grunde alle, die wildesten Revolutionäre nicht weniger leidenschaftlich als die bravsten Frommgläubigen.“[12]
Ich glaube, dass die Leitlinien einer evidenzbasierten Medizin sehr wertvoll sind, solange sie nur auf Fächer angewendet werden, die einer wissenschaftlichen Sicht zugänglich sind.
[13] Das trifft auf die Psychiatrie nur teilweise zu. Offiziell dienen sie nur als Orientierung. Andererseits stellt sich die Frage, wer es wagen würde, von den Expertenmeinungen abzuweichen, zumal  im Falle eines Misserfolgs, juristische Konsequenzen drohten, was beim Befolgen der Leitlinien nicht der Fall wäre. Sie sind aus meiner Sicht vor allem zu wenig offen für andere Perspektiven und dadurch zu einseitig. Es droht eine Therapie nach Vorschrift, die ähnliche Auswirkungen wie ein `Dienst nach Vorschrift´ hätte.
Einseitigkeiten jedoch bleiben nicht ohne Folgen. So wie jedes Extrem sein Gegenteil fördert, so fördert auch eine einseitig wissenschaftsorientierte Psychotherapie den gegenwärtigen unkontrollierten Psychoboom. So bieten laut `Focus´ etwa 10.000 Heiler und ca. 500.000 Reiki-Meister in Deutschland ihre spirituelle Hilfe an.[14]
Beide Seiten, Wissenschaftler und Heiler, haben ihre Berechtigung. Beide Seiten haben ihre jeweiligen Vor- und Nachteile. Einerseits macht es natürlich Sinn, psychotherapeutische Theorien und Maßnahmen immer wieder auf ihre Effizienz hin zu überprüfen und Bewährtes als Orientierungshilfe zur Verfügung zu stellen, andererseits besteht, wie gegenwärtig, die Gefahr, solche evidenzbasierten Leitlinien zu dogmatisieren und sie Therapeuten und Patienten überzustülpen. Auf der „Heiler-Seite“ geben, so glaube ich, viele unkonventionelle Heiler ihren Klienten eher das Gefühl, mit all ihren individuellen Bedürfnissen, also auch den metaphysischen, im Mittelpunkt zu stehen und nicht nur Symptomträger zu sein. Hier wiederum besteht die Gefahr, dass unkontrolliert, zu beliebig und zu suggestiv den Patienten Schaden zugefügt werden könnte.

Was kennzeichnet eine gute Metapsychotherapie?
Eine gute Metapsychotherapie sollte eine freie Wahl der verschiedenen Psychotherapien, je nach Mensch und Problem, ermöglichen und neue, alternative Methoden zulassen oder gar fördern.

Wohl jede Psychotherapieschule spricht wichtige Wahrheiten aus, kommt aber ohne metatherapeutische Sicht an ihre jeweiligen Grenzen. Eine gute Metatherapie jedoch wird auch dann noch weiterhelfen, wenn konkrete psychotherapeutische Maßnahmen versagen. Sie kann aus einer größeren Perspektive die richtigen Relationen herstellen und vordergründige, wenig nachhaltige Therapien vermeiden. So erscheinen manche Therapiestrategien wie von der Pharmaindustrie herausgegebene Krankheitsvernichtungspläne.
Metatherapie bedeutet für mich: von oben/ vom Himmel/ von der höchsten Metaebene her mit der größten Übersicht und gleichzeitig von den Grundlagen her zu therapieren.
Nach Spinoza und Anderen
[15] ist es eine Perspektive von der Ewigkeit her („sub specie aeternitatis“). Ich bin der Meinung aus dieser Perspektive entscheidet man manches anders - mehr noch: am besten, wenn der absolute „Bezugspunkt“ stimmt. Welcher das sein könnte, davon werden weitere Abschnitte handeln. Zunächst möchte ich ihn hier nur ganz allgemein +A bzw. „Liebe“ nennen.
Wir verhindern Lösungen, wenn wir den Bezugsrahmen zu eng ziehen. So auch, wenn wir den Lösungsrahmen nur um unserer irdisches Dasein ziehen. Wir installieren dann nur eine geschlossene Kiste, in der wir gefangen sind und manche Lösung nicht finden können, weil eine größere Perspektive nicht eröffnet wird.
[16] Wie sagt man? Man wird den Mond von einer Stelle aus immer wie eine Scheibe wahrnehmen, auch wenn man immer bessere Teleskope baut. Oder wie hat schon Epiktet festgestellt: „Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern die Meinungen und die Beurteilungen über die Dinge.“ Das Wichtigste wäre dann nicht, wie wir uns verhalten, sondern wie wir mit dem Verhalten (dem richtigen oder falschen) umgehen, das heißt, welche Metaposition wir dazu einnehmen. Schließlich lässt sich aus dem Verhalten allein auch nicht auf dessen Qualität rückschließen. Beispiel: Zwei Menschen machen dasselbe; Sie erforschen die Kernspaltung. Der erste forscht, um friedliche Energie zu gewinnen, der zweite um eine Atombombe zu bauen.

Es geht in der Metatherapie v.a. um folgende Fragen?
Welches ist die stärkste Definition der Person? Was geht uns unbedingt an? Welche Weltanschauung vermittelt uns die meiste Liebe?
Was ist der absolute Bezugspunkt/ (-system)
,[17] der uns diese vermittelt? Oder anders formuliert: Was ist das positive Absolute (+A)? Welche Bezugspunkte können zerstört werden oder machen uns das Leben zu schwer? Welche Bezugspunkte führen zu keinen oder nur zu zweitrangigen  Lösungen?
Diesen Fragen wollen wir in diesen Kapiteln nachgehen. Immer wieder sei betont, dass die Antworten darauf nur glaubwürdig, aber nicht beweisbar sind.
[18]

Grundprobleme

Man kann metapsychologische Grundprobleme („Metaprobleme“) so formulieren wie sie ähnlich die Existenzphilosophen beschrieben haben. [19]
Wir wollen das Absolute - bleiben aber im Relativen stecken. Wir sehnen uns danach, dass wir und unsere Welt ganz positiv sind, erleben aber unsere und deren Fehler und Defizite. Wir sehnen uns nach Erlösung - sind aber unerlöst; Wir sehnen uns nach Unsterblichkeit - sind aber sterblich. Wir sehnen uns nach unbeschränkter Lust - haben diese aber nur zeit- oder teilweise. Wir möchten um unserer selbst willen geliebt zu werden - werden aber oft nur um unserer Leistungen willen geliebt. Wir sehnen uns nach Freiheit und Allmacht - sind aber öfter gefangen und ohnmächtig. Wir sehnen uns nach Gemeinschaft und Frieden - sind aber im Letzten mutterseelenallein oder im Unfrieden usw.
Aus christlicher Perspektive kann man sagen: Einst im Paradies waren unsere Sehnsüchte erfüllt, wir aber haben das Paradies verlassen und müssen nun in dieser zwiespältigen Welt leben. Wir sind auf Gott und seine bedingungslose Liebe hin angelegt, aber das reicht uns nicht und wir sind auf Götzen hereingefallen, die uns nur Ersatzliebe geben.
Alle die genannten existenziell empfundenen Probleme sind zwar wieder durch Gott/ Jesus (das +Absolute) prinzipiell (nicht total) gelöst - aber: Das Relative ist greifbar, messbar und bezwingbar - das Absolute nicht, Zweitrangige Ziele, in deren Mittelpunkt irgendein verabsolutiertes Relatives, ein +fA steht, haben kurzfristig mehr Attraktivität und scheinen eher unsere Sehnsüchte zu stillen als die erstrangigen, auch wenn die Rechnung langfristig umgekehrt ist.
Für den personalen Bereich sieht das so aus:
Das eigentliche Ich-Selbst, wird dem Ersatz-Selbst (etwa einer verabsolutierten Rolle bzw. Leistung) geopfert. Die Paradoxie besteht dann darin, dass die Person (P) das Ungünstigere für das Günstige und das Günstigere für das Ungünstige hält.

Die Falle besteht darin, das Spiel auf der zweitrangigen Ebene weiterzuspielen, denn wie sich die Betreffenden auch verhalten, sie verhalten sich aus dieser Perspektive falsch: Bestätigen sie das Ersatz-Selbst (z.B. die Rolle, die Leistung), so entwerten sie gleichzeitig das eigentliche Ich-Selbst - z.B. „Aha, du liebst mich nur dann, wenn ich die entsprechenden Leistungen erbringe.“ Setzt man andererseits das eigentliche Ich-Selbst an die erste Stelle, dann fügt man P² Schmerz zu und man scheint aus dessen Sicht seine Rolle, seine Leistungen zu entwerten.  „Obwohl ich mich so aufgeopfert habe, werde ich nicht geliebt und meine Leistungen entwertet.“ Beide Seiten, also der Betreffende selbst und die umgebenden Personen können so denken. Weil P die Rolle des Fremdselbst für das eigentliche Selbst hält, wird sie Widerstand leisten, wenn man versucht, an die Stelle der Rolle das eigentliche Selbst zu setzen.

Systematisiert unterscheide ich folgende Grundprobleme:
• Probleme der Dimensionen:
- Der Mensch zwischen +A und A (das absolute exsitenzielle Grundproblem).
- Die Probleme zwischen diesen eigentlichen A und den FA/Es.
- Die Probleme zwischen verschiedenen FA/Es.
- Die Probleme innerhalb verschiedener FA/Es.
Hier kann man - den `7 Synonymen des Absoluten´ folgend - weiter unterscheiden:
Existenzielle Probleme der Identität (a2), der Wirklichkeit (a3), der Einheit und Integrität (a4), der Unbedingtheit (a5), der Prioritäten (a6) und Probleme der Autonomie (a7).
• Probleme in den Diffenzierungsbereichen:
Für die 4 Hauptdifferenzierungsaspekte stehen folgende Grundprobleme:
1. Existenzielle Probleme des Seins (Sein oder Nichtsein oder `Kontra-Sein´).
2. Existenzielle Probleme des Lebens (Leben oder Tod oder `Kontra-Leben´, wie `destrudo´).
3. Existenzielle qualitative Probleme (gut /schlecht, böse/ falsch; bzw. positiv/ negativ/ 0).
4. Existenzielles Problem Subjekt oder Objekt zu sein (z.B. Täter/ Opfer; Person/ Ding).
 Für die Einzelaspekte bestehen Probleme entsprechend deren jewieligem Thema.
Immer geht es dabei um die Frage, ob das entsprechende Problem für den Betreffenden von relativer oder absoluter/ existenzieller Bedeutung ist.

Im Folgenden möchte ich allgemein über die Theorie von Lösungen reflektieren. Danach, was die üblichen Weltanschauungen an Lösungsmöglichkeiten zeigen und welche Konsequenzen sich daraus für die Psychotherapie ergeben. Über Problem- und Lösungshierarchien siehe auch dort.


Lösungen

                                                                                                                                          „Jede Veränderung beginnt mit dem Geist, der sie trägt.“ Jochen Pohl
Hypothesen
• Ich gehe davon aus, dass durch ein positives Absolutes (+A) letztlich (!) alles gelöst (erlöst) werden kann (außer −A).
• Diese Absolut-Lösung umfasst auch alle Relativ-Lösungen, benötigt diese aber nicht unbedingt.
• Relative Lösungen sind erstrangig, wenn sie in +A eingebettet sind. Dabei ist die Absolutlösung wichtiger als die Relativlösung. Lösungen, die in ein anderes Absolutes eingebettet sind oder von einem anderen Absoluten ausgehen, sind zweitrangige Lösungen.
• Relativ genommene Probleme können manchmal innerhalb desselben (relativen) Systems gelöst werden, während absolut genommene Probleme nur von +A aus gelöst werden können. Auch: Relative Probleme können mit relativen Mitteln nur relativ gut gelöst werden, Probleme des Absolutbereiches können mit relativen Mitteln nicht gelöst werden.

Obwohl von Friedrich Nietzsche bis Paul Watzlawick und anderen die Bedeutung von Metapositionen bzw. Prämissen für Lösungen ähnlich gesehen wird,
[20] ist es umso erstaunlicher, dass diesen von psychiatrischer und psychotherapeutischer Seite aus so wenig Bedeutung zugemessen wird.

Ich unterscheide systematisiert:

Erstrangige Lösungen

Synonym: Lösungen 1. Ordnung.
Erstrangige Lösungen haben das +A zur Grundlage. Anders formuliert: Die Lösung ist eine +A-Lösung. Der Erlöser ist das +A.
Man könnte unterscheiden:
• Eine erstrangige absolute Lösung = nur-absolute Lösung = absolut-absolute Lösung = Erlösung.
Sie besteht in der (absoluten) Wahl des Menschen des +A. = Der Mensch will prinzipiell das Gute.
Religiös und wahrscheinlich stärker: Der Wille Gottes und der Wille des Menschen fallen zusammen; Gott und der Mensch sind an dieser Stelle eins („unio mystica“) - vollkommen in Jesus als Einheit von Gott und Mensch.
Diese Lösung umfasst und integriert alle anderen Lösungen, selbst die zweitrangigen, wenn sie als zweitrangig gesehen werden und an sich das Erstrangige gewollt wird. Die erstrangige absolute Lösung löst auch alle Dilemmata und Paradoxien auf.
Sie ist primär eine geistige (bzw. geistliche) Lösung.
• Viele erstrangige relative Lösungen = Lösungen, die in +A integriert sind = auch-absolut. Motto: erlöst dies oder das lösen.
Wir Menschen sind (bis auf die „Absolutwahl“) nur zu relativen Lösungen im Stande. Außerhalb der „Absolutwahl“ ist zu völlig absoluten Lösungen nur +A (Gott) in der Lage. Erstrangige relative Lösungen können auch materielle Vollzüge haben, sie bauen dann aber auf dem +A auf.
Relative Probleme können mit +A oder in einem übergeordneten relativen System gelöst werden.
[21]

„Erlösung", die mit einem Muss beginnt, ist keine Erlösung, höchstens eine Notlösung.
Doppellösungsmöglichkeit: Innerhalb des Systems oder über die Metaebene.

Kennzeichen Lösungen erstrangiger Lösungen (Lösungen 1. Ordnung):
• Freiheit: Ich muss das Problem nicht unbedingt lösen - wie ich auch sonst nichts unbedingt muss!

• Die Lösung geht nicht auf Kosten anderer Menschen.
• Erstrangige Lösungen sind besser als zweitrangige Lösungen.
Warum? Sie kosten weniger Kraft, sind eleganter, stimmiger.
Auch wenn diese Lösungen aus einer übergeordneten, quasi Metaebene bzw. Absolutebene nicht automatisch zu einer totalen, aber zu einer prinzipiellen Lösung führen, so wäre damit doch der Entstehung von Störungen, die den Absolutbereich der Person, das Selbst, betreffen, die wichtigste Grundlage entzogen. Das wiederum hieße, dass beim Glauben an ein positives Absolutes, das ich persönlich Gott nenne, von vornherein alle irdischen Probleme nur eine relative Bedeutung hätten und die Person in ihrer existenziellen (geistigen) Grundlage nicht zerstört werden könnte.
Das + A wirkt zudem nicht nur allumfassend lösend oder erlösend, sondern stellt zugleich die optimale Basis für spezielle, relative Lösungen dar.
    Fremde positive Absoluta dagegen sind im besten Falle suboptimal, im schlimmsten Fall überwiegend negativ - in jedem Fall aber ungünstiger als das +A. Zu erinnern ist aber, dass diese existenzielle Grundlage der Person (das Selbst) eine spirituelle, weniger eine psychische und noch weniger eine physische ist.
Relative Lösungen sind oft unzureichend, weil ihnen eine übergeordnete Metaebene fehlt. Analog dazu Bertrand Russel und Alfred Whitehead in ihrer Theorie der logischen Typenlehre. Diese besagt: „Dass, was immer die Gesamtheit einer Klasse (Menge) betrifft, nicht selbst Teil dieser Klasse sein darf.“ Ähnliches sagen die Unvollständigkeitssätze von K. Gödel: 1. dass es in hinreichend starken widerspruchsfreien Systemen immer unbeweisbare Aussagen gibt und 2. dass hinreichend starke widerspruchsfreie Systeme ihre eigene Widerspruchsfreiheit nicht beweisen können.
[22]
[Wenn ich später symptomatische und ursächliche Therapien gegenüberstelle, so ist das eine etwas andere Betrachtungsweise, die sich mit dieser aber überschneidet. Schon jetzt sei gesagt, dass eine symptomatische Therapie durchaus auch eine erstrangige sein kann - dann aber nur eine relative.]

Zweitrangige Lösungen

Zweitrangige Lösungen haben ein fremdes Absolutes (FA) zur Grundlage. Anders formuliert: Die Lösung ist eine FA-Lösung und der „Erlöser“ ist ein FA. Die 2. Lösungen sind keineswegs die schlechten, aber gegenüber den erstrangigen Lösungen eben zweitrangig. Je mehr das fremde Absolute, dem die zweitrangige Lösung entstammt, dem eigentlichen Absoluten entspricht, umso besser wird die 2. Lösung sein. Die zweitrangigen Lösungen reichen also vom Suboptimalen bis zum Ungelösten +1. Man kann auch formulieren: die zweitrangigen Lösungen sind weder ganz richtig noch ganz falsch. Aber selbst die besten +FA bleiben in ihren positiven Auswirkungen weit hinter den +A zurück. denn die genannten existenziellen Grundprobleme bleiben bestehen.
Synonyme für zweitrangige Lösungen: Notlösungen, Schein-, Ersatz-, Stellvertreter-, Kompensations-, Pseudo-, Fehl-, falsche oder fremde, symptomatische-, fixierte-, geborgte-, aufgesetzte-, künstliche Lösung, Lösung 2. Ordnung, zweitrangige Perspektiven. [23]

Folgen 2. Lösungen

Zweitrangige Lösungen sind entweder „absolutistisch“ oder relativistisch oder negativistisch.
Ist die Lösung absolutistisch entstehen vor allem Hyper-Folgen,
durch relativistische Lösungen v.a. fehlerhafte Folgen und
durch nihilistische Lösungen
entstehen v.a. Verluste an erstrangiger Wirklichkeit.
Zweitrangige Lösungen haben also Hyper-/ Fehl-/ oder Mangel-Folgen
z.B. Hyper-/ Fehl-/ Verlust an: Absolutheit, Identität, Wirklichkeit, Einheit, Sicherheit, Freiheit usw.
Oder adjektivisch: z.B. hyperidentisch, fehlidentisch, nicht identisch.
Das gilt für alle Aspekte.

Vor- und Nachteile

Vorteil" zweitrangiger Lösungen: Möglichkeit der Entstehung von + Hyper-Folgen, z.B. `Kick´.
„Nachteil“ erstrangiger Lösungen: kein Entstehen von + Hyper-Folgen.

Weiteres zu Lösungen

Gehen wir noch einmal von einer Inversion aus, dann stellt sich die Situation so dar:
Relatives dringt in den Absolutbereich ein und wird Scheinabsolutes und fremdes Selbst. Wie erwähnt, ist das + Absolute das Gelöste und Erlösende - das Relative hingegen als Abhängiges ist in sich relativ ungelöst. Wenn nun Relatives in den Absolutbereich der Person eindringt und sich an die Stelle des Absoluten setzt, dann wird an dieser zentralen Stelle, ein ungelöster Komplex (`Es´) entstehen. Dieser wird uns solange bestimmen, bis er gelöst oder zumindest relativiert wird. Lebt die Person von einer + Absolutpositon, also vom eigentlichen Selbst aus so wird der Komplex gelöst, zumindest relativiert, also entschärft. Das +Absolute ist so zwar kein Totallöser, aber ein prinzipieller Löser und Befreier. Bleibt ein relatives Problem in P
¹ ungelöst, so wirkt es auch negativ, bestimmt uns aber nicht. Wir stehen darüber. Solange aber ein Problem im Absolutbereich bleibt, kann es ohne Hilfe des + Absoluten nicht endgültig gelöst werden. Wohl aber kann es scheingelöst, etwa verdrängt werden. Wie diese ungelösten Komplexe wirken, hängt von ihrer Art ab. Im Kapitel über die Wirkungen der Fremd-Selbsts sind diese besprochen. Wie gesagt, werden seelische Krankheiten als wesentliche, wenn auch nicht einzige Folge der Wirkung dieser Ungelöstheiten gesehen.
Sehen wir uns einem (Lebens-)Problem gegenüber, dann ist es ungünstig, wenn wir als Erstes und Wichtigstes das Problem glauben unbedingt lösen zu müssen, ohne uns vorher in eine bestimmte Position dem Problem gegenüber gebracht zu haben. Nehmen wir das Problem zu wichtig und dominiert es uns, dann werden wir es eher nicht und wenn, dann mit viel größeren Anstrengungen lösen, als wenn wir selbst eine freie, dominierende Position dem Problem (der Sache) gegenüber einnehmen.
Im ungünstigen Fall unserer Unterwerfung unter das Problem gleicht die Lösung einer anstrengenden Überkopfarbeit eines Menschen, der sich zudem vom Problem gefangen nehmen lässt. Im zweiten, günstigen Fall aber werden wir die Übersicht behalten und das Problem viel leichter lösen. Ja wir haben die Freiheit und Klugheit zu sagen, dass wir es auch nicht lösen müssen, eine Freiheit, die wir im ungünstigen Fall aufgegeben haben.
D.h. die Erlösung ist wichtiger als die Lösung und: Durch die Erlösung werden auch die Lösungen wesentlich wahrscheinlicher.
Metalösung = Erlösung, das heißt schon jetzt und immer erlöst zu sein, wenn man das will - nicht erst dann, wenn man diese oder jene Vorleistungen oder Vorbedingungen erfüllt hat. Also ganz einfach indem man sich „von oben” lieben lässt. Die Person wird dann optimal entlastet, weil im Zentrum keine Forderung an sie steht.
[28]


Entlastung und Ermutigung:
Ist das Personenzentrum durch ein FA/Es besetzt, so ist P permanent überfordert,
sodass schon eine Relativierung der FA/Es (linker Pfeil) zu einer Entlastung der Person führt.
Besteht anderseits ein Null-FA, bedarf die Person einer Ermutigung (rechter Pfeil)



Unsere Welt,
, wie auch wir Menschen (WPI²), sind mehr oder weniger verschlüsselt/ erlösungsbedürftig. Der Schlüssel (die Lösung), um alle Codes von WPI² zu entschlüsseln, kann häufig nicht ein Schlüssel 2. Ordnung sein, also von WPI² selbst stammen, sondern muss dann ein Schlüssel 1. Ordnung sein, quasi ein Metaschlüssel, ein spiritueller Schlüssel, der letztlich nicht im Wissen gefunden werden kann, denn Wissen ist relativ, sondern eher im Glauben, der einen Zugang zum Absoluten hat. (Das stellt keinen Gegensatz von Wissen und Glauben dar, sondern ist eine Prioritätsfrage).[24] Das heißt auch: Wir könnten unser ganzes Leben, wie auch jeden Tag, nicht mit dem primären Gefühl von Verantwortlichkeit und Pflichterfüllung leben, sondern mit dem Gefühl einer unbedingten Geborgenheit und Erlöstheit.

Es stellt sich die Frage: Bin ich im ersten oder zweiten Spiel? Kann ich aussteigen oder nicht? Körperlich oder auch seelisch auszusteigen, ist manchmal unmöglich. Das leichte geistige Aussteigen (Paradigmenwechsel) scheint mir am wichtigsten, denn wir werden ein Problem umso eher lösen, wenn wir die Freiheit der Wahl, die Wahlmöglichkeit bewahren. Was nichts anders heißt, als dass das Ziel/ Ergebnis keinen absoluten Stellenwert hat.

Beispiel: Lösung des Allmende-Problems, erst- oder zweitrangig?

Problem: „Wenn eine Ressource uneingeschränkt allen Menschen zur Verfügung stehe, werde jeder versuchen, für sich soviel Ertrag wie möglich zu erwirtschaften. Das funktioniere, solange nur so viele Menschen das Gut ... ausbeuten, dass das Gut nicht erschöpft wird. Sobald jedoch die Zahl der Nutzer über ein bestimmtes Maß hinaus ansteigt, greife die Tragik der Allmende: Jeder versuche nach wie vor, seinen Gewinn zu maximieren. Nun reiche das Gut aber nicht mehr für alle. Die Kosten, die durch den Raubbau entstünden, trage die Gemeinschaft. Für den Einzelnen sei der augenblickliche Gewinn wesentlich höher als die erst langfristig spürbaren Kosten. Doch letztlich trage jeder sowohl zum eigenen als auch zum Ruin der Gemeinschaft bei, so Hardins Schlussfolgerung... Bereits Aristoteles bemerkte, dass `dem Gut, das der größten Zahl gemeinsam ist, die geringste Fürsorge zuteil wird´...

Beispiele: Überfischung der Weltmeere, Plünderung von Wildtierbeständen und Wäldern, besonders in Entwicklungsländern (Raubbau)...

Vorgeschlagene Lösungen:
[Meiner Meinung nach zweitrangige Lösungen]:

• Eine Lösung dieses sozialen Dilemmas besteht in der Definition von Verfügungsrechten unter staatlicher Kontrolle oder der Regulierung knapper Ressourcen, z. B. durch Fangquoten oder Emissionsrechtehandel.
• Nach Elinor Ostrom... basieren funktionierende Lösungen des Allmendeproblems bei lokalen Allmendegütern oft darauf, dass die betroffenen Individuen die Ressource im Rahmen einer geeigneten Institution verwalten, die auf der Selbstorganisation der Beteiligten beruht... Derartige institutionelle Arrangements... seien oft erfolgreicher als zentralstaatliche Kontrolle oder auch aus Privatisierungen resultierende Marktmechanismen...“
[In diesem Artikel wird auch kurz eine meiner Meinung nach erstrangige Lösung erwähnt]:
„Die Sozialpsychologie zeigt auch maximenbasiertes, also nicht zweckorientiertes Vertrauen als Lösungsmöglichkeit auf... Untersucht wird dieses Verhaltensmuster unter anderem auch von der Spieltheorie. Dabei wird unter anderem der Frage nachgegangen, warum Individuen in vielen Fällen trotz hoher individueller Kosten soziale Normen durch altruistische Sanktionen stabilisieren.“
[25]
Vertrauen wird durch Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und Authentizität begründet.
[26]

Weitere Stichworte zu Lösungen
Das Lebendige ist wichtiger als das Funktionelle.
Materielle/ organische Störungen lassen sich am besten mit materiellen Mitteln beheben, die in +A ruhen - geistig-seelische am besten mit geistig-seelischen Mitteln, die in +A ruhen.
Nicht den Patienten an die Therapiemethode, sondern die Therapiemethode an den Patienten anpassen -
aber der Wunsch des Patienten ist auch nicht letzte Instanz.
Zur existenziellen Frage: „Bin ich oder muss ich erst werden?“ Antwort: „Du bist, versuche auch zu werden!“ Doppelantwort: Sein und Werden - mit dem Primat des unbedingten Seins.
P umarmen und ab und zu auf die Füße treten.
[27]

Problemhierarchien und Lösungshierarchien

Ist ein kleineres Problem Ausdruck eines größeren, dann kann es besser oder manchmal nur überhaupt gelöst werden, wenn das größere Problem zuerst gelöst wird. Das kleinere Problem kann sonst nur teilgelöst oder ersatzgelöst werden. Oder die Lösung wird aufgeschoben oder verdrängt. Andererseits kann durch das Auftreten eines größeren Problems ein kleineres Problem verdeckt oder relativiert werden.
Generalisierung von Problemen, Problem-Kaskaden, Problemketten, Problemlawinen usw. entstehen dann, wenn auf keinerEbene eine Problemlösung in Sicht ist. Wird z.B. ein Alltagsproblem nicht gelöst, so wird das Problem häufig auf ein nächsthöhere bzw. nächst tiefere Ebene verlagert (etwa auf die Ebene der Familie oder Gesellschaft, die dann vielleicht eine Lösung hat). Ist auch hier keine Lösung in Sicht, erscheint das Problem existenziell. Man kann auch sagen, es besetzt den Selbst- oder Absolutbereich der Person.
Betrachten wir die Situation in umgekehrter Richtung, also vom Existenziellen hin bis zum Alltäglichen, dann ist festzustellen, dass eine Ungelöstheit der existenziellen Probleme sich auch bis in Alltagssituationen hinein auswirkt, also Probleme im Alltag erzeugt, die dort an sich nicht vorhanden sind bzw. werden dort vorhandene verschlechtert oder potenziert.
Parallel zu den Problemhierarchien kann man auch von Lösungshierarchien sprechen. Lösungen auf existenzieller Ebene haben auch existenzielle Bedeutung und schützen den Betreffenden in seinem Absolutbereich, d.h. vor tieferen existenziellen Schäden. Die Person hat in diesem Falle Selbst-Stärke bzw. Gottvertrauen. Der Betreffende ist aber nicht nur in seinem Absolut- sondern auch in seinen Relativbereichen besser geschützt, d.h. seine irdischen oder Alltagsprobleme werden durch die Gelöstheit im Absolutbereich relativiert und abgepuffert. D.h. auch: so wichtig es ist, seine Alltagsprobleme gut lösen zu können - noch wichtiger ist, sich erlöst zu wissen (und deshalb die Alltagsprobleme nicht lösen zu müssen).
Weiteres zu eigentlicher Lösung und Notlösungen s. Kapitel Psychotherapie.

Vergleich mit Lösungen anderer Autoren

P. Watzlawick et al. unterscheiden folgende Lösungen:[28]
- Lösungen 1. Ordnung:
„Hierbei bleibt das nichtfunktionierende System sich selbst überlassen; für die Problemlösung werden ausschließlich systeminterne Mitte in Betracht gezogen... Soll nun ein Problem gelöst werden, stehen lediglich jene Mittel zu Verfügung, die sich innerhalb der Systemgrenzen befinden. Somit werden bei Lösungsversuchen 1. Ordnung nur einzelne problematische Elemente `repariert´ bzw. verschoben. Diese Strategie führt jedoch zu einer Zustandsveränderungen innerhalb eines invarianten Systems. Von außen betrachtet hat sie aber zu keiner Lösung des eigentlichen Problems geführt, sondern bloß eine Problemverschiebung bzw. eine Verschlechterung der Ausgangssituation herbeigeführt. Lösungen 1. Ordnung sind also höchstens kurzzeitig anwendbar...”.
Kommentar: Diese Lösungen 1. Ordnung entsprechen im Wesentlichen denen, die ich zweitrangige Lösungen genannt habe.

- Lösungen 2. Ordnung:
„… um ein Problem dauerhaft zu beseitigen, ist es daher ratsam, eine Lösung 2. Ordnung zu suchen. In diesem Fall bleibt das `kranke System´ nicht mehr sich selbst überlassen, sondern es kann zusätzlich von außen... in das System eingegriffen werden. Im Gegensatz zu Lösungen 1. Ordnung können so auch die Beziehungen zwischen den Elementen objektiver beurteilt und analysiert werden. Die Behebung des Problems erfordert nämlich eine Umstrukturierung des gesamten Systems...”
Kommentar: Diese Lösungen 2. Ordnung weisen auch darauf hin, bei einer ungelösten Problematik diese von einer Metaebene aus versuchen zu lösen. Die Autoren heben dabei allerdings nicht auf ein (positives) Absolutes ab. Das +A löst alle Probleme prinzipiell aber nicht unbedingt total. +A gibt den ungelösten Problemen die Position, von denen aus sie am besten gelöst werden können - nämlich eine relative Position.

• Parallelen zur Psychoanalyse: Ich sehe die wesentliche therapeutische Wirkung der Psychoanalyse darin, dass alle verdrängten, weil zu peinlichen, „Komplexe“ bewusst gemacht und als zum Menschsein dazugehörig angesehen werden und so der Betroffene mit allen Schattenseiten angenommen wird. Der Psychoanalytiker nimmt so in der Praxis eine liebevolle Metaposition ein, obwohl S. Freud theoretisch andere Positionen vertritt. Es scheint ihm „nicht im Plan der Schöpfung vorgesehen" zu sein, dass die Menschen glücklich seien. An Möglichkeiten, Leid abzuwehren, nennt er, außer krankmachender Triebtötung, die triebbeherrschende Sublimierung, die jedoch nur wenigen erreichbar ist; die Kunst (als „milde Narkose"); die Religion (als „kollektiver Wahn") und schließlich - als „schwächste" Form - die Liebe: „Niemals sind wir ungeschützter gegen das Leiden, als wenn wir lieben...“
[29] Das trifft m.E. nur auf die zweitrangige Liebe, die `Libido´, nicht auf die erstrangige Liebe zu, die im Gegensatz dazu die stärkste Kraft gegen das Leiden ist. Die Möglichkeit eines Schutzes durch ein übergeordnetes Positives, durch eine `positive Metaposition´, wie er sie ja selbst auch praktiziert hat, nennt er nicht.

Was ist das Beste für die Psyche?

                    "Was aber die Liebe gibt und der Geist, das läßt sich nicht erzwingen!" 
                            F. Hölderlin, Hyperion.
                                                                                                  

Ich glaube, wir Menschen benötigen beides: wissenschaftlich fundierte und aus dem Glauben kommende Hilfen. Aber selbst wenn das gewährleistet ist, bleibt die therapeutische Situation noch schwierig. Auch wenn man davon ausgeht, dass alle Helfer nur das Beste für ihre Klienten wollen, so stellt sich überhaupt die Frage, was das Beste eigentlich ist.
Ist das subjektiv empfundene Beste auch das objektiv Beste?

• Besteht das Beste darin, die subjektiven Bedürfnisse der Patienten zu befriedigen? Das wird in den Fällen falsch sein, wo die Befriedigung der Bedürfnisse dem Patienten schadet, wo es sich um aufgesetzte, künstliche, fremde, manipulierte Bedürfnisse und ihre Befriedigung geht und nicht um eigentliche, genuine, die vor allem langfristig nützen, deren Erreichung aber häufig mit negativen Gefühlen oder gar Leid verbunden ist und denen wir meist Widerstand (s. dort) entgegensetzen.
• Ähnlich ist es auch mit dem häufigen Rat, der Betroffene möge sich Gutes tun (meistens verbunden mit nur vordergründigen Wellness-Empfehlungen). Aber das langfristig Gute kann gerade darin bestehen, sinnvolle Auseinandersetzungen und Krisen, die oft mit Leid verbunden sind, versuchen zu bestehen.
• Auch das Therapieziel von Symptombeseitigung oder selbst das von Gesundheit, wie an anderer Stelle ausführlicher dargestellt, ist nicht eindeutig positiv: Man kann durch die Beseitigung eines Symptoms, so sinnvoll dies in Akutsituationen ist, langfristig deren Verursachungen kaschieren und so  bleibende Störungen erzeugen, die sich auch nicht nur als Krankheiten und, wie gesagt, auch nicht nur bei den Betreffenden selber äußern müssen.

Man kann Symptomfreiheit auch auf Kosten anderer Menschen oder anderer Lebensbereiche herstellen. (Ich denke an eine 39 jährige Pat. mit Ca, der man, den Leitlinien folgend, mitteilte, sie müsse 10 Jahre lang halbjährlich zu Kontrolluntersuchungen, weil das statistisch die größten Heilungschancen biete. Frage: was hat diese Frau davon, wenn sie tatsächlich einige Jahre länger lebt, aber 20 Krebsnachuntersuchungen über sich ergehen lassen muss, die i.d.R. von wochenlangen schweren Ängsten begleitet sind?).
• Lebensverlängerung um jeden Preis?
Ist das Beste ein langes Leben? Es kann furchtbar sein. Besonders fragwürdig scheint es, unheilbar kranke Menschen gegen ihren wiederholten und prinzipiellen Willen zum Weiterleben zu zwingen.[30]
• Ist das Beste die Vernunft? Ist es nicht langweilig und auch unmöglich nur vernünftig zu sein?
• Gelassenheit? Ist es nicht besser für uns, wenn wir auch nicht gelassen sein dürfen und das wird immer wieder der Fall sein? Sind wir nicht in einem höheren Maße gelassen, wenn wir auch nicht gelassen sein dürfen?
• Authentizität? Sind wir nicht in einem höheren Maße authentisch, wenn wir auch dann wir selbst bleiben, wenn wir nicht authentisch sind?
• Erfolg? Aber sind wir nicht zum Erfolg verdammt, wenn wir keine Misserfolge haben dürfen?
• Achtsamkeit? Aber übertriebene Achtsamkeit führt zu Unachtsamkeit.
• Objektivität? Aber ist nicht unsere Objektivität dann am größten, wenn sie Subjektivität mit umfasst?
Die Reihe lässt sich beliebig fortsetzen. Im besten Fall sind diese Ziele suboptimal. Denn sie sind alle an Vorbedingungen geknüpft, die wir nur manchmal oder nur teilweise erfüllen können.

Die Frage, was das Beste für den Menschen, für seine Seele ist, bleibt. Man kann auch fragen:

Was ist das positive Absolute, das +A?

Wie sollte der beste Geist, die beste Geisteshaltung (Philosophie, Religion usw.), kurz: wie sollte ein positives Absolutes (+A) sein?
Das ist Glaubenssache. Ich glaube:
Das +A sollte v.a. liebevoll sein und die Liebe nicht von irgendwelchen Vorbedingungen wie Leistungen abhängig machen.
Das +A sollte jeden Menschen um seiner selbst willen lieben,
(aber nicht unbedingt das lieben, was er tut).
Das +A sollte jedem Menschen eine unbedingte Würde, Wert und
Selbstbestimmungsrecht geben.
Das +A sollte optimistisch und realistisch zugleich sein.
Das +A sollte den Menschen helfen/ dienen und sie nicht beherrschen, sondern sie zu sich erhöhen.
Das +A müsste immer stimmen.
Das +A sollte bedingungslos und jedermann zugänglich sein - also nicht nur den Klugen und Starken und Guten, sondern, vielleicht mehr noch, weil sie es nötiger haben, den Einfachen, Schwachen und Bösen.
Das +A sollte jedem Menschen die Abwahlmöglichkeit eines jeden Absoluten, so auch die Abwahl Gottes selbst, geben und so in dieser freien Absolutwahl den Menschen selbst eine absolute Position geben.
Das +A sollte stärker sein als die Menschen selbst.
Das +A sollte den Menschen in ihrer Not beistehen, ohne sie zu entmündigen oder ohne ihnen ihre Verantwortung abzunehmen.
Das +A sollte alles verzeihen, wenn Derjenige das will.
Das +A sollte die Menschen orientieren, aber nicht dirigieren.
Das +A sollte den Menschen einen Sinn geben, der nicht verlorengehen kann.
Das +A sollte nicht manipulierbar sein, sondern souverän.
Das +A sollte alle irdischen Probleme relativieren und dadurch ihre Lösung erleichtern.
Das +A sollte den Menschen Hoffnung in jeder Lebenslage, so auch über den Tod hinaus, geben, ohne sie aufs Jenseits zu vertrösten.
Das +A sollte
mit den Menschen mitleiden können und uns trösten, wie einen die beste Mutter trösten kann.
Das +A sollte den Menschen vor allem Freiheit und Freude geben und sie entlasten, aber nicht alles abnehmen, wenn sie dadurch schwach würden.
Das +A sollte den Kern eines jeden Menschen, das Selbst, unangreifbar und unzerstörbar machen, indem es dieses Selbst von nichts Anderem abhängig macht,
das selbst zerstörbar ist.
Das +A sollte das sein, wo sich jeder jederzeit wiederfinden kann.
Das +A sollte für alle Menschen gut sein.

Das Beste für unsere Psyche, das +A, ist, so glaube ich, die Liebe (oder, wenn man religiös ist, Gott). [Siehe auch das `Hohelied der Liebe´ in 1 Kor 13].
Ich bin zutiefst überzeugt, dass die stärkste heilende Kraft die Liebe/ Gott ist - auch wenn sie unter anderen Namen wie Respekt, Sympathie, unbedingte Anerkennung und Wertschätzung usw. oder in verschiedenen Religionen, Ideologien oder Therapieverfahren „verdünnt“ oder versteckt fungiert.
Da die Liebe/ Gott verschiedenste Aspekte hat, wird jeder dieser Aspekte eine positive Wirkung haben; andererseits jedoch wird ihre Kraft verringert, wenn nur einer ihrer Aspekte oder Attribute und nicht sie selbst absolut gesetzt wird.

Im Folgenden versuche ich, wenigstens im Groben, wichtigste Weltanschauungen daraufhin zu untersuchen, wie weit sie diesem Ideal eines +A entsprechen. Dabei handelt es sich nur um Hauptströmungen von Weltanschauungen der Menschheit, zu denen sich die Glaubenssysteme einzelner Menschen nur mehr oder weniger gut zuordnen lassen. Außerdem ist deren Beurteilung natürlich stark subjektiv und im besten Fall glaubwürdig.

Weltanschauungen - Grundlagen der Psychotherapien (kritische Übersicht)

Einleitung

Definition: „Als Weltanschauung bezeichnet man die Gesamtheit aller Auffassungen eines Individuums oder einer Gruppe von Individuen von der Welt, von ihrer grundsätzlichen Beschaffenheit, ihrer Herkunft, ihrem Ziel, Sinn, Wert etc. und die Stellung des Menschen in ihr. Weltanschauungen beinhalten im Unterschied zu Erkenntnissen auch nicht begründbare Elemente, wie Deutungen, Ideale und grundsätzliche Vorstellungen der Lebensgestaltung, eventuell auch metaphysische und religiöse Auffassung.“[31]

Warum sollten wir nicht verschiedenste Glaubenssysteme auf ihre Wirkung auf die Psyche hin untersuchen - in diesem Kapitel insbesondere, wie sehr sie als Grundlagen für Psychotherapien infrage kommen?
Die eher ungünstigen Weltanschauungen bzw. Ideologien habe ich im Teil `Metapsychiatrie´besprochen.
In der nachfolgenden stichwortartigen Besprechung behandele ich einige, imWesentlichen humane Anschauungen, die häufig Grundlagen für verschiedene Psychotherapie-Richtungen sind, aber als solche selten hinterfragt werden.
   Ausnahme z.B. John R. Peteet; Zitat: „Die Einstellungen der Therapeuten in der Psychotherapie sind von großer Bedeutung... Unter den individuellen und kulturellen Faktoren, die die Einstellungen eines Therapeuten prägen, sind spirituelle Traditionen ... Darunter fallenunter anderem für Juden soziale Verantwortung und kritisches Denken; für Christen Liebe und Gnade; für Muslime Ehrfurcht und Gehorsam; für BuddhistenGleichmut und Mitgefühl; für Hindus Wertschätzung von Dharma und Karma und für Säkularisten Respekt für wissenschaftliche Beweise und Verständlichkeit. Diese haben unterschiedliche Auswirkungen auf die Behandlung ...“.

Ich behandle hier nur die bekannten, quasi offiziellen Weltanschauungen stellvertretend für unzählige individuelle Weltanschauungen oder Weltsichten. Wichtigstes Kriterium für diese Prüfung ist für mich, wie weit sie dem oben genannten positiven Absoluten entsprechen, anders gesagt, wieviel Liebe sie vermitteln. Es geht aber auch darum, als Therapeut den Patienten aus dessen Weltsicht heraus zu begreifen.
[32]Die Weltanschauungen stehen miteinander in Konkurrenz, wobei vor allem jede der Weltreligionen für sich in Anspruch nimmt, die richtigen Antworten auf die existenziellen Fragen der Menschen zu geben.
Man kann natürlich sagen: Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden und warum sollte ich den Glauben eines Anderen infrage stellen? Sicher wäre es verkehrt, die Glaubensfreiheit in Frage zu stellen und fundamentalistische Positionen zu beziehen. Andererseits könnte man die Gegenfrage stellen: Warum soll ich mit meinen Mitmenschen nicht um glaubwürdige Antworten auf die Frage ringen, was das Beste für uns Menschen ist? Warum sollte ich nicht den Glauben meiner Mitmenschen respektieren und gleichzeitig ein eigenen Standpunkt Vertreten - und auch meine Ansichten zur Diskussion stellen?
Sicher streben die meisten Psychotherapeuten bzw. ihre Schulen Ähnliches an. Allerdings glaube ich, dass es, je nach weltanschaulicher Grundlage, Unterschiede mit entsprechenden Vor- und Nachteilen gibt, wie ich sie in folgender Tabelle mit + oder − deutlich machen will.
Die nachfolgenden Einteilungen der verschiedenen Weltanschauungen und ihre Beurteilungen habe ich vor allem in Bezug auf ihre Wirkung auf die Psyche vorgenommen. Es sind nur stichwortartige Ausführungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit, die meine persönliche Meinung darstellen.

Als Quellen für diese Ausführungen habe ich, wenn nicht extra vermerkt, vor allem verwendet:

Brockhaus Enzyklopädie;
Schischkoff: Philosophisches Wörterbuch; Lexikon der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen;[33] Evangelischer Erwachsenen Katechismus; E. Kellerhals: Der Islam; K. Jaspers: Die großen Philosophen; Wikipedia; Koran; Bibel.[34]

Übersichtstabelle

Tabelle: Gegenüberstellung wichtiger Weltanschauungen in Bezug auf einige Aspekte des + Absoluten (+A), oder:
Wie viel Liebe und Absolutheit sind in welcher Weltanschauung drin?

 

+A

MATERIALISMUS

HUMANISMUS

BUDDHISMUS

ISLAM

CHRISTENTUM

1

ist anthropozentrisch

+

+

+

+

2

ist theozentrisch

+


3

ist die Liebe

−/(+)

(+)

(+)

(+)

+

4

ist allmächtig, unzerstörbar

(+)

+

+

5

ist immer und ewig da

−/(+)

(+)/+

+

+

6

ist für jeden offen, schließt niemanden aus.

(+)

(+)

+?

(+)

+

7

ist umsonst, man muss nicht unbedingt etwas dafür tun[35];
keine Selbsterlösung nötig.

+

8

ist souverän, nicht manipulierbar, gerecht

(+)

(+)

(+)

+

+

9

ist erstrangige Wirklichkeit, realistisch, alltagstauglich

(+)

(+)

(+)

(+)

+

10

ist glaubwürdig

(+)

(+)

(+)

(+)

+

11

liebt alle gleich ohne Vorbedingungen,
liebt mich um meiner selbst willen.

(+)

(+)

(+)

(+)

+

12

kann abgewählt werden

+

+

(+)

+

13

verzeiht alles

(+)

(+)

+

14

erlöst und entlastet

(+)

(+)

(+)

(+)

+

15

dient den Menschen, beherrscht sie nicht

(+)

(+)

(+)

(+)

+

16

gibt Freiheit und Selbstbestimmungsrecht

(+)

(+)

(+)

(+)

+

17

gibt unbedingte Würde

(+)

(+)

(+)

(+)

+

18

gibt Hoffnung

(+)

(+)

(+)

(+)

+

19

verspricht ewiges Leben

(+)

(+)

+

20

verspricht unzerstörbares Selbst (Wesenskern)

(+)

+

21

Toleranz gegenüber anderen Weltanschauungen

(+)

(+)

(+)

(−)

+


Die Tabelle soll nicht mehr als eine grobe und noch dazu subjektive Einschätzung der genannten Weltanschauungen sein. Sie stellt für mich keine Abwertung nichtchristlicher Anschauungen dar.

Es stellen sich für mich aber wesentliche Fragen, die ich unterschiedlich beantwortet sehe:
In welcher Weltanschauung steckt am meisten Liebe drin?
Welche würde ich meinen Kindern wünschen?
Welche ist am glaubwürdigsten, hoffnungsvollsten und dennoch am realistischsten?
Welche erleichtert uns das Leben?
Wo finde ich mich am ehesten wieder?
Alle die genannten Weltanschauungen haben positive Seiten, sind aber dennoch von unterschiedlicher Qualität, was noch besprochen werden soll.

Anthropozentrische/ theozentrische Weltanschauungen

Man kann anthropozentrische, theozentrische und christozentrische Weltanschauungen unterscheiden.

Anthropozentrische

Theozentrische

Materialismus, Idealismus,  Esoterik und die meisten anderen Ideologien,
z.T.
Buddhismus

Islam
z.T. Judentum

Vorteile

Nachteile / Gefahr

Vorteile

Nachteile / Gefahr

Der Mensch steht im Mittelpunkt.

Spiritualität fehlt.
abs. Liebe/ Gott fehlt.
Zu enges Weltbild.

Gott steht im Mittelpunkt.

Der Mensch wird zu unwichtig.
Zu wenig Selbstbestimmungs-recht.

Der Mensch ist frei und emanzipiert.

Mensch wird zu groß („Übermensch“)
oder zu klein gesehen.

Der Mensch ist geborgen.

Der Mensch wird zu abhängig, zu klein.

Der Mensch hat letzte Verantwortung.
Der Mensch strebt und leistet.
Fortschrittsglaube.

Überforderungen!
Er muss Leistungen erbringen / sich selbst erlösen. Seine Taten entscheiden über ihn.
Fortschritts-, Erfolgszwang.

Gott hat letzte Verantwortung.
Gott macht das Wichtigste.

Gott zu willkürlich, der Mensch ihm ausgeliefert.
Der Mensch überlässt das Existenzielle Gott.
Er muss aber an Gott glauben.

 

Er ist nicht um seiner selbst willen geliebt.

 

Nur in der eigenen Religion gäbe es Heil und andere WA seien dadurch ausgeschlossen (Exkluvismus).

Nachteile beide: Der Mensch muss Bedingungen erfüllen.


Anthropozentrische:
„Im Zusammenhang mit Religion bezeichnet Anthropozentrismus den Standpunkt, dass nicht Gott bzw. Gottheiten im geistigen Zentrum der Welt stehen (wie im Theozentrismus), sondern der Mensch.“[36] STW „Mensch, Maß aller Dinge.“ (Protagoras).

Kritik:    
    Der Mensch muss Vorbedingungen erfüllen.          
    Der Mensch trägt die alleinige Verantwortung und ist als solcher überfordert.             
    Man findet eine Überbetonung des Erwachsenen-lchs bzw. bestimmter menschlicher Leistungen
     Immanenter Glaube an den menschlichen Fortschritt (Progressivismus).

Theozentrische:
„Der Begriff Theozentrismus ... bezeichnet eine religiös geprägte Weltanschauung, die Gott oder eine oder mehrere Gottheiten im geistigen Zentrum der Welt sieht. Gott oder ein göttliches Wesen steht in der Mitte der Welt, das heißt die Lebens- und Denkweise der Menschen ist religionsorientiert. Gegenteil des Theozentrismus ist der Anthropozentrismus (s.o.).“
[37]
Kritik: s. obige Tabelle und unter Religionen.

„Das Christentum ist christozentrisch und damit theozentrisch und anthropozentrisch zugleich, denn es hat Jesus Christus als Zentrum, der zugleich Gott und Mensch (besser: zugleich göttlich und menschlich?) ist. Anthropozentrismus und Theozentrismus sind also im Christentum kein Gegensatz, sondern stehen in untrennbarer Beziehung zueinander."
[38]
Ähnlich und weiter gefasst, wenn auch unüblich, ist die Unterscheidung von Immanentismus (im Sinne von Verabsolutierung der Welt und Negierung der Transzendenz
[39]) und Transzendentismus (Verabsolutierung der Transzendenz und Negierung der Immanenz - nicht zu verwechseln mit dem Transzendentalismus von Kant u.a.).

Philosophien

Die Philosophien haben das gleiche Problem wie die Religionen: Sie behandeln Nichtzubeweisendes. Dafür geht es ihnen, wie den Religionen, um das Ganze. „Während wissenschaftliche Erkenntnisse auf die einzelnen Gegenstände gehen… handelt es sich in der Philosophie um das Ganze des Seins, das den Menschen als Menschen angeht; um Wahrheit, die, wo sie aufleuchtet, tiefer ergreift als jede wissenschaftliche Erkenntnis... Nicht dieser oder jener Kausalzusammenhang wird erforscht, sondern der Sinn, der dem Ganzen überhaupt beigelegt werden kann.“ Im Gegensatz zur Theologie, der „Gottesweisheit“, könne man Philosophie als „Weltweisheit“ verstehen.[40]
Weiterführende Literatur zum Thema Psychologie und ihre philosophischen Grundlagen siehe:
• Harald Walach: „Psychologie - Wissenschaftstheorie, philosophische Grundlagen und Geschichte.“ Kohlhammer-V. 2. Aufl. 2009.
• Nikolaus Lobkowicz: Humanismus und Christentum. Materialismus, Idealismus und christliches Weltverständnis. Pluralismus und Wahrheit. (Bd. 19): Herder Verlag, 1996.

Allgemeine geistesgeschichtliche Strömungen[41]

„Monismen: Materialismus, Idealismus, Rationalismus, Empirismus, Sensualismus, Pietismus, Mystizismus, Naturalismus, Nihilismus.
Dualismen: Platonismus, Neuplatonismus und Realismus.
Individualismen: Existenzialismus, Solipsismus.
Naturrecht, Freidenker, Humanismus, Philanthropie/ Misanthropie, Optimismus/ Pessimismus, Stoizismus, Hedonismus, Epikureismus, Libertinismus.
Utilitarismus, Eudämonismus, Hedonismus, Ethischer Egoismus, Amoralismus.
Kollektivismen: Kommunitarismus, Sozialismus, Kommunismus, Marxismus, Liberalismus.
Agnostizismus, Atheismus; Deismus; Monotheismus, Polytheismus, Pantheismus, Panentheismus, Theismus.“
Naturalismus umfasst: Realismus, Physikalismus, Religionskritik, Reduktionismus, eine Eingrenzung auf die Methoden der Naturwissenschaften und eine Ablehnung der Metaphysik.
[42]

Beziehungen von Philosophie, Religion und Naturwissenschaft

Hier nur Auszüge aus einer Veröffentlichung.[43]
Philosophie und Naturwissenschaften:
„Bei den Griechen und bis in die Neuzeit bildeten Philosophie und Naturwissenschaften eine Einheit. Beiden ging es um die Wahrheit. So waren sehr viele Wissenschaftler auch Philosophen. Erst im letzten Jahrhundert kam es zu einer Trennung. Die fortschreitende Spezialisierung der Einzelwissenschaften führte zu ihrer thematischen und methodischen Einschränkung. Die heutige Wissenschaft versucht bestimmte Ausschnitte der Realität möglichst genau zu erfassen, verzichtet aber auf die Ganzheit der Wirklichkeit.“
Philosophie und Religion:
„Auch sie haben sehr viele gleiche Inhalte: Gott, die Unsterblichkeit, den Sinn des Lebens. Die Philosophie kann allerdings keine fertigen oder dogmatischen Antworten auf diese Fragen geben. Sie liefert keinen Wegweiser, etwa durch die Autorität eines erleuchteten Lehrers. In der Religion geht es vielmehr um eine göttliche Voraussetzung. Das einzige Fundament der Philosophie bleibt die menschliche Vernunft.“

Ideologie:
„Die Ideologie stellt meistens eine Verallgemeinerung und Verabsolutierung bestimmter Erfahrungen und Erkenntnissen dar. Sie oft dogmatisch und gibt den Menschen fertige Antworten. Sie befriedigt die starken menschlichen Bedürfnisse nach geistiger Orientierung. Im Gegensatz dazu ist die Philosophie vielmehr ein Fragen!“

Materialismus

Die eine materialistische Philosophie gibt es nicht, sondern eine Vielzahl von materialistischen Strömungen, die allerdings ein gemeinsamen Nenner haben: Materialismus ist „eine Grundrichtung der Philosophie, die im Gegensatz zum Idealismus die Materie als die eigentliche Realität und das alle anderen Phänomene Bestimmende ansieht.“[44] Der Materialismus ist in der Regel atheistisch.
Zum Materialismus sind Naturalismus, Empirismus und Positivismus zu rechnen.
[45]
Diese stellen für die meisten heute verbreiteten Psychotherapien die philosophische Grundlage dar.

Kritik am Materialismus

Mir scheint, die Grundannahmen der heutigen Psychologie und Psychiatrie sind noch die gleichen atheistisch-materialistischen wie zur Zeiten von Marx und Lenin. Ich wiederhole sein Zitat: „Es geht nicht an, über die Seele zu räsonieren, ohne die psychischen Prozesse im Einzelnen erklärt zu haben: der Fortschritt muss hier gerade darin bestehen, dass man die allgemeinen Theorien und philosophischen Konstruktionen über die Seele aufgibt und es versteht, die Untersuchung der diese oder jene psychischen Prozesse kennzeichnenden Tatsachen auf den Boden der Wissenschaft zu stellen … Die marxistisch-leninistische Philosophie lehnt den Apriorismus ab und beweist, dass der ganze Inhalt und alle Formen der Erkenntnis empirischer Herkunft sind ... und die objektiven Eigenschaften und Beziehungen der materiellen Dinge widerspiegeln.“[46]
Ob Lenin, Marx oder ihre Nachfolger es wahr haben wollen oder nicht: Sie gehen selbst von nur zu glaubenden Grundannahmen aus.
H. Hempelmann dazu: „Die Position eines naturalistischen Reduktionismus ist selbst metaphysisch, insofern selbstwidersprüchlich, insofern selbstaufhebend.“
[47]
Sie setzen sich selbst absolut und lassen ihre eigenen Apriori nicht kritisieren, kritisieren aber andere Weltanschauungen oder argumentieren wie Zimbardo: Theorien, „die auf Seiten der Engel stehen“ könne man schlecht kritisieren.
[48]
Peter Möller dazu: „Mich überzeugt das Primat des Geistes mehr, als das Primat der Materie. Mit dem Primat der Materie und dem Bewusstsein als bloßem Spiegelbild lässt sich schöpferische Intelligenz, Kreativität, Phantasie nicht erklären. Ganz abgesehen mal davon, dass ich mit Berkeley und Fichte davon ausgehe, dass Materie kein Bewusstsein erzeugen kann.“
[49]
Ich möchte in diesem Zusammenhang ganz kurz auf den Realismus und Funktionalismus eingehen, weil sie in der materialistischen Philosophie und entsprechenden Psychotherapien eine große Rolle spielen.

    Realismus

„Denkrichtung, nach der eine unabhängig vom Bewusstsein existierende Wirklichkeit angenommen wird, zu deren Erkenntnis man durch Wahrnehmung und Denken kommt.“[50]
Wie ich im Teil `Metapsychiatrie´ ausgeführt habe, glaube ich, dass unsere Welt, so auch wir Menschen, als erst- und zweitrangigen Wirklichkeiten/ Realitäten existieren. Nur die erstrangige Wirklichkeit wäre eindeutig, die zweitrangigen aber nur relativ eindeutig bis uneindeutig. Mit dem Begriff `Realismus´ würde man diese beiden Wirklichkeitsbereiche aber nicht unterscheiden, sodass es zu Missverständnissen kommt.
Was heißt etwa: „Ich bin Realist“?
Ich bin so wie die Realität? Aber die Realität ist nicht eindeutig. Wäre ich wie die Realität, dann würde ich die Realität uneindeutig sehen. Das ist aber nicht gemeint. Gemeint ist doch: Ich sehe die Realität ganz klar; D.h. ich bin in einer Metaposition, die man besser Klarheit oder Wahrheit nennt, an die man letztlich aber auch nur glauben kann. Ebenso fragwürdig ist die Aussage: „Ich bin realistisch.“ Wäre es etwa nicht realistisch gewesen, im 3. Reich mit `Heil Hitler´ zu grüßen?
Der „Realist“ wird dazu neigen, die Realität entweder hyperrealistisch durch Ignorieren ihrer Unschärfen und Widersprüchlichkeiten oder zu unklar darzustellen. Materialistische Psychotherapien haben in der Regel die `Realitätsanpassung´ zum Therapieziel. (Kritik dazu  s. Kapitel Psychotherapie).

    Funktionalismus

Definitionen: „Funktion: Veränderliche Größe, die in ihrem Wert von einer anderen abhängig ist.“[51]
Der Funktionalismus hält insbesondere das Bewusstsein für eine Funktion der Sinnesorgane.
[52]
„... zentrale These (des Funktionalismus) ist, dass mentale Zustände funktionale Zustände sind. ... Ein funktionaler Zustand ist dadurch definiert, dass er auf einen bestimmten Input mit einem bestimmten Output reagiert.“
[53]
Materialisten sind in der Regel auch Funktionalisten. Deshalb neigen sie, wie Psychotherapeuten dieser Provenienz, auch dazu, Menschen nach ihrer Funktionalität zu beurteilen, bzw. diese als primäres Therapieziel anzustreben. Die Menschen sind jedoch nicht primär Funktionäre. Funktionär ist nach Schischkoff, jemand, „dessen Tätigkeit darin besteht, dass er Funktionen ausübt, d.h. dass er `funktioniert´.“ „Funktionär gilt vom Persönlichkeitstypus her als übermäßig konform und Risikoscheu mit einem Hang zur Routine.“
[54]
Schischkoff zitiert Alfred Weber, der den Funktionär den „vierten Menschen“ nennt, der Spezialist ist, dessen Ehrgeiz ihn dazu antreibt „sich mit seinen Funktionen, selbst wenn sie ihm vom fremden Willen aufgezwungen werden, zu identifizieren. Es erfolgt eine Aufspaltung der Persönlichkeit in ein Funktionärswesen und einen … Restmenschen. Das Funktionärswesen ist imstande, Dinge zu vollziehen, die von äußerster Unmenschlichkeit sind. So erklärt Weber die Möglichkeit totalitärer Staatsführung.“
[55]
Ich glaube, wenn wir nicht das Leben, das auch A- oder Dysfunktionalitäten mit einschließt, wichtiger als die Funktionalität nehmen, werden wir vor allem unser Leben, aber auch die Funktionalität stören, denn der Funktionalist wird zwischen Hyperfunktionalität und A- oder Dysfunktionalität hin und her pendeln, wobei langfristig Letzteres überwiegt. Ganze Gesellschaften können daran zugrunde gehen, wenn Funktionalität und Effizienz wichtiger als das Leben werden. Ebenso werden wir langfristig unseren Patienten schaden, wenn wir glauben, sie primär auf Funktionalität trimmen zu müssen. Mit Grauen denke ich an eine mögliche Zukunft, in der wir nur noch funktionieren, aber nicht mehr leben und uns nur an die Realität anpassen, statt diese zu gestalten.

Weitere Kritik am Materialismus

Materialisten lassen den Menschen in dieser Welt letztlich mutterseelenallein. Grundsätzlich fehlt eine liebende, übergeordnete Kraft, Gott. Der Himmel ist leer oder ein Spiegel, in dem der Mensch nur sich selber sieht - sehen will, aber auch sehen muss. Was aber ist, wenn wir nicht mehr weiter wissen? Der Mensch ist dann auf sich selbst verwiesen und damit ab einem bestimmten Punkt überfordert. Das Leben als Materialist oder Atheist erscheint mir auf Dauer zu anstrengend,[56] zu wenig glaubwürdig, wenig sinnvoll und befriedigend.
Es erscheint z
u einseitig, kursichtig, hyperrealistisch/ unrealistisch, steril und seelenlos.[57] Für einen Materialisten haben „vom Fach her“ Träume, Glaube, Liebe, Hoffnung, Trost, Gnade, Erlösung, Spiritualität, Ewigkeit, Paradies, Seele, Gott usw. wenig Bedeutung, weil sie immateriell erscheinen und nicht beweisbar sind.
Er ähnelt F. Nietzsches `letztem Menschen´:
„Seht! Ich zeige euch den letzten Menschen. Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? ... so fragt der letzte Mensch ... Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der alles klein macht." (Aus: `Also sprach Zarathustra´, Vorrede).
Psychotherapie auf dieser Grundlage hat dann gleiche Tendenzen.
Der Glaube an Gott ist nicht gegen die Materie, sondern gegen ihr Primat. Selbst Jesus verwendete Spucke und Sand -also Materie- zur Heilung eines Blinden.
[58]

    Kritik an materialistischer Wissenschaft und Psychologie

Siehe zunächst die obige allgemeine Kritik am Materialismus.
Ich will mich hier auf
materialistische Wissenschaft und Psychologie beschränken, kann aber Wiederholungen mit dem bisher Gesagten nicht ganz vermeiden. Dazu gehört auch, weil so treffend, das von Mephisto in Goethes Faust Gesagte:

        „Daran erkenn ich den gelehrten Herrn!
        Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern,
        Was ihr nicht faßt, das fehlt euch ganz und gar,
        Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr,
        Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht,
        Was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht.“[59]

Eine rein materialistisch-wissenschaftliche Psychologie reduziert den Menschen auf das Beweisbare, letztlich Materielle. Sie entgeistigt, entseelt und verdinglicht den Menschen damit nicht nur, sondern raubt ihm dadurch auch sein Recht auf unbedingte Würde und unbedingtes Selbstbestimmungsrecht.
[60] Diese Wissenschaftler werden deshalb, so glaube ich, Lebendiges oder gar Chaotisches, wie es die psychischen Krankheiten auch sind, wenig verstehen. Sie neigen dazu dualistisch bzw. digital zu denken, in Kategorien richtig oder falsch und kennen dadurch wenig Zwischentöne, und wenn, dann mit dem Ziel, diese weiter zu digitalisieren. Wenn S. Freud, wie ich meine, zu Recht feststellte: „Die logischen Gesetze gelten im Unbewussten nicht“ - dann bedeutet das für mich, dass auch dem Unbewussten mit Wissenschaft kaum beizukommen ist, auch wenn sie deren oberflächliche Phänomene genauestens erfassen kann.
Man kann diese Hypothesen zwar nicht beweisen, aber auf Glaubwürdigkeit und Erfahrbarkeit überprüfen. Die Wissenschaft hatte sich ja „erst“ in den letzten 150 Jahren von der Dominanz der Theologie, die diese als ihre „Magd“ vereinnahmt hatte, befreien können. Den Todesstoß in dieser Auseinandersetzung scheint S. Freud der Theologie, der einstigen Herrin, versetzt zu haben, indem er die Religion eher als pathologisch, zumindest aber als Illusion ansah.
Auf der anderen Seite ist die Theologie heute in ihrem Verhältnis zur Wissenschaft weiter. Selbst die sonst so konservative katholische Kirche betont ausdrücklich die Wichtigkeit und Partnerschaft der Wissenschaft für die Religion. Kein Theologe käme heute seinerseits auf die Idee, Wissenschaft als pathologisch oder illusionär zu kennzeichnen. Die Wissenschaft opfert aber die Religion auf ihren Altären, die Theologie die Wissenschaft nicht mehr. Partnerschaft zwischen Wissenschaft und Theologie bedeutet für mich aber nicht, beiden in Bezug auf psychische Phänomene die gleiche Bedeutung zuzuerkennen, denn ich glaube, dass die Religion bzw. der Glaube eine viel größere Wirkung auf unsere Seelen hat als das logische Denken. Wissenschaftler glauben zwar, dass Wissenschaft wichtiger als Glauben sei - aber ganz sicher wissen sie das auch nicht, sie glauben es nur.
Gibt es Fundamentalismus nur im Glauben? Oder kann nicht auch eine Wissenschaft fundamentalistisch werden, wenn sie sich absolut setzt, wenn sie nichts anderes als ihre eigenen Methoden zulässt und alles andere ausschließt?
Ein weiterer Schwachpunkt der materialistischen Wissenschaft ist m.E. deren letztlich geschlossenes Denksystem. Der Mensch wird funktional (s.o.) in den Begrenzungen Input-Output und nicht als ein, zumindest im Absoluten, Freier gesehen. Eine `reine Wissenschaft´ wird nie die Grenze überschreiten können, die das Beweisbare, Begründbare, Ableitbare von dem Unableitbaren, Unberechenbaren, aber eben auch dadurch Einzigartigen trennt. Das Letztere aber ist das Ureigenste, Persönlichste des Menschen, das, das ihn letztlich von den Maschinen oder allen anderen Dingen unterscheidet.
Wenn die Psychologie alles Menschliche letztlich nur als Reaktion, als Produkt usw. sieht, dann verneint sie primäre Verantwortlichkeiten und auch die Einzigartigkeit un
d Freiheit eines jeden Menschen.
[61]
Auch wenn sie es nicht intendiert, so ist eine solche Geisteshaltung doch auch anfällig gegenüber totalitären Anschauungen und Systemen. Sie wird dann selbst mehr oder weniger totalitär, ausgrenzend usw.
Zum Kriterium wird schnell die materielle Ausstattung des Menschen, seine Funktionalität, seine Nützlichkeit und Effizienz, aber nicht eine unbedingte Würde und Freiheit eines Jeden jenseits von alledem.
Das ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das nicht nur die Psychologie betrifft, dem aber letztlich jeder von uns ausgesetzt ist. Die Leistungen sollen immer mehr gesteigert werden, die Wirtschaft soll immer weiter wachsen. Wachstum um des Wachstums willen ist jedoch „die Ideologie einer Krebszelle“ (Edward Abbey). Entspricht nicht, ganz ähnlich, die Einstellung `Wissen um jeden Preis´ der „Ideologie" eines Computers oder von Überwachungssystemen? (Aktuelles Stichwort NSA-Affäre).
Vor einigen Jahren stellte man fest, dass eine überwiegend materiell ausgerichtete Entwicklungspolitik gescheitert sei. Vielleicht ist es dort, wie in der Psychotherapie, dass es zuerst um den Export eines guten Geistes gehen sollte, dem das Materielle untergeordnet ist.
Bei einer nur materialistisch ausgerichteten Psychotherapie wird vielleicht zuletzt nur eine materielle Therapie, vor allem in Form hoch spezifischer Psychopharmaka übrig bleiben, die dann entsprechende Funktionsstörungen im mikroneuralen oder Synapsen-Bereich korrigiert. Dann wird man denken: Nicht ich als Person bin krank oder meine Seele leidet, sondern meine Synapsen oder mein Stoffwechsel sind krank - und wird damit höchstens die Hälfte der Wahrheit und der Therapiemöglichkeiten erfassen.
Es ist auch fragwürdig, Wissenschaft wertneutral und voraussetzungslos betreiben zu wollen. Voraussetzungslosigkeit wird aber als wichtiges Postulat der Wissenschaft angesehen. Diese scheint mir in Bezug auf die Humanwissenschaften besonders fragwürdig. Ich meine, die Voraussetzungen müssten deutlich dargestellt sein - etwa im Sinne der allgemeinen Menschenrechte, sie müssten Priorität gegenüber den wissenschaftlichen Befunden haben, ja diese durchdringen, diese sollten in diesem Sinne gedeutet werden und die Menschen in diesem Sinne und nicht wie eine komplexe Maschine behandelt werden. Selbst den Naturwissenschaften müsste es als Voraussetzung gelten, dass ihre technisch-mathematischen Befunde dem Wohl der Menschen untergeordnet werden, umso mehr, wenn es um die Menschen selbst geht. Die Gefahr, Wissenschaft von quasi neutralen Grundlagen her zu betreiben, ist ja schon beim Bau der Atombombe sichtbar geworden. Was nützt alles Wissen, jeder Wachstum, die beste Erfindung, der größte Fortschritt, wenn sie nicht in ein + A (+ Metaebene) eingebettet sind - denn, isoliert gesehen, können sie alle missbraucht werden.
Anders gesagt. Materialismus und reine Wissenschaft enthalten per se weder Trost noch Liebe und sind so, für sich genommen, schwache Psychotherapiegrundlagen.

    Zitate zu diesem Thema

Im Folgenden führe ich einige Zitate an, die das Gemeinte mit anderen Worten ausdrücken.
• Erwin Schrödinger: In der Welt der Naturwissenschaft „fehlen alle Sinnesqualitäten..." Besonders schmerzlich ist aus Sicht Schrödingers „das völlige Schweigen unseres ganzen naturwissenschaftlichen Forschens auf unsere Fragen nach Sinn und Zweck des ganzen Geschehens... Der persönliche Gott kann in einem Weltbild nicht vorkommen, das nur zugänglich geworden ist um den Preis, dass man alles Persönliche daraus entfernt hat. Wir wissen: Wenn Gott erlebt wird, so ist das ein Erlebnis, genauso real wie eine unmittelbare Sinnesempfindung oder wie die eigene Persönlichkeit."[62]
• Wolfgang Pauli: „Wir befinden uns heute an einem Punkt, wo die rationalistische Einstellung ihren Höhepunkt überschritten hat und als zu eng empfunden wird." Pauli hält „die Zielvorstellung einer Überwindung der Gegensätze, zu der auch eine sowohl das rationale Vorgehen wie das mystische Einheitserlebnis umfassende Synthese gehört, für den … Mythos unserer eigenen, heutigen Zeit.“
[63]
• „Naturwissenschaft bietet den Zugang zur Materie; Religion und Philosophie aber den Zugang zum Geist.“ „Der Machermensch (von heute) asphaltiert nicht nur seine äußere Umgebung, sondern auch die Seelen.“
[64]
• Richard Lewontin: „Dies [die heute vorherrschende empirische Selbstbeschränkung der Wissenschaft] beruht auf einer schon früher eingegangenen Verpflichtung, nämlich einer Verpflichtung auf den Materialismus. Nicht, daß die Methoden und Institutionen der Wissenschaft uns auf irgendeine Weise zwingen würden, die materialistische Erklärung der Phänomene der Welt zu akzeptieren. Wir sind im Gegenteil durch unsere a priori [von vornherein] getroffene Grundsatzentscheidung für den Materialismus dazu gezwungen, Forschungsansätze und Erklärungskonzepte zu entwickeln, die sich auf materialistische Erklärungen beschränken. Dabei spielt es keine Rolle, wie sehr sie der Intuition der Nichteingeweihten entgegenstehen oder ob sie ihnen rätselhaft erscheinen. Darüber hinaus ist dieser Materialismus absolut, denn wir können keinen göttlichen Fuß in der Tür zulassen.“
[65]
• Arthur Eddington: „Fast alle großen klassischen Philosophen - sicherlich Platon, Aristoteles, Descartes, Leibniz, Spinoza, Kant, Hegel, Locke und Berkeley - sahen den Ursprung des Universums in einer transzendenten Wirklichkeit begründet." Bezüglich einseitiger Wissenschaftlichkeit stammt von ihm das Gleichnis, jenes Fischers, der nur die Fische, die er in seinem Netz fängt, als Fisch akzeptiert.
[66]
Ähnlich Marcel Proust: „Die Tatsachen dringen in den Bezirk nicht ein, in dem unser Glaube wohnt, sie haben ihn weder erzeugt, noch zerstören sie ihn ; sie können ihn unaufhörlich widerlegen, ohne ihn abzuschwächen ...“.
[67]
• Heinzpeter Hempelmann: „Wissenschaftliche Erkenntnis lebt von einer Reduktion des umfassenden Erkenntniswunsches auf eine einfache, eingeschränkte Fragestellung ... Ihr Erfolg ist freilich erkauft um den Preis des Verzichtes auf die Frage nach dem Ganzen.“
[68]
• Noam Chomsky: „Es ist durchaus möglich - überwältigend wahrscheinlich, könnte man vermuten - dass wir allemal mehr über menschliches Leben und menschliche Persönlichkeit lernen werden durch Romane als durch wissenschaftliche Psychologie.“
[69]
• Gegen die Verabsolutierung des Wissens z.B. bei F. Bacon („Wissen ist Macht“), später ähnlich bei Lenin,  S. Freud („unser Gott Logos“), Maturana („to live is to know") und durch den Kognitivismus wandte sich (m.E. auch zu einseitig) der Nonkognitivismus, nach dem der Bereich des Subjektiven keiner wissenschaftlichen Erkenntnis zugänglich sei, denn das Subjektive, die Psyche, entzöge sich den beiden Wahrheitskriterien der empirischen Wissenschaften, dem logischen oder mathematischen Beweis und der Überprüfung durch Beobachtung oder Experiment.
[70]
Genauer müsste man wohl sagen: Der Bereich des Subjektiven, wie der Psyche, ist durch die Methoden der empirischen Wissenschaften nur relativ gut zu erfassen.

F. Nietzsche (in Götzen-Dämmerung): Die `Vernunft´ ist die Ursache, dass wir das Zeugnis der Sinne fälschen."
Ausführliche Diskussion zu diesem Thema bietet Rupert Sheldrake in seinem neuen Buch: `Der Wissenschaftswahn: Warum der Materialismus ausgedient hat´.

    Wissenschaftssprache und Wissenschaftsbetrieb

                                     „...ich halte dafür, dass alles, auch das beste, einseitig wird, wenn die Opposition fehlt.“ Brief Eugen Bleulers an S. Freud [https://literaturkritik.de/id/19275]

Sowohl in Theologie als auch Psychologie und Psychiatrie versteht der „Normalbürger“ ab einem bestimmten Punkt nichts mehr. Man stelle sich vor, man besucht ein psychologisches oder theologisches Kolleg und man versteht nicht mehr das, was die da reden und denkt sich: „Dabei reden die doch über dich als Mensch und du verstehst sie nicht.“ Dabei geht es hier nicht um spezielle Fragen, wie beispielsweise in der  Astrophysik, sondern um Fragen, die uns alle angehen. Das heißt, es findet eine Diskussion statt unter Ausschluss der Öffentlichkeit, insbesondere der Betroffenen.

Sicher lassen sich bestimmte Fachtermini nicht vermeiden und es wäre unsinnig sie zu verbieten, aber viele sind vermeidbar und es würde die Verbindung zur Basis, zum Volk, nicht verloren gehen, wenn man häufiger, wie Luther, „dem Volk aufs Maul schaut“.
Viele der Publikationen sind befangen. Beispiel: Während 99 % aller Studien mit positiven Ergebnissen für Antidepressiva veröffentlicht werden, ist das bei Studien mit negativem Ergebnis nur bei 26 % der Fall. Aber es geht nicht nur um Unabhängigkeit von der Industrie oder anderen Interessenverbänden, sondern, und das vielleicht am meisten, um eine innere Unabhängigkeit des Arztes/ Psychotherapeuten. Wer Karriere machen will, muss heutzutage viel veröffentlichen. So wurden etwa zahllose Artikel über die Wirkung von Psychopharmaka veröffentlicht und nach Jahren liest man die überraschende Feststellung, dass ein Forscherteam „bei leichten und mittelschweren Depressionen keine Effektivitätsunterschiede zwischen Placebos und Antidepressiva nachweisen konnten.”
[71]
Bezüglich des Wissenschaftsbetriebs in den Psychologie-Fachbereichen siehe G. Vinnai in der Einführung dieser Veröffentlichung.

Idealismus

Es gibt nicht eine Philosophie des Idealismus, sondern verschiedenste Strömungen. Gemeinsam ist ihnen „die Ansicht, die das objektiv Wirkliche als Idee, Geist, Vernunft bestimmt und auch die Materie als eine Erscheinungsform des Geistes betrachtet.“[72]
Idealistische Grundpositionen spielen gegenwärtig in den Naturwissenschaften kaum eine Rolle. Deshalb wird der Idealismus als Gegenposition zum Materialismus hier nur erwähnt.

Idealistische und humanistische Strömungen sind i.d.R.
anthropozentrisch und haben einen
Fortschrittsglauben. (Siehe ggf. dort).

Humanismus

Drei sich überschneidende Definitionen lege ich diesem Abschnitt zugrunde:[73]
• „Humanismus ist eine seit dem 19. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung für verschiedene, teils gegensätzliche geistige Strömungen... Gemeinsam ist ihnen eine optimistische Einschätzung der Fähigkeit der Menschheit, zu einer besseren Existenzform zu finden. Es wird ein Gesellschafts- und insbesondere Bildungsideal entworfen, dessen Verwirklichung jedem die bestmögliche Persönlichkeitsentfaltung ermöglichen soll.“
[74] Kürzer:
• Humanismus „zielt... auf ein Idealbild des Menschen, der seine Persönlichkeit auf der Grundlage allseitiger theoretischer und moralischer Bildung frei entfalten kann.“
[75]
• „Humanismus… ein reflektierter Anthropozentrismus‎, der vom menschlichen Bewusstsein ausgeht und die Wertschätzung des Menschen zum Objekt hat...“
[76]
„Als verbindendes Element alter und neuer Ansätze [des Humanismus] kann der
Anthropozentrismus gelten...“[77]

Formen des Humanismus

Goethes Humanismus

A. Keyserling, den ich hier exemplarisch und auszugsweise zitiere, charakterisiert Goethes humanistischen „Denkstil“ wie folgt: „Den Geist gilt es zu verwirklichen; er verwirklicht sich in der persönlichen Seele gemäß ihrer Triebstruktur. Die Triebe sind weder gut noch böse; sie sind indifferent. Sie sind das einzige Material, aus dem die Entwicklung ansetzen kann... Nicht das Werk oder die Frucht, sondern das Fruchtbringen ist der Entfaltungsweg der Entelechie... Die Persönlichkeitswerdung durch Objektivierung und Gestaltung der Anlage war der goethesche Lebensweg... Goethes Leitspruch lautete `stirb und werde´. Der Faust klingt aus mit dem Satz `Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen´.“[78]
Goethe hatte, nach W. Leppmann, das „Bildungsideal des auf sich selbst gestellten, sich selbst vollendenden Menschen.“
[79]
C.G. Jung hat sich bzgl. der `Individuation´ ähnlich geäußert.
[80]

Immanuel Kant

Kants kategorischer Imperativ lautet: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Ist Kants kategorischer Imperativ eine Fehlverabsolutierung von Pflicht und Vernunft? Ich denke ja.
Einige typische Zitate dazu. Kant: „Pflicht! du erhabener großer Name, der du... Unterwerfung verlangst...“
[81]
Kant forderte „eine Vernunftreligion, deren Grundsätze prinzipiell allein auf Vernunft... beruhen... (Selbst) Gott ist für Kant... ein notwendiges `Postulat´ der Vernunft, ohne dass ihr deswegen auch objektive Realität zukäme... `Die wahre, alleinige Religion enthält nichts als Gesetze... deren unbedingter Notwendigkeit wir uns bewusst werden können, die wir also als durch reine Vernunft (nicht empirisch) offenbart anerkennen.´“
[82]

Beispiel der Gegenwart

Rudolf Kuhr: „Der Humanismus... ist Weg und Ziel in einem und hält wie keine andere Orientierung den Menschen an zur Arbeit an sich selbst. Deshalb, weil dieses anstrengend ist, haben bisher die meisten Menschen eine Religion gewählt, die ihnen Erlösung von außen verspricht wie das Christentum... (Es) verführt den Menschen dazu, seine inneren Konflikte außerhalb seiner Person auszutragen. Also bittet er Gott um Hilfe (Gott mit uns!), anstatt mit Hilfe der Psychologie seine eigenen Konflikte und die mit anderen zu lösen... Der Mensch ist das Problem der Menschen und der Welt - und auch die Lösung. Der unsichere Mensch, der die erkennbare Realität, zum Beispiel die von der eigenen Endlichkeit nicht erträgt und deshalb verdrängt, der stattdessen seine Sicherheit in Wunschvorstellungen, in mystischen Lehren sucht, der kann keine tragfähige, eigenständige Sicherheit erreichen.“[83]

Kritik am Humanismus

Gemeint ist die Kritik am anthropozentrischen, säkularen Humanismus,der als solcher eine wichtige Grundlage der vorherrschenden Psychotherapien ist.
Diese Humanisten haben an die Stelle Gottes ein Über-Ich (+FA „Humanum“) gesetzt, das weniger liebevoll als das +A (Gott) ist, ja sogar ab einem bestimmten Punkt mit den Menschen gnadenlos umgehen wird.
Wenn Humanität die letzte Instanz ist, was ist dann mit meiner, auch vorhandenen Inhumanität?
Wenn die menschliche Vernunft die letzte Instanz ist, was ist dann mit meiner Unvernunft?
Können sie integriert werden oder müssen sie verdrängt, abgespalten oder gar bekämpft werden?
Der säkulare Humanismus überfordert den Menschen, weil er das Inhumane, Böse sublimieren, tabuisieren,
abspalten oder auch bekämpfen muss.
Weil aber das Inhumane, Böse uns Menschen auch immanent ist und sich nur partiell, aber nicht prinzipiell „besiegen“ lässt, entsteht in uns, wenn wir den Humanismus ganz ernst nehmen, ein unlösbarer Konflikt, der auch potenziell krankmachend wirkt.
Der englische Philosoph John Gray nennt v.a. folgende Kritikpunkte:
Die Grundüberzeugung der Humanisten, die Geschichte der Menschheit sei eine Fortschrittsgeschichte, sei ein Aberglaube. „Die Humanisten sagen: Das Ziel mag einstweilen unerreichbar sein, aber wir können darauf zuhalten. Das sind Sirenengesänge... Jeder vermeintliche Fortschritt ist ambivalent. Wissen kann man kumulieren, ethische Verbesserungen nicht... Die Mehrung des Wissens erhöht die Macht des Menschen, zum Guten wie zum Bösen... Das selbstbestimmte Leben ist ein moderner Fetisch. Wer die Welt durch Willenskraft verändern will, kommt dem Terrorismus im Namen der Vernunft oder des Guten gefährlich nahe, wie die Jakobiner während der Französischen Revolution oder die Bolschewiken unter Lenin, Trotzki und Stalin gezeigt haben...“
[84] „Der Humanismus ist eine Religion. Er ist ein postchristlicher Glaube daran, dass wir eine Welt aufbauen können, die besser ist als jede, in der Menschen bislang gelebt haben... Der Humanismus überführt die(se) christliche Erlösungsdoktrin in das Projekt, die gesamte Menschheit zu emanzipieren. Die Idee des Fortschritts ist der ins Säkulare gewendete christliche Glaube an die Vorsehung."[85]

Es geht meines Erachtens nicht darum `Abschied vom Humanismus´ zu nehmen, wie es der Buchtitel von John Gray nahe legt, sondern Abschied von seiner Verabsolutierung zu nehmen, was aber nur möglich ist, wenn das Inhumane, das Aggressive, das Böse, das Egoistische und alles andere Negative im Menschen, das wir ja alle in uns tragen, nicht zur Todsünde, nicht zum Unverzeihlichen und so nicht zu einer wesentlichen Krankheitsursache gemacht wird. Das ist aber nur dann möglich, wenn man die humanistische Ideologie in ein größeres Ganzes einbettet, das diese negativen menschlichen Eigenschaften integrieren und kompensieren kann, ohne sie gut zu heißen. Dieses größere Ganze könnte man zunächst am ehesten Liebe nennen. Nun hat man aber das Problem, dass diese Liebe, wenn sie nur vom Menschen kommt, also anthropozentrisch ist, als letzte Instanz ebenfalls wieder zu einer Verabsolutierung wird und sich dann wieder gegen die Menschen wenden kann. Müssten wir im ersten Fall unbedingt human und fortschrittlich seien, so wären wir nun dazu verdammt, voller Liebe und Vergebung sein zu müssen. Ich glaube, ohne eine den Menschen übersteigende, also transzendente liebevolle Instanz, die ich auch +A/ Gott nenne, wird jede andere Geisteshaltungen wieder zu einer verabsolutierten Ideologie und damit im besten Falle nur suboptimal für uns.
Fazit:
1. Im Gegensatz zu
Gray meine ich, dass wir keinen Abschied vom Humanismus, sondern nur von seiner Verabsolutierung nehmen sollten.
2. Der Humanismus sollte dann in ein Absolutes eingebettet sein, das seine Verabsolutierung verhindert.

Humanismus und Christentum

Wichtig sind für beide: Die Würde des Menschen und die Grundrechte der Menschen: Gleichheit vor dem Gesetz, Schutz vor Willkür, Religions- und Gewissensfreiheit, Widerstand gegen eine Bevormundung des Menschen - Werte, wie sie auch in der Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen und im Grundgesetz Deutschlands verankert sind.
Aber: „Über viele Jahrhunderte hinweg haben sich freilich die christlichen Kirchen weniger an der Würde des Menschen orientiert als an seiner Sünde... Würde eignete nur dem getauften rechtgläubigen Christen, während die Ketzerei, Unglaube oder Heidentum jede Art von Verfolgung, Folter und Unmenschlichkeit erlaubten. Erst Renaissance, Humanismus und Reformation rückten die Menschenwürde wieder ins Licht ... . Das leistet der modernen Menschenrechtsidee Vorschub: jeder Mensch ist mehr als seine Leistungen. Er kann zwar selbst gegen seine Würde verstoßen, aber keine staatliche oder kirchliche Macht darf sie ihm absprechen. Immer bleibt es bei dem Unterschied zwischen Personen und Tat.”
[86]
Was unterscheidet nun Humanismus vom Christentum? Der Humanismus ist anthropozentrisch.
Die christliche Botschaft ist anthropozentrisch und theozentrisch zugleich, d.h. sowohl der liebende Gott als auch der von ihm geliebte Mensch stehen gemeinsam im Mittelpunkt. Es besteht also ein quasi doppelter Humanismus: einer, der von Gott ausgeht und einer, der vom Menschen ausgeht. Der von Gott ausgehende Humanismus ist allerdings der viel stärkere und eindeutigere, der von uns Menschen ausgehende, der schwächere und uneindeutigere. M.a.W.: So wichtig Liebe und Humanismus unter uns Menschen sind, so sind sie doch unvollkommen und bedürfen der Liebe Gottes zu den Menschen. Für den Humanismus als Ideologie ist der göttliche Humanismus irrelevant. Er muss mit dem menschlichen Humanismus auskommen, für den das Humane zur letzten, aber problematischen Instanz wird.
„Die christliche Botschaft enthält nicht nur die göttliche Forderung zur Nächstenliebe, ... sondern auch und vor allem die Zusage der bedingungslosen göttlichen Liebe und Vergebung ... . Der christliche Glauben relativiert das sittliche Handeln. Das bedeutet: Gott, das Evangelium ist stärker als das Gesetz, die Gnade ist stärker als unsere Sünde, wir sind befreit von dem Zwang, gut sein zu müssen. Und dennoch: Das radikale Liebesgebot sorgt dann immer noch dafür, dass man sich nie mit dem Erreichten zufrieden geben kann, aber es bewirkt nicht, dass der Wert eines Menschen abhängig gemacht wird von dem, was er für die Gesellschaft geleistet hat [wie human er war].”
[87] Karl Barth meinte, man müsse in erster Linie von einem Humanismus Gottes sprechen: von der Liebe Gottes zum Menschen ... Die weltlichen Humanismen seien eigentlich überflüssig. Sie seien nur `abstrakte Programme´ gegenüber der von den Evangelien verkündeten Gotteskindschaft des Menschen."[88]
Ich halte allerdings die weltlichen Humanismen keineswegs für überflüssig. Auch nicht für so gefährlich, wie das durch das bekannte Zitat „Humanität ohne Divinität endet in Bestialität“
[89] zum Ausdruck kommt. Gemeint ist wohl, dass eine verabsolutierte Humanität, die auf Dauer alles Animalische und Böse im Menschen unterdrückt, in `Bestialität‘ umschlagen kann, weil eine solche Humanität uns unterjocht und aggressiv macht. Auch: Diese Verabsolutierung des Humanismus hat „Hyper-Humanismus“ (Pro-Position), Anti-Humanismus (Kontra-Position) oder Indifferenz (0-Position) zur Folge.
In jedem Fall lebt der Mensch gegen seine Natur, denn diese ist weder nur human noch nur böse.

Zum anthropozentrischen Fortschrittsglauben

Hier nur einige Hypothesen:
• Fortschrittsglaube im Sinne eines Progressivismus findet sich sowohl im Materialismus als auch im Idealismus. „Die Säkularisierung der christlichen Geschichtsteleologie im Fortschrittsglauben hat sich im Idealismus wie im Materialismus vollzogen.“ Rudolf Bultmann.
[90]
• Der Mensch ist nicht imstande einen solchen Fortschrittsglauben umzusetzen Solche Fortschrittsideologien erzeugen erst Utopien und dann Leid.
• Ich glaube, dass wir Menschen nur relative Fortschritte erreichen können. Genauer: Fortschritt ist ein positives Relativum und hat die Charakteristika eines solchen: er ist weder absolut noch nichtig, sondern unterschiedlich, teilweise, bedingt, sekundär, abhängig (a2-a7 der `dimensionalen Einteilung‘); Sonst: partiell, temporär, wichtig (aber weder absolut wichtig noch unwichtig) usw.
• Mit jedem Fortschritt entsteht die Möglichkeit seines Missbrauchs - umso mehr, wenn der Fortschritt absolut gesetzt ist (Dynamik der Pro- und Anti-Positionen). Beispiele: man tötet heute „besser“ und schneller; die digitale Welt hat große Vorteile, aber auch Nachteile. Medikamente allgemein und Psychopharmaka speziell können viel Leid verhindern, werden aber auch massiv missbraucht usw.
• Angemessen wäre also weder ein Fortschrittsglaube im Sinne eines Progressivismus, noch ein Fortschrittsunglaube, sondern es käme darauf an, um welchen Fortschritte es sich handelt, welchen Preis er hat usw. „Eine generelle Absage an die Idee des Fortschritts ist ebenso unrealistisch wie inhuman.“ (M. Zimmer)
[91]
• Medizinischer Fortschritt, der nur Lebensverlängerung oder Gesundwerden um jeden Preis zum Ziel hat, wäre ebenso fragwürdig wie analoge technische Fortschritte.
• Anthropozentrische Einstellungen
haben einen Fortschrittsglauben, der einen humanen und vernünftigen Menschen erfordert. Aber wir sind, wie gesagt, nicht immer human und vernünftig (und wollen es auch nicht immer sein). Sie appellieren einseitig an die Ich-Stärke des Menschen, aber wir sind oft schwach und manchmal ohnmächtig. Wir sollen uns emanzipieren, individuieren, endlich erwachsen werden und Verantwortung übernehmen. Aber wir sind und bleiben oft abhängig, unreif und scheuen gewisse Verantwortungen - und das kann bisweilen sogar das Richtigere sein.

Andere Ideologien siehe Teil `Metapsychiatrie´.

Religionen und spirituelle Strömungen

Übersicht

Religionen sind stärkste geistige Kräfte, weil es bei ihnen um das Unbedingte, Absolute geht. Deshalb können sie sich überaus positiv, aber, vor allem im Falle ihres Missbrauchs, auch äußerst negativ auswirken.
Gemeinsam ist wohl allen Weltreligionen eine humane Grundtendenz. (STW „Weltethos“, H. Küng).
[92]
Mir wichtig erscheinende Punkte bezüglich der drei Weltreligionen habe ich in folgender Tabelle zusammengestellt:
[93]
      

 

Islam

Buddhismus

Christentum

Offenbarung /Heilige Schriften

Koran, ist wörtlich zu nehmen,
da direkt von Allah.

Die Reden Buddhas.

Neues Testament, selbst nicht heilig,
stellt aber Gott/ Jesus dar.

Verkündiger

Mohammed

Buddha

Jesus

Heil durch:

Allah / eigenes Tun

eigenes Tun, Selbsterlösung

Jesus und eigenen Wunsch

Muss / Unbedingtheiten

„Fünf Säulen“: Glaubensbekenntnis (5x /Tag) Gebet, Almosen, Hadsch.

Jede Tat erzeugt Karma, schlechtes Karma muss abgearbeitet werden.

freier Wille

Beitritt durch:

1x Sprechen des Glaubensbekenntnisses

wohl frei

Im besten Fall freiwillig ohne Vorbedingungen.
Offiziell: Taufe.
[94]

Austritt durch:

Kaum möglich, z.T. mit dem Tod bedroht.

wohl frei

frei

Leben nach dem Tod

Sehr weltliche Vorstellungen,
für Frauen wenig attraktiv.

Reinkarnationen (für mich zu anstrengend).
Zuletzt Nirwana (für mich zu entindividualisierend).

ewig und gut.


Vorteile

Im Prinzip humanistisch und sozial

Im Prinzip humanistisch und sozial

Jesus als Orientierender und Dienender. Kein Muss, aber gute Orientierungen.
Alle Menschen haben gleichen u. höchsten Wert; Gott liebt alle Menschen. Freie „Absolutwahl“. Alles verzeihbar, was P. bereut.


Nachteile

Allah zu fern, zu willkürlich.
Eigenes richtiges Tun zu wichtig, überfordernd.
Zum Teil aggressive Aussagen im Koran.
Zu wenig Gleichberechtigung.

Kein Gott, wenig Halt, eigenes richtiges Tun zu wichtig; zu anstrengend.

Scheinbarer Nachteil: eigenes richtiges Tun hat nur relative Bedeutung.


Eine Geschichte

Drei Brüder [welche die drei monotheistischen Religionen repräsentieren] ziehen aus, um das Glück zu suchen. Nach einigen Jahren treffen sie sich wieder.
Der erste berichtet: „Ich bin König eines Reiches voller Ordnung, mit 700 Regeln und Gott ist mit mir.”
Der zweite sagt: „Ich bin König eines Reiches mit einer weltumspannenden Idee von sozialer Gerechtigkeit und Gottesherrschaft auf dieser Erde.”
Der dritte Bruder sagt: „Ich lebe in dem Reich der Liebe.”
[95]
Es ist gut, dass freie Wahl besteht. Keiner von den Drei kann beweisen, dass es in seinem Land am besten ist. Ich persönlich würde in das Land des dritten Bruders ziehen.
Vorschlag: Man lese das Alte Testament, den Koran und die Biografie Mohammeds, das Neue Testament und die Biografie Jesu - und urteile dann.

Zum Islam

Islam bedeutet unbedingte Ergebung in den Willen Gottes. Im Zentrum des Heilsgeschehens steht der Koran. (Bzgl. „Sunna" siehe unten).
Der Koran wird als wörtliche  Offenbarung Allahs an Mohammed vermittelt durch den Erzengel Gabriel angesehen („Diktatverständnis“ des Koran).


Die „Fünf Säulen“ des Islam:[96]
Der Islam legt fünf grundsätzliche Pflichten fest, die alle Muslime einzuhalten haben und die `Säulen´ seines Glaubens ausmachen. Dabei handelt es sich um:
1. Den Glauben an Allah und das Ablegen des Bekenntnisses zu diesem Glauben mit den folgenden Worten: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah, und ich bezeuge, dass Muhammad Sein Diener und Sein Gesandter ist."
2. Die fünf täglichen Gebete.[97]
3. Die Wohltätigkeit gegenüber den Mitmenschen.

4. Das Fasten während des Ramadan.
5. Die Pilgerfahrt nach Mekka.
Polygamie ist erlaubt. Mohammed hatte neun Frauen. Mit der Dritten, seiner Lieblingsfrau, Aischa, vollzog er, selbst über 50 J. alt, die Ehe als diese 9 Jahre alt war.
[98]  Er ließ zu seinen Lebzeiten viele seiner Gegner hinrichten. „Das Familienrecht (Eheschließung, Scheidung, Vormundschaft) ist streng zu Gunsten des Mannes geregelt.“[99]
„Am Jüngsten Tag richtet er (Allah) die Menschen: Ungläubigen droht das Höllenfeuer, den Gläubigen winkt das schattige Paradies mit seinen Paradiesjungfrauen (Huris)... Der Koran versucht, alle Bereiche des Lebens in gesetzlichen Vorschriften zu erfassen.“
(Meyers Großes Taschenlexikon).
„Der Dschihad stellt als eines der Grundgebote des islamischen Glaubens und eine allen Muslimen auferlegte Pflicht ein wichtiges Glaubensprinzip des Islam dar. Manche sunnitische Gelehrte rechnen den Dschihad als sechste zu den fünf Säulen des Islams.“
(Aus Wikipedia). In der entsprechenden Literatur hat „Dschihad“ unterschiedliche Bedeutung und meint, je nach Koranstelle, bewaffneter Kampf (v.a. gegen `Ungläubige´ und Abtrünnige) oder nur friedliche Anstrengung. Ungläubig sind alle, die nicht an Allah und Mohammed glauben.
Heilung: „Jede Seele wird den Tod kosten. Und Wir prüfen euch mit Schlechtem und Gutem als Versuchung. Und zu Uns werdet ihr zurückgebracht."
(Quran 21:35)

Persönliche Meinung

• Positiv empfinde ich:
Den starken sozialen Charakter, vor allem die Sorge für Arme und Schwache.
Die Darstellung eines insgesamt den Menschen zugewandten Gottes.
Dass Allah oft als der „Erbarmer“ dargestellt wird.
Es gibt eine Vorstellung von einem guten Leben nach dem Tod (die allerdings nicht ganz der meinen entspricht).
• Schwer nachvollziehbar bzw. negativ sind für mich folgende Punkte:

Ich kann mir schwer vorstellen, dass ich mich als Mensch als Ebenbild Allahs ansehen dürfte oder dass Allah vom Himmel herabsteigt und mir dient oder dass Allah am Kreuz für mich stirbt.
Andersgläubige, Homosexuelle, Atheisten werden ausgeschlossen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich von Allah auch dann noch geliebt bin, wenn ich an andere Götter glaube, so auch, dass er mir, wenn ich Muslim wäre, verziehe, dass ich Christ würde. Dass ich sogar meine Feinde lieben soll. Jesus starb für die Menschen. Mohammed?
Die Rolle der Frau erscheint mir im Islam zu negativ.
Allah wäre mir ein zu ferner und zu willkürlicher Gott.
Ich empfinde zu viele Muss und zu wenig Freiheit und Selbstbestimmungsrecht in dieser Religion.
Der Austritt aus der Religion wird z.T. mit dem Tod bedroht. Wenn der Koran als das endgültige letzte Wort Gottes angesehen wird (im Gegensatz zum Neuen Testament), wird eine kritische Auseinandersetzung kaum möglich sein.
Wenn ich im Koran lese, dann finde ich darin - wie im Alten Testament - Tröstendes, aber auch viel, was mir als, aus dieser Sicht, „Ungläubigem“ Angst macht. (Siehe z.B. Sure 2: 24, 89, 190-193; Sure 8: 12, 55; Sure 47: 4, 10 und andere Verse gegen „Ungläubige“.)
[
Vgl. Abdel-Samad, Hamed: Der Koran - Botschaft der Liebe, Botschaft des Hasses. Droemer, München, 2016.]
Jesus hingegen macht mir und Un- oder Andersgläubigen keine Angst.[100]
Jesus sehe ich als Vorbild. Mit der Lebensweise Mohammeds könnte ich mich kaum identifizieren. Diese, „Sunna" genannt, ist aber neben dem Koran die zweite Grundlage des Islam.
Ich möchte Ch. Schirrmachers Meinung: „So lange die Kampfaufrufe Mohammeds und der Kalifen nicht für alle Zeiten für ungültig erklärt werden, wird der Islam sein Gewaltproblem nicht loswerden.“ [RP.online 9.1.2015] ergänzen: „Solange die christliche Theologie nicht die Kampfaufrufe des alttestamentlichen Gottesbildes und im Neuen Testament (Lk 19,27) für ungültig erklärt, wird das Christentum ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt sein."

Zum Buddhismus

Der Buddhismus kennt keinen Gott. Der Buddhismus versucht mit anthropozentrischen Mitteln den Anthropozentrismus zu überwinden.
„Der Buddhismus lehrt: Das Leben ist eine endlose Kette von Wiedergeburten, in denen gute und schlechte Taten abgearbeitet werden. Seine Hauptgebote sind: nicht töten, nicht stehlen, nicht lügen, nicht die Ehe brechen.“
[101] „Das Selbst ist aus buddhistischer Sicht keine konstante Einheit, sondern ein von beständigem Werden, Wandeln und Vergehen gekennzeichneter Vorgang... Achtsamkeit (auch Bewusstheit, Vergegenwärtigung) ist die Übung, ganz im Hier und Jetzt zu verweilen, alles Gegenwärtige klarbewusst und nicht wertend wahrzunehmen... Karma bedeutet `Tat, Wirken´ und bezeichnet das sinnliche Begehren und das Anhaften an die Erscheinungen der Welt (Gier, Hass, Ich-Sucht), die Taten, die dadurch entstehen, und die Wirkungen von Handlungen und Gedanken in moralischer Hinsicht, insbesondere die Rückwirkungen auf den Akteur selbst. Es entspricht in etwa dem Prinzip von Ursache und Wirkung. Karma bezieht sich auf alles Tun und Handeln sowie allen Ebenen des Denkens und Fühlens. All das erzeugt entweder gutes oder schlechtes Karma oder kann karmisch gesehen neutral sein. Gutes wie schlechtes Karma erzeugt die Folge der Wiedergeburten, das Samara. Höchstes Ziel des Buddhismus ist es, diesem Kreislauf zu entkommen, indem [gemeint ist wohl `in dem´] kein Karma mehr erzeugt wird - Handlungen hinterlassen dann keine Spuren mehr in der Welt. Im Buddhismus wird dies als Eingang ins Nirwana bezeichnet.“[102]
Buddhistische Ansichten und Techniken haben in den letzten Jahrzehnten in einigen Psychotherapierichtungen größere Bedeutung gewonnen.

    „Der Weg ist das Ziel“

Das Motto ‚Der Weg ist das Ziel‘, das im Buddhismus eine besondere Rolle spielt, könnte auch ein Motto für viele andere Weltanschauungen sein, wenn etwa für den Einzelnen Selbstverwirklichung, Individuation (C.G. Jung) oder für die Gesellschaft Fortschritt, Wachstum usw. zur Maxime werden. Es sind aus meiner Sicht Selbsterlösungsprogramme, die den Menschen nie zur Ruhe kommen lassen. Laufen nicht die meisten Weltanschauungen darauf hinaus, dass der Mensch ein Ziel erreichen muss. Was ist, wenn der Mensch nicht weiterkommt oder gar zurückgeht/zurückgehen muss, weil er zurückgestoßen wird - und die Maxime, er müsse weitergehen, in seinem Herzen weiter besteht? Muss er dann  nicht verzweifeln? Nun könnte man sagen, auch wenn er zurückgeht, so bleibt er doch auf dem Weg. Gut. Aber er muss auf dem Weg bleiben. Er muss zumindest versuchen, weiter zu gehen. Aber auch das ist manchmal nicht möglich, denn manchmal ist man völlig ohnmächtig und sieht auch keinen Weg. Vielleicht stellt sich im Alter das Problem besonders scharf, wenn man feststellt, wie es mir geht, dass man kein bisschen weiser geworden ist, auch wenn man klüger und erfahrener geworden sein sollte.
[Stichwort: Hier auch das Problem des sogenannten `Pilgertods´, wenn der Weg zuende gegangen ist].

    Harmonie und seelisches Gleichgewicht als Ziel

Im Buddhismus, aber auch In der chinesischen Philosophie spielen diese Ziele eine große Rolle. Es geht vor allem um das Gleichgewicht und die Harmonie zweier polar sich gegenüberstehender und voneinander abhängiger Kräfte. Übliches Symbol: ☯ Yin-Yang.
(Näheres siehe M. Lurker, Wörterbuch der Symbolik).

Persönliche Meinung

• Positiv empfinde ich am Buddhismus:
Er erscheint undogmatisch und
friedliebend.
Er ist für die Überwindung v.a. von Gier, Hass und Verblendung (drei „Geistesgifte“).
Er gibt dem Innenleben des Menschen einen hohen Stellenwert (Meditationspraxis).
Er scheut sich nicht davor, das Leid der Menschen beim Namen zu nennen.
Er nennt eine Perspektive über den Tod hinaus. Das irdische Leben ist nicht das Letzte.
[103]
Ich sehe eine Parallele zwischen dem Charakter des hier geschilderten Zweitrangigen (WPI²) und der buddhistischen Lehre von der Ich- und Wiirklichkeitsillusion.
• Schwer nachvollziehbar bzw. negativ sind für mich v.a. folgende Punkte:
Es gibt keinen liebenden Gott (Anthropozentrik).
Als Philosophie, die er eigentlich ist, ist er zur pessimistisch.
Der Mensch muss sich letztlich selbst erlösen. Der richtige Lebenswandel entscheidet über das Karma beim nächsten Leben, das, je nach Schule, bei schlechtem Karma auch als Tier, Dämon u.ä. möglich ist.
Die Vielzahl von Reinkarnationen und das permanente Sich-bemühen-Müssen würden mich völlig überfordern.
Die Auflösung des Wesenskerns der Person im Nirwana empfinde ich negativ.[104]
Das Streben nach Gleichgewicht wäre für mich wie ein Balanceakt, das nach Harmonie machte mich aggressionsgehemmt.

Hinduismus

Die meisten Hindus... glauben, dass ihr Leben von Samsara regiert wird, was wie im Buddhismus einen Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt bedeutet. Des Weiteren glauben sie, dass die Seele (Atman) bis zu ihrer Erlösung (Mokschar) wiedergeboren wird. Das höchste Ziel eines Hindus ist es, Mokschar, die persönliche Befreiung von Samsara zu erlangen. Dies kann durch Dharma erreicht werden. Das bedeutet in diesem Zusammenhang die Befolgung eines hl. Gesetzes, was die Ausführung bestimmter Rituale (Gebete, Kult) und ein moralisches Verhalten sich selbst der Familie und der Gesellschaft gegenüber erfordert. Darüber hinaus anerkennen Hindus eine Anzahl bestimmter traditionelle Wege zur Befreiung. Der Weg der Hingabe (Bhakti) erfordert keine fachmännische Hilfe eines Priesters oder Gurus (geistl. Lehrers) und ist die einfachste Weise, die Einheit der Seele zu erfahren. Der Weg des Handelns fordert von den Hindus, sich selbstlos Gedanken zu machen, um zu handeln.
Seinem Wesen nach ist der Hinduismus polytheistisch und kennt viele Götter.... In der `Einen Gottheit in drei Gestalten´ (Trimurti) sind die drei Hauptgötter vereint: Brahma stellt das schöpferische Prinzip im Universum dar, Vishnu das erhaltende und bewahrende und Shiva das zerstörerische. Neben den Hauptgöttern gibt es unzählige andere hinduistische Gottheiten, von denen viele nur lokal verehrt werden. ... Allgemein ist der Glaube an die Wiedergeburt in den indischen Religionen Hinduismus, Buddhismus und Jinismus. Die Art der Wiedergeburt richtet sich nach dem Karma, d. h. der moralischen Qualität der begangenen Taten. Aus dem Glauben an Wiedergeburt entstand das indische Heilsziel der Erlösung aus dem Daseinskreislauf (samsâra), der endlosen Wiederkehr von Tod und Wiedergeburt, als man sich des leidvollen Charakters der irdischen Existenz bewusst wurde.
[105]
    Persönliche Meinung: Ähnlich wie bei den anderen besprochenen Religionen, hat für mich auch diese Religion zu viele Vorbedingungen für mein unbedingtes Selbstsein. Das immer noch nicht überwundene Kastensystem in Indien scheint durch den Hinduismus gefördert zu sein.

Esoterik und Ähnliche

Esoterik steht hier für verschiedenste spirituelle, nichtchristliche Strömungen. M. Poehlmann formuliert die Gründe für ihre Zunahme: „Zahlreiche weltanschauliche Bewegungen sind darum bemüht, die im Rahmen kultureller Säkularisierung verlorengegangene Einheit von Weltbild und Religion, von Vernunft und Glaube wiederherzustellen. In ihrem Anspruch auf umfassende Sinndeutung und universale Geltung gleichen sie den Religionen.“ Derselbe bzgl. der Esoterik: „Der Mensch wird gedacht als potenziell spirituelles Wesen, dessen innerster Kern göttlich ist. Er ist Motor und Impuls für die spirituelle Evolution. Die Esoterik hält Ausschau nach Methoden und Praktiken, die dem Menschen höhere Erkenntnis, Bewusstseinserweiterung und spirituelles Wachstum ermöglichen.“[106]
Esoterische Inhalte und Praktiken spielen vor allem für spirituelle Heiler, aber auch für manche Psychotherapeuten eine große Rolle. Sie stellen für mich, wie erwähnt, einen Gegenpol zur offiziellen, wissenschaftsorientierten Psychotherapie dar und füllen, wenn auch
mit vielen abergläubischen Inhalten, deren Defizite. Ähnlich ist wohl auch der Rückzug in Fantasy- und mediale Welten zu sehen.

Zum Christentum

Hier finde ich mich am ehesten wieder. Stellen Man stelle sich einen Menschen vor, der - im Idealfall - auf eine unbedingte Geborgenheit, Liebenswertheit und Unvergänglichkeit vertraut und für den alles Relative nur relative Bedeutung hat. Was sollte diesen Menschen umwerfen? Wie viel besser würde er wohl seelischen Krisen meistern! Wie viele teure Abwehr- und Erfüllungsmechanismen würden überflüssig. Wenn wir eine unangreifbare, weil absolute Selbstdefinition wagen, wenn wir uns schon erlöst glauben, wenn wir uns um unserer selbst willen geliebt wissen, wenn wir darauf vertrauen, so sein dürfen, wie auch immer das ist, dann werden wir kein +FA mehr benötigen und kein −FA mehr fürchten müssen.[107]
Dieter Claessens und Erik Erikson haben, wie auch andere, die Bedeutung eines solchen `Urvertrauens´ beschrieben.
[108] Urvertrauen entsteht durch Liebe (religiös: Gott). Liebe hat sich selbst als Grund und ist an sich ganz einfach. (Wie fragwürdig die Frage: Warum liebst Du mich? Oder entsprechende Begründungen).
Fast alle bekannten Psychotherapeuten, wie etwa S. Freud, Eugen und Manfred Bleuler, G. Benedetti, A. Gruen u.a. sehen in der Liebe (zum Patienten) oder in seiner vorurteilslosen Annahme die wesentliche therapeutische Grundhaltung bzw. in ihrem Fehlen in der Kindheit das entscheidende pathogene Defizit. Jeder gute Psychotherapeut anerkennt die Würde und Freiheit seines Patienten ohne irgendwelche Vorbedingungen das heißt trotz aller Schattenseiten und Fehler des Betreffenden.
Umso erstaunlicher ist es, dass in der mir bekannten Literatur keine Auseinandersetzung mit verschiedensten psychotherapeutischen Schulen oder dahinterstehenden Ideologien oder Religionen stattfindet, ob sie nicht, dem entgegen, Vorbedingungen postulieren, von deren Erfüllung eine solche unbedingte Liebe, ein solches unbedingtes Selbst-Sein abhängt und deren Nichterfüllung ein ähnliches pathogenes Defizit wie das in der Kindheit hervorruft. Solange nur reine Wissenschaft betrieben wird und nur das Beweisbare gilt, kann allerdings eine solche Auseinandersetzung auch nicht stattfinden, weil diese Grundannahmen wie Liebe, Urvertrauen oder Gott nicht beweisbar sind. Sie erscheinen dann irrelevant, auch wenn sie es in der Praxis nicht sind. Es ist allerdings auch beschämend, wie in Kirche früher und z.T. noch heute eine solche unbedingte Liebe Gottes zu den Menschen ebenfalls von der Erfüllung verschiedenster Regeln und Dogmen abhängig gemacht wird, obwohl ihr Begründer, Jesus, das Gegenteil gelehrt und gelebt hat. Die Wahl des absolut Positiven bzw. die Abwahl des absolut Negativen sollte aber frei von Dogmen sein. Selbst wenn etwas wirklich das Beste für uns wäre, so würde es doch fragwürdig oder negativ sein, wenn wir dieses für uns Beste nicht mehr frei wählen könnten, sondern es annehmen oder gar tun müssten.
[109]
Ebenso würde ein Negatives absolut negativ, wenn wir es unbedingt meiden müssten. Die Märchen sind voll solcher unbedingten Verbote, die wir nicht einhalten können, weil wir sie einhalten müssen, weil wir, so glaube ich, zur Freiheit geboren sind. So werden ein +A und ein −A durch ein Muss verkehrt.
Beispiele: Eine Religion, deren Gott nicht abgewählt werden kann; Ein Gottesstaat (Theokratie), der den Willen des jeweiligen Gottes zum Gesetz macht; 
Eltern, die glauben, unbedingt alles und nur das Beste für ihre Kinder machen zu müssen und/ oder diese das Beste dann auch annehmen und befolgen müssen.

„Christliche“ Einseitigkeiten und Fehlinterpretationen

Stichwortartig meine Meinung zu einigen Punkten:[110]
• Wie alle Menschen, so blenden auch Christen gerne bittere Wahrheiten aus oder verabsolutieren oder verfälschen gar das Eine oder Andere. Die Motive dafür reichen von Angst bis Überheblichkeit und sind allemal menschlich. Kirche selbst neigte schon immer dazu, Anpassung und Moral oder sich selbst (!) zu verabsolutieren. Protestanten überbetonen Leistung, Freikirchler buchstabengetreues Bibelverständnis und Bekehrung und Christen neigen ganz allgemein dazu, sich für andere aufzuopfern und die Selbstliebe zu vernachlässigen. Ich selbst habe erst nach Jahrzehnten einmal eine Predigt über den Sinn der Selbstliebe gehört, aber wahrscheinlich hunderte andere darüber, dass wir zu wenig für die Mitmenschen tun. Der ideale Christ, so scheint manchmal die einengende oder gar bedrückende Botschaft zu sein, muss fromm, fleißig, altruistisch, moralisch, brav und etwas asexuell sein und er darf auf keinen Fall aggressiv oder gar böse sein. Die Reihe der Vorschriften hat sich, soweit ich das beurteilen kann, zum Glück reduziert. Wahrscheinlich auch deshalb, weil die Menschen aus der Kirche austraten, weil die verkündete Botschaft oft keine frohe und freie mehr war.
• Häufige irrtümliche Einstellung in christlichen Kreisen: Viele Sünden sind verzeihbar, nur nicht die absichtlich begangenen. M.a.W., das unbewusst Böse ist verzeihbar, das bewusst Böse nicht.
• Manche glauben, jeder Böse käme in die Hölle, weil Kirche es manchmal so gelehrt hat - aber Jesus  starb für die Sünder und der erste Mensch, dem er den Himmel versprach, war kein Guter, sondern ein Verbrecher, der, der mit ihm am Kreuz hing und ihn anrief. (Ähnlich das Gleichnis vom verlorenen Sohn).
• Kirche wird mit Gott gleichgesetzt bzw. Kirche mit Religion verwechselt.
• Christentum wird mit Humanismus und Pazifismus gleichgesetzt. Christentum ist zwar humanistisch und friedfertig, verabsolutiert diese Werte jedoch nicht. Deshalb können auch die „bösen" und aggressiven Anteile der Menschen integriert werden.
• Missverständnisse bei manchen Begriffen wie: `Demut´, `Selbstlosigkeit´, `Selbstaufgabe´ (s.a. Abschnitt über das Selbst).
• Jesus Nachfolge wird als Unbedingtheit angesehen.
• Der Glaube an Gott wird verabsolutiert. (Auch durch Luther?) Oder der Glaube an Gott wird zu einer Leistung gemacht. Ich persönlich glaube, dass der prinzipielle Wille zum Guten hin das menschliche Absolute darstellt. (S. auch Abschnitte „Wahlabsolutes“ und „Primärtugend“).
• Man versucht, Gott zu beweisen, weil seine Glaubwürdigkeit nicht ausreichend erscheint.
• Wenn man nur richtig glauben und genug beten würde, würden alle guten Wünsche in Erfüllung gehen (Gesundheit, keine Kriege usw.).   „Wer krank ist, glaubt nicht richtig.“
• Manche sagen: „Gott ist für uns gestorben" - oder gar „Gott hat seinen Sohn für uns geopfert - damit wir leben." Missverständliche Auffassungen, denn weder hat Gott Selbstmord begangen, noch hat er Jesus umgebracht. Ich glaube, beide leben noch.
• Der Glaube, Gott regele alles.
Dazu ein Witz: Ein Mann kann nicht schwimmen und fällt ins Wasser, da kommt ein anderer und sagt: „Komm ich helfe dir heraus“. Der Mann im Wasser lehnt dankend ab, und sagt: „Gott wird mir schon helfen." Dann kommt ein Polizist und bietet ebenfalls seine Hilfe an. Der Nichtschwimmer erneut: "Gott wir mir schon helfen, er lässt mich nicht im Stich". Zu guter Letzt kommt ein Spaziergänger und bietet auch seine Hilfe an, doch der Mann im Wasser lehnt dankend ab und ertrinkt. Später im Himmel klagt der Mann Gott an: „Gott warum hast du mir nicht geholfen?“ Gott: „Ich habe dir doch dreimal Jemanden geschickt, der dir helfen sollte, aber du wolltest ja nicht!"
• Jesus könne man nur unter Bedingungen verstehen. Etwa, dass man richtig glaubt, dass man das Alte Testament kennt usw.
• Inflation des Begriffs `heilig´: Von vielen Christen wird manches für heilig gehalten, was höchstens von Gott geheiligt wurde, aber von sich heraus nicht heilig ist, wie etwa: Heiliges Land, heiliges Volk, heilige Menschen, heiliger Vater (Papst), heilige Schrift usw.
• Die Bibel wird (wie der Koran) wörtlich genommen (Biblizismus). Damit zusammenhängend:
• Alle Bibelstellen werden gleich wichtig angesehen: Altes und Neues Testament, die Evangelien und die Briefe usw. Ich habe wenig Zweifel, dass Paulus sich das „Hemd zerreißen“ würde, wenn man seine Aussagen mit denen von Jesus gleichsetzte. Die Reihenfolge der Glaubwürdigkeitskriterien ist für mich folgende: Jesus > Liebe bzw. Heiliger Geist > Neues Testament  > Erfahrung > Vernunft > Paulus und andere Briefe > Altes Testament.
[111]
Die Kirche wagt nicht, einige fragwürdige Bibelstellen, die Jesus zugeschrieben werden, zu korrigieren, obwohl sie seiner sonstigen Botschaft eindeutig widersprechen und schon immer Stein des Anstoßes waren. Es geht vor allem um vier Stellen im Matthäus-Evangelium (Mt 8,12; 18,8ff; 22,13; 25,41) und Lukas 19,27, die Drohungen und keine Aussagen im Sinn einer Liebe sind.
[112] Ebenso fehlt, wie erwähnt, eine eindeutige Distanzierung von solchen, viel häufigeren Schriftstellen des Alten Testaments.
• Manche nennen sich Christen und missbrauchen seinen Namen. Im Namen „Gottes“ wird dann Krieg geführt, Menschen unterdrückt usw. Leider wird häufig nicht bedacht, dass der Wolf im Schafspelz ein Wolf und kein Schaf ist und nicht jeder der sich Christ nennt, auch Christ ist. Wie oft hört man das Argument, die „Christen“ hätten die Kreuzzüge, die Inquisition usw. zu verantworten. Aber solche „Christen“ können sich nicht auf Jesus berufen, der sogar zur Feindesliebe aufrief, während in manchen Religionen Gewalt gegen Feinde und `Ungläubige´ durchaus nicht ausgeschlossen wird.
• Alleinvertretungsanspruch in dem Sinn, dass nur im Christentum Gotteserfahrung und Wahrheit zu finden seien. Oder: Erlösung gäbe es allein im Glauben an Jesus Christus. Im Gegensatz dazu: Alle Religionen seien gleichwertig (theologischer Pluralismus).
Ich persönlich habe allerdings im Christentum am meisten Liebe gefunden. (Das entspricht etwa der Haltung der `inklusivistischen Theologie´).

Christlicher Fundamentalismus, Religionismus

Christliche Fundamentalisten fordern, man müsse ein praktizierender, bibeltreuer, wiedergeborener, bekehrter, echter, gläubiger Christ sein, sonst wäre man kein Christ.[113] Man müsse so und so oft beten, man müsse die Bibel ganz wörtlich nehmen und andere unbedingte Muss, die letztlich auch auf eine Selbsterlösung hinauslaufen. „Nur wir sind die Auserwählten und Erlösten - die Anderen nicht!", glaubt man. Der christliche Fundamentalismus nähert sich dann anderen Fundamentalismen.
Beispiele:
- Mit Recht fragt ein Blogger im Netz: „Was bedeutet es für einen Menschen, der durch Beten keine Heilung findet? Muss er sich dann nicht zwangsläufig die Schuld für sein Leiden geben. Wenn ich höre, dass ein Mensch mit starkem Iman [Glauben] nicht von solchen Krankheiten heimgesucht wird, ist doch der Umkehrschluss, dass derjenige, der unter dieser Krankheit leidet, keinen starken Iman [Glauben] haben muss und folglich selbst dran schuld ist.“
- „Wer den ganzen Tag mit gefalteten Händen herumläuft, hat sie nicht frei, um anderen zu helfen.“ (Unbekannt)

Religionskritik

Im Folgenden geht es vor allem um die Kritik an der christlichen Religion. Hauptquelle:[114]
Kurze Bemerkungen von mir dazu kursiv und in eckigen Klammern [ ].

Bekannte Religionskritiker

 
Ludwig Feuerbach (1804 - 1872)
- Gott ist eine Projektion des Menschen. Forderung: Projektion auflösen und die somit freiwerdende Energie für die Humanisierung der Menschheit anwenden.
[Man kann nicht das Gegenteil beweisen, so wenig wie man beweisen kann, dass Liebe keine Projektion ist.]
- Religion ist Vertröstung aufs Jenseits; Weltflucht. [Bemerkung dazu siehe unten.]
Entwicklung der Gottesvorstellung nach Feuerbach: Leid des Menschen
Wünsche des Menschen (Glück, Seligkeit) und Selbsterhaltungstrieb und Fantasie Projektion: Gott.
__________________________________________________ ____________

Karl Marx (1818 - 1883)
- bezieht sich auf Feuerbachs Theorien, Religion ist Schöpfung des Menschen, Religion ist Ausdruck des Elends der Menschen, und gleichzeitig Protest gegen dieses Elend,
- die Religion macht passiv und lässt die Menschen eben dieses Elend ertragen = "Opium für´s Volk"
- diese Passivität steht im Dienste der Besitzenden und Mächtigen.
[Jesus hat aber das Volk eher aufgerüttelt und harte Worte gegen die Besitzenden und Mächtigen gefunden].
- Forderung: Bessere gesellschaftliche Besitzverhältnisse (Kommunismus) würden die Religion überflüssig machen, und sie würde automatisch wegfallen.
[Das Projekt ist schon gescheitert.]
__________________________________________________ __________

Friedrich Nietzsche (1844 - 1900)
- Naturwissenschaften und Geschichtswissenschaften haben Religion unglaubwürdig gemacht,
- Christentum fordert „Sklavenmoral".
[Der Mensch aber ist das Ebenbild Gottes und Jesus hat die Verabsolutierung der Moral, das „Gesetz“, verurteilt.]
- Anstelle von Gott soll der Wille des Menschen treten. [s. Abschnitt `freie Absolutwahl‘ des Menschen.]
- Der „Tod Gottes" - ein langwieriger Prozess, in dem Gott im Bewusstsein des Menschen ausstirbt.
[Ich glaube nicht, dass es so kommt.]
- Forderung: durch Überwindung der Religion hat der Mensch die Chance, zum „Übermensch" zu werden, mit neuen schöpferischen Fähigkeiten.
[m.E. utopischer Fortschrittsglaube, außerdem missverständlich und missbrauchbar
NS-Ideologie.
Z.T. berechtigte Kritik Nietzsches: Wo sind die erlösten Christen?]
__________________________________________________ __________

Sigmund Freud (1856 - 1939)[115]:
- Religion ist wie eine Kindheitsneurose: Verhältnis Kind zu Eltern ist wie das Verhältnis von Menschen zu Gott. [Ich finde den Vergleich gut, aber nicht pathologisch, denn als Erwachsener bin ich manchmal wie ein Kind und finde es schön, das es da, hoffentlich, einen gibt, der mich wie eine Mutter tröstet.]
- Der Mensch leidet unter Schicksalsschlägen, über die er keine Kontrolle hat. Diese personifiziert er in „Gott".
Seelische Entlastung.
[
Das erscheint mir sinnvoll.]
- Religion hindert den Menschen daran, erwachsen zu werden, da er immer Übernatürliches für alles verantwortlich machen kann.
[Trifft m.E. nur für missverstandene Religiosität zu - im anderen Falle integriert sie unsere kindlichen Anteile.]
- Forderung: Reifung des Menschen, so dass er selbst für sein Leben einstehen kann.
[S. dazu Abschnitt über die Fragwürdigkeit des Individuationskonzepts.]
 - Erziehung zur Realität sei nötig
[
S. dazu Abschnitt `Realismus´ im Kapitel über den Materialismus.]

Neuzeitliche

Dawkins

Dawkins legt in seinem Buch „Der Gotteswahn“ nahe, dass viele Missstände in der Welt religiösen, ja theologischen Ursprungs seien:
Zitat aus dem Vorwort: „Stellen wir uns doch... eine Welt vor, in der es keine Religion gibt - keine Selbstmordattentäter, keinen 11. September, keine Anschläge auf die Londoner U-Bahn, keine Kreuzzüge, keine Hexenverfolgung, keinen Gunpowder Plot, keine Aufteilung Indiens, keinen Krieg zwischen Israelis und Palästinensern, kein Blutbad unter Serben/Kroaten/Muslimen, keine Verfolgung der Juden als ‚Christusmörder‘, keine ‚Probleme‘ in Nordirland...“
[1. Es gibt ohne Zweifel Religionen, die Aggressionen fördern oder sich nicht genügend davon abgrenzen. Dawkins müsste hier differenzieren.
2. Nicht jeder, der sich Christ nennt, ist ein Christ.
3. Auch eine friedliebende Religion kann missbraucht werden.
Angenommen Sie schrieben ein Buch, in dem Sie zu Frieden und Freiheit und Brüderlichkeit aufriefen. Nach Ihrem Tode aber würden Menschen in Ihrem Namen Krieg führen, andere unterdrücken und tyrannisieren.
Was würden Sie dazu sagen? Dürfen diese Leute in Ihrem Namen das tun?
Sicher ist die Sache komplizierter, weil die, die sich Christen nennen, nicht für sich in Anspruch nehmen müssen, der Lehre des Jesus immer zu folgen, sondern sich auch als Sünder präsentieren. Insofern ist das letzte Kriterium für ein Christsein auch nicht die Moral, aber das vorletzte Kriterium schon].

Weitere typische

• „Es ist eine blutige Spur, die sich durch das Christentum zieht - vom ersten vergossenen Blut eines Ketzers bis zu den spektakulär inszenierten Autodafés der Spanischen Inquisition, vom Gemetzel des Albigenserkreuzzugs bis zu den Scheiterhaufen des Hexenwahns, von der kaltblütigen Vernichtung des Templerordens bis zu den brutalsten Judenpogromen.”
•„Begeht man viele Sünden, so wird man als Buddhist `nur´ wiedergeboren und als Christ kommt man `sogar´ in die Hölle.“
• „Religionen sind für Menschen gedacht, die keine Eigenverantwortung übernehmen können oder wollen. Man kann immer alles schön auf die Götter schieben.“
[116]
• Erstaunlich wenig differenziert und theologisch nicht haltbar sind selbst die Ausführungen aus einem neueren Lehrbuch für Psychotherapeutische Medizin und Psychosomatik von 2008
[117]: „In der Tradition der christlichen und… jüdischen Religion ist der Mensch seit der Vertreibung aus dem Paradies `auf das Böse gerichtet von Jugend an´. Im Wandel der Erbsünde tut er das Böse, obwohl er das Gute sieht, wie Paulus sagt, und er muss dafür mit der Strafe Gottes rechnen. Es bleibt ihm nur zu bekennen, dass er ein Sünder ist, sich immer wieder um das Gute zu bemühen und zu hoffen, dass Gott ihn erlöst. Die Themen der Schuld, der Erwartung von Strafe, der Angst vor Strafe, der Hoffnung auf Vergebung und Erlösung sind in abendländische Menschen eingepflanzt und spielen im Falle psychischer Störungen eine besondere Rolle. Hinzu kommt die christliche Forderung, auf Triebbefriedigung zu verzichten, insbesondere in der Nachfolge Christi zu dulden, statt aggressiv zu sein, keine Rache gegen Angreifer zu üben, sondern vielmehr die Feinde zu lieben. Die menschlichen Tugenden Armut, Demut, Keuschheit beschreiben den Triebverzicht in umfassender Weise."
• H. Schnädelbach spricht sogar vom „Fluch des Christentums“ und beklagt eine Abwertung des Diesseits und des Körperlichen und ihre Folgen: repressive Sexualmoral, Zölibat, Selbstverstümmelung.
[118]

Zur Kritik an der christlichen Religion

1. Die Kritiker haben mit ihrer Kritik sicher in den Fällen recht, wo sie die o.g. oder andere „christliche“ oder kirchliche Einseitigkeiten und Fehlinterpretationen kritisieren.
2. Viele Kritiker setzen sich aber nur mit der jeweiligen kirchlichen Lehre und Praxis auseinander oder mit Aussagen des Alten Testaments, selten mit der Person Jesus selbst. Ich vermute, dass die meisten Kritiker das Neue Testament nicht gelesen haben.
[119]
3. Sehr viele Menschen nehmen es Gott übel oder glauben gar nicht an ihn, weil er so viel Leid zulässt (das `Theodizee Problem´). Aber:
a. Wir lassen es als Eltern auch zu, dass sich unsere Kinder Leid zufügen - womit aber nur ein Teil des Leids, das menschengemachte, erklärt wäre.
b. Bezüglich des übrigen Leids (Umweltkatastrophen usw.) glaube ich, dass mit der Gestalt von Adam und Eva wir alle gemeint sind und wir uns einmal, wie diese, entschieden haben, Gottes Paradies zu verlassen, um unser eigenes Ding zu machen und nun in einer nichtparadiesischen Welt leben müssen (die sogenannte Vertreibung aus dem Paradies und ihre Folgen).
[120]
c. Gott ist allmächtig, aber nicht allwirksam. Er lässt aus o.g. Gründen auch andere Kräfte zu.
Ähnlich sind die Gründe, warum nicht alle unsere Gebete erhört werden.
4. Manche werfen dem Christentum Leib- und Sinnenfeindlichkeit vor (wie es Kirche oft interpretierte). Dafür finde ich in der Bibel keine Aussagen von Jesus. Im Gegenteil: Das erste Wunder von Jesus etwa bestand darin, Wasser in Wein zu verwandeln.
5. Manche werfen dem Christentum die Vernachlässigung irdischer Dinge und eine Vertröstungen auf das Jenseits vor. Jesus aber hat sich sehr wohl um die Verbesserung unseres irdischen Daseins gekümmert, aber darüber hinaus neue, schönere Perspektiven eröffnet.
6. Weil Kirche (auch Paulus) oft die Vernunft bekämpfte, glaubt man, dass Jesus das auch tat. Er hat sich aber nur gegen die Vergötzung der Vernunft gewandt.
7. Ich gehe davon aus, dass Gott weder bewiesen, noch widerlegt werden kann, dass aber diese offene Frage von fast allen Kritikern nicht offen gelassen wird, sondern die eigene Meinung, ähnlich den religiösen fundamentalistischen Meinungen, ebenfalls fundamentalistisch vorgetragen wird. Was fehlt ist i.d.R. die Einstellung: „Das ist mein Glaube bzw. meine Erfahrung, es könnte aber sein, dass ich unrecht habe.“ Stattdessen wird der Glaube Andersdenkender als „neurotisch“ (Freud), „wahnhaft“ (Dawkins), „illusionär“ usw. diskreditiert. Eine Auseinandersetzung auf Augenhöhe findet ebenso wenig statt, wie in religiös-fundamentalistischen Kreisen.
8. Fehlidentifikation: Die Vorstellungen, die Menschen von Gott haben, stimmen nicht mit der Person Jesu überein. Wie alles andere kann auch der Name Gottes aus verschiedensten Gründen missbraucht werden. Aber in solchen Auseinandersetzungen wird oft nicht gesagt: „Missbräuchlich wurde im Namen Gottes dieses oder jenes Verbrechen begangen.“ Sollte man, wie gesagt, den Wolf im Schafspelz nicht Wolf nennen, auch wenn er sich als Schaf ausgibt?
9. Kritiker unterscheiden oft nicht zwischen den Aussagen des Alten und des Neuen Testaments. Für Christen sind aber die Aussagen des Neuen Testaments entscheidend.
10. Kritiker unterscheiden oft nicht zwischen den Aussagen, die von Jesus überliefert sind und denen, die man Paulus zuschreibt. Paulus ist aber nur ein Interpret und nicht Jesus selbst. Seine Aussagen sind deshalb zweitrangig.
11. Es wird oft kritisiert, dass der Mensch einseitig als Sünder dargestellt wird - was kirchlicherseits teilweise geschieht. Dass wir aber alle Fehler machen, ist eine Binsenwahrheit. Ich finde es jedoch schön, dass mir einer sagt, dass meine Fehler verziehen werden und sie absolut nichts mit meinem persönlichen Wert zu tun haben. Das sage ich meinen Kindern auch.
12. Es wird oft kritisiert, die Christen glaubten an die Erbsünde (ähnlich dem Karma-Gesetz). Von Jesus sind solche Aussagen nicht überliefert.
[121]
13. Manche kritisieren einseitig , der Mensch werde durch das Christentum unmündig undabhängig.
Andere wiederum kritisieren einseitig das Gegenteil: der Mensch werde durch Forderungen von Jesus (Bergpredigt,Feindesliebe usw.) total überfordert.
14. Manche kritisieren, wie ich glaube zu Recht, wenn die Bibel als Heilige Schrift oder als (direktes) Wort Gottes bezeichnet wird. Letzteres glauben ja die Muslime vom Koran, aber nicht die Christen von der Bibel. Ich glaube die Bibel zeugt von Gott, wie kein anderes Buch, aber darin findet sich auch mancher menschliche Geist.
15. Manche kritisieren zu Recht, wenn sie den Tod von Jesus so interpretiert hören, als es müsste Gott durch den Tod eines Menschen, noch dazu seines eigenen Sohnes, versöhnt werden.
Ich glaube, dass Jesus sein irdisches Leben freiwillig opferte, aber nicht sein himmlisches Leben/ sein Selbst, so wie ich auch (hoffentlich) etwas Wertvolles von mir für Menschen, die ich mag, opfern würde, ohne mich selbst aufzugeben.
16. Viele verwechseln die christliche Botschaft mit der Kirche. Die Kirche hat viele Fehler gemacht, ist aber mit der christlichen Botschaft nicht identisch. Niemanden hat Jesus so stark kritisiert, wie die etablierte Kirche der damaligen Zeit - und vielleicht auch der heutigen? Und man kann mit Recht wie R. Reich u.a. die Frage stellen, ob das Christentum „nicht nur wegen der Kirche, sondern trotz der Kirche überlebt“ hat?
[122]
17. Viele glauben, als Christ müsse man ganz fromm sein und jeden Sonntag in die Kirche gehen. Die Freiheit aber, so sein zu dürfen, wie auch immer man ist - also auch gegenteilig zu allen Geboten, steht über allen Geboten.
18. Frage an Kritiker: Was würden Sie als Gott anders machen als er es gemacht hat?
Häufige Antwort: Man würde kein Leid zulassen (also paradiesische Zustände um jeden Preis aufrechterhalten). Was aber, wenn wir nicht in dem Paradies leben wollten, wie Sie, der fiktive Gott, es geschaffen haben - selbst wenn sie die beste aller Welten wäre? Wäre es dann nicht gut, uns die Wahlfreiheit zu lassen, selbst wenn damit Leid verbunden ist?

Kriterien suboptimaler Weltanschauungen

Allgemein

Eine Weltanschauung erscheint mir suboptimal (oder im Einzelfall als `stressige Selbsterlöungsstrategie´),
wenn folgende Kriterien vorliegen:

• wenn sie nur anthropozentrisch oder nur theozentrisch oder atheistisch ist,
• wenn sie Menschen schadet oder ausschließt,
• wenn sie nur Menschen mit gleicher Weltanschauung für gut, aber die anderen für böse hält,
• wenn sie irgendeine Ideologie darstellt,
• wenn sie Teile des irdischen Lebens oder das irdische Leben insgesamt verabsolutiert und nicht darüber hinaus weist,
• wenn die sie dem Menschen Unbedingtheiten auferlegt und ihn unfrei macht,
• wenn sie relativ Positives bei entsprechend folgsamem Verhalten unbedingt verspricht - oder relativ Negatives tubuisiert oder damit droht,
• wenn sie nicht dem Geist der Liebe entspricht,
• wenn sie Objekte über den Menschen und die Heilung über das Heil stellt.
Umfassend: Eine Weltanschauung erscheint nicht optimal, wenn sie sich auf etwas anderes als das +A gründet bzw. dieses negiert oder relativiert. Der Mensch hat dann kein oder ein fremdes positives Absolutes, das ihm keine oder zu wenig Liebe geben wird. Im Einzelnen hat eine suboptimale Weltanschauung Charakteristika zweitrangiger Wirklichkeiten, wie ich sie in den Spalten I und K der
Übersichtstabelle aufgeführt habe.

Beispiele

Das MUSS von Weltanschauungen

    Viele Weltanschauungen enthalten Vorbedingungen, die erfüllt werden müssen, bevor der Mensch ganz er selbst sein darf. (Folge: `Muss-Menschen´).
Sie enthalten dann keine vorbedingungslose Liebe zum Menschen, sondern ein (oder viele) MUSS.
[123] Genauer: Es handelt sich um Weltanschauungen oder Konzepte, denen Vorbedingungen innewohnen, die einer unbedingten Akzeptanz und Liebe zum Menschen nur mehr oder weniger entsprechen oder gar entgegenstehen und dadurch nur suboptimale oder gar ungünstige Grundlagen für ein darauf aufbauendes Leben oder darauf aufbauende psychotherapeutische Maßnahmen sind. Es handelt sich hier vor allem um alle Ideologien oder ideologisch fundierte Haltungen und auch um eine Reihe von Religionen.[124] Wie gesagt, halte ich sie nicht für das Schlechte oder gar Böse, sondern eher für das weniger Günstige oder relativ Ungünstige.
So wird eine für uns Menschen günstige Hierarchie durch Inversionen verdreht: Wir sind nicht mehr frei, sondern wir müssen etwas leisten, um frei zu werden. Georg Büchner dazu: „Das MUSS ist eins von den Verdammungsworten, womit der Mensch getauft worden (ist)."
[125] Man kann nicht nur zum Erfolg verdammt sein, sondern auch zu vielem Anderen. Auch das Beste, wie die Liebe, wird fragwürdig oder gar schlecht, wenn man dazu gezwungen wird. Man könnte das Büchner-Wort aus christlicher Sicht ergänzen: „Eins von den Erlösungsworten, mit denen wir eigentlich getauft sind, ist: `Du musst nichts - Gott liebt Dich immer!´“ Du sollst das Gute versuchen, aber Du musst nicht. (Siehe auch: `Orientierung und Freiheit´)
Die Muss bestehen meistens aus irgendwelchen unbedingt zu erbringenden Leistungen. Diese Verabsolutierung von Leistungen hat dann Hyper-Leistungen (Pro-Position) oder Leistungsfeindlichkeit (Anti-Position) oder Indifferenz zur Folge. Außerdem können Störungen über alle 23 Aspekte hinweg entstehen. Störungen in der Kommunikation entstehen beispielsweise, wenn Fragen wie: „Wer leistet mehr?“ „Was hast du vorzuweisen?“ entscheidend sind. Das Leben wird dann stressig. Typisch sind dauernde Vergleiche zwischen Menschen. In der Partnerschaft: „Ich habe doch viel mehr für dich getan als du für mich!“ Nach Kiergegaard fängt mit Vergleichen aber die Unzufriedenheit an. Man macht Unterschiede im Wert der Menschen. Die „Minderleister“ werden dann als minderwertig angesehen und ggf. ausgesondert.
Außer Leistungen kann auch vieles Anderes verabsolutiert werden, wie im Teil `Metapsychiatrie´ beschrieben. P definiert sich dann über diese FA und gewinnt vor allem attributives, ersatzhaftes Selbstbewusstsein. In säkularen Psychotherapien geht es vor allem um die Herstellung solcher das Ich stärkenden Attribute.

Selbsterlösungskonzepte

Viele Weltanschauungen machen die Hauptlösungen (Absolutbereich) am Menschen selbst fest.[126]
Der Mensch wird alleiniger Erlöser/ Löser seiner selbst und seiner Probleme. Der Mensch hat dann letzte Verantwortung für sein Heil über die genannte absolute Wahlfreiheit/ absolute Einstellung hinaus. Er überfordert sich, hat jedoch das trügerische Gefühl, bei genügender Anstrengung, alles in den Griff bekommen zu können: Je nach Methode müssten wir danach nur genügend analysiert werden oder genügend positiv denken und üben oder genügend meditieren und glauben usw., um gesund und glücklich zu werden. Der Mensch kann dann zwar hoffen (besser: wähnen), irgendwann einmal alles in den Griff zu bekommen, überfordert sich so aber prinzipiell. Nichts Kindliches, nichts Spielerisches gibt es noch. Anstrengung, Konkurrenz und Kämpfe bestimmen das Leben und werden nur von vereinzelten Hochs unterbrochen. Der letzte Halt eines Menschen liegt dann in ihm selbst. Luther spricht vom `homo incurvatus in se´, von dem `in sich selbst verkrümmten Menschen´. Am besten und leichtesten wäre es m.E., die Hauptverantwortung Gott zu überlassen, erst danach käme unsere, auch wichtige (!) Verantwortung.[127]
Alle Psychotherapien jedoch, die ohne eine übergeordnete liebende Instanz (Gott) arbeiten, müssen die Ich-Stärke (die eigene oder die anderer Menschen) ins Zentrum ihrer Bemühungen stellen. Das ist bis zu einem bestimmten Punkt OK. Was aber, wenn diese Ich-Stärke, unsere menschliche Kraft nicht ausreicht, unsere Probleme zu bewältigen, was vor allem in existenziellen oder sehr belastenden Situationen oft der Fall ist?
Der Betreffende hat insgesamt in Bezug auf das verabsolutierte Relative zu viel Verantwortung, in Bezug auf andere Relativa manchmal auch zu wenig Verantwortung und hat gleichzeitig kein +A, das eine adäquate Verantwortlichkeit vermittelt, ohne ihn zu überfordern.

Die Selbstdefinition des Menschen wird gestört

Der Materialismus definiert den Menschen über die Materie. Im Idealismus wird der Mensch über eine idealisierte Geisteshaltung bzw. über zu erfüllende Ideale definiert. Im Humanismus muss der Mensch von der Kernidentität her human sein. Auch die meisten Religionen haben fixierte und einengende Definitionen vom Menschen: Im Islam wird der rechte Mensch u.a. als der definiert, der sich Gott hingibt[128] und im Buddhismus löst sich das Selbst, als absolute personale Identität, im Nirwana auf.

Weitere mögliche Nachteile entsprechen den in der Spalte I der Übersichtstabelle aufgeführten Störungen.

„Vorteile“

• Der Mensch, der die geforderte Leistung erbringt, hat, v.a. kurzfristig viele Ersatzvorteile. So kann er sich im Gegensatz zu anderen auserwählt, emporgehoben, besonders sicher fühlen (= „+Hyper-Folgen“).[129]
Langfristig überwiegen aber die Nachteile der FA: Sie sind zu anstrengend, überfordernd, ausgrenzend, spaltend, krankheitsfördernd usw. Die Nachteile können allerdings auch auf Andere(s) abgewälzt werden.
• Die Vorteile der Weltanschauungen entsprechen auch den (scheinbaren) Nachteilen der erstrangigen Wirklichkeit bzw. des +A. Nach diesen hat, wie mehrfach erwähnt, der Mensch nur in der Wahl des Absoluten absolute Macht, sonst aber nur relativen Einfluss. Man könnte diese Tatsache, ähnlich wie S. Freud, als die dritte große Kränkung der Menschheit bezeichnen, wobei S. Freud die Kränkung darin sah, dass der Mensch nicht „Herr Im eigenen Hause“ sei, weil sich das Unbewusste seinem Willen entzöge. Ich sehe diese Kränkung (wenn man bei dieser Wortwahl bleiben möchte) nicht ebenso, denn zum einen haben wir noch einen, wenn auch nur relativen Einfluss auf unser Unbewusstes und zum anderen glaube ich, dass wir mit der ‚Absolutwahl’ ein letztes Selbstbestimmungsrecht haben. Egal, wie man diese ‚Kränkung’ nun sieht, in beiden Fällen ist es realistisch zu sehen, dass wir viel ohnmächtiger sind, als wir wollen und dass das für uns Menschen beängstigend ist. Wir klammern uns lieber an den Wahn, bei genügender Anstrengung würden wir alles schaffen und nichts sei uns unmöglich.
• „Vorteil“: Man wird von fast allen Ideologien nicht an negative (vor)letzte Dinge erinnert, die Religionen aber weisen uns auf sie hin.

Optimale Weltanschauung

 „Es ist sehr gut denkbar, dass die Herrlichkeit des Lebens um jeden und immer in ihrer ganzen Fülle bereit liegt, aber verhängt, in der Tiefe, unsichtbar, sehr weit. Aber sie liegt dort … Ruft man sie mit dem richtigen Wort, beim richtigen Namen, dann kommt sie.“
(Franz Kafka, Tagebücher, 1921)

Revision der Inversionen

Wenn ich imTeil `Metapsychiatrie´ Inversionen als Hauptursache für seelische Krankheiten beschrieben habe und darunter die Verdrehung von Absolutem und Relativem verstand, so müsste eine optimale Weltanschauung diese Inversionen dadurch revidieren, dass wieder ein eigentliches positives Absolutes (+A) etabliert wird, das alles Relative relativ nimmt und integriert - gleichzeitig jedoch P nicht beherrscht und frei gewählt werden kann.
Meines Erachtens kann der Mensch selbst nicht dieses +A sein, weil er nicht alles Relative integrieren kann. Er ist, wie öfter erwähnt, nur in einer prinzipiellen Einstellung dem Absoluten gegenüber völlig frei, sonst hat er nur relative Macht. Auch eine suboptimale Weltanschauung (oder Religion) wird nicht imstande sein, alles Relative zu integrieren und ihm die Bedeutung geben, die ihm zukommt, sondern sie wird manches zu positiv, manches zu negativ darstellen und manches abspalten oder bekämpfen. Und das wird sie auch mit der betreffenden Person selbst machen. Sie wird durch sie erhöht oder erniedrigt, gespalten und bekämpft.
Eine optimale Weltanschauung (oder Religion) aber wird den Menschen unbedingt lieben, ohne ihn zu erhöhen (weil er das nicht nötig hätte) oder zu erniedrigen oder zu bekämpfen. Sie wird andererseits das Relative (wie etwa sein Verhalten) auch nicht negieren, sondern als Sachfrage und nicht als Persönlichkeitsfrage behandeln - und das auch nur, um den Menschen um seinetwillen zu orientieren und nicht, um ihn zu gängeln. Das trifft auch auf unseren Umgang mit den fremden Absolutheiten zu: Wir sollten uns um unseretwillen (!) bemühen, ihnen in unserem Leben möglichst wenig Macht zu lassen - ohne dass dieses Bemühen zur Voraussetzung für die Annahme des +A wird.

Ist Gott das positive Absolute?

                                                                                                  Gott, das ist jener Große, Verrückte, der immer noch die Menschen liebt.” Nach Kurt Marti.[130]

Im Teil `Metapsychologie‘ schrieb ich über die Zusammenhänge des Absoluten und Relativen (A und R). Eine Hypothese lautete: Das Absolute ist entscheidend, wie es dem Relativen geht. Je nachdem, um welches Absolute es sich handelt, wird es dem Relativen unterschiedlich gut oder schlecht gehen. D.h. je nachdem, welcher Geist das Irdische, so auch uns Menschen bestimmt, wird es uns gehen - am besten, wenn dieser Geist die Kriterien eines positiven Absoluten erfüllt, wie ich sie im Abschnitt `Was ist das positive Absolute´ aufgezählt habe. Gott erfüllt meines Erachtens als Einziger alle Kriterien, die ich an das +A stelle, denn er liebt uns unbedingt.
Diese Liebe zeigt sich vor allem in Freiheit und Orientierung. Die Freiheit steht aber über der Orientierung. Anderes gesagt: Freiheit und Orientierung sind zwei Kinder der Liebe - die Freiheit ist das größere und die Orientierung das kleinere Kind. Religiös: Gott, der die Liebe ist, lässt auch die Freiheit, seine Orientierungen, ja ihn selbst abzulehnen; Denn: Liebe ohne Freiheit und ohne Wahlmöglichkeit ist keine Liebe. Aber in Anlehnung an das französische Sprichwort L'amour est l'enfant de la liberté, glaube ich, dass die Freiheit ein Kind der Liebe ist und nicht, wie das Sprichwort sagt, umgekehrt.
Gott ist die unbedingte absolute personale Liebe, die frei gewählt oder abgewählt werden kann. Die Wahl Gottes schafft am ehesten inneren Frieden und Erlösung, weil man dort wie ein Säugling oder Kind sein kann, weil wir Gott gegenüber keine unbedingten Forderungen erfüllen müssen, weil wir ihm gegenüber frei und trotzdem nicht allein sind. Dabei ist
Jesus für mich der glaubwürdigste Repräsentant Gottes, so auch einer solchen Liebe. In dieser Liebe sind die Menschen miteinander und mit der Welt verbunden, ohne ihr Selbst zu verlieren.

Gott, der Mensch, das Paradies und die Welt

Gott sehe ich, wie gesagt, absolut positiv.  Nur das absolut Negative (−A ) steht ihm völlig konträr gegenüber. Das Irdische, unsere Welt, so auch wir, befinden sich zwischen +A und −A. Der Mensch hat, wie oft erwähnt, ein `Wahlabsolutes´, ist aber sonst in einer relativen oder zweitrangigen Position. Was ist damit gemeint?
Ursprünglich, im Paradies waren Gott und wir Menschen in Harmonie miteinander verbunden. Wir waren seine Geschöpfe, wie auch jetzt noch, aber damals ganz eigentlich und nicht, wie jetzt, entfremdet. Hatten wir damals den Charakter des Relativen? Ich glaube, wir waren auch absolut, identisch,   einheitlich, unbedingt, primär und auch unabhängig wie Gott selbst. Aber wir waren nicht Er selbst. Wir waren Teil Gottes, mit ihm eins - aber absolut frei, gegen ihn zu sein, ihn abzuwählen. Nachdem wir das, in Symbolgestalt von Adam und Eva, getan und entschieden hatten, unsere eigenen Götter zu sein, kamen wir aus der ursprünglichen erstrangigen Wirklichkeit in die jetzige zweitrangige Wirklichkeit, in die „Welt"; D.h. wir Menschen, die wir ursprünglich unmittelbar mit Gott verbunden waren und so im „Paradies“ lebten, leben nun in einer Welt, in der uns fremde Absolutheiten, die wir gewählt haben, beherrschen. Wir selber nehmen dadurch eine überwiegend zweitrangige Position in dieser Welt ein, obwohl wir nach wie vor die absolute Wahlmöglichkeit behalten haben. D.h. wir haben glücklicherweise die Verbindung zur Gott nicht verloren, ansonsten, sind wir aber, wie die übrige Welt, in einer zweitrangigen Situation mit ihren entsprechenden Charakteristika: d.h. wir sind sterblich, erlösungsbedürftig usw. solange wir durch fremde Absolutheiten (FA) bestimmt sind.
[131] Sollten wir Gott zu unserem eigentlichen Absoluten gewählt haben, so werden wir nun teilweise +A-bestimmt, aber teilweise noch FA-bestimmt bleiben. Warum? Verbindet sich unsere Absoluteinstellung mit Gott, so wird unser Absolutes mit ihm eins. D.h. wenn wir das +A/ Gott wollen, dann schenkt er sich uns. Aber wir sind nur prinzipiell und nicht total eins mit ihm. Denn selbst, wenn wir Gott wollen, sind wir als normale Menschen zwischen ihm und den fremden Absolutheiten hin und her gerissen. Wir haben Gott nur prinzipiell. Das reicht auch. Mehr ist, salopp gesagt, nicht drin. Deshalb werden Unerlöstheiten in uns bleiben. Das ist unsere geistige Situation. Unser Körper steckt sehr im Materiellen (und Fremd-Geistigen). Der Geist Gottes wirkt dennoch auch im Materiellen, auch im Körperlichen und noch mehr in der Seele. Dieser Heilige Geist, wie wir ihn auch nennen, kann alles Körperliche und Seelische integrieren. Dann besteht keine Subjekt-Objekt-Spaltung mehr in uns, sondern nur eine Subjekt-Objekt-Spannung/ -Unterschiedlichkeit.
    Wenn wir zu der dimensionalen AR-Terminologie/ Sicht zurückkehren, so stellt sich der oben genannte Sachverhalt wie folgt dar:
Durch den Geist Gottes kommt unser Geist in eine prinzipielle, fundamentale und existenzielle „+A-Position", d.h. wir Christen sind an sich schon jetzt im +A, im absoluten Geist, erlöst und wie im Himmel, aber „nur“ prinzipiell und fundamental, jedoch nicht total, d.h. unser Kern-Selbst ist absolut erlöst, dass personale R, unsere „Auch-Selbsts“ jedoch, weil noch teilweise FA-bestimmt, bleibt erlösungsbedürftig.

Wir glauben, unser Geist, der in Gott ruht, ist schon jetzt unsterblich (nicht der Geist, der FA-abhängig ist) und auch nicht unser jetziger Körper.  Ich  glaube allerdings, dass auch unser Körper, wie auch die übrige materielle Welt, durch Gott verwandelt und unsterblich wird. Ich glaube aber auch, dass jetzt schon unser Körper (und noch mehr unsere Seele) durch nichts Geistiges so stark positiv beeinflusst wird, wie durch den positiven absoluten Geist (Gott/ die Liebe) in uns. Wie sehr fühlen wir uns schon körperlich wohl, wenn wir Liebe und Anerkennung von Mitmenschen bekommen! Wie mehr dann durch Gott. Was ist mit unserer Seele? Ich postulierte, dass unsere Seele sich zwischen Geist und Körper „befindet“. D.h. sie wird noch mehr als der Körper, aber weniger als der Geist, von der Befreiung durch Gott „profitieren“.
    Gott schließt unsere Welt und uns Menschen nicht aus.
Gott schließt nur das −A aus. Nur wir haben Gott teilweise oder ganz ausgeschlossen. Gott liebt diese Welt und uns, so wie wir sind. Er liebt aber nicht unsere Inversionen, nicht die daraus entstandenen FA, weil sie uns schaden. Ist also Gott in der Welt, in uns, noch vorhanden? Ich denke ja, aber wir unterdrücken ihn durch unsere FA, die FA jedoch lieben die Welt und uns nicht um unserer selbst willen! Gott aber liebt uns um unserer selbst willen und durch Jesus geschieht die Rückverwandlung zweitrangiger Wirklichkeiten in die erstrangige Wirklichkeit. Sören Kierkegaard scheint es ähnlich gesehen zu haben: Die Verzweiflung als Nicht-selbst-sein-Wollen, die eine `Krankheit zum Tode´ darstellt, kann durch das Ergreifen des Selbstseins im wahren Glauben überwunden werden.“[132] Ich würde aber, im Gegensatz zu ihm, das Nicht-selbst-sein-Wollen nicht als die eigentliche Krankheit zum Tode bezeichnen, sondern die schon mehrfach erwähnte absolute Negativeinstellung eines Menschen, d.h. seinen prinzipiellen Willen zum −A.

Christliche Metatherapie

Wir brauchen ein Konzept, in dem sich jeder wiederfindet und keiner ausgeschlossen ist: so auch die Missbrauchten und Vergewaltigten, dass sie ihre Würde wiederbekommen, wo auch der Isolierteste sich nicht alleingelassen fühlt, der Schuldigste wieder unschuldig wird; Wo auch der sog. Missgestaltetste noch seine Schönheit erkennen kann, der Geschundenste sich befreit fühlt, der Verletzteste noch einen unverletzbaren Bereich bekommt - und jeder gutwillige Mensch eine Chance bekommt. Die beste Psychotherapie müsste weiterhin so sein, dass auch der einfachste und kränkste Mensch sie verstehen und umsetzen kann und dürfte deshalb keine Leistungen verlangen. Christliche Metatherapie hätte vor allem zum Inhalt: Man lässt sich das Wichtigste von Gott schenken. Eine solche Therapie erfordert keine Analyse, kein Verhaltenstraining, keine besonderen Kenntnisse. Sie ist für jedermann gleich gut erreichbar, ohne Nebenwirkungen, kostenlos. Sie etabliert zunächst das Wichtigste: ein unangreifbares, positives Selbst - die absolute, existenzielle Grundlage der Person, auf der dann, wenn diese etabliert ist, weitere therapeutische Verfahren je nach Bedarf erfolgen können. Metatherapie, als +A-Therapie, integriert alle positiven Psychotherapien. Die Grundvoraussetzung wäre, dass der Betreffende das will.
Der Glaube an Gott und seine Liebe garantiert allerdings genauso wenig ein sorgenfreies und gesundes Leben, wie die Liebe von Eltern zu ihrem Kind.
Die Wahrscheinlichkeit aber, dass der Gläubige, wie auch das geliebte Kind, ein erfüllteres und auch gesünderes Leben führt, erscheint jedoch deutlich größer, als bei einem Leben ohne Liebe. Denn das beste, nachhaltigste und noch dazu preiswerteste Therapiemittel (übrigens auch Potenzmittel) ist Liebe. Das ist eine alte Erfahrung, die immer wieder neu entdeckt und formuliert wird.

Auch die Psychoanalyse hat sich mit dieser Problematik, wenn auch mit anderen Begriffen, auseinandergesetzt - so auch mit der Frage, ob und wodurch ein Kind den Entzugs eines Liebesobjekt, das etwa einem +FA entspricht, toleriert. Die liebste Mutter wird dem Säugling die Brust, auf die sich etwa Melanie Klein als wichtigstes Liebesobjekt bezieht, ab und zu entziehen müssen. Zu keinen Störungen kommt es, wenn trotz des Entzugs der Mutterbrust oder ähnlicher Frustrationen, das Kind die Haltung einer unbedingten Liebe der Mutter zu sich spürt und diese als Absolutes die o.g. Frustrationen relativiert. Das gilt auch für die Wirkung aller anderen Liebes- oder Hassobjekte. Das Kind oder jede andere Personen wird nicht nur durch die übergeordnete Liebe die Frustrationen abpuffern können, sondern wird auch ahnen, dass diese Versagungen, obwohl sie mit negativen Gefühlen verbunden sind, ihm von einer höheren Warte aus nützen. Im Grunde genommen fängt die Person so schon früh an, Lust oder Unlust nicht absolut zu setzen und wird so für das spätere Leben viel gewappneter sein. Auch
nach Kohut besteht „ein lebenslanges Bedürfnis nach Widerspiegelung durch sogenannte empathische Selbstobjekte... Das Scheitern dieses empathischen Spiegelungsprozesses liegt zahlreichen pathologischen Phänomenen zu Grunde."[133]
Kurz gesagt, wir alle brauchen Liebe. Woher aber soll P Liebe bekommen, wenn die Umgebung lieblos ist und der Betreffende sich selbst auch nicht liebt? Von Gott? Aber a
uch mit Gott sind nicht alle Probleme weg - sie sind zumindest relativiert. Immerhin, wenn das absolute Problem durch die Wahl des +A gelöst ist, dann sind alle anderen nur von relativer Bedeutung und lassen sich dann viel leichter lösen oder, wenn nicht zu lösen, besser ertragen.
Konkret: wenn ich an Gott glaube, dann sind Krankheit, Leid, seelische Traumata nicht mehr das absolut Negative, das unbedingt vermieden, verarbeitet oder gar besiegt werden muss und andererseits sind Erfolg, Gesundheit, langes Leben usw. nicht mehr das absolut Positive, das um jeden Preis erreicht werden muss. Gerade dadurch, dass wir relative Ziele nicht absolut setzen, werden wir sie eher und lockerer erreichen. Die Lösung oder das Ertragen vieler FA-Probleme ohne +A aber ist schwieriger und kostet langfristig wesentlich mehr Kraft als die Lösung des absoluten Problems.
Metatherapie fängt nicht mit „Du sollst” oder gar „Du musst”, sondern mit Zusagen an: „Du bist geliebt und einzigartig“, „Du darfst sein, wie auch immer du bist!“ usw. Erst dann geht es darum, zu versuchen (aber nicht zu
müssen
), diese oder jene Ziele zu erreichen bzw. Probleme zu lösen.
„Menschen, die an Jesus glauben, sind nicht besser als andere. Aber sie sind besser dran. Sie müssen sich nicht selbst rechtfertigen, sie sind schon gerechtfertigt in der Liebe Jesu. Sie müssen sich nicht selbst beweisen, sie sind schon bewiesen ... Sie müssen sich nicht größer machen, als sie sind. Sie sind das Größte, was ein Mensch werden kann, ein Kind und Erbe des lebendigen Gottes. Sie müssen sich nicht selbst bemitleiden, sie haben jemanden, der mit ihnen leidet. Sie müssen sich nicht selber trösten, ermutigen und stark machen, sie haben jemanden, der sie aufbaut. Sie müssen nicht Erklärer, Erlöser und Liebhaber ihres Lebens sein. Sie haben den besten Löser und Liebhaber des Lebens ... Sie sind nicht vollkommen, aber vollkommen geliebt!“ (Axel Kühner)
[134]
 Durch die Annahme des +A wird aus
jedem fremden Absoluten ein Relatives, aus dem Fremd-Selbst ein Selbst, aus dem Fremd-Ich ein eigentliches Ich, aus der Unerlöstheit eine prinzipielle (keine totale) Erlöstheit - denn „die Versöhnung Gottes mit der Welt ermöglicht auch die Versöhnung des Menschen mit sich selbst, sodass er als `Christ nicht mehr der Mensch des ewigen Konflikts´ (Bonhoeffer), der unlösbaren ethischen Zerrissenheit, sein muss.“
[135] Das religiös vermittelte Heil kann, nach Tillich, verstanden werden „als Überwindung der existenziellen Herrschaft des Negativen (Angst, Schuld, Sinnlosigkeit), als `Erlösung des Zentrums der Person´ zu ihrem existenziellen Sein.“[136]
Hans Küng „Wer die Religion nicht kennengelernt hat, wird nie die großen spirituellen Ressourcen kennen, die für das Wohl eines Patienten entscheidend sein können.“[137]  In der Therapie wäre also möglichst viel von dem, was das Selbst hindert, es selbst zu sein, zu relativieren/ zu beseitigen. Das hört sich einfacher an als es ist, denn dieser an sich einfachen „Revision“ werden wir Widerstand entgegensetzen.[138] Warum? Wir stellen hier eine praktisch umgekehrte Verteilung von Vor-und Nachteilen der Inversionen und der Revision fest: Während uns die Inversionen anfangs Vorteile, später größere Nachteile bringen, ist es bei der Revision umgekehrt: I.d.R. bringt sie uns zunächst subjektive Nachteile (deshalb setzen wir ihr Widerstand entgegen) und erst danach kommen größere Vorteile - größere Vorteile, als uns die Inversionen brachten.
Was für ein Stress, wenn man - wie in manchen Religionen - mehreren oder gar vielen Göttern dienen muss. Dasselbe gilt auch für die vielen Ideologien oder meist namenlosen „Götter“, die wir in uns tragen.
Die Religion/ Gott gibt uns unsere göttliche Identität wieder. Wenn wir klug sind, definieren wir uns nicht über etwas, das nur zeitweise vorhanden ist. „Ich bin ein Kind Gottes“ - das ist für mich die einzige Definition, die ewigen Bestand hat und unangreifbarer und unzerbrechlich ist und auch dann gilt, wenn ich keine Kraft mehr habe. Was für eine Freiheit, wenn man einen Gott hat, der nichts fordert. Wenn wir uns vom falschen Müssen befreien/ vom Müssen überhaupt wird vielen seelischen Krankheiten der Boden entzogen. Wir können sagen, wir sind vom Stamme Gottes, himmlischer Herkunft. Es ist befreiend, dass unser Verhalten vor Gott nur eine relative Bedeutung hat - absolut ist nur die prinzipielle Einstellung. Man muss die irdischen Probleme nicht unbedingt lösen und schon gar nicht immer optimal.
Das Ich/ die Person muss sich nun nicht mehr existenziell um sich selber drehen - sie ruht in Gott.
Ich glaube, Menschen die seelisch sehr krank sind, wie etwa die meisten Psychotiker, haben deshalb mit Gott, bzw. einer unbedingten Liebe und Sicherheit, die größte Chance gesund zu werden. Woher auch sollten sie die existenziellen geistig-seelischen Grundbedürfnisse nach unbedingter Liebe, Geborgenheit, Sicherheit usw. haben, wenn sie ihre Umgebung als existenziell unzuverlässig oder destruktiv erfuhren und damit den Glauben an die Menschheit und an sich selbst verloren haben. Die Person gewinnt ein Selbstvertrauen, das nicht nur von den eigenen oder den Kräften anderer Menschen abhängt, sondern weit darüber hinausgeht.
Ich glaube, im Neuen Testament/durch Jesus sind schon alle wesentlichen Menschheitsprobleme und deren prinzipiellen Lösungen genannt. Die moderne Psychologie hat sie teilweise vertieft, oft aber eingeengt und verflacht.

Keine Angst vor falschen Göttern und Teufeln

                                                                                                                             „Sündige tapfer und umso tapferer glaube an die Vergebung Gottes.“ (M. Luther)             

[Hinweis: Diese Aussage Luthers ist für die Skrupulanten gedacht, für Menschen, die zuviel Angst vor dem Sündigen haben, aber an Gott glauben. Sie ist nicht gedacht für die, denen Sünde egal ist und die unter Gott das verstehen, was ihre eigene (oder anderer) Erfindung ist].

Wir sollten keine Angst vor falschen Göttern und Teufeln haben, denn, wie öfter gesagt, aus der Sicht Gottes gibt es nur ein einziges absolut Negatives: das eigentliche −A; Alles andere Negative ist letztlich in Gott gelöst. Das kann man nur glauben, nicht beweisen, aber erfahren. Keine noch so große Sünde, kein seelisches Trauma, keine noch so schwere Erkrankung, kein Unglück, keine Vergewaltigung, kein Tod ist aus dieser Sicht das Letzte, das Unverzeihliche oder Unheilbare.
Es gäbe nur das einzige Unheilbare, Inkompatible auf Dauer: das −A, und es liegt in unserer Hand, ob wir es wollen oder nicht.
Heißt Metatherapie, dass wir die FA unbedingt meiden müssen, weil sie gefährlich sind und uns krank machen können? Fast das Gegenteil ist der Fall: Wir sollen sie nicht zu wichtig nehmen, denn gerade dadurch, dass wir sie zu wichtig nehmen, werden sie FA und uns bestimmend. Aber dann, so könnte jemand sagen, ist es am wichtigsten, sie nicht zu wichtig zu nehmen. Auch das ist nicht der Fall, denn auch nicht die Relativierung einer Fehlverabsolutierung ist am wichtigsten - aber klug. Die wichtigste Lösung vonseiten des Menschen ist durch eine prinzipielle Einstellung zum Guten hin schon geschehen. Klug, aber kein Muss, wäre es, sich immer wieder dann auch an die damit verbundenen Absoutzusagen Gottes zu erinnern, um etwas davon zu haben. Die FA kommen dann an die Stelle, wo sie hingehören: Sie sind relativiert und haben nicht mehr die Bedeutung, die sie vorher hatten. Wir müssen nicht mehr von der Substanz leben, um dies oder das unbedingt zu erreichen oder anderes unbedingt zu vermeiden und zu bekämpfen.
Wir hätten dann schon einmal mehr Gelassenheit, weniger Stress und weniger Angst - und aus dieser Position heraus wird es uns eher gelingen, die noch ungelösten relativen Probleme zu lösen, andere aber, ohne in eine Krise zu geraten, ungelöst zu lassen. Auch Christen vergessen oft diese „Metalösung”. Dann heißt es etwa: „Du musst mehr beten!“; oder „Du musst mehr an die anderen denken!“; oder „Du musst dankbarer sein!“ oder „Du musst an Gott glauben!“ oder „Du musst dich bessern!“ oder noch andere Imperative. Wohlgemerkt diese Ratschläge sind oft gut, werden sie aber absolut genommen, erreicht man das Gegenteil - dann werden diese gut gemeinten Ratschläge uns beherrschen und vielleicht krank machen.

Ein Verlust und zwei Gewinne

Die Relativierung eines +FA bedeutet zwar den Verlust eines super Gefühls, aber andererseits neben dem Gewinn von +A auch automatisch die Relativierung des mit dem +FA verbundenen −FA. (Wenn etwa +FA Erfolg ist, dann bedeutet seine Relativierung, dass auch sein Gegenstück, Misserfolg, nur eine relative Bedeutung bekommt). Das −FA macht dann nur noch relative Angst.
Bedeutet die Relativierung eines −FA auch gleichzeitig die Relativierung des entsprechenden +FA? Ich denke ja. Denn wenn ich Misserfolg lockerer nehmen kann, werde ich dann auch lockerer in meinem Erfolg umgehen.

Widerstand gegen die „Revision“[139]

• Widerstand durch Angst vor der Wahlfreiheit:
Was eine Lösung oft behindert, ist die Angst vor einer Entscheidung und deren Konsequenzen. Auch nach Kierkegaard macht die Freiheit dem Menschen Angst. Freiheit sei zugleich höchstes Gut und größte Bürde des Menschen. Dostojewskis Großinquisitor will den Menschen diese Angst nehmen und die Freiheit abschaffen. Er will ihnen das Glück der unmündigen Kinder, die Unschuld der Unfreien geben, die Last der Selbstverantwortung, die Qual der Wahl nehmen.
[140]
• Widerstand, weil unsere Macht relativiert wird. Es macht Menschen Angst, sich Grenzen, Schwächen und Ohnmacht einzugestehen.
• Widerstand, weil der Mensch auch Angst bekommt, wenn er sich auf etwas verlassen soll, das unsichtbar ist, auch wenn es glaubwürdig erscheint.
• Widerstand, weil Revision, wie auch andere Änderungen und Therapien, weh tun können. Die Geburt des Selbst macht Schmerzen, aber wie bei jeder Geburt geht es nicht ohne diese.
• Widerstand wegen Missverständnissen, Missbrauch und Fehlinterpretationen (wie ich sie auch oben aufgeführt habe).
• Ganz allgemein: Die Inversionen bieten kurzfristig Vorteile, die bei einer Revision aufgegeben werden müssen.
  Zum Widerstand in der Psychotherapie siehe Teil `Psychotherapie´.

Wer ist ein Christ?


Es gibt häufig die Vorstellung, Christen sind immer ganz lieb und brav, eher asexuell, trinken am besten keinen Alkohol, ordnen sich Papst oder der Bibel unter; Sie sind aufopfernd und müssen dauernd die `Erbsünde´ und ihre eigenen Sünden abarbeiten und wiedergutmachen; Sie müssen leiden und wenn sie ganz konsequent sind, werden sie am Ende totgeschlagen - aber sie kommen dafür in den Himmel.
„Menschen, die an Jesus glauben, sind nicht besser als andere. Aber sie sind besser dran. Sie müssen sich nicht selbst rechtfertigen, sie sind schon gerechtfertigt in der Liebe Jesu. Sie müssen sich nicht selbst beweisen, sie sind schon bewiesen ... Sie müssen sich nicht größer machen, als sie sind. Sie sind das Größte, was ein Mensch werden kann, ein Kind und Erbe des lebendigen Gottes. Sie müssen sich nicht selbst bemitleiden, sie haben jemanden, der mit ihnen leidet. Sie müssen sich nicht selber trösten, ermutigen und stark machen, sie haben jemanden, der sie aufbaut. Sie müssen nicht Erklärer, Erlöser und Liebhaber ihres Lebens sein. Sie haben den besten Löser und Liebhaber des Lebens ... Sie sind nicht vollkommen, aber vollkommen geliebt!“ (Axel Kühner).

Christen sind Menschen, die sich auf Christus berufen. Sie können sich frei und unbedingt geliebt fühlen.
 Nichts kann sie von der unbedingten Liebe Gottes trennen: Sie dürfen Säufer, Diebe, Prostituierte, Zöllner, Versager sein. Sie dürfen aggressiv, böse und egoistisch sein - wobei sie jedoch, um ihretwillen gesagt bekommen, sie sollten auf sich und die Anderen gut aufpassen, denn obwohl ihnen alles erlaubt sei, so sei doch nicht alles gut.
Fragen: Sollen wir nicht als Erstes nach dem Himmel streben und nicht als Erstes nach der guten Tat?
Wenn ich die Erlösung bei mir festmache, gerate ich dann nicht in Gefahr, zu versuchen, mich selbst zu erlösen, statt mich einfach erlösen zu lassen? Ist die Liebesbeziehung zwischen Gott und uns nicht ähnlich der zwischen Eltern und Kindern? Sind Kinder nicht auch erst um ihrer selbst willen geliebt und dann kommt die Moral?
Nicht: Erst kommt das Fressen, dann die Moral (B. Brecht).

 

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[1] Der Einfachheit halber spreche ich manchmal statt von Metapsychotherapie nur von Metatherapie.

[2] `Weltanschauung´ steht für mich als Sammelbegriff für alles das, an das ich letztlich nur glauben kann. Synonym könnte dafür etwa auch stehen bzw. sind damit erfasst: Geisteshaltung, Ideologie, Weltbild, Philosophie, Anschauungsweise, Denkart, Einstellung, Gesinnung, Lebensauffassung, Meinung, Sinnesart, Mentalität, Glaubenslehre, Konfession, Religion - definierte oder auch private undefinierte. Der Abwechslung halber verwende ich mal den einen, mal den anderen Begriff.

[3] Anders gesagt: Hinter jeder Psychotherapie steckt eine sie bestimmende Weltanschauung/ Philosophie.

[4] Das soll natürlich die Bedeutung der anderen genannten Fächer nicht schmälern, würde aber den Rahmen dieser Arbeit sprengen.

[5] Eine Übersicht, die auch englischsprachliche Veröffentlichungen mit umfasst und und saluto- wie pathogene Effekte von Religiosität auf die psychische Gesundheit zum Thema hat, findet sich bei C. Klein und C. Albani in: https://www.uni-bielefeld.de/theologie/forschung/religionsforschung/personen/dateien/klein/Albani_2011_-_Die_Bedeutung_von_Rel-=%20igion%20f%C3%BCr%20die%20psychische%20Befindlichkeit%20-%20final.pdf. 2011.

[6] Siehe auch die Kritik von G. Vinnai: „Die Austreibung der Kritik aus der Wissenschaft: Psychologie im Universitätsbetrieb“ im Abschnitt: „Wer ist für die Psyche zuständig?“ in dieser Arbeit.

[7] Johannes Wiltschko: „Eine Metapsychotherapie als Kontrapunkt zum gegenwärtigen Trend.“ In: http://www.daf-focusing.de/wp-content/uploads/Wiltschko-Metapsychotherapie- 2011.pdf.
Mit den Schlussfolgerungen, die J. Wiltschko aus dieser Kritik zieht, stimme ich allerdings nur in einigen Punkten überein.

[8] ebd.

[9] 2. Kor 3,6.

[10] 1.) Eine ähnliche Entwicklung nimmt m.E. auch das Rechtssystem in Deutschland, wo aufgrund einer Verabsolutierung irgendwelcher Paragraphen manches Opfer weniger geschützt scheint als die Täter.
2.) Auch die Planwirtschaft in den sozialistischen Staaten ist ein Beispiel, wo die Befolgung ideologiebedingter Vorschriften, manchen guten Geist austrieb.

[11] Dunja Voos http://www.medizin-im-text.de/blog/2013/1285/evidenzbasiert-troesten/ 2013.

[12] Freud, Sigmund, in: Das Unbehagen in der Kultur, 1930.

[13] An sich bedeutet der Begriff `Evidenz´ im Deutschen `unmittelbare Einsichtigkeit´ (Duden). Fälschlicherweise wird jedoch der Begriff Evidenz in der Bedeutung des englischen Wortes`evidence´ verwendet, das Beweis oder Beleg bedeutet. „Insofern ist die englische Bezeichnung evidence-based medicine für eine medizinische Entwicklungsrichtung durch die deutsche Übersetzung evidenzbasierte Medizin nicht korrekt wiedergegeben.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Evidenz  11/2013. (Hervorhebung von mir).

[14] Focus-Magazin Nr. 30/2011 S. 73.

[15] Siehe auch L. Wittgenstein, Viktor Frankl, C.G. Jung, die sich darauf, wenn auch mit unterschiedlichen Akzenten, beziehen.
Zit. aus: http://en.wikipedia.org/wiki/Sub_specie_aeternitatis .
Ähnlich F. Nietzsche: Der Philosoph solle „auf den weit ausgebreiteten Fittichen aller Zeiten“ stehen. (Über das Pathos der Wahrheit).

[16] Ich verweise diesbezüglich auch wieder auf das Unentscheidbarkeitstheorem von K. Gödel.

[17] Analogie zum Inertialsystem der Physik?

[18] Wie schon erwähnt, kann man selbst an das Beweisbare letztlich aber auch nur glauben.

[19] Für diese war wichtig „die Deutung der Seinsweise des Menschen als Existenz im Sinne eines letzten, unhinterbegehbaren Seins, das insbesondere gekennzeichnet ist durch seine Faktizität, seine wesentliche Endlichkeit (Sein zum Tode), die Geschichtlichkeit (Zeitlichkeit), seine Freiheit und Möglichkeit, die es nicht nur hat, sondern als die es ist, aufgrund deren es sich verlieren oder aber sich selbst finden kann und aufgrund deren es sich entwerfen und wählen muss.“ (Brockhaus Stichwort `Existenzphilosophie´).

[20] Friedrich Nietzsche: „Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie."
Paul Watzlawick: Der Mensch „kann, psychologisch gesehen, nicht in einer Welt überleben, die für ihn sinnlos ist.“ Und: „Der Verlust oder das Fehlen eines Lebenssinns ist vielleicht der gemeinste Nenner aller Formen von Gemütsstörungen...“ In Menschliche Kommunikation Bern 2000, zit. bei Beatrix Gotthold und Christian Thies „Denn jeder sucht ein All“ , Reclam Leipzig, 2003, S.85 ff.

[21] Beispiel gesellschaftliches Problem: Wir alle wollen möglichst nach den neuesten Errungenschaften medizinisch behandelt werden. Das Problem aber ist eingebettet in das größere Problem, wie gut es insgesamt dem Staat geht, was er sich leisten kann (auch ohne andere wichtige Bereiche zu vernachlässigen). Die Probleme des einzelnen Staates wiederum sind eingebettet in die der Staatengemeinschaft und diese in das der Erde insgesamt. Das heißt, um nicht zu Teillösungen oder zu zu teuren Lösungen oder zu Lösungen auf Kosten anderer Bereiche zu kommen, wird die wichtigste Lösung 1. Ordnung darin bestehen, vom großen Ganzen auszugehen und von dieser Metaposition aus relative Lösungen versuchen. So geht es letztlich auch nicht um die Heilung dieser oder jener Krankheit. (Siehe auch: das `Allmende-Problem´).

[22] Z.B. N.I. Kondakow: Wörterbuch der Logik; deb Verlag, Westberlin, 1978. STW `Gödel´.

[23] Man beachte, dass die Charakteristika der Notlösungen denen des Fremd-Selbst, ja letztlich auch denen des Zweitrangigen entsprechen.

[24] Wenn auch begrenzt, können mit „W²-Methoden“ durchaus W²-Probleme gelöst werden, wenn in der W²-Hierarchie die Lösung oberhalb des W²-Problems liegt. Dann bleibt aber diese Ebene un- oder nur teilgelöst.

[25] 1. Die „Allmende-Klemme“ I n: http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/59290
      2. Hervorhebungen von mir.

[26] Slogan, der sich mehrfach im Internet findet. Ursprung unklar.

[27] Ich verweise auch auf andere z.T. schon abgehandelte therapeutischen Hinweise von mir, v.a. auf die Tabelle: „Günstige und ungünstige Grundeinstellungen“, auf den o.g. Abschnitt „Lösungen“ und auf die therapeutischen Hinweise bei Beziehungs- und Systemstörungen“.

[28] Siehe: Watzlawick, P., J.H. Weakland, R. Fisch: Lösungen. Verlag Hans Huber Bern-Stuttgart-Wien, 1974.

[29] 1. S. Freud 1930: Das Unbehagen in der Kultur; GW XIV, S. 441.
2. Die vorherige Aufzählung der Freud´schen Abwehrmechanismen stammt von einer Literaturstelle, die ich nicht wiederfinde.

[30] Zum Beispiel: Tony Nicklinson, lebte 7 Jahre mit Locked-in-Syndrom. Er konnte sich nur durch Blinzeln verständigen. Er fühlte sich zu einem Leben verurteilt, das er „unbequem, würdelos und erniedrigend“ empfand. Er klagte vergeblich durch alle Instanzen, um ein Recht auf Beihilfe zum Selbstmord durchzusetzen. Ähnlich: die Britin Diane Pretty, die Italienerin Eluana Englaro, die 17 Jahre lang nach einem Unfall (21 jährig) in einem Pflegeheim im Wachkoma gelegen hatte. Ich bin mir der Schwierigkeiten solcher Entscheidungen sehr bewusst, vor allem auf dem Hintergrund drohender Euthanasie, glaube aber, dass jede Dogmatisierung einer an sich richtigen und humanen Orientierung, wie: `Jedes irdische Leben muss um jeden Preis aufrecht erhalten und verlängert werden´ ab einem bestimmten Punkt inhuman wird. So scheint es mir auch absurd zu sein, wie die Nachrichten melden, dass die „Ärzte um das Leben des ehemaligen Premierministers von Israel Scharon, der seit sieben Jahren im Koma liegt (!) kämpfen“, weil sich jetzt (2014) sein Zustand verschlechtert habe.

[31] Nach Peter Möller in: http://www.philolex.de/weltansc.htm 3/2014.

[32] Ähnlich Fritz Mauthner, wenn er meint, „dass die Weltanschauung eines Menschen von seiner allgemeinen und von seiner augenblicklichen Seelensituation abhänge.“ Zitiert bei Peter Möller in: http://www.philolex.de/weltansc.htm 3/2014 - wobei auch das Umgedrehte gilt.

[33] In: http://ezw-berlin.de/html/3_166 2/2016.

[34] 1. Genaue Literaturangaben siehe Literaturverzeichnis.
        2. Wörtliche Zitate habe ich in Anführungszeichen gesetzt und die Quelle gesondert angegeben.

[35] Aber man wird mit größter Wahrscheinlichkeit etwas tun, je mehr man etwas freiwillig und freudig tut. (Freiwilligkeit und Freude als die stärksten Motivationen).

[36] Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropozentrismus. 3/2014.

[37] Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Theozentrismus. 3/2014.

[38] Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropozentrismus. 3/2014.

[39] Nicht gemeint ist die religiöse Definition dieses Begriffs.

[40] Schischkoff STW Philosophie.

[41] Eine von mehreren Möglichkeiten der Einteilung - leicht verändert aus Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Geistesgeschichte 2014.

[42] Aus Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Naturalismus_%28Philosophie%29. 2/2014.

[43] Aus http://www.schultreff.de/referate/philosophie/r0451t00.htm 2014, Hervorhebungen von mir.

[44] http://www.geist-oder-materie.de/Philosophie/Materialismus/materialismus.html .
Von dem hier zu besprechenden philosophischen Materialismus gibt es nach dieser Literaturstelle folgende Formen: radikaler Materialismus, Epiphänomenalismus, Identitätstheorie, sowie historischen und dialektischen Materialismus.
Ich bespreche hier nur das Allerwichtigste des philosophischen Materialismus.

[45] Nach Schischkoff STW Materialismus.

[46] Aus Logik Wörterbuch S. 41/42.

[47]http://heinzpeter-hempelmann.de/hph/wp-content/uploads/2013/01/%C3%A4pfel.pdf

[48] Zimbardo, siehe Literaturverzeichnis.

[49] Peter Möller in: http://www.philolex.de/lenin.htm 2/2015.
Siehe auch das Problem der `Qualia´ - die subjektiven Erlebnisgehalte eines mentalen Zustandes.

[50] Aus: www.duden.de

[51] Großes Fremdwörterbuch

[52] Nach Schischkoff, Stichwort Funktion.

[53]Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Funktionalismus_%28Philosophie%29  12/ 2013.

[54] Meyers Großes Taschenlexikon.

[55] Schischkoff s. Literaturverzeichnis

[56] 1. Diese Aussage mache ich nur allgemein, denn manche machen sich das Leben auf Kosten anderer zu leicht.
2. Matthias Krieg: „Der Materialist ist von Natur aus kurzsichtig.“ (Mündliche Mitteilung).

[57] Insgesamt hat der Materialismus v.a. die Charakteristika einer zweitrangigen Wirklichkeit mit ihren Vor- und Nachteilen. (Siehe auch Übersichtstabelle ).

[58] Nebenbei gesagt ist die materialistische Weltanschauung letztlich auch eine Ideenlehre, denn der Materialist glaubt bzw. hat die Grundidee, dass in unserer Welt die Materie die Grundlage von allem Anderen ist.

[59] Johann Wolfgang von Goethe: Faust II, Vers 4917 ff.

[60] Während Idealisten eher in Luftschlössern sitzen und so auch am Leben vorbeigehen können.

[61] Aus meiner Sicht groteskerweise, denn wider alle Erfahrungen, hat ja ein solcher „Wissenschaftler“ geglaubt bewiesen zu haben, dass der Mensch keinen freien Willen hat. (Dass der Mensch nicht nur frei handelt, ist klar). Benjamin Libet: Haben wir einen freien Willen? in: Geyer: Hirnforschung und Willensfreiheit, 2004, S. 268-290.

[62] Erwin Schrödinger, 1887 – 1961, Nobelpreis 1933, Auszüge aus „Das arithmetische Paradoxon – Die Einheit des Bewusstseins". Zitate von Einstein und Schrödinger aus: http://www.thunemann.de/martin/gott/

[63] Wolfgang Pauli: 1900 – 1958, Nobelpreis 1945, Physik und Transzendenz, Hans-Peter Dürr (Hrsg.), Bern u. a.: Scherz, 1986, S. 205

[64] Evangelischer Erwachsenenkatechismus, Gütersloher Verlagshaus 6. Aufl. 2000, S.60 und S.13. (keine weitere Quellenangabe).

[65]Aus: Armin Risi „Glaube und Wissen“ In: http://armin-risi.ch/Artikel/Philosophie/Glauben_und_Wissen.html. 12/2013.

[66] Nach Arthur Eddington, aus John Lennox: Hat die Wissenschaft Gott begraben? R. Brockhaus Verlag; 2. Aufl. Wuppertal 2002, S. 44.

[67]Marcel Proust: In: `Combray´, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1986, S.175.

[68] Heinzpeter Hempelmann: Eine kritische Analyse der Reichweite und Grenzen wissenschaftlicher Aussagen am Beispiel der Neurowissenschaften. In: http://heinzpeter-hempelmann.de/hph/wp-content/uploads/2013/01/%C3%A4pfel.pdf

[69] Chomsky, Noam: Language and Problems of Knowledge: The Managua Lectures, Lecture 5, 1988, p. 159

[70] Aus Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Kognition  2/ 2014. (Hervorhebung von mir).

[71] Beide Literaturangaben bei H. Schauenburg, Deutsches Ärzteblatt, https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=64412, 2009.

[72] Nach Schischkoff, STW Idealismus.

[73] Es geht in diesem Abschnitt um den sogenannten idealistischen Humanismus. Bezüglich des `materialistischen Humanismus‘ gilt im Wesentlichen das im Abschnitt `Materialismus’ Gesagte

[74] Wikipedia, Stichwort ` Humanismus‘, 1/ 2014.

[75] https://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/epik/humanismus.htm. 2013. (2016 nicht mehr verfügbar).

[76] Schischkoff, Stichwort ` Humanismus‘.

[77] Wikipedia STW Humanismus, 1/2014. Siehe auch http://ezw-berlin.de/html/3_166.php `Humanismus´.

[78] Aus: Arnold Keyserling, Geschichte der Denkstile. In: http://schuledesrades.org/palme/books/denkstil/?Q=1/1/3/109 3/2016.

[79] Wolfgang Leppmann: Goethe und die Deutschen – Vom Nachruhm eines Dichters. W. Kohlhammer Verlag, 1962, S.193.

[80] S.a. meine Kritik an der Verabsolutierung von Individuation und Reifung a.a.O.

[81] Friedrich Kirchner in: http://www.textlog.de/1926.html

[82] Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Religionskritik 2/2014.

[83] Rudolf Kuhr: Warum ich kein Christ bin; In: http://www.humanistische-aktion.de/christ.htm 2/ 2014.
(Frage: Wenn Herr Kuhr eine todkranke Tochter hätte, würde er ihr das Gleiche sagen? Ich hoffe nicht.)

[84] Spiegelgespräch mit John Gray DER SPIEGEL aus http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-69277681.html 9/2010.

[85] John Gray: „Von Menschen und anderen Tieren - Abschied vom Humanismus" Verlag Klett-Cotta, 2010. S.13

[86] Evangelischer Erwachsenenkatechismus s. Lit.verzeichnis S. 368/ 371.

[87] Evangelischer Erwachsenen Katechismus, Gütersloh, 6. Aufl. 2000. S.381. [Zusatz von mir].

[88] Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Humanismus  2/ 2014.

[89] Zitat von F. Schleiermacher oder Grillparzer. (D.h. Menschsein ohne Rückbindung an Gott führt dazu, dass der Mensch zum Tier wird).
Die französisiche Revolution kann dafür ein Beispiel sein.

[90] Rudolf Bultmann: Geschichte und Eschatologie. J.C.B. Mohr - Paul Siebeck, Tübingen, 1979, S. 80 einer Leseprobe im Internet, 2014.

[91]Matthias Zimmer In: http://www.gruene-bundestag.de/fileadmin/media/gruenebundestag_de/themen_az/enquete_wachstum/PDF/vortrag_zimmer.pdf ,2011

[92] Bert Hellinger, Aus: http://www2.hellinger.com/home/bert-hellinger/interview-mit-bert-hellinger-von-den-urspruengen-zum-status-quo/
(Keine Datumsangabe).

[93] 1. Die nachfolgenden Beschreibungen der wichtigsten nichtchristlichen Religionen erfasst notgedrungen nur das, was mir für unser Thema als das Allerwesentlichste erscheint. Zudem gibt es in jeder Religion unterschiedliche Strömungen, die ich hier aus Platzgründen ebenfalls vernachlässige.
2. Weitergehende Literatur: Heilung in den Religionen, herausgegeben von Veronica Futterknecht.

[94] Sehe ich selbst nicht als zwingend an. Siehe z.B. die Zusage Jesus an den Verbrecher, der mit ihm gekreuzigt wurde und wahrscheinlich nicht getauft war, dass er „heute noch mit mir im Paradies“ sein wird.

[95] Man könnte diese Geschichte auch auf die Verhaltenstherapie, die Psychoanalyse oder diese Metatherapie beziehen.

[96] © 2004 Islamisches Zentrum München.

[97] 1. und 2. auf Arabisch zu sprechen.

[98]Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Aischa_bint_Abi_Bakr , 2014.

[99] Großer Brockhaus.

[100] Bis auf wenige Ausnahmen, von denen ich glaube, dass sie so nicht von Jesus stammen. Warum? Bis zur Aufzeichnung seiner Worte vergingen mehrere Jahrzehnte. Die Verbreiter seiner Botschaft waren, denke ich normale Menschen, die manches auch missverstanden. (Siehe später Näheres dazu).

[101] Michael Hamerla: http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/die-erloesungswege-des-buddhismus-aid-1.2637929  12/2011.

[102] Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus 10/2013.

[103] Der christliche Standpunkt, den irdischen Dingen keine absolute Bedeutung zuzumessen, scheint dem Ziel im Buddhismus, das Nirwana zu erreichen, sehr ähnlich zu sein. In der christlichen Religion aber geht es nicht darum, dem Irdischen keine Bedeutung mehr beizumessen, sondern ihm bezogen auf das +A, Gott, eine relative Bedeutung zu geben, sich so, mit dem +A im Zentrum, mit voller Kraft und im Kern unangreifbar dem Irdischen zu widmen.

[104] im Gegensatz zum christlichen Glauben, der eine Befreiung und Bestätigung meiner Individualität verspricht.

[105] V.a. aus: http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/die-vielen-gesichter-des-hinduismus-aid-1.2636663  Serie - Weltreligionen (2): Die vielen Gesichter des Hinduismus; und
Michael Hicke: http://www.klassenarbeiten.de/referate/religion/hinduismus/hinduismus_55.htm (ohne Datum).

[106] M. Pöhlmann in: Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW http://ezw-berlin.de/html/4154.php ; 2011.

[107] Es besteht aber die Gefahr, von Glaubensstärke auf Gesundheit bzw. umgekehrt von Krankheit auf Glaubensschwäche zu schließen.

[108] Dieter Claessens: Familie und Wertsystem, [1962], 4. Auflage, Duncker & Humblot, Berlin 1979.
Erik H. Erikson, Der vollständige Lebenszyklus, Frankfurt am Main 1992.

[109] Wie sagt man auch? „Der beste Ratschlag wird zum Schlag, wenn man ihn befolgen muss.“

[110] Dabei verzichte ich aus Platzgründen auf sicher auch notwendige Kritik an den Kirchen und ihren Praktiken selbst. Ich glaube aber, dass sie zurzeit trotzdem eine relativ positive Rolle spielen.

[111] Ich habe das Neue Testament hinter der Liebe genannt. Begründung:
Selbst die Jünger Jesu lebten keineswegs immer im heiligen Geist, sondern machten Dinge, die eklatant gegen diesen verstießen. (z.B. Petrus, der so hartherzig mit Ananias und dessen Frau Saphira umging, dass beide starben, nur weil sie „etwas vom Geld“ das sie der Gemeinde geben sollten, zurückbehalten hatten, Apg 5,1–11). Deshalb werden die Jünger und ihre Nachfolger manches, was Jesus übermittelte, nicht unbedingt in diesem Geist der Nachwelt übermittelt haben, sodass man den Bibelstellen gegenüber skeptisch sein sollte, von denen man den Eindruck hat, dass sie nicht dem Geist der Liebe entsprechen. Wobei der „Geist der Liebe“ keineswegs nur ein bequemer ist!

[112] Selbst abwertende Äußerungen von Paulus über die Frauen wie „Das Weib schweige in der Kirche“ oder über die „Werke des Fleisches“, die Denjenigen, der sie tut, nicht in den Himmel kommen lässt (Gal 5,19ff; Rö 1,28ff; Tit 1,10ff ) auch Offbg. 2,26-28, die nicht dem Geiste Jesus entsprechen und viel Schaden angerichtet haben, wagt man nicht aus der Bibel zu entfernen oder sie als fragwürdig zu kennzeichnen.
(STW: Verbalinspiration Irrtumslosigkeit der Bibel).

[113] Nach einem Cartoon vom Kirchentag München.

[114] http://www.geschichtsforum.de/f78/die-bekanntesten-religionskritiker-und-ihre-ans-tze-33596/; und
Weinrich, Michael: Religion und Religionskritik; Göttingen, 2.Aufl. 2012.

[115] Im Original: S. Freud: Gesammelte Werke, Band 7, S. 129­139; Band 14, S. 323­380; Band 15, S. 170­197

[116] Diese 3 Zitate stammen aus verschiedenen Blogs aus dem Internet.

[117] G. Rudolf und P. Henningsen, aus: Psychotherapeutische Medizin und Psychosomatik, Hrsg. von Gerd Rudolf und Peter Henningsen 6. Aufl. Thieme Verlag 2008, S.76.
Welches Missverständnis: Gott sagt zwar, dass wir möglichst nicht „sündigen“ sollen, dass das aber nicht entscheidend ist, sondern dass er uns liebt, wie immer wir auch sind, also auch böse, aggressiv usw. Oder Paulus: „Alles ist erlaubt, aber nicht alles ist gut.“ (1Kor 6,12)

[118] Herbert Schnädelbach In: »Die Zeit«, Nr. 20, 11.5. 2000.

[119] Eine Ausnahme war wahrscheinlich Friedrich Nietzsche, der von Jesus ein durchaus widersprüchliches, d.h. z.T. sehr positives Bild wiedergibt.

[120] Wenn man dieser Interpretation folgt, wäre die Bezeichnung `Vertreibung´ nicht richtig. Es müsste dann besser vom Verlassen des Paradieses gesprochen werden.
Vgl. auch Platons Idee, `wir müssten schon einmal in einer höheren Welt heimisch gewesen sein´. (Nach Nietzsche zitiert und von ihm kritisiert).

[121] Missverständlich ist bei Paulus Röm. 5,12.

[122] Reich, Ruedi. In: Zur Ökumene verpflichtet´. Hrsg. Eva-Maria Faber, Schriftenreihe der Theologischen Hochschule Chur, Bd. 3, Academic Press Fribourg, S.41, 2003.

[123] 1. Bei dem Muss, das hier gemeint ist, geht es um ein unbedingtes, alternativloses Muss, so wie man den Begriff auch im Allgemeinen versteht. Ein bedingtes Muss lässt die Möglichkeit zu, es nicht zu erfüllen. Beispiel dafür: Um vom Ort A zum Ort B zu kommen, müsste P sich bewegen. P kann sich aber entscheiden, am Ort A zu bleiben.
2. Hypothese: Letztlich stellen alle Weltanschauungen, die ich kenne, außer der christlichen, an die Menschen irgendwelche unbedingten Anforderungen.

[124] Eine Übersicht über die Ideologien findet sich in der Übersichtstabelle Spalte E und im Kapitel Metapsychiatrie.

[125] Georg Büchner in einem Brief an seine Verlobte Wilhelmine Jaeglé, Januar 1834.

[126] Siehe etwa entsprechende Konzepte und Programme zur Selbstoptimierung, Selbstinszenierung usw.

[127] Ausgenommen davon wäre die sogenannte absolute Wahlmöglichkeit.

[128] „Der arabische Begriff Islām ...  bedeutet mithin `Unterwerfung (unter Gott)´, `völlige Hingabe (an Gott)´."
https://de.wikipedia.org/wiki/Islam
, 12/ 2016.
Im Christentum gibt sich Gott hin (ohne sich aufzugeben) und der Mensch wird als Ebenbild Gottes „definiert“- eine Identität, die er auch als „Sünder“, der er normalerweise auch ist, nicht verliert.

Wikipedia, Stichwort Islam, 12/ 2013.
Im Christentum wird der Mensch als Ebenbild Gottes „definiert“- eine Identität, die er auch als „Sünder“, der er normalerweise auch ist, nicht verliert, weil das nur eine untergeordnete relative Identität darstellt.

[129] Die einzelnen möglichen Vorteile kommen vor allem in den sogenannten Hyper-Formen zum Ausdruck und sind in der Übersichtstabelle in der Spalte N unter nachlesbar.

[130] Im OriginalKurt Marti: „Gott, das ist jener Große, Verrückte, der immer noch an Menschen glaubt.”

[131] Charakteristika des Zweitrangigen siehe auch Übersichtstabelle Spalte L und M.

[132] Großer Brockhaus, Stichwort `Existenzphilosophie‘.

[133] Zitiert aus Wolfgang Wöller und Johannes Kruse: Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie. Schattauer, Stuttgart, 2005, S.21ff.

[134] Axel Kühner, Neukirchener Kalender, 18.5.2010.

[135] H. Wahl S. 252

[136] H. Wahl S.301.

[137] Aus Pfeifer, Samuel: Die Schwachen tragen; Brunnen Verlag, 2005. Dort auch Hans Küng: „Verdrängung der Religion in der Psychiatrie“.

[138] Dazu im Teil `Psychotherapie‘ Näheres.

[139] Hier nur Stichpunkte. Sonst siehe Kapitel `Widerstand´ im Teil `Psychotherapie'.

[140] Siehe auch: Eugen Drewermann `Sünde und Neurose´.