III. P S Y C H O L O G I E
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Allgemein: Person und Psyche

Einführung

In diesem Kapitel geht es allgemein um Person und Psyche.
Da die Begriffe Person und Psyche in ihrer Bedeutung sehr ähnlich sind - der Begriff Person ist etwas weiter gefasst - behandele ich hier beides.
Für beides steht abgekürzt `P´, es sei denn ich kennzeichne das Gemeinte extra.
Während der Begriff `Mensch´ Geist, Seele und Leib umfasst, liegt der Schwerpunkt der Bedeutung von Person und Psyche im geistig-seelischen Bereich. Deshalb scheint mir der Begriff der Person für unser Thema geeigneter als der Begriff Mensch.
Ich nannte die Parallelen im `Aufbau´ der Welt und der Person in ihrer jeweiligen psychischen Relevanz. Also Parallelen zwischen `äußerer´ Welt einerseits und der Person und ihrer inneren Welt, der Psyche, andererseits. Wegen dieser Parallelen lassen sich Wiederholungen aus dem  Teil `Metapsychologie´ nicht vermeiden.[1]

Definitionen

Übersicht

• Psychisch Relevantes (pR): Alles für die Psyche des Menschen Bedeutsame.
• Welt (W): Mensch und Umwelt.
• Mensch: Gesamtheit des Geistigen, Psychischen und Körperlichen.
• Person (P): Der individuelle Mensch v.a. in seiner geistig-seelischen Dimension.
• Psyche: Das personale psychisch Relevante.
• Ich (I): Individuelle Person in ihrer Gesamtheit.
• Selbst: Personales Absolutes (absolute Dimension der Person).
• Personales Etwas: personales Relatives (relative Dimension der Person, v.a. der Körper des Menschen).[2]

Person

Der Begriff `Person´ wird in der Literatur etwas unterschiedlich definiert:
`Person´
- „Bezeichnet... den Einzelnen in seiner menschlichen Eigenart." (Schischkoff)
- „Der Mensch als geistiges Einzelwesen" (Brockhaus)
- „Der Mensch als Individuum in seiner leiblich-seelischen Ganzheit und mit dem Vermögen eines sich selbst bewussten Ich ausgestattet.“ (Psychologie)
- „Mensch als individuelles geistiges Wesen, in seiner spezifischen Eigenart als Träger eines einheitlichen, bewussten Ich.“ (Wahrig)

Ich definiere Person wie oben angegeben:  „Der individuelle Mensch v.a. unter geistig-seelischen Gesichtspunkten."
Oder:  „Gesamtheit aller personalen Seins- und Lebensformen und Qualitäten mit ihren Zusammenhängen, repräsentiert durch entsprechende personale/ individuelle Substantive, Verben und Adjektive (und andere Sprachbestandteile) und deren Syntax in verschiedenen Dimensionen."

Psyche

Übliche Definitionen:

1. „Das heute vorherrschende Verständnis von Psyche bezieht sich auf das `Gesamtsystem´ aller jener (Lebens) `Regungen´, das `der Volksmund´ seit langem als Innenleben oder auch Seelenleben bezeichnet und dabei wie die wissenschaftliche Psychologie in Denken und Gefühlsleben unterteilt. Damit ist zuerst die Gesamtheit solcher `Lebensäußerungen´ oder Eigenreaktionen gemeint, die zuerst oder überhaupt nur der Selbst- oder Eigenwahrnehmung zugänglich sind und damit nur aus der subjektiven oder heute sog. `Ersten-Person-Perspektive´ beobachtet und beschrieben werden können … Mit Psyche wird somit heute vorwiegend die `subjektive´ oder `innere´ Erlebensseite des - im Ganzen auch Handeln und sonstiges Reagieren einschließenden - Gegenstandsbereichs der Psychologie gemeint. Sie wird vor allem in der Tiefenpsychologie einschließlich des dabei nicht (immer) Bewussten oder `Unbewussten´ zu erfassen versucht und in verschiedenen Ordnungs- oder Erklärungsmodellen dargestellt.“[3]
2. „Gesamtheit der an ein Subjekt gebundenen Erscheinungen der Widerspiegelung der Umwelt durch die höhere Nerventätigkeit.“[4]

Während die erste Definition mir naheliegt, liegt die zweite mehr im Mainstream der universitären Psychologie, die wie mehrfach erwähnt, fast ausschließlich eine rein objektivierende, wissenschaftliche Sicht bevorzugt. Das Hauptproblem einer asolchen Psychologie ist jedoch, dass die Psyche des Menschen sich nur ansatzweise und oberflächlich wissenschaftlich ergründen lässt. (s.a. Musalek). Einige Autoren, so auch ich, versuchen, diese Einseitigkeit zu überwinden. So Frank A. Gerbode „Damit wird die ursprüngliche Bedeutung der Psychologie wieder eingeführt, die `das Studium der Seele oder des Geistes´ beinhaltet, und die Anwendungsmittel der Metapsychologie spiegeln das beständige und allgemeine Ziel der Psychologien und der Religionen wider, egal ob man dieses Ziel nun das Erreichen des Heilseins, der Erleuchtung, des Glücks oder der Errettung nennt.“[5]
Es geht um erweiterte Perspektiven, nicht darum, die eine Einseitigkeit durch eine andere auszutauschen.
Nicht: Gehirn einerseits und Geist andererseits.
Nicht: Verhalten einerseits und Spiritualität andererseits.
Nicht: Psychologie einerseits und Philosophie oder Religion andererseits.

Neue Definition von Psyche

 Ich definiere Psyche als das personale psychisch Relevante.[6]
Und Psychologie definiere ich demnach als „Lehre vom personalen psychisch Relevanten.“
Psyche ist die Sphäre einer Person, die alles das enthält, repräsentiert und reflektiert, was für sie relevant ist.
Das umfasst alles, was das Innere der Person selbst betrifft, sowie das, was für die Person außerhalb von ihr von Bedeutung ist.
D.h. auch:

1. Die „Psyche“ ist nicht räumlich auf eine betreffende Person begrenzt. Sie hat zwar einen Kern (das Selbst bzw. das Ich-Selbst), der einzigartig und individuell ist, steht aber andererseits mit der Außenwelt in Verbindung und geht so über ihre eigenen Grenzen hinaus. Die Psyche eines jeden Menschen ist so auch in einen metapsychologischen Bereich eingebettet.
2. Die Psyche des Menschen ist nicht inhaltlich auf ein bestimmtes Thema oder auf bestimmte Aspekte zu reduzieren. Sie kann alles aufnehmen, beinhalten und reflektieren, was für den Betreffenden von Bedeutung ist. Diese Tatsache ist insofern wichtig, weil zu allen Zeiten die Tendenz bestand, die Psyche des Menschen auf einzelne Aspekte zu beschränken. Gegenwärtig besteht, wie öfter erwähnt, die Tendenz, die Psyche auf das nur Objektivierbare und nur wissenschaftlich Begründbare zu reduzieren - also vor allem die neurobiologisch Dimension zu beachten. Dabei haben alle diese Reduzierungen den Nachteil, dass sie diagnostisch und, mehr noch, therapeutisch unvollkommen sein müssen.
3. Für die Psyche des Menschen kann etwas absolute oder relative Bedeutung haben oder als nichtig angesehen werden. Am wichtigsten ist das, was für die Psyche des Menschen absolute, unbedingte Bedeutung hat. Dabei   kann etwas für den Menschen objektiv oder subjektiv von absoluter Bedeutung sein. Ungünstig ist es, wenn (und das spielt in dieser Arbeit eine besondere Rolle) subjektive und objektive Bedeutung sehr unterschiedlich sind. Umgekehrt ist es günstig, wenn das, was man subjektiv für bedeutsam hält, es auch objektiv ist.
4. Weil der Mensch sich selber reflektieren kann, ist er sowohl in der Subjekt- als auch in der Objektrolle. Hier besteht sowohl die Gefahr der Subjekt-Objekt-Spaltung, als auch der Subjekt-Objekt-Fusion oder -Auflösung. [7] 

Psyche hat, wie jedes psychisch Relevante, bestimmte Dimensionen und Differenzierungen.
Die Dimension der Psyche sind: absolute und relative (und null) Dimension bzw. deren 7 Synonyme.
Die Dimensionen existieren in bestimmter Rangordnung und Ausrichtung.

Die Differenzierung der Psyche leite ich, wie die des pR allgemein, von den oben genannten Sprachformen ab. Daraus ergeben sich vier Hauptdifferenzierungsaspekte der Psyche :
I. psychische Formen/Strukturen - abgeleitet von personalen Substantiven.
II. psychische Dynamiken/„Bewegungen“ - abgeleitet von personalen Verben und Prädikaten).[8]
III. psychische Qualitäten - abgeleitet von personalen Adjektiven.
IV. psychische Zusammenhänge, Subjekte, Objekte, Prädikate - abgeleitet von personaler Syntax.[9]

Das heißt: Psyche hat etwas zu tun mit dem, was für die Person relevante Substantive, Verben, Adjektive in jeweils absoluter, relativer oder nichtiger Bedeutung ausgedrücken.
Und psychische Zusammenhänge haben etwas zu tun mit dem, was für die Person relevante Subjekte und Prädikate resp. Objekte repräsentieren.

Die weitere Untergliederung  der Psyche (`2. Gliederungsebene´) entspricht der 2. senkrechten Spalte der Übersichtstabelle .
 In Stichworten kann man sagen: Psyche umfasst: personale Absolutheit/ Sinn, Identität, Wahrheit, Einheit (Ganzheit), Unbedingtheit (Sicherheit), Ursachen, Unabhängigkeit (a 1-a7), weiter: personales Alles und Nichts, Gott und die Welt, Ich und andere Menschen, Geist und Körper,  Geschlecht, Zustände, Strebungen, Besitz, Möglichkeit, Notwendigkeit, Pflichten, Rechte, Neues und Altes, Taten, Informationen, Wiedergabe, Bedeutungen, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, falsch und richtig (Einzelaspekte) und alle damit zusammenhängenden personalen `Bewegungen´, also Aktionen und Vorgänge - und sie hat mit deren Dimensionen zu tun, d.h. mit deren absoluter, relativer oder nichtiger Rolle.

3. Der `3. Gliederungsebene´ könnte man alle Begriffe der Übersichtstabelle zuordnen.

Ganz umfassend könnte man formulieren: Die Psyche einer Person umfasst alles das, was die Person angeht. Alles kann die Person/ die Psyche angehen. Immer geht die Person/ Psyche das an, was von absoluter  Bedeutung für sie ist. Das was sie angeht, findet den wichtigsten und differenziertesten Ausdruck in der Sprache (der eigenen und des über die Person Sprechenden). Auch: Alles, worüber eine Person spricht, ist Ausdruck ihrer Psyche. Dabei ist das jeweilige Absolute für die Psyche entscheidend. Auch: Der Inhalt der Sprache korreliert mit dem Inhalt der Psyche und die Sprachmuster korrelieren mit den Mustern der Psyche.[10]
  
 Vorteil dieser Definition:
Psyche wird anhand von wichtigen Sprachanalogien sehr wirklichkeitsnah differenziert und außerdem nach Dimensionsbereichen, deren Rang und Richtung eingeteilt, wobei diese wiederum personale oder psychisch relevante Einheiten bzw. Untereinheiten bilden.
Damit wird der Begriff `Psyche´ nicht nur auf den eigentlichen geistig-seelischen Bereich beschränkt, sondern umfasst auch begrifflich den Körper, der ja auch „beseelt“ ist. Der Körper ist somit Auch-(noch)-Psyche. Durch diese neue Definition wird dadurch m.E. viel deutlicher gemacht, dass es sich nicht um zwei getrennte Entitäten (hier Körper, dort Psyche) handelt, sondern um eine Einheit mit verschiedenen Akzentuierungen. Ich will damit versuchen, das altbekannte „Leib-Seele-Problem“, das zu einer dualistischen Sicht der Personen führen kann, zu vermeiden, indem ich den `Leib´ bzw. Körper mit in die Definition der Psyche hineinnehme.
Außerdem ist, wie gesagt, die Definition Psyche noch weiter gefasst, denn sie umfasst nicht nur die Person selbst, sondern auch alles außerhalb der Person, was für diese von irgendeiner Bedeutung ist.[11]

Person und Psyche nach Sprachformen differenziert und AR0 dimensioniert

Der `Aufbau´ von Person und Psyche soll jetzt ausführlicher dargestellt werden.[12]

Es besteht ein ähnlicher „Aufbau“ der Person wie der der Welt in ihrer psychischen Relevanz.
Dennoch bestehen, wie erwähnt, entscheidende Unterschiede: Die Person hat, wie erwähnt, absolute Wahlmöglichkeit, sie hat die Fähigkeit der Neuschöpfung und der Selbstreflexion.
Ich unterscheide sonst, wie bei der `Welt´, so auch bei der Person, drei Dimensionen: das Absolute, das Relative und das Nichts. Das personale Absolute nenne ich das `Selbst´, das personale Relative nenne ich personelles `es´ oder `Etwas´ und die individuelle Person `Ich´. Ich komme später darauf zurück.
   Im Folgenden leite ich das psychisch Relevante der Person (also ihre `Psyche´) so ab, wie ich das psychisch Relevante der Welt insgesamt abgeleitet hatte (s. `Metapsychologie´).
Psychisches lässt sich, wie das psychisch Relevante der Welt, den Sprachanalogien folgend, in die bekannten IV Hauptbereiche und 23 Einzelaspekte und ihre Dimensionen einteilen.
Psyche ist, nach den IV Hauptbereichen eingeteilt, das seelisch Relevante der Person mit ihren absoluten und relativen Dimensionen, ihrem Sein, Leben, Qualitäten und deren Kontext.

Ableitung der 4 Hauptdifferenzierungen mit absoluter und relativer Dimension:

                   

     Weitere Ableitung bis zu 23 Einzelaspekten:


  
         Abb. Differenzierte Ableitung der `Psyche´ in Analogie zur Sprache mit zentralem Absoluten und peripherem Relativen.
        Von den Differenzierungen her entsprechen grundsätzliche Sprachformen in der oberen Reihe psychisch relevanten  Aspekten der  unteren Reihe.
        Auf der rechten Seite findet sich eine Auflistung, die eine Differenzierung bis auf 23 Einzelaspekte zeigt.
        Es soll mit  dieser Abbildung auch deutlich werden, dass jeder Aspekt, wenn er nicht 0 (Nichts) ist, einen absoluten und einen relativen (grau) Anteil hat.

Das pers. Absolute (Selbst) = ist absolut, es selbst, eigentlich, einheitlich, unbedingt, primär, unabhängig (weiße Farbe).
Das pers. Relative (pers. Etwas) = ist relativ, fremder, uneigentlicher, uneinheitlicher, sekundärer, bedingter, abhängiger (graue Farbe).

Es bestehen gewisse Ähnlichkeiten des hier vorgestellten Systems mit ähnlichen Systemen in der Geistesgeschichte, wie die jüdisch-kabbalistische Sonnenblumenfigur, der „Himmelskreis“ der arabischen Astronomen, buddhistische Sinnkreise usw.[13]
Man kann Person und Psyche natürlich auch anders einteilen. Dennoch scheint mir das hier Vorgestellte prinzipiell gut geeignet, systematisch und umfassend, alles das, was mit Psyche und psychischen Krankheiten zu tun hat, darzustellen. (Später sind in der Übersichtstabelle noch weitergehende Differenzierungen nachzulesen).

Hypothese: Die Möglichkeiten der Substantivierung widerspiegeln möglicherweise auch die Möglichkeiten der Bildung seelisch relevanter Strukturen oder Substanzen.
Die Möglichkeiten der Bildung von Verben widerspiegeln möglicherweise die Möglichkeiten der Bildung von seelisch relevanten Aktionen und die Möglichkeiten der Bildung von Adjektiven widerspiegeln möglicherweise die Möglichkeiten der Bildung seelisch relevanter Qualitäten.
In Hinblick auf seelische Krankheiten wird uns in dieser Arbeit v.a. die Bildung überwiegend negativer seelisch relevanter `Dinge´ (Substantive) - hier Fremd-Absolutes bzw. Fremd-Selbst oder Es genannt, beschäftigen.
Übersicht über die  Einteilung von Person und Psyche

Die Begriffe Person und Psyche behandele ich hier wegen ihrer weitgehenden Übereinstimmung zusammen.

Die `Einteilung´ des Personalen/ Psychischen kann, wie die des allgemeinen psychisch Relevanten, erfolgen nach:

• Dimensionen:
- deren Bereiche (absolut, relativ oder 0-Bereich)

- deren 7 Synonyme
- deren Rang (erstrangig / zweitrangig)
- deren Ausrichtung (+ / − bzw. pro/ kontra).

• Differenzierungen durch Sprachformen, die personell relevant sind.
• „Einheiten“ = das, was sich als äußere und innere Einheiten in der Person repräsentiert.
(Sonst s. Tabelle rechts).

[Hinweise:
1.
Das personale Absolute nenne ich das `Selbst´ und dessen Bereich `Selbstbereich´.
2.
Im erstrangigen Personalen ist der  relative Bereich von P gleichzeitig ein Auch-Selbst-Bereich bzw. ein relativerSelbstbereich, wie man es nennen will, denn das relative Personale wird vom Selbst umschlossen. Das ist beim später im Teil `Metapsychiatrie ´ zubesprechenden zweitrangigen, fremden Personalen nicht der Fall.
3.Ich bitte die Leser, ihnen noch fremde Begriffe einfach zur Kenntnis zu nehmen - ich erläutere diese  in späteren Abschnitten].


Da im Unterschied zur allgemeinen Betrachtung der Welt jetzt Person und Psyche im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen, ist damit verbunden, dass einige Begriffe neu auftauchen oder genauer definiert werden müssen. Es geht insbesondere um die Begriffe `Selbst´, `Ich´ und `Es´.
Ich versuche diese Begriffe möglichst in der gleichen Bedeutung zu verwenden, die sie in der Umgangs-sprache haben, um so realitätsnah wie möglich zu bleiben. Andererseits sind Präzisierungen dieser Begriffe erforderlich. Dies auch, weil sie auch in der psychoanalytischen Literatur Zentralbegriffe sind.
Mit diesen gibt es eine Reihe von Übereinstimmungen, aber auch deutliche Unterschiede. (Dazu später mehr).
Wie gesagt, spreche ich der Einfachheit halber oft nur von `Person´, meine dann aber, wenn nicht anders gekennzeichnet, deren Psyche bzw. Seele mit.

Übersicht über die Einteilung von Person und Psyche

Einteilung von Person und Psyche (P)
DIMENSIONEN
                  Bereiche:
Absolutbereich (A)
A = Selbstbereich der Person/ Psyche
        A-Kern der Person/ Psyche
        Außen-A der Person/ Psyche =
Relativbereich (R)
R der Person/ Psyche
0  
Null bzw. Leerbereich von P
7 Synonyme von A / R
7 synonyme pers. A/R- bereiche
  Absolutes (Selbst)
Selbst (Identisches)
Eigentliches   (Wahres)
Einheitliches (Ganzes)
Unbedingtes.
Primäres
Unabhängiges
Relatives
Anderes
Mögliches
Teilweises
Bedingtes
Sekundäres
Abhängiges
  Rang                       1. erstrangiges Personales/ Psychisches
2. zweitrangiges  Personales/ Psychisches
0 nichtiges Personales/ Psychisches
Richtung            pro/+ pro/+ der Dimension
 kontra/−   kontra/− der Dimension
0 0 Person/ Psyche
DIFFERENZIERUNG
                      Hauptaspekte:
Sein (S) S der Person/ Psyche  
Leben (L) L der Person/ Psyche
Qualitäten (Q) Q der Person/ Psyche
Zusammenhänge (Z) Z der Person/ Psyche  Subjekte der Person/ Psyche Objekte der Person/ Psyche
Einheiten              1.
2.
3.
4.
5.
6.
Repräsentanzen von  Alles/ Einiges (Nichts)
Repräsentanzen von  Gott / Welt
Repräsentanzen von Personen / Dingen
eigene Ich- Repräsentanzen (z.B. Leib)
Repräsentanzen von Ideen /Dingen
Geschlecht d. Einheiten
                 weitere Einzelaspekte
 
z.B. Strebungen, Besitz, Möglichkeiten, . Notwendigkeiten, Pflichten, Rechte, Leistungen, Informationen, Darstellungen, Bedeutungen, Vergangenes… von/ in P.

Die Begriffe Person und Psyche behandele ich hier wegen ihrer weitgehenden Übereinstimmung zusammen. Der Einfachheit halber verwende ich manchmal nur den einen oder anderen Begriff. Die Begriffe erstrangig/ eigentlich bzw. zweitrangig/ fremd verwende ich synonym. Auch hier verwende ich oft nur eine Bezeichnung.
Die Leser mögen entschuldigen, das ich in dieser Kurzfassung diese umfangreiche Problematik nur stichwortartig darstelle.

Diese Einteilung soll alle Aspekte von Person und Psyche erfassen.
Dabei sollen die Differenzierungsaspekte Person und Psyche so darstellen, dass sie alle Möglichkeiten ihres Gebrauchs wie in der Alltagssprache erfassen.
Die Dimensionen wiederum geben Auskunft darüber, ob diese Aspekte absolute, relative oder keine Bedeutung haben. Sie geben weiterhin über den Rang der Aspekte Auskunft, d.h. ob es sich um erstrangige oder fremde, zweitrangige personale/ psychische Formen handelt. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil die fremden, zweitrangigen Formen bei der Entstehung psychischer  Krankheiten eine wesentliche Rolle spielen. Anders gesagt, fremdes, zweitrangiges Personales/ Psychisches wird eher krank, vor allem dann, wenn diese fremden Anteile dominieren.
Die Dimensionsrichtung wiederum spielt in der personalen Dynamik eine Rolle - dazu im Teil `Metapsychiatrie´ mehr.

Die `Einteilung´ des Personalen/ Psychischen erfolgt also, wie die des allgemeinen psychisch Relevanten, nach:

• Dimensionen:
- deren Bereiche (absolut, relativ oder 0-Bereich)

- deren 7 Synonyme
- deren Rang (erstrangig / zweitrangig)
- deren Ausrichtung (+ / − bzw. pro/ kontra).

• Differenzierungen durch Sprachformen,
die personell relevant sind.
• „Einheiten“ = das, was als äußere und innere Einheiten für P relevant sein kann.

[Hinweise: 1. Das personale Absolute nenne ich das `Selbst´ und dessen Bereich `Selbstbereich´.
2. Im erstrangigen Personalen ist der  relative Bereich von P gleichzeitig ein Auch-Selbst-Bereich bzw. ein relativer Selbstbereich, wie man es nennen will, denn das relative Personale wird vom Selbst umschlossen. Das ist beim später im Teil `Metapsychiatrie ´ zu besprechenden zweitrangigen, fremden Personalen nicht der Fall
].


Da im Unterschied zur allgemeinen Betrachtung der Welt jetzt Person und Psyche im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen, ist damit verbunden, dass einige Begriffe neu auftauchen oder genauer definiert werden müssen. Es geht insbesondere um die Begriffe `Selbst´, `Ich´ und `Es´.
Ich versuche diese Begriffe möglichst in der gleichen Bedeutung zu verwenden, die sie in der Umgangs-sprache haben, um so realitätsnah wie möglich zu bleiben. Andererseits sind Präzisierungen dieser Begriffe erforderlich. Dies auch, weil sie auch in der psychoanalytischen Literatur Zentralbegriffe sind. Mit diesen gibt es eine Reihe von Übereinstimmungen, aber auch deutliche Unterschiede. (Dazu später mehr).

Dimensionen von Person und Psyche

Übersicht

Man kann 2 (oder 3) Dimensionsbereiche der Person unterscheiden.[14]



1. personales Absolutes (pA) = Selbst (S).
2. personales Relatives (pR) = personales Etwas.[15]
(3. personales
Nichts).



Selbst - das personale Absolute

                                                            Was lebt, ist unvertilgbar, bleibt in seiner tiefsten Knechtsform frei, bleibt Eins,
                                                            und wenn du es zerreißest bis auf den Grund, und wenn du bis ins Mark es zerschlägst,
                                                            doch bleibt es eigentlich unverwundet und sein Wesen entfliegt dir siegend unter den Händen. (F. Hölderlin)
Fragen bezüglich des Selbst

Gibt es überhaupt ein Selbst? Wenn ja, was ist das Selbst?
Hat jeder Mensch ein Selbst? Auch das Neugeborene? D.h. ist das Selbst bzw. das Ich-Selbst eine vorgegebene, angeborene Größe oder muss es sich erst entwickeln?
Ist das Selbst das, wie ich mich sehe oder das, wie mich andere sehen?
Ist das Ich-Selbst eine Einheit, wie Hölderlin dichtete (s.o.), oder gespalten, etwa zwischen „I und me“ (G.H. Mead) oder, wie bei Lacan, zwischen „je und moi“ oder wie bei Nietzsche, in Hinblick auf die Moral, immer ein „Dividuum", ein Gespaltenes? Ist das Selbst und dadurch auch das Ich also nie ein Individuum (Ungespaltenes)?

Selbst-Definitionen in der Literatur
In der heutigen Psychologie wird im Allgemeinen unter dem Selbst verstanden:[16]:
   
1. „System von bewusstem und unbewusstem Wissen einer Person darüber, wer sie zu sein glaubt.“
   
2. „Bezeichnung für die koordinierte Steuerung dieser Wissensprozesse, oft auch `Ich´ genannt, (so bei S. Freud)."   
3. „Bezeichnung für ein der Person inhärentes Entwicklungsprinzip, wobei das Selbst den Grund und das Ziel einer Reifung und Differenzierung der Persönlichkeit im Sinn der Selbstverwirklichung darstellt (C.G. Jung, C. Rogers u.a.).“
   
4. Selbst als „Summe der Selbst-Repräsentanzen“. Etwa O.Kernberg: „Das Selbst ist eine intrapsychische Struktur, die sich aus mannigfachen Selbstrepräsentanzen mitsamt den dazugehörigen Affekten konstituiert. Selbstrepräsentanzen sind affektiv-kognitive Strukturen, die die Selbstwahrnehmung einer Person... widerspiegeln.“[17]
   
5. Kohut spricht von „der Verwirklichung des in seinem Kern-Selbst hinterlegten (Lebens)-Entwurfes durch seine Taten.“
   
6. Ähnlich Tilmann Moser: „Kein Mensch hat ein angeborenes Selbst, das aus eigener Kraft zur Entfaltung käme … Aber es gibt ein angeborenes Bedürfnis nach der Entwicklung eines Selbst. Nur: Wer es nähren will, muß guten Boden in sich haben. Er muß sich so verhalten können, als hätte schon das Neugeborene eine Persönlichkeit, deren selbständiges Wachstum Freude bereitet. Und er muß ein selbständiger, mit sich weitgehend einverstandener Mensch sein, wenn er die neu sich bildende Selbständigkeit bejahen und mit Freude fördern will.“[18]
   
7. Selbst: „Die Gesamtheit der Eigenschaften, Einstellungen und Verhaltensweisen, die jemand als bezeichnend für die eigene Person empfindet … Gesamtheit der eigenen Person, die dem erlebenden, bewussten Ich als Inhalt gegeben ist.“ (Psychologie-Lexikon).[19]
   
8. „Vom Selbst sprechen wir dann, wenn das objektsuchende Ich sich selbst zum Objekt nimmt.“ (Rudolf)[20]
   
9. Aus der heutigen Sicht der Philosophie des Geistes wird ausgeführt: „Versteht man unter `Selbst´ den unveränderlichen Wesenskern einer Person, so werden die meisten Vertreter der Philosophie des Geistes wohl behaupten, dass es nichts Derartiges gibt. Die Idee von einem Selbst als einem unveränderlichen Wesenskern entspringt der christlichen Vorstellung einer immateriellen Seele. Eine solche Vorstellung ist für die meisten heutigen Psychologen und Philosophen aufgrund ihrer materialistischen Grundüberzeugung nicht akzeptabel. Doch auch die Idee eines konstanten materiellen Wesenskerns - etwa realisiert in einem unveränderlichen Hirnareal - scheint aufgrund der empirischen Ergebnisse von Entwicklungspsychologie, Entwicklungsbiologie und Neurowissenschaft unplausibel... Einige Philosophen erklären aufgrund dieser Probleme, dass wir aufhören sollten von einem Selbst zu sprechen. Dies ist allerdings eine Minderheitenposition. Am weitesten verbreitet ist die folgende Auffassung: Man solle unter dem `Selbst´ keinen unveränderlichen Wesenskern verstehen, sondern etwas, das sich in permanenter Veränderung befindet ... Es ist zudem erstaunlich, wie sich einige Überlegungen der modernen Philosophie des Geistes auf diesem Gebiet mit traditionellen Ansichten außereuropäischer Kulturen, etwa dem Buddhismus, überschneiden … Etwas, das sich in permanenter Veränderung zeigen kann, sind Grenzen. Mit seiner momentanen Grenze kann auch das `Ich-Selbst´ exakt beschrieben werden als permanent wandelbare Grenze zum `Nicht-Ich-Selbst´. Die Frage an die Neurowissenschaft wäre daraus, wie sich Grenzen in neuronalen Ensembles präsentieren können.“[21]


    Dazu möchte ich nur kurz Stellung nehmen:
Die meisten Autoren unterscheiden nicht zwischen eigentlichem Selbst und uneigentlichem, fremdem Selbst.
Es wird i.d.R. auch nicht zwischen einem Kern-Selbst und einem relativen Selbst (Auch-Selbst) unterschieden.
Häufig wird unter dem Selbst das Bewusstsein seiner selbst verstanden, was aber etwas anderes ist.
Aus diesen Gründen kommt es zu sehr unterschiedlichen Definitionen.
    Zu den einzelnen oben angegebenen Definitionen:
    Zu 1. Sicher ist es letztlich Glaubenssache, was man unter dem Selbst versteht. Ich glaube, dass hinter dem Begriff des (eigentlichen) Selbst etwas Allgemeingültiges und Objektives steckt. Glaubt etwa eine Person, sie sei, weil sie krank ist, weniger wert, so hätte sie einen Minderwertigkeitskomplex, der den Betreffenden glauben macht, er sei weniger wert. `Tatsächlich´ aber ist Derjenige genauso viel wert wie jeder andere Mensch. In diesem Fall irrte die Person in ihrem Glauben. Sie glaubte dann an etwas, was ich Fremd-Selbst nenne.
    Zu 2. Diese Definition würde ich dem, was ich unter dem Begriff `Ich´ verstehe, zuordnen.
    Zu 3. Bei Definition 3 liegt mir nahe, das (eigentliche) Selbst als Grund und Ziel zu sehen.
Die Annahme eines solchen Selbst hat viel Ähnlichkeit mit dem Entelechiekonzept von Aristoteles und meint vielleicht dasselbe: Nämlich dass es etwas in uns gibt, „was sein Ziel in sich selbst hat ... Ein `aktives Prinzip´, welches das Mögliche erst zum Wirklichen macht und dies zur Vollendung seines Daseins bringt ... Die Entelechie des Leibes, die sich in der Gestaltung, in den Veränderungen und Tätigkeiten des Körpers verwirklicht, ist nach Aristoteles die Seele. Der Begriff Entelechie tritt in allen teleologischen Systemen auf, so besonders bei Thomas von Aquin und Leibniz. Für Goethe ist Entelechie `ein Stück Ewigkeit´, das den Körper belebend durchdringt. In der gegenwärtigen Naturphilosophie ist Entelechie `eine Wirkmächtigkeit, die nicht blind wie die physischen Naturkräfte, sondern sinnentsprechend … ist. Die Entelechie ist etwas Reales, aber nicht etwas von physischer oder psychischer Realität, sondern von metaphysischer Realität.´ (H. Conrad-Martius)."[22]
Wenn diese metaphysische Realität eine Transzendenz hat, welche die Person gleichzeitig liebend umschließt, dann scheint mir das die stärkste Selbst-Definition zu sein. Wenn aber „Reifung, Differenzierung, Selbstverwirklichung“ primär von der Person selbst geleistet werden müssen, sind das für mich eher Ich-Funktionen. Damit würde aber nur ein Teilaspekt des Selbst, das `Auch-Ich-Selbst´ gekennzeichnet, aber nicht der Kern des eigentlichen Selbst, der von selbst wirkt. Natürlich ist es gut, sich um sein eigentliches Selbst zu bemühen, aber nicht in dem Sinne, es herstellen zu müssen, eher i.S. sich seiner bewusst zu werden. Etwas poetisch ausgedrückt: Es ist nicht die Sprache der Liebe (oder die Gottes), dass ich den Grund meines Lebens erst errichten, verwirklichen und entwickeln müsste, statt ihn nur zu wählen. Haben wir nicht schon eine Existenz- und Selbstberechtigung, ohne sie (aus uns selbst) erst begründen und herstellen zu müssen? Ich wünsche meinen Kindern jedenfalls auch dann ein stabiles Selbstwertgefühl, wenn sie sich nicht „verwirklicht“ haben, wenn sie im Reifungsprozess und in ihrer Entwicklung stehengeblieben oder gar zurückgegangen sind - und wer von uns ist davon nicht betroffen? Das, was ich dann von meinem Selbst denke, wäre ja dann einem dauernden Auf und Ab unterworfen und so immer gefährdet.
    Zu 4.-6. Ebenso wäre ein Selbst im Sinne Kernbergs von vornherein ein eingeschränktes, schwaches Selbst und, aus meiner Sicht, letztlich nur die Summe verschiedener Fremd-Selbsts.[23] Das eigentliche Selbst jedoch gibt der Person in jedem Fall das Gefühl, immer sie selbst zu sein - und nicht nur dann, wenn eine entsprechende Repräsentanz oder Leistung vorhanden ist. Das Selbst umfasst die gesamte Lebensbreite und gibt so der Person immer Halt, Würde, Identität usw., auch wenn andere Urteile, etwa des Gewissens oder anderer Personen, dieses Selbst infrage stellen. Man kann das sicher nur glauben, dass man immer man selbst ist, wie auch immer man ist. Insofern sollte man sich auch über andere Selbstwahrnehmung hinwegsetzen und ein stärkeres Selbst wagen. 
    Zu 7. und 8. Definition für Gesamt-Selbst, die aber nicht zwischen Kern- und Auch-Selbst unterscheidet und keine Auskunft über ein angeborenes (Kern-) Selbst gibt.
    Zu 9. Das `Selbst´ als unveränderlichen Wesenskern zu sehen, entspricht weitgehend meinen Vorstellungen. Diese Definition beschreibt aber nur das Kern-Selbst und sieht auch nicht die Möglichkeit seiner Abwahl. So wie wir dem Menschen die absolute Wahlfreiheit gegenüber dem Absoluten an sich zugestehen, muss das auch für die Wahl des personalen Absoluten, des Selbst, gelten - wir also das von Gott gegebene positive absolute Kern-Selbst bestätigen oder abwählen können. Das wäre eine, wenn auch manchmal unbewusste Aktion oder Funktion des absoluten Ich-Selbst-Kerns. Das bedeutete auch, dass wir zwar einerseits ein angeborenes Kern-Selbst haben, gleichzeitig aber auch die angeborene Möglichkeit besitzen, dieses Kern-Selbst zu bestätigen oder zu verändern oder gar zu negieren. D.h. auch, das Selbst, das wir von Gott beziehen, wird uns von diesem nicht aufgezwungen, sondern angeboten. Ich sehe das als Zeichen einer unbedingten Liebe, die weder den Menschen in seiner Suche nach sich selbst alleine lässt, noch ihm ein Selbst aufoktroyiert.[24]
Ich glaube auch, dass das angeborene eigentliche Kern-Selbst zwar zu einer Persönlichkeitsentwicklung drängt, diese aber nicht automatisch vollbringt, sondern dass es durch den Betreffenden erst, und sei es unbewusst, angenommen bzw. bestätigt werden muss. Wie gesagt: Gott stülpt uns das Selbst nicht über, obwohl dieses ursprüngliche Selbst dem Menschen allerhöchsten Wert und größtmögliche Freiheit bei gleichzeitiger Orientierung zuspricht. Andererseits ist es normal, wenn wir hinter dieser Wertschätzung (der Gotteseben-bildlichkeit) zurückbleiben, normal, wenn wir die angebotene Freiheit nur teilweise wagen und noch normaler, diese Orientierungen zu missachten und unser eigenes Ding zu machen. Ist dann der (von Gott gegebene) eigentliche Wesenskern verschwunden? Ich glaube, dass er zwar unterdrückt oder zur Seite gedrängt werden kann, dass aber dennoch dieses eigentliche Kern-Selbst wie ein liebevoller, unaufdringlicher Begleiter weiter wirkt. Und zwar so, dass wir diese Spannung und Unerlöstheit merken und durch ihn zu mehr Mut zu uns selbst aufgefordert werden.
Für die Therapie ist wichtig, dass dieses angeborene Selbst, vor allem nach christlicher Auffassung, unangreifbar, nicht spaltbar und auch stärker als unser aktives Ich ist. (Siehe auch Abschnitt: `Ich-Stärke und Selbst-Stärke´ a.a.O.). Diese Auffassung vom angeborenen Selbst entspricht dem gleichen Glauben, der den allgemeinen Menschenrechten zugrunde liegt und in deren Präambel der Mensch ebenso mit einer angeborenen Würde und Freiheit und Gleichheit mit anderen, definiert wird. D.h. es gibt m.E. ein angeborenes Kern-Selbst, so wie es eine angeborene Würde des Menschen gibt. Der Mensch wäre sonst absolut manipulierbar. Zudem: Hätte er nicht ein angeborenes Kern-Selbst, dann würde er nicht in Konflikt mit sich kommen, wenn dieses verbogen würde.
Gibt es ein unsterbliches, ewiges Selbst bzw. Ich-Selbst? M.a.W.: Gibt es auch ein die Person durchtragendes, konstantes Selbst oder nur ein vorübergehendes inkonstantes?
Aus schulpsychologischer Sicht, soweit ich recherchiert habe, nur Letzteres, denn diese geht letztlich von einer atheistischen Position aus.
Es entspricht jedoch unserer Erfahrung, dass wir neben einem inkonstanten Selbstbild daneben auch das Empfinden haben, durchgehend Derselbe zu sein. D.h. zwar empfinde ich mich einerseits von Tag zu Tag oder von Lebensabschnitt zu Lebensabschnitt anders, andererseits habe ich dennoch den Eindruck, immer ich selbst zu sein, immer der Torsten Oettinger und kein anderer zu sein. M.E. besteht also beides nebeneinander: einerseits ein inkonstantes Selbstbild, das dem relativen Selbst entspricht und andererseits ein konstantes, quasi tieferes Selbstbild/ Selbstempfinden, das dem Kern-Selbst entspricht. Das Selbst bzw. die Person nur auf das relative Selbst d.h. auf seine Selbstrepräsentanzen zu reduzieren, bedeutet, das Allerwichtigste wegzulassen.
Die heutige universitäre Psychologie sieht das Selbst auch nicht als unteilbares Ganzes, sondern das Selbst zusammengesetzt, z.B. aus vielen Selbstrepräsentanzen (s. Kernberg). Man kann auch sagen: Der Mensch wird dann nicht als Individuum (der Ungeteilte) sondern aus Teilen zusammengesetzt, als Dividuum (der Geteilte) gesehen.
Diese Sicht kommt vor allem der Therapie schizophrener Psychosen insofern nicht zugute, weil ein Bild entworfen wird, wo durch die verschiedenen, letztlich instabilen und nicht durch ein größeres Ganzes zusammengehaltenen Selbstrepräsentanzen Bruchlinien vorgezeichnet sind, an denen es dann, bei entsprechender Belastung, zum Auseinanderbrechen der Persönlichkeit kommen kann. Analoges gilt auch für das Auseinanderbrechen von Gruppen bzw. Familien oder auch Gesellschaften.
Schließlich: Wenn dem Patienten kein Kern-Selbst, kein absolutes personales Selbst zugestanden wird, sondern nur ein bedingtes, relatives Selbst, dann wird der Patient wesentlich instabiler und vulnerabler sein, als der, der das Bewusstsein eines unbedingten absoluten und unangreifbaren Selbst hat.
Das, was Therapeut und Patient unter dem Selbst verstehen, erscheint so als ein wesentlicher Faktor der Psychotherapie.
[25]

Kritikübersicht

Vorherrschende Ansicht der universitären Psychologie/ -psychiatrie

   Christliches Selbstbild

    Das Selbst ist:
nicht angeboren,
nicht überdauernd (nicht unsterblich),
zerstörbar, teilbar.
Es besteht aus vielen Selbstrepräsentanzen, die nicht durch ein unzerstörbares Ganzes zusammengehalten werden. Diese Selbstrepräsentanzen können jederzeit verlorengehen. Sie, und damit auch das gesamte Selbst, müssen durch Anstrengungen des Ich aufrechterhalten werden.
Das Selbstbild entspricht einem relativen, attributiven Selbst und kennt nicht die hier beschriebenen absoluten Eigenschaften eines Kern-Selbst.
Meines Erachtens insgesamt ein schwaches, „anstrengendes“ Selbstbild, das keine optimale Grundlage für eine Psychotherapie ist.

    Das Kern-Selbst ist:
angeboren,
potenziell unsterblich,
unteilbar, letztlich unzerstörbar.
Es existiert von selbst (aus Gott), „funktioniert“ von selbst und muss nicht durch das Ich konstituiert und aufrechterhalten werden.
Außerdem hat die Person die freie Wahlmöglichkeit dieses eigentliche Selbst zu bestätigen oder ein anderes zu etablieren.
Da dieses Selbst von selbst lebt und nicht durch irgendwelche Anstrengungen der Person aufrecht erhalten werden muss, sondern im Gegenteil, für diese Basis und Kraftquelle darstellt und dadurch den Patienten erheblich entlastet, erscheint dieses Selbstbild für die Therapie besser geeignet.

 Eigene Selbstdefinitionen
Übersicht

Der Begriff `selbst´ umfasst für mich ganz allgemein jede Anwendung und Bedeutung des Wortes `selbst´ auch in der Umgangssprache.
Selbst = Überall dort, wo man (in sinnvollen Sätzen) `selbst´ sagen kann. Man kann so nichtpersonales Selbst (das beispielsweise die Identität von Dingen kennzeichnet) und personales Selbst unterscheiden. Da für unser Thema das personale Selbst wichtig ist beschränke ich mich im Folgenden darauf.
Man kann dieses wie folgt definieren: Überall dort, wo man in sinnvollen, personenbezogenen Sätzen `selbst´ sagen kann, handelt es sich um ein personales Selbst.
Dabei unterscheide ich ein Selbst, das es tatsächlich ist (a) oder solche, die es nur scheinbar sind - also fremde Selbsts sind (b).
Diese sind wie folgt konstituiert:

a) Das eigentliches Selbst, besteht aus:
    - Kern-Selbst oder `Nur-Selbst´; besteht aus:
                               transzendenter Anteil
                               personaler Anteil (personales Wahlabsolutes, siehe später).
    - Auch-Selbst (= relativer Anteil des Selbst)


  b) Fremd-Selbsts (FS) bestehen aus:
    - Kern-Fremd-Selbst ist gespalten und besteht aus:
                               Pro- (oder +) FS-Kern
                               Kontra- (oder –) FS-Kern
                               Nicht (0)-Selbst-Kern
    - Auch-FS ebenso wie Kern bestehend aus: Pro-(+), Kontra (–) und 0-Anteilen

(Hinweise: Der Einfachheit halber nenne ich das gesamte eigentliche Selbst - also Kern-Selbst plus Auch-Selbst - in der Regel nur `Selbst´ und bezeichne andere Arten oder Teile des Selbst extra. Wenn ich im Folgenden vom Selbst spreche, dann meine ich also dieses eigentliche, erstrangige Selbst oder ich kennzeichne es anders. Das Fremd-Selbst wird im Teil `Metapsychiatrie´erklärt).

Die Frage nach dem Selbst einer Person ist vor allem eine Frage nach der Identität des Menschen und eine Frage nach dem zugrunde liegenden Absoluten bzw. nach dem zugrunde liegenden Geist. D.h. unser Selbstbild sagt uns, wer wir sind, wes „Geistes Kind“ wir sind.
Es gibt hier viele fragwürdige Antworten: Hast du was, bist du was! Kannst du was, bist du was! Tust du was, bist du was! Weißt du was, bist du was! usw.
Offene Fragen: Was bedeutet denn Selbstverwirklichung? Was heißt es, wenn man sich auf sich selbst zurückfallen lassen soll oder auf sich selbst besinnen oder auf sich selbst verlassen soll?
Was ist mit diesem Selbst gemeint? Letztlich wer bin ich selbst?
Unterscheide: Das individuelle Absolute/ Selbst und das kollektive Absolute/ Selbst (s. später).

Das eigentliche Selbst

Wie gesagt wird hier unter dem Begriff des `Selbst´ das eigentliche ganze Selbst abgehandelt, es sei denn, es wird anders gekennzeichnet.[26]
So wie der Charakter des allgemeinen Absoluten (A) zuvor beschrieben wurde, so ist auch der Charakter des Selbst absolut. Es ist das personale Absolute.
Auch das Selbst hat 7 Synonyme.[27] Es ist, bezüglich der Dimensionen:
1. absolut
2. es selbst (mit sich identisch)
3. eigentlich
4. einheitlich, ganz
5. unbedingt
6. primär
7. unabhängig

Substantivisch ausgedrückt: Das Selbst ist das personale Absolute, das personale Mit-sich-Identische, das personale Eigentliche, das personale Einheitliche, Unbedingte, Primäre, Unabhängige und Selbstständige.

Frage: Was ist Kern-Selbst und was Auch-Selbst? Was ist absolut, was relativ?
    1. Antwort:
Das Kern-Selbst ist nur absolut, nur es selbst, nur eigentlich, nur einheitlich, nur unbedingt, nur primär und nur unabhängig.
(Man könnte auch formulieren: es ist absolut absolut, absolut es selbst, absolut eigentlich usw.)
Das Auch-Selbst ist auch absolut, auch es selbst, auch eigentlich, auch einheitlich, auch unbedingt, auch primär und auch unabhängig, aber gleichzeitig auch relativ, auch fremd, auch uneigentlich, auch uneinheitlich, auch sekundär, auch abhängig.
    2. Antwort:
Kern-Selbst = in einem Ausdruck oder Satz, in dem man nichts anderes, als nur `selbst´ bzw. eines seiner Synonyme einsetzen kann (invariant).
Auch-Selbst = wo man neben dem Begriff `selbst´, auch einen anderen Begriff einsetzen kann und sich beide nicht ausschließen.

Weitere Charakteristika des Selbst habe ich diesen 7 Synonymen zugeordnet. Ich nenne hier die wichtigsten in Klammern.
(Weitere sind in der Übersichtstabelle (a1-a7) genannt.)[28]
1. absolut (nicht vertretbar, bestimmend, verabsolutierend und relativierend).
2. selbst (mit sich identisch, einmalig, alleine bestehend, unauswechselbar, individuell...).
3. eigentlich (an sich, tatsächlich, wahr, wirklich, eindeutig...).
4. einheitlich (ganz, völlig, total, integer, unteilbar, umfassend, uneingeschränkt, unbegrenzt, eins...).
5. unbedingt (in jedem Fall, konstant, entscheidend, vorbedingungslos, am wichtigsten, existenziell...).
6. primär (zentral, grundlegend, übergeordnet, letztlich, ursächlich, direkt, ur-...).
7. unabhängig (selbstständig, losgelöst, frei, unverfügbar - aber wählbar, unberührbar, unantastbar...).

    Das Selbst als personales Absolutes ist Geist. Es durchdringt auch das personale Relative - v.a. die Seele, aber auch den Körper - die so Auch-Selbsts werden. Das Selbst wird aus Liebe geboren. (Die Fremd-Selbsts aus anderen Gründen). Das Selbst ist das personale Wichtigste, Wesentlichste, Existenzielle. Es erscheint als das personale Primäre, der Ur-Grund, die Ur-Sache, Ur-sprung, das letztlich Bestimmende. Es ist Identitätszentrum der Person, das eigentliche Persönliche.
Wie das Absolute (oder Gott, oder die Liebe) ist auch das Selbst nicht beweisbar. Es ist jedoch offenkundig (Evidenz), glaubwürdig, einleuchtend und erlebbar. Personell absolut kann nur eins sein. Hier gibt es nur entweder # oder (s. `Spaltungen´).
    Das Selbst an sich lässt sich, wie das Absolute (oder wie Gott), nicht definieren.[29] Man könnte sagen: Es definiert sich aus sich selbst, es ist selbsterkärend. Oder: Es ist sich selbst genug. Oder: Es ist definiert sich aus der Liebe/aus Gott. Ich denke, dass vor allem Eltern ein natürliches Empfinden haben, wenn sie dem Neugeborenen ein Selbst, wenn auch unbewusst, zusprechen. Für mich ist es schwer vorstellbar, anzunehmen, das Neugeborene habe noch kein Selbst oder es müsste sein Selbst erst erringen und entwickeln und könnte es jederzeit verlieren. Das trifft m.E. nur auf die Fremd-Selbsts bzw. auf das relative Selbst zu. Noch anders formuliert: Ich gehe, wie gesagt, davon aus, dass jeder Mensch ein eigentliches Selbst in sich trägt und so ein absolutes Selbstbestimmungsrecht und eine unbedingte Würde hat.

Ausführlichere Beschreibung des eigentlichen Selbst

Die Tabelle rechts gibt einen entsprechenden Überblick.


Einteilung nach:
SELBST
(eigentlich und erstrangig =S¹)
 
DIMENSIONEN  
Bereiche:      A
Selbst¹
        Kern -Selbst¹
                           Wahl-S¹
                          Gott im S¹
 
Auch-Selbst¹ =  relatives Selbst ´
   
  Synonyme: absolut, es selbst, eigentlich,  einheitlich, unbedingt primär,  unabhängig
R
 relatives Selbst´
= Auch-Selbst  
Ausrichtung:       +Selbst¹
  −Selbst¹
DIFFERENZIERUNG:  
Hauptdiffzg:      S
Sein des Selbst¹  
L Leben des Selbst¹
Q Qualitäten des Selbst¹
Z
 
 
Zusammenhänge des Selbst¹
       Selbst¹ als Subjekt
       Selbst¹ alsObjekt
Einheiten        1.
2.
3.
4.
5.
6.
Selbst-Repräsentanzen von  Alles/ (Nichts)
Selbst-Repräsentanzen von  Gott / Welt
Selbst-Repräsentanzen von Personen
Selbst-Repräsentanzen vom eigener P
Selbst-Repräsentanzen von Ideen /Dingen
und Geschlecht d. Einheiten
übrige Asp.
z.B. Strebungen, Besitz, Möglichkeiten, . Notwendigkeiten, Pflichten, Rechte, Leistungen, Informationen, Darstellungen, Bedeutungen, Vergangenes…
von/ aus sich selbst

Das eigentliche Selbst umfasst einen absoluten und einen relativen Selbst-Bereich.
• Der absolute Bereich, das Kern-Selbst hat eine absolute Qualität mit zwei Anteilen: Einem, wie ich glaube, von Gott gegebenen und einem anderen, der in der absoluten Wahl bzw. einer
absolute Grundeinstellung der Person zu diesem göttlichen Anteil besteht. Das eigentliche Selbst ist so göttlichen Ursprungs und vom Menschen angenommenes Geschenk. Man könnte wohl auch sagen: Es ist der Bereich, wo Gott und der Mensch eins sind; wo sich das Metaphysische mit dem Psychischen vereint. Oder, nach Trüb: „Jene Stelle, wo das Psychische, über sich hinausweisend, an das Metaphysische stößt.“[30]
Es ist der absolute Geist der Person.
Das Kern-Selbst gibt Kernidentität.
• Das „Auch-Selbst“ umfasst den relativen personalen Bereich, der im Wesentlichen den in der Literatur beschriebenen Selbstrepräsentanzen entspricht. Z.B. ich bin auch mein Körper, ich bin auch meine Gedanken usw. Aber auch: Ich bin auch Du, ich bin auch meine Umwelt usw.[31] Das „Auch-Selbst“ umfasst den relativen personalen Bereich, der im Wesentlichen den in der Literatur beschriebenen Selbstrepräsentanzen entspricht. Das Auch-Selbst ist teilbar, zerstörbar, kann zumindest partiell verloren werden und hat für die Person aus dieser Perspektive nur eine relative Bedeutung. D.h. die Selbstcharakteristika der Person bleiben auch bei Verlust der relativen Selbstanteile erhalten, weil das Kern-Selbst nicht verloren gehen kann. Beispiel: Auch wenn ich die Auch-Selbsts nicht mehr habe, bleibe ich Ich-Selbst. Diese Tatsache ist für die Therapie psychischer Krankheiten, vor allem derer mit Störungen der Identität oder Einheit der Person wichtig.
Das Selbst in der Psychologie entspricht i.d.R. diesen Auch-Selbsts , das man auch attributive Selbsts nennen könnte. D.h. man schreibt dem Selbst etwas zu, durch das es erst zum Selbst wird. Es hat so nur relativen Charakter, es ist keine Konstante, es hat keine Dauer usw. 

Zusammenfassend ist das +Selbst: der positive (der göttliche), eigentliche, beste Grund, die positive Basis, Ur-sache, Quelle, Sinn für den Menschen, kostenloses Geschenk, das von alleine, von sich aus + Wirkende, das Mühelose, das an sich Unantastbare, das Unbeugbare (nicht Deklinierbare), das Unbesiegbare, Unbegründbare, das Urvertrauen gibt, das von Gott gegebene +Absolute und Unabhängige, das aber der prinzipiellen Bestätigung durch das Ich bedarf. [Ʃ das personale ASEEUPU].


`Selbst´ im Sprachgebrauch

Verblüffend ähnliche Rückschlüsse darauf, was das Selbst ist und was es für eine Funktion hat, lassen sich ziehen, wenn man die Möglichkeiten des Sprachgebrauchs des Begriffes `selbst´ betrachtet:
Im Deutschen steht es mit dem Substantiv bzw. Personalpronomen. Obwohl es nicht alleine steht und grammatikalisch eher ein Schattendasein führt, hat es beim näheren Hinsehen doch eine außerordentliche Bedeutung.[32]
`Selbst´ steht für:
•„eigene Person“, „persönlich“ - d.h. für Unvertretbarkeit, Individualität (= Unteilbarkeit), Einmaligkeit = keine andere Person als die betreffende. („Er selbst hat das gesagt“, „Sie muss sich selbst entscheiden“);
Autorität[33] („Ich selbst habe das entschieden“),
• Selbst gibt der Person auch Identität (z.B. „Ich komme gar nicht mehr zu mir selbst“ u.ä.);
•`aus eigenem Antrieb´ („Er macht das von selbst“) - also für Freiheit;
•`mühelos´, `automatisch´(„Etwas läuft von selbst“) - also für Autonomie und Leichtigkeit;
•`durch und durch´ („Er ist die Ruhe selbst“) - also für Integrität;
•`selbstverständlich´ („Es versteht sich von selbst“) - also für Selbstverständlichkeit;
•`alleine´ i.S. von `für, sich alleine betrachtet´ („Das Haus selbst ist schön“) und für alleine i.S. von `sich selbst überlassen´; also für etwas Absolutes, Eigenständiges;[34];
• für `ohne fremde Hilfe´ („Das Kind kann sich selbst anziehen“) s.a. Wort `selbstständig´ - also für Unabhängiges.
•`ohne dass ein Zweck dahinter steht´ („Eine Sache um ihrer selbst willen tun“) - also für etwas Vorbedingungsloses;
•`Besinnung´ („Ich komme zu mir selbst“) - also für = Sinn, auch Identität;
•`im eigenen Interesse´ („Um deiner selbst willen“);
• im Sinne von `sogar´ (Adverb) für etwas Besonderes („Selbst Peter war bei dem Fest dabei“) auch („Selbst wenn...“) für Sicherheit.
• Schließlich hat `selbst´ (nach Fleischer) mit `freier Wahl´ zu tun. Es hat eine freie Position im Satz, begleitet das Personalpronomen. Es erscheint mir auch dadurch wie ein treuer, unaufdringlicher Begleiter.
• Die Sprache zeigt weiter, dass `selbst´ nicht flektierbar, also unbeugbar! ist. Es ist souverän. Es gibt keinen Plural von Selbst - so zeigt auch die Sprache, dass es nur ein eigentliches Selbst geben kann.
• In der griechischen Sprache heißt `selbst´ `autos´ und bedeutet dort auch persönlich. (Wenn wir etwas persönlich machen oder persönlich nehmen, dann hat es mit dem Selbst zu tun).

Wichtige Begriffe, die den +Selbstbereich beleuchten sind: Selbstbestimmung, Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl (= was ich glaube, was mein Selbst wert ist), Selbstverantwortung, Selbstverständlichkeit, Selbstverwirklichung (hier i.d. Sinne, das an sich schon Vorhandene in die Wirklichkeit, in das Leben umzusetzen), Selbstzufriedenheit.
Abzugrenzen sind hier besonders die Selbstsüchtigkeit und Selbstgefälligkeit einerseits und die Selbstlosigkeit andererseits. Die beiden erstgenannten Begriffe scheinen uns in ihrer überwiegend negativen Bedeutung klar. Der Selbstsüchtige und Selbstgefällige verhält sich so, als hätten sie selbst ihr Selbst geschaffen.
Was die `Selbstlosigkeit´ angeht, so bestehen hier, v.a. in christlich-humanistischen Kreisen, gravierende Missverständnisse. Wenn man den Begriff wörtlich nimmt, also darunter einen Menschen versteht, der kein Selbst mehr hat, so wäre das furchtbar, diesen Zustand anzustreben. Gemeint ist eigentlich, man solle versuchen, nicht selbstsüchtig und egoistisch sein, also zu versuchen, ohne Fremd-Selbst oder ohne „Ego“ zu leben. Allerdings sind die Begriffe `Fremd-Selbst-losigkeit´ oder `Ego-losigkeit´ unüblich. Sein Selbst los zu werden, wäre m.E. nicht im Sinne des Erfinders (Gottes). Es ist ein verbreitetes Missverständnis, zu meinen, Jesus habe sich selbst geopfert in dem Sinn, als habe er sich bzw. sein Selbst aufgegeben. Ich denke, er hat sein Selbst bewahrt und sich selbst geliebt.[35] In der Terminologie dieser Arbeit hat er freiwillig sein „Auch-Selbst“ gegeben (sein irdisches Leben und noch mehr), also etwas von sich, etwas, was wir vielleicht auch für geliebte Menschen opfern, aber nicht sein (Kern-)Selbst.[36]

Ein Plädoyer für ein eigentliches, ursprüngliches Selbst

Eine der wichtigsten Fragen des Menschen ist: „Wer bin ich selbst?“, „Was macht mein Selbst aus?“ Auch: „Bin ich gut genug?“ „Wenn nicht, wie werde ich es?“ „Oder bin ich um meiner selbst willen liebenswert?“ „Wie erringe ich Würde, Wert, innere Freiheit, Frieden und das Gefühl, dass ich der sein darf, der ich bin?“ „Wie und wann kann ich mit mir identisch sein?“ „Ist etwas in mir, was das ganze Leben - und vielleicht auch darüber hinaus - unverändert bleibt?“ „Kann ich auch zu mir stehen, wenn ich fehlerhaft oder gar böse bin?“ „Was muss man tun, um sich in seiner Haut wohl fühlen zu dürfen?“ „Was wären dann die Kriterien, die mich sicher machten: Jetzt hast du es geschafft, jetzt bist du wer, jetzt bist du Du-selbst?“ „Muss man überhaupt etwas tun und hat man nicht so, an sich, schon Anrecht auf eine Art angeborene Würde, Freiheit und auf immerwährende Existenzberechtigung?“ „Darf ich eine solche Sicherheit auch unabhängig von irgendwelchen Leistungskriterien und auch unabhängig von der Meinung anderer Menschen haben?“ „Könnte ich eine solche Sicherheit durch Schuld oder Schicksal verlieren?“ usw.
Die Leser werden sich, vermute ich, solche Fragen auch schon selbst gestellt haben, denn sie gehen uns alle an. Vor allem die, die an sich selbst zweifeln und leiden. Es ist offensichtlich, welchen hohen Stellenwert diese Fragen und die Antworten darauf in der Psychotherapie haben. Es ist deutlich: Je negativer die Antworten für den Menschen ausfallen, umso schwieriger wird es für ihn, also auch für unsere Patienten, seelische Stabilität und Gesundheit zu erreichen. Andererseits sollten diese Antworten auf die Grundfragen unserer Existenz auch nicht unrealistisch sein. Wenn wir uns nicht mit ihnen identifizieren können, nützen sie auch nichts, auch wenn sie noch so vielversprechend sind.
Es besteht noch ein begriffliches Problem: Wie nenne ich diesen wichtigen Bereich, um den es hier geht.
Mir scheint der Begriff des Selbst bzw. des Ich-Selbst am adäquatesten. Denn es geht um mich selbst bzw. um uns selbst.
Synonyme oder ähnliche Begriffe sind: Eigentliches, ursprüngliches oder wahres Selbst, angeborenes Selbst, angeborene Würde, eigentlicher innerer Kern und Innerstes, eigentliches Zentrum der Persönlichkeit.
Beim Versuch, die oben gestellten Fragen zu beantworten, muss man ehrlich zugeben, dass die Antworten nicht zu beweisen sind. Wenn man Glück hat, sind diese glaubwürdig und einleuchtend, nicht mehr. Es läge nahe, sich lieber nicht auf dieses unsichere Terrain zu begeben. Das vermeiden auch viele Psychotherapeuten bewusst. Sie halten sich an die harten, objektiven Fakten. Das Dilemma jedoch ist, dass der Mensch nicht nur eine Anhäufung von Zellen und Stoffwechselvorgängen ist, sondern sein Wesen hat mit Subjektivem, Individuellem, Einzigartigem und Einmaligem - also mit nicht Beweisbarem - zu tun. Und ich meine, dieser subjektive Bereich ist der für unsere Fragen am Wichtigste - zum Pech für unseren Wissensdurst, zum Glück für unsere Freiheit und Individualität.
    Ich glaube, der Mensch ist in seiner Mitte (im Kern-Selbst) im Wesentlichen schon und muss nicht erst werden. Was werden und sich entwickeln sollte sind Sekundärphänomene und nicht das Primäre. (Man möge mir verzeihen, wenn ich hier schon Gesagtes z.T. wiederhole, aber dieses Thema halte ich für ganz wichtig).
Beispiel: Nehmen Sie an, liebe Leser, Sie bekommen ein Kind. Ein neuer Mensch ist da - nackt und bloß. Man kann vielleicht ahnen, dass er Oma, Opa oder Tante Emma ähnlich sieht, aber sonst weiß man nichts von ihm, von seiner Persönlichkeit, seiner „Seele“, seinem Selbst. Er hat noch nichts vollbracht, ist noch jenseits von richtig oder falsch, gut oder böse, moralisch oder unmoralisch, charakterstark oder -schwach oder irgendwelchen Problemen. Obwohl dieses Kind also ein unbeschriebenes Blatt ist und nichts anderes vorweisen kann, als sich selbst, werden Sie, so glaube ich, diesem ihrem Kind, ohne nachzudenken und es beweisen zu können, folgende Eigenschaften zuerkennen:
„Du bist liebenswert.“ „Du bist wertvoll.“ „Du bist einmalig und einzigartig.“ Vielleicht auch: „Du bist wunderbar.“ Auch: „Du musst nicht so werden wie wir.“ „Wir wollen Dir helfen, aber Du kannst Dein Leben leben.“ „Du hast das Recht auf Selbstbestimmung. Du bist dazu frei.“ „Die Hauptsache ist da!“
Aber nicht: „Das Wesentliche muss nun erst kommen!“ Nicht: „Dein Werden ist wichtiger als Dein Sein.“ Usw.
Ich glaube, dass diese Gedanken und Gefühle, so wenig sie auch objektivierbar sind, dennoch wahr sind und für jeden Menschen gelten. Sie bedeuten: Das eigentliche Selbst des Menschen ist wertvoll, einzigartig, einmalig, frei, individuell.[37] Der Mensch ist so an sich. Durch sein bloßes Dasein. Nicht zu begründen, nicht zu beweisen - nur zu glauben oder „instinktiv“ zu fühlen. Das eigentliche Selbst, das ich auf Gott zurückführe, macht dies möglich.
Das bedeutet allerdings nicht: Der Mensch an sich ist gut.
Wir haben so das Problem quasi von außen betrachtet, nämlich welche Werte wir einem solchen Menschen zusprechen. Wie sieht es aber in demjenigen selber aus? Ich glaube, hier kommen wir zu denselben Ansichten. Ich denke, wir möchten um unserer selbst willen geliebt werden. Nur um unseres Da-seins willen. Nicht aus irgendwelchen Gründen und Beweisen. Wir wollen uns nicht beweisen oder rechtfertigen müssen, sondern auch ohne diese oder jene Taten liebenswert, einzigartig, einmalig und besonders sein. Mir scheint eine solche Sehnsucht, ein solcher Wunsch des Menschen ganz wichtig und zentral zu sein. (Religiös: Wir suchen den liebenden Gott und das Paradies).[38]
Es scheint mir von großer Bedeutung für die Annahme eines eigentlichen, angeborenen Selbst zu sein, dass das, was wir einer geliebten Person ohne Vorbedingungen zusprechen, dasselbe ist, was diese sich für sich selber wünscht. Noch ein weiterer Gedanke, scheint mir, macht es evident, dass wir ein solches eigentliches Selbst in uns tragen, das einfach da ist, weder begründbar oder beweisbar. Wenn ich mich frage: „Wer bin ich selbst?“ und mich über etwas anderes Zusätzliches als das Selbst definieren will, merke ich sehr deutlich, dass ich nicht mein Innerstes, mein eigentliches Selbst treffe. Und ich merke auch, wie ich mit solchen Definitionen deutlich hinter dem zurückbleibe, was mir mein Selbst zuspricht. Mit anderen Worten: Das, was ich im Leben erreicht habe, bleibt, auch wenn es noch soviel ist, weit hinter der angeborenen Würde, Freiheit und Wert, also meinem eigentlichen Selbst, zurück. Das, was wir praktisch kostenlos mit auf die Welt bringen, ist unser wertvollster Besitz. Auf die Frage: Wer bin ich? Kann ich antworten: „Arzt“. Aber das sind andere auch. Und sollte ich nicht mehr als Arzt arbeiten, verliere ich dann mein Selbst? Nein. Das alleine macht mein Selbst also nicht aus. Dass ich ein Mann bin, verheiratet, Torsten Oettinger heiße, drei Kinder habe, Hobbymaler bin usw. - macht das mein Selbst aus? Es macht mich auch aus. (=relatives Selbst oder „Auch-Selbst“). Etwas in mir jedoch ist ganz individuell, unverwechselbar, einmalig und begleitet mich unverändert, gibt mir tiefste Identität, obwohl sich doch sonst alles oder fast alles im Laufe des Lebens verändert. Was aber ist dieses Unveränderliche? Steckt es in den Genen? Geben sie mir meine einmalige Identität? Dann müssten Zwillinge dieselbe Identität haben. Sie haben sie zwar von den Genen her, fühlen sich aber als zwei Individuen. Das also kann es auch nicht sein. Man kann es kaum benennen. Dennoch. Wir kennen es genau. Da ist etwas - das Wichtigste. Ganz deutlich wird es bei der Liebe.[39] Bei der Liebe liebt man eigentlich den Anderen, um seiner selbst willen. Man liebt den Anderen einfach so und nicht primär aus irgendwelchen Gründen. Wenn der Partner gut aussieht, erfolgreich, gesund usw. ist, dann sind das sehr schöne Attribute - der eigentliche Grund für die Liebe ist es nicht. Liebe lässt sich in der Tiefe nicht begründen oder gar beweisen. Sie kann aber glaubwürdig sein. Wie gesagt, möchte man selber ja auch um seiner selbst willen geliebt werden. Wie fragwürdig wäre es, erführe man, der Andere liebte einen wegen der guten beruflichen Stellung oder wegen des Besitzes oder weil man so und so aussieht oder so moralisch wäre. Das spielt natürlich alles eine Rolle, das Eigentliche ist es aber nicht. Nein, man möchte, dass man selbst geliebt wird, dass also etwas geliebt wird, von dem man nur eine gewisse Ahnung hat, ohne genau sagen zu können, was es ist. Wie fragwürdig ist es auch, wenn ein Partner vom Anderen Beweise für dessen Liebe verlangt. (Meist tun das Menschen, die sich selber nicht um ihrer selbst lieben und deshalb auch nicht glauben können, dass ein Anderer sie um ihrer selbst willen liebt).
Ich will auch noch einmal darauf hinweisen, dass unser Selbst (genauer: unser Ich-Selbst) auch dann nicht verschwindet, wenn alles andere verloren geht, was uns sonst noch ausmacht. Selbst, wenn ich meinen Beruf verliere, bleibe ich ich selbst. Selbst, wenn jemand alt, krank, gebrechlich oder dement geworden ist, verliert er meines Erachtens nicht sein Selbst. Ja ich glaube, selbst, wenn man körperlich gestorben ist, bedeutet das nicht automatisch den Verlust des Selbst. Ich glaube, Liebe und das Selbst haben etwas Metaphysisches und Ewiges, weil sie göttlichen Ursprungs sind.[40] Deshalb kann man sie nicht so direkt fassen. Das sind natürlich Glaubens-aussagen. Ich will später noch einmal noch einmal darauf zurückkommen.
Wenn ich das Selbst schildere, wie etwas, das man an sich nicht verlieren kann und auf das man sich immer verlassen könnte, so scheint doch die Realität eine ganz andere Sprache zu sprechen. Jeden Tag kommen Menschen zu mir, die sich gar nicht so einmalig, einzigartig, frei und liebenswert fühlen - deren Selbst also völlig am Boden liegt. Was aus diesem eigentlichen Selbst geworden ist, soll uns später beschäftigen. Hier will ich nur sagen: das Selbst dieser Menschen ist für mich nicht verschwunden, d.h. auch sie sind für mich noch einzigartig, liebenswert, etwas Besonderes und noch prinzipiell frei. Der Betroffene selber glaubt das aber nicht und wagt nicht, so zu leben, weil das starke Gegenkräfte in ihm verhindern (s. auch unter `Widerstand´).
Das, was unser Innerstes, unser Selbst ist, wird so eine entscheidende Rolle in unserem Leben spielen, auch bezüglich der Fragen von Krankheit und Gesundheit.

Zusammenfassung über das Selbst (z.T. Wiederholung)

Jeder Mensch ist an sich einzigartig, unauswechselbar, einmalig = jeder Mensch ist ein einmaliges unverwechselbares Individuum. Von der Wortherkunft heißt Individuum typischerweise „das Unteilbare“. Das Selbst gibt Identität. Das Ich-Selbst ist der eigentliche und unverwechselbare Kern des Menschen. Man kann zwar allgemein über das Selbst der Menschen sprechen und ihm gemeinsame Charakteristika zuordnen, das einzelne Ich-Selbst bzw. Du-Selbst ist aber einmalig und hat an sich, nicht verfremdet, Identität.[41] Religiös ausgedrückt: Wir sind alle Gottes Kinder, aber jeder ist einmalig. Wir haben Identität mit uns selbst, wenn dieses Selbst die o.g. Qualitäten hat. Jene bekannte Antwort Gottes, auf die Frage, wer er sei, „Ich bin, der ich bin“, gilt an sich auch für uns, egal wer wir sind. Das empfinden wir ja auch den eigenen Kindern gegenüber so. Immer dürfen sie mit sich identisch sein, immer sind sie gut genug, immer könnten sie sich auf das beschriebene Selbst verlassen, nie bräuchten sie sich zu verleugnen.[42] Die hier genannten Charakteristika des Selbst sagen zwar, dass jeder von uns ganz einmalig und individuell ist, sie können natürlich nicht sagen, was das je Individuelle ist. Das je Individuelle ist durch das Ich-Selbst gegeben.
Das Selbst ist eigentlich. Es ist das Eigentliche. Es ist der eigentliche, vitale, existenzielle Bereich.
- Es ist der Grund des menschlichen Seins und Lebens. „Grund“ im doppelten Wortsinn: Es ist Ur-sache und Basis zugleich. Es ist auch Ziel; Es ist auch eine Antwort auf die Frage „Warum bin und lebe ich?“.
- Es ist frei und hat Autonomie. Das Selbst ist im Kernbereich absolut frei, im relativen Bereich relativ frei;
- von nicht zu überbietendem Wert und ist das Wichtigste eines jeden Menschen. Jeder Mensch hat an sich einen Wert, der höher nicht veranschlagt werden kann. Aus religiöser Sicht ist er Gottes Ebenbild, ja in den Psalmen steht sogar über die Menschen: „Ihr seid Götter“. Es hat deshalb etwas Absolutes, vielleicht sogar Heiliges an sich. Es ist göttlichen Ursprungs;
- Das Selbst ist potenziell ewig = jeder Mensch ist auf Ewigkeit angelegt.
- Es ist liebenswert und möchte auch um seiner selbst willen geliebt werden;[43]
- Es ist schon da, praktisch angeboren. Es ist also kostenlos. Man bekommt es geschenkt. Obwohl es das Wichtigste und Eigentliche des Menschen ist, hat man es umsonst. Man muss es nicht erst erringen oder verdienen. Das Selbst ist an sich selbstverständlich. Es ist an sich das einzige (personale) Selbstverständliche. Alles Relative, das wir uns oft absolut wünschen, ist an sich nicht selbstverständlich.
- Man ist sich des eigentlichen Selbst zunächst nicht bewusst. Man kann und sollte sich aber, auch um seiner selbst willen, seines eigentlichen Selbst bewusst werden und versuchen, daraus zu leben.[44]
- Das Selbst ist auf Selbstbewahrung hin angelegt. Ich will dies in dieser Arbeit versuchen zu zeigen. Wird das Selbst bedroht oder verletzt, so reagiert die Psyche - ähnlich wie der Körper - mit Symptomen. Das ist eigentlich gut so. Es besteht bei uns aber die Tendenz, diese Reaktionen schlecht zu finden und die Lösung einzig in einer symptomatischen Therapie zu sehen. Wenn wir aber wunde Füße durch zu enge Schuhe bekommen, so sollten wir nicht nur die Wunden behandeln, sondern uns um neue Schuhe kümmern. Nebenbei sei schon jetzt gesagt, dass es dabei passieren kann, dass man vorübergehend barfuß laufen muss.
- Wichtige Zeichen des Selbst sind „Ich bin“, „Ich will“ und „Ich darf“ - also die Wahrung des Selbstbestimmungsrechts und ein Leben auf der Basis des Freiwilligkeitsprinzips. Ihm entspringt das eigentliche, das primäre Leben. (Im Gegensatz zum fremdbestimmten, zweitrangigem Leben).
- Gott/ die Liebe ist der Schlüssel zum Selbst.
- Das Selbst ist im Kern ein letztes Stück Paradies in uns, das wir bewahren und schützen sollten. Es ist jenseits aller Verantwortung, bis auf die letzte; Es ist jenseits von richtig oder falsch, ja sogar jenseits von gut und böse, jenseits von Schuld - bis auf das letzte Gut oder Böse. Es steht über dem Gewissen.[45] Es ist im Kern überhaupt jenseits alles Relativen, damit der meisten irdischen Probleme. Es ist zwar bedrängbar, verdrängbar, unterdrückbar, aber es ist unvertilgbar, wie Hölderlin dichtete, man kann ihm letztlich nichts anhaben - es sei denn, dass der Betreffende es absolut nicht will. Sonst ist es nicht tot zu kriegen. Darauf sollte man vertrauen.
- Das Selbst ist gleichzeitig beste Integrationsbasis von allem Relativen und Verabsolutierten. Es integriert so auch das Falsche, das relative Böse und Schlechte, das Unmoralische, das Unnormale, das Kranke, das schwer Verzeihbare usw., ohne sich jedoch damit zu identifizieren oder beeinflussen zu lassen.[46]
- Das Selbst nimmt niemandem etwas weg.
- Das Selbst lebt im Kern von selbst, lebt von alleine, ist dadurch aber auch irgendwie alleine, d.h. abgelöst vom Relativen (s. auch später: Nachteile des Selbst und Vorteile des Fremd-Selbst).
- Es ist unbegründbar und nicht hinterfragbar wie das Absolute, wie die Liebe und wie Gott. Es ist deshalb auch nur zu glauben und nicht zu beweisen. Es muss sich deshalb auch nicht rechtfertigen. (Religiös: Gott liebt den Menschen um seiner selbst willen).
Es ist das Persönliche, die Substanz, das Kind (Gottes) in uns.
Selbstbewusstsein ist ein sich bewusst werden dieses eigentlichen Selbst.

Ich möchte noch einmal auf die analogen Charakteristika des Absoluten (s.o.) und des Selbst hinweisen. Deshalb kann man sagen, das eigentliche Selbst ist der +Absolutbereich der Person. Deshalb kann dieses Selbst auch als Puffer, als Löser gegenüber den relativen Problemen der Innen- und Außenwelt fungieren. Man könnte auch anhand der o.g. Einteilung die Positiva aller genannten Aspekte im eigentlichen Selbst vereinigt sehen. Im Selbst fällt die wichtigste Entscheidung. Das Ich-Selbst hat das letzte Wort über sich.
Das Selbst kann, wie das Absolute, vom Ich zwar gewählt und immer wieder erinnert, kann (und muss) aber nicht hergestellt werden.[47] Es hat seinen Ursprung, seine Quelle letztlich in Gott. Das Selbst ist wie ein Geschenk. Das Selbst ist leistungsunabhängig.
Der Mensch benötigt unbedingt ein Absolutes, also ein Selbst, ein Eigentliches, Einheitliches, Unbedingtes, Primäres, Unabhängiges. Lebt der Mensch nicht aus einem eigentlichen Absoluten, einem Selbst (+Geist), so muss er aus einem Relativen ein fremdes Absolutes bzw. Fremd-Selbst „machen“, da er nicht ohne Absolutes/ Selbst sein kann. Ist etwa kein eigentliches Unantastbares da, dann entsteht stellvertretend eine Ersatz-Abwehr; Besteht kein eigentlicher Selbstwert, dann entsteht ein Ersatz-Selbstwert; Besteht keine eigentliche Identität, dann wird eine Ersatz-Identität etabliert usw.

- Die Funktionen des Selbst: Zusammengefasst kann man sagen, dass das Selbst die Funktion hat, der PersonAbsolutheit zu geben und dem Relativbereich der Person eine absolute Basis zu sein.

Was sind die „Nachteile“ des Selbst?
Das Selbst ist nicht von vornherein bewusst.
Man kann es nicht vergrößern. Man kann es nicht erzeugen oder leisten. Man kann es praktisch nur wählen.
Man kann nicht beweisen, dass dieses Selbst „richtig“ ist, man kann es nur glauben.
Ein Mensch mit einem Selbst ist nicht mehr wert als andere.
Diese „Nachteile“ sind wesentliche Gründe für den Widerstand in uns, aus diesem Selbst zu leben. 


- Kurze Unterscheidung zwischen eigentlichem Selbst und Fremd-Selbst:
`Fremd-Selbsts´ kann man auch bedingte, zweitrangige, abhängige Selbsts oder personale Fehlabsolutheiten nennen. Sie liegen dann vor, wenn von Menschen Relatives (Etwas) absolut genommen wird. Dann entsteht neben dem eigentlichen Absoluten ein anderes, fremdes Absolutes, das zum Zentrum für zweitrangige Wirklichkeiten werden kann (s.u.) Sie sind für die Genese psychischer Krankheiten von grundlegender Bedeutung. (Zu den Fremd-Selbsts siehe v.a. im Teil „Metapsychiatrie“).
[48]

Das personale Relative

Ich unterscheide personales und nichtpersonales Relatives (z.B.  Dinge der Umwelt).
Für unser Thema wichtig ist das personale Relative. Man kann unterscheiden:
                        a) eigentliches personales Relatives
                        b) fremdes personales Relatives
                        c) verabsolutiertes Relatives in einer Person = fremdes Selbst (fS).

a) Das eigentliche personale Relative
(pRel¹) hat ein eigentliches Selbst zur Grundlage. Es ist auch erstrangig.
Es ist ein Auch-Selbst.
Hauptrepräsentant des personalen Relativen ist der Körper des Menschen. Umfassender gesehen ist das personale Relative v.a. die Dimension von `etwas´ (oder `es´) Personalem: vor allem von Dingen, Objekten, Funktionellem, Materiellem, Teilen von einer Person, aber auch von  relativ geistigen Anteilen von P¹.
[49]
b) Das fremde personale Relative hat ein fremdes Selbst zur Grundlage.
c) Wenn Relatives verabsolutiert wurde, besetzt es den Selbstbereich einer Person und spielt, wie erwähnt, in Form eines fremdenSelbst (fS) eine wichtige Rolle bei der Entstehung psychischer Krankheiten und wird im Teil `Metapsychiatrie´ genauer abgehandelt.



zu a) Das eigentliche personale Relative (pRel¹), also das `normale´ `es´ oder `Etwas´ ist das personale Abhängige, Bedingte, Nicht-Losgelöste, Angenäherte, Unselbständige, Untergeordnete, Sich-auf-anderes-Beziehendes, Je-nach-dem-Standpunkt Verschiedene. Es ist weniger wichtig als das Selbst und ist von ihm abhängig.
Parallel zu den 7 allgemeinen Synonymen des Absoluten wären 7 Synonyme des personalen Relativen, des `es´ oder `Etwas´ unterscheidbar.
Das personale Relative (es) ist (im Vergleich zum Absoluten und zum Selbst):
1. relativ(er)
2. fremd(er) (nicht einmalig, unselbständiger, nur relativ alleine bestehend, mit sich nur relativ identisch, auswechselbarer, weniger individuell...)
3. uneigentlich(er) (weniger an sich, weniger tatsächlich...dafür scheinbarer, unwirklicher, unwahrer, uneindeutiger, mehr- vieldeutiger...)
4. uneinheitlich(er) (weniger ganz, mehr teilweise, eingeschränkter, ausschließender, begrenzter...)
5. bedingt(er) (nur relativ unbedingt/ bedingt, unwichtiger, nicht existenziell...)
6. sekundär(er) (peripherer, oberflächlicher, untergeordneter, vorletzter, nur nachfolgend ursächlich, indirekter...)
7. abhängig(er) (gebundener, unfreier, verfügbarer, beweisbarer, berührbarer, antastbarer...).
(Abkürzung: „rfuubsa“).

An sich ist das personale Relative ja nicht losgelöst zu betrachten, deshalb ist es an sich nur im Komparativ zu beschreiben (also: es ist relativer, fremder, uneigentlicher... als das Absolute/ Selbst).
D.h. auch: das personale Relative (`es´ oder `Etwas´) reicht quasi vom
1. Selbst minus 1 über sonstiges personale Andere bis zum Nichtselbst plus 1.
Oder etwas anders formuliert:
2. Es reicht vom fast absolut (oder ganz) personalen Eigentlichen über das relativ Uneigentliche bis fast zum absolut Uneigentlichen,
3. vom fast vollständiger personaler Einheit über relativ Uneinheitlichkeit bis fast zum ganz uneinheitlichen Personalen,
4. vom fast ganz unbedingter Personalität über das relativ Bedingte bis zur fast völligen bedingten Personalität,
5. vom fast ganz primären Personalen über das vieles sekundäre bis fast zum allerletzten Personalen und
6. von fast völliger personaler Unabhängigkeit über relative Abhängigkeit bis fast völliger personaler Abhängigkeit.
Das personales Relative reicht bezüglich der
Seinsformen/ Wirklichkeiten: von absoluter personaler Wirklichkeit - 1 über viele personale relative Seinsformen/ Wirklichkeiten bis zum absoluten personalen Nichts + 1.
Bzgl. des Lebens: von absolutem personalen Leben - 1 über viele personale relative Lebensformen bis zum absoluten Tod + 1.
Bzgl. der Qualitäten: Vom absolut personalen Positiven -1 über viele personale relative Qualitäten bis zum absolut personalen Negativen +1.
Bzgl. der Zusammenhänge vom abs. Subjekt - 1 bis zum absolut nichtigen Objekt + 1.

Bezüglich der Ausrichtung: Wir sagten: Das pRel¹ reicht vom fast absolut personell Positiven bis zum fast absolut Negativen. Es hat also Grenzen zum +Selbst und -Selbst hin. Es kann zum +Selbst hin ein sehr gutes, fast vollkommenes R sein und so auch als relativ gutes Selbst fungieren. Auf der anderen Seite, zum −Selbst hin ist es fast ganz negativ. Aus der Sicht des +Selbst ist es immer das Negativere, wenn auch mit großen Unterschieden. Alles pRel hat so eine relativ positive (+) und eine relativ negative (−) Seite oder mehrere dieser Seiten. Ein rein positives oder rein negatives personales Relatives gibt es nicht, dann wäre es nicht mehr Relatives, sondern Absolutes. Diese Aussage ist in Bezug auf die seelischen Krankheiten, die ja auch nur personales Relatives sind, in mehrfacher Hinsicht wichtig. Insbesondere geht es um die Tatsache, dass Gesundheit nicht absolut positiv und Krankheit nicht absolut negativ ist. Darüber später mehr.
Das personale Relative hat also eine große Spannbreite und lässt sich an sich nicht mit einem Wort fassen (es ist eben nicht das Eindeutige). Die Redewendungen „Alles (Relative) hat zwei Seiten“ und „Alles hat seine Vor- und Nachteile“ sind bekannt. Das personale Relative ist, wie Relatives allgemein, zweipolig! Bei Aussagen über das Relative stimmen also m.o.w. beide bzw. alle seiner Seiten. (Natürlich können die verschiedenen Seiten unterschiedlich ausgeprägt sein). Es herrscht ein Sowohl-als-Auch, ein Überwiegen der einen oder anderen Seite, kein Entweder-Oder, Schwarz-oder-Weiß wie beim Fremd-Selbst. Im relativen Bereich können mehrere Aussagen (relativ) wahr sein, im Absoluten nur eine. Der personale Relativbereich ist hierarchisch aufgebaut. Es gibt pR-Hierarchien: Ein pRel kann dem anderen übergeordnet sein, wie Baum, Ast, Zweig, Blatt usw. pRel können (relativ) zusammenhängen oder relativ getrennt sein. (Sie hängen durch das übergeordnete Selbst zusammen).

Zur absoluten und relativen Dimension der Person: Man sagt: „Ich habe Arme, Beine, ein Herz, ich habe Verstand, eine Seele, einen Geist, Charakter” und so weiter. Das alles habe ich und bin es auch. Was aber bin ich nur? Wo bin ich nur ich und nicht auch ich? Wo sage ich normalerweise nicht „Ich habe das und das” und bin es trotzdem? Am ehesten trifft das auf das Selbst zu. Man sagt normalerweise nicht „Ich habe ein Selbst“, man sagt „Ich bin es selbst“ oder einfacher „Ich selbst...“.

Früherer verstand ich nicht, wenn jemand formulierte: „Ich selbst habe das und das getan” - oder ähnlich. Dann dachte ich, wer denn sonst als er hat das getan. Es reichte doch zu sagen: „Ich habe das und das getan.” Es scheint aber, als hätten die Menschen ein unbewusstes Gespür dafür, dass bei der Aussage: „Ich tue das oder das” das Subjekt `Ich´ nicht eindeutig bestimmt ist, so als gäbe es viele Ichs in einer Person und man unterschied zu Recht ein bestimmtes „Ich-Selbst” von anderen Ichs, die offenbar nicht Ich-Selbst, sondern Ich-Auch oder ein fremdes Ich bedeuten könnten. (Was der Auffassung dieser Arbeit entspricht.)

Wie ich später genauer zu zeigen versuche, spielt die Verabsolutierung von Relativem bei der Entstehung seelischer Krankheiten eine zentrale Rolle. Wenn man sich den geschilderten Charakter des Relativen einmal vor Augen führt, dann entspricht er im Prinzip dem des noch zu besprechenden Fremd-Selbst und findet sich bei den Hauptsymptomen wichtiger seelischer Krankheiten wieder. Besonders zwei Hauptmerkmale, die sich sehr ausgeprägt bei den sogenannten endogenen Psychosen wiederfinden lassen, entdeckt man schon im Relativen: Die Zweiseitigkeit des Relativen wird in der Schizophrenie (und anderen Krankheiten) als Spaltung erlebt und die beim Relativen immer auch vorhandene negative Seite wird in der Krankheit v.a. zur Depression. Es ist bereits jetzt zu erahnen: Je absoluter das Relative gelebt wird, desto stärker werden diese Symptome auftreten. Und: Je ausgeprägter die negative Seite des verabsolutierten Relativen ist, umso ausgeprägter werden die entstehenden Symptome, hier Spaltung und Depression, sein. (Später mehr dazu). Störungen im R-Bereich der Person haben dagegen nur relative Auswirkungen.

 Zusammenhänge zwischen Körper, Psyche und Geist


Die Abbildung symbolisiert die erstrangigen (!) Zusammenhänge zwischen Körper, Psyche und Geist.
Diese wirken ähnlich wie semipermeable Membranen:

    Der Geist durchdringt und bestimmt Psyche  und Körper (und die Psyche den Körper),
    so wie das Absolute(re) das jeweils Relative(re) durchdringt und bestimmt.

    In der umgekehrten Richtung wird der Geist weder von der Psyche, noch vom Körper dominiert,
    aber in Form relativer Rückkopplung beeinflusst.
    (Symbolisiert durch die durchbrochenen Linien).

    Salopp formuliert: Es ist dem guten Geist nicht egal, wie es seiner Seele und seinem Körper geht,
    aber dadurch lässt er sich nicht manipulieren.



 
Das Selbst als personales Absolutes ist Geist.[55]
Dieser Geist hat andere Charakteristika als Körper und Psyche und bestimmt diese.
Körper und Psyche können diesen Geist, das Selbst, beeinflussen, aber nicht dominieren. Anders gesagt: Sie beeinflussen die Person (P), aber dominieren sie nicht, solange P sie selbst bleibt. Sollten sie P dominieren, dann nehmen sie die Rolle eines Fremd-Selbsts (FS) an und P ist dann in diesem Punkt nicht mehr sie selbst, sondern sich selbst fremd.

Die Psyche dominiert den Körper (eher als umgedreht), dominiert aber nicht das Kern-Selbst, ist aber ein Teil des gesamten Selbst.
Der Körper dominiert nicht das Selbst (Geist), manchmal die Psyche, hat aber Anteil an diesen und beeinflusst diese.
Körper und Psyche verändern sich, je nachdem an welches Selbst, an welchen Geist, sie gebunden sind. D.h. Etwas von P (etwa dasselbe Gefühl) wird anders, je nachdem, ob es selbst- oder fremdbestimmt ist.
Primäre Veränderungen von Körper und Psyche ändern nicht das Kern-Selbst; Die primären Veränderungen eines Selbst ändern aber immer Körper und Psyche. M.a.W.: Relative Änderungen (wie Störungen) in der Person haben nur relative Folgen. Änderungen im Selbst-Bereich haben aber absolute und relative Folgen.
An sich kann man Körper und Psyche nicht absolut losgelöst vom Selbst sehen, da sie nicht das Losgelöste sind; Man kann sie nur abhängig oder relativ losgelöst sehen.

 Im zweitrangigen Personalen sind die Zusammenhänge anders: Körper und Psyche können absolut, also eine Art Selbst werden (z.B. Vergötzung des Körpers) - sie werden dann selbst zu einem Fremd-Selbst. Je nachdem, welcher Bereich oder Teil der Person zum fA geworden ist, wird dieser die anderen P-anteile bestimmen. Dann kann, im Gegensatz zum erstrangigen Personalen, der Körper über die Psache oder den Geist, oder die Psyche über den Geist bestimmen.

Siehe auch S. Freud: „Das Ich ist nicht Herr im eigenen Haus."  Freud beschrieb nur das, was ich zweitrangiges Personales nenne, das erstrangige war ihm unbekannt.

Dieses Fremd-Selbst ist aber auch instabil und teuer. Es ist ein Zwitter.
Jeder Mensch hat unbedingt ein Selbst und normalerweise auch mehrere oder viele Fremd-Selbsts als Basis/ Zentrum.Deshalb sind Körper und Psyche normalerweise sowohl relativ selbst bzw. auch-selbst als auch fremd, sowohl relativ eigentlich als auch uneigentlich, sowohl relativ einheitlich als auch uneinheitlich oder gar gespalten usw.

„Normalerweise“ (d.h. in der erstrangigen Wirklichkeit, W¹) sind Geist, Seele und Körper weder voneinander getrennt noch fusioniert, sondern bilden eine differenzierte Einheit. Im zweitrangigen Personalen aber kann es zu Spaltungen kommen, was noch zu besprechen ist. Primär und eigentlich hängen also Leib, Seele und Geist zusammen. Es erscheint jedoch sinnvoll, zwischen Geist, Seele und Körper zu unterscheiden, diese aber als „Teile“ eines Ganzen zu sehen. Es erscheint weiterhin sinnvoll, das Absolute als entscheidende geistige Dimension für den Menschen in den Vordergrund zu rücken.
Geist und Körper scheinen wie zwei Gegenpole eines Ganzen, eben des Menschen, von denen der „Pol Geist” kaum oder nicht strukturiert ist, sondern „leichter, beweglicher und variabler” ist, während andererseits der „Körper-Pol” strukturierter, fester und unbeweglicher ist. Die Psyche steht meines Erachtens zwischen beiden Polen, hat also Merkmale von beiden Seiten, gehört wohl aber mehr zum Geist, je nachdem, wie man Psyche definiert.

Sehr wichtig, vor allem für die Therapie, erscheint mir, dass das Geistige nicht nur viel stärker auf die Psyche wirkt, als der Körper auf diese, sondern auch, dass der geistige Bereich als der freiere, variablere für therapeutische Interventionen bzw. für Persönlichkeitsänderungen im Vordergrund stehen sollte. Schließlich spielt es auch eine Rolle, dass, gut gemacht, Veränderungen, die vom Geistigen ausgehen, quasi nebenwirkungsfrei sind. Therapieansätze, die den materiellen-somatischen Bereich im Vordergrund stellen (wozu ich v.a. die Psychopharmaka zähle) sind deshalb keineswegs ausgeschlossen - ja sie sind vor allem in Akutsituationen oft erste und wichtigste Maßnahmen. Langfristig jedoch resultiert aus ihnen eine eher symptomatische, weniger nachhaltige und meines Erachtens auch nicht so effiziente Therapie mit mehr Nebenwirkungen als eine Therapie, die vom Primat des Geistigen ausgeht.

Differenzierung ("Grammatik der Psyche - Analogie von Sprache und Psyche)

Die Ableitung der Einteilung von Psyche und Person und ihr `Aufbau´ soll jetzt ausführlicher dargestellt werden.(Person und Psyche verwende ich hier der Einfachheit halber synonym.)
Ich leite die Psyche (also das personale psychisch Relevante ) so ab, wie ich das allgemeine psychisch Relevante abgeleitet hatte (s. Teil `Metapsychologie´), denn es besteht ein ähnlicher „Aufbau“ der Psyche resp. Person wie der der Welt in ihrer psychischen Relevanz. Dennoch bestehen entscheidende Unterschiede: Die Person hat absolute Wahlmöglichkeit und sie hat die Fähigkeit der Neuschöpfung und der Selbstreflexion.
Ich unterscheide, wie bei der `Welt´ bzw. dem allgemeinen psychisch Relevanten, so auch bei Person und Psyche, drei Dimensionen: das Absolute, das Relative und das Nichts. Das personale Absolute nenne ich das `Selbst´.
Person und Psyche verwende ich hier der Einfachheit halber synonym.

Psychisches lässt sich, wie das psychisch Relevante der Welt, den Sprachanalogien folgend, in die bekannten
IV Hauptaspekte und 23 Einzelaspekte und ihre Dimensionen einteilen.

Hier nur der Vollständigkeit halber eine Übersicht mit z.T. Wiederholungen.
Die Ableitung der Differenzierungen des allgemeinen psychisch Relevanten aus verschiedenen Sprachformen wurde schon oben dargestellt.
Wenn ich abgekürzt von personalem Sein, personalem Leben usw. spreche, dann ist damit ein Sein, Leben usw. gemeint, das Person und Psyche zugleich umfasst. Statt `personal´ müsste also genau genommen `personal-psychisch´ stehen. Analog dazu: Wenn ich von personalen Substantiven, personalen Verben usw. spreche, dann sind damit Substantive, Verben usw. gemeint, die die Person und Psyche betreffen bzw. bezeichnen.
Wiederholungen bzgl. der Ableitung von allgemein pR (früheres Kapitel) sind wohl unvermeidbar, wenn ich einigermaßen vollständig sein will.

Von der „Haupt-Differenzierung“ her werden folgende personal-psychischen „Hauptaspekte“ abgeleitet:
I. von personalen Substantiven → personales Sein
II. von personalen Verben → personales Leben
III. von personalen Adjektiven → personale Qualitäten
IV. von personell relevanter Syntax → deren Zusammenhänge/ Funktionen in der Person.


Von der „Einzel-Differenzierung“ her lassen sich folgende Einzelaspekte unterscheiden:
I. Von den personalen Subjekten und Substantiven (morphologisch) und Subjekten/ Objekten (syntaktisch) werden abgeleitet → „personale Einheiten“:
(Vor dem Schrägstrich stehen die absoluteren Einheiten, dahinter die relativeren).
1. personales Alles/ Einiges, (Nichts)
2. personaler Gott/ Welt
3. Personen bzw. deren Repräsentanz/ Dinge
4. Ich/ Andere(s)
5. pers. Geist/ Psyche/ Körper
6. Geschlecht

II. von personalen Verben:
    - von pers. Hilfs- und Modalverben → personale Modalitäten, im Einzelnen:
7. sein → personale Zustände
8. wollen → personale Strebungen
9. haben → personaler Besitz
10. können → personale Möglichkeiten
11. müssen → personale Notwendigkeiten
12. sollen → personale Pflichten
13. dürfen → personale Rechte
    - von den Tätigkeitsverben → personales Tun, im Einzelnen:
14. erzeugen → personales Neues/Altes
15. tun → personale Leistungen
16. wahrnehmen → personale Informationen
17. wiedergeben → personale Darstellungen
18. werten → personale Bedeutungen
19. Zeiten: → personale Vergangenes
20.             → personales Gegenwärtiges
21.             → personales Zukünftiges.

III. von personalen Adjektiven her: → bestimmte pers. Qualitäten
22. → personale Fehler, Richtiges
23. → personale Abwehr.
(Personale Vorgangsverben repräsentieren entsprechende Vorgänge in der Person und werden in der Übersichtstabelle aufgelistet).

In jedem Einzelaspekt könnte man die allgemeine IV-Einteilung (Nominales, Verbales, Qualitatives und Syntaktisches) anführen. So wie auch in jedem Hauptaspekt „Anteile“ der anderen Hauptaspekte sind.
Jeder Form (Nomen) entspricht eine Dynamik (Verb) als Aktion (Tätigkeitsverb) und/ oder Vorgang (Vorgangsverb) mit entsprechender Qualität (Adjektiv) in entsprechendem Zusammenhang (Syntax). Das alles auf der Basis verschiedener Absolutheiten.
Die Syntax gibt uns Auskunft über die Funktionen und Zusammenhänge der o.g. personalen „Elemente“.
Wir können hier je nach Funktion unterscheiden:
personales Subjekt = Träger des Selbst.
Prädikat/ Objekt
und je nach Richtung der „Dynamik“:
- aktiv
- passiv
- reflexiv

Diese Differenzierung kann alle Worte und Zusammenhänge, die die Person/ Psyche betreffen, erfassen.
Das hat den Vorteil, dass nicht von vornherein irgend etwas Personales bzw. Psychisches oder psychisch Relevantes ausgeschlossen wird, sondern auch der Tatsache Rechnung getragen wird, dass alles psychisch Relevante für einen Menschen absolute Bedeutung gewinnen kann und ihn damit bestimmt.

Spezielles zum Ich

Zum Begriff

Das `Ich´ in der Fachliteratur
Begriff aus der Psychologie und Philosophie, der, je nach Schule, unterschiedlich definiert wird.
Beispiele:
• „Ausdruck für den Bewusstseinskern, d.h. für den Träger des Selbstbewusstseins der leiblich-seelisch-geistigen Ganzheit des Menschen“ (Schischkoff).
• „Der sich selbst bewusste Ursprung und Träger aller psychischen Akte (Denken, Wahrnehmen, Fühlen, Handeln) des Individuums."
• „In der Psychoanalyse ist das Ich eine innere Instanz der Seele (neben dem Es und dem Über-Ich), die mit ihren bewussten Ich-Funktionen (wie Wahrnehmung, Erinnerung, Denken, Planen und Lernen) sowie den unbewussten Ich-Funktionen (den Abwehrmechanismen) dazu verhilft, zwischen den verschiedenartigen Erfordernissen der Außenwelt, den Triebwünschen des Es und den moralischen Forderungen des Über-Ich zu vermitteln bzw. Einklang herzustellen."
• „In der behavioristisch orientierten Persönlichkeitstheorie die Gesamtheit aller äußeren Verhaltensweisen des Individuums."
[56]

Eigene Bestimmung des `Ich´

a) Der Begriff `ich´ hat die Bedeutung wie im allgemeinen Sprachgebrauch.
Er steht für die individuelle Person in ihrer Gesamtheit, die in der Subjektrolle von sich selber spricht. D.h. der Begriff `Ich´ als Personalpronomen steht für alles, was ich über mich aussagen kann. Die Betonung liegt auf dem aktiven Teil der Persönlichkeit, seiner Rolle als Subjekt (ich handele, ich nehme wahr, ich empfinde usw.).
b) Davon unterschieden `das Ich´ als Objekt (z.B. Ich als Subjekt werde zum Objekt psychologischer Untersuchungen - dann aber auch (im Gegensatz zu `a´) möglich: Man untersucht mich.

`Arten´ des Ich

Ich unterscheide:

            a. Eigentliches, erstrangiges Ich
            b. Fremd-Ich
            c. Nicht-Ich

zu a) Das eigentliche Ich
 hat ein eigentliches Selbst zur Grundlage. Es ist ein Ich-Selbst oder synonym erstrangiges Ich = Ich¹.
Aufbau des eigentlichen, erstrangigen Ich:

Ich-Selbst-Kern
= Nur-Ich-Selbst
 = IA und GA

 


Auch-Ich-Selbst
relativ (etwas von mir)
und gleichzeitig auch-selbst /auch absolut


Ich-Selbst



       [
IA = Absolutwahl des Ich. GA = Absolutzusagen Gottes]

 Selbstbereich des Ich¹ = Ich-selbst
, besteht aus:
            1. Kern-Selbst des Ich = Nur-Ich-Selbst (nur Selbst/ Absolutes/ Geist), besteht aus:
           a) eigener Ich-Selbst-Anteil, der sich selbst absolut bestimmt („absolutes Wahl-Ich-Selbst“ = IA)
           b) transzendenter Anteil: göttliches A, das als Selbst gewählt werden kann (GA).
            Die Bezeichnung Nur-Ich-Selbst erfasst nur den individuellen einmaligen Wesenskern, der ihn auch  von  anderen Menschen unterscheidet.
            2. Außenbereich des Selbstbereichs = Auch-Ich-Selbst = relativer Anteil des Ich-Selbst; (es in mir, etwas von mir z.B. mein Körper, meine Beine, meine Gedanken usw. Auch: ich bin auch ein Stück Welt, ich bin auch wie du). Merke: Der erstrangige Relativbereich ist gleichzeitig ein Auch-Absolutbereich, Körper und Psyche eingebettet in Geist.
 
zu b) Das Fremd-Ich = FI oder Ich
² abgekürzt, hier z.T. auch Ego genannt.
                            (Näheres dazu siehe `Metapsychiatrie´).
zu c) `Nicht-Ich
´: Hier handelt es sich v.a. um negierte Ich-Anteile, die auch später besprochen werden.
Wichtig: die „normale Person“, so auch das, was das Personalpronomen `ich´ repräsentiert, besteht immer aus eigenem, eigentlichem Ich-Selbst- und mehreren oder vielen Fremd-Ich Anteilen, die das eigentliche Ich-Selbst überlagern. Während die Fremd-Selbsts verletzbar und zerstörbar sind, ist das eigentliche Ich-Selbst im Kern nicht verletzbar und zerstörbar, auch wenn es noch so stark von Fremd-Selbsts überlagert wird. Auch dieses Faktum ist für die Therapie wichtig.

Das Ich braucht eine absolute Basis. Die Basis kann tatsächlich absolut oder nur vermeintlich absolut sein. Diese kann also das Selbst selbst oder, ersatzweise, ein Fremd-Selbst sein. Das Ich kann nicht im luftleeren Raum leben. Das Ich ist aus sich selbst heraus zu schwach, zu unvollkommen und - über die `Absolutwahl´ hinaus - zu relativ, um nur aus sich heraus ein ganzes ungeteiltes Ich-Selbst zu sein.
Das Ich wählt sich (möglicherweise auch unbewusst und intuitiv) sein(e) Absolutes(a). Damit sind auch seine Relativa mitbestimmt. Fällt seine Wahl auf das eigentliche +A, dann bleibt das Ich eigentliches Ich. Es bleibt Ich-Selbst. Nur wenn das Ich ein A gewählt hat, das stark genug ist und verhindert, dass es von als FA fungierenden Relativa dominiert wird, kann es in seiner Gesamtheit ein Ich-Selbst sein. Wählt es das +A als stärkstes Absolutes, bleibt es im Ganzen ein Ich-Selbst.
Wählt das Ich ein Relatives als sein Absolutes, dann entsteht ein uneigentliches Ich oder Fremd-Ich, das sich neben dem immer noch vorhandenen eigentlichen Ich etabliert. Neben dem eigentlichen A dominieren nun ein oder mehrere R als FA. Meines Erachtens ist dieser `Mechanismus´, den ich Inversion nennen will, wichtigste Grundlage für die Entstehung seelischer Krankheiten überhaupt (s. später). Das Ich kann also (wie das Selbst) uneigentlich, fremd sein d.h. auf der Basis eines Fremd-Selbst operieren.
Das Ich kann deshalb Ich-Selbst oder „Ich-Fremd-Selbst" (= Fremd-Ich) oder auch „Ich-nicht-Selbst" (= Nicht-Ich) sein. In den beiden zuletzt genannten Fällen handele zwar ich, aber das, was ich tue, entspricht nicht meinen eigentlichen Intentionen, nicht dem, was ich selbst eigentlich will.
(Siehe auch in `Metapsychiatrie´).[57]

Differenzierungen des Ich

Ich behandele diesen Abschnitt nur kurz, da die Differenzierungen in Bezug auf die Person/ Psyche zuvor genauer beschrieben wurden und für das Ich Ähnliches gilt.
Bezüglich der Hauptdifferenzierungen geht es um:
I. Seinsformen des Ich (meine Seinsformen).
II. Lebensformen und -äußerungen des Ich (meine Lebensformen und -äußerungen).
III. Qualitäten des Ich (meine Qualitäten und Eigenschaften).
IV. Das Ich als Subjekt, Objekt und Prädikat (Kontext).
Einzelne Ich-Aspekte siehe nächste Tabelle.

Wie erwähnt, orientiere ich mich mehr am Sprachgebrauch als an der psychoanalytischen oder verhaltenstherapeutischen Definition des Ich. D.h. Alles was nach „Ich ...“ kommt bzw. alles, was nach
„Mein(e) ...“ kommt, zähle ich zum Ich-Bereich.

Bezüglich der Einzelaspekte s. auch Übersichtstabelle .

Übersicht: Einteilung des Ich



Übersicht über die verschiedenen Arten des `Selbst´ und `Ich´:

Ich wiederhole: SELBST = Ʃ das personale ASEEUPU.
• Eigentliches Selbst (= ursprüngliches Selbst)[58] =
-positives, eigentliches personales Absolutes; Grund, Ur-sache des Lebens, positiver Absolut-, Metabereich, Quelle, Sinn, `Substanz´[59], Geborgenheit, Heimat, Wurzel... der Person.
- i.o.g.S.: das personale, innere Heilige
- das Unabhängige (unabhängige Basis)
- das von sich aus alleine, von selbst Wirkende, Mühelose
- das Kostenlose, Geschenkte
- das Unantastbare, Unbesiegbare, Unbeugbare (Nicht-Deklinierbare) oder die unantastbare...Basis.
- über alle Lebensbereiche positiv wirkende Basis, umfassend, „durch und durch“ (also die Integrations-, Ordnungs-, Kommunikations-, Orientierungs-, Handlungs-Basis und für alle anderen Aspekte. So z.B. auch Integrationsbasis für alles relative Negative) -so auch Identitäts-Basis, das Identitätsstiftende.
• Fremd-Selbst (FS):
Ersatz-, Not-, Hilfs-, usw. -Selbst. Das FS ist nicht ein `böses´ Selbst! Sonst siehe später.

Ich
Ich-Selbst = das gesamte Ich-Selbst
Nur-Ich-Selbst = Absolutbereich
Auch-Ich-Selbst = relativer Ich-Selbst-Bereich
`Ich´ steht für alle Personalpronomen, für alle personalen Subjekte (auch Objekte).
    • zum Ich-Selbst:
Eigentliches Ich: das im eigentlichen Selbst sich gründet, also = Ich-Selbst.
Es ist einmalig und mit sich identisch. Es ist frei im Absoluten. Es hat freies Wollen und Schöpfen. (= lat. creare). Es ist das Wichtigste, von Gott geliebt, auf Ewigkeit angelegt.
Es lässt sich ein absolut positiv oder negativ entschiedenes Ich-Selbst unterscheiden. Das absolut positiv entschiedene Ich-Selbst hätte zu den Charakteristika des Selbst die Zusage, sich als erlöst, gerettet, ewig ansehen zu können. Fragen von richtig/falsch sind dann relativ bzw. prinzipiell geklärt.
Das Ich, das auf dem eigentlichen Selbst basiert, hat als Ich-Selbst Identität. Das Ich, das auf einem Fremd-Selbst basiert, ist nicht mehr mit sich selbst identisch. Es hat nur eine Teil-Identität.[60]
    • Fremd-Ich (oder uneigentliches Ich): Ich oder Ich-Anteile, die im Fremd-Selbst wurzeln.

Tab. Übersicht: Selbst und Ich im Vergleich

SELBST

ICH

Grund, Basis, Ur-sache, Wesenheit, `Substanz´...
 der Person.


Symbolisiert durch das Herz.
Kann nur geglaubt werden.
Hat v.a. geistige Dimension.
Ist zwar Grund, Basis, der wirkt, aber nicht agiert.
Das Selbst ist eher unbewusst.

Personalpronomen (persönliches Fürwort, -Pronomen = das, was an der Stelle des Nomen (des Namens, eines deklinierbaren Wortes - hier die individuelle Person) steht.

Symbolisiert durch Kopf (und Körper).
Kann krank werden.
Kann dekliniert (= gebeugt werden).
Kann gewusst und bewiesen werden.
Hat mehr körperlich-seelische Dimension als das Selbst.
Ist v.a. das handelnde Subjekt (Ggt. „Mich“).
Das Ich ist bewusster als das Selbst.

eigentliches SELBST
eigentlicher, positiver Grund, der mit dem eigentlichen Ich eine Einheit bildet. Ist ewig, unzerstörbar usw. Kann nicht dekliniert/ gebeugt werden.

FREMD-SELBST (FS)
fremder-, uneigentlicher-, ersatzhafter Grund.

eigentliches ICH (Ich¹)
auf dem eigentlichen Selbst sich gründendes Ich
= Ich-Selbst.

FREMD-ICH (FI / Ich²)
sich auf ein Fremd-Selbst gründendes Ich.

NICHT-ICH (Ich°)
Nullbereich eines Ich.





Zusammenhang von Ich und Selbst:

M.E. gibt der Sprachgebrauch die beste Antwort, welche Zusammenhänge und Unterschiede zwischen dem Ich und dem Selbst bestehen.
Man kann in allen sinnvollen Aussagen, in denen das Ich¹ als Subjekt fungiert, statt „Ich“ auch „Ich selbst“ sagen. Man kann sagen: „Ich antworte“. Man kann auch sagen: „Ich selbst antworte“. So formuliert man, wenn man die Unvertretbarkeit der Person durch irgendetwas anderes betonen möchte: „Ich und kein anderer, ich und nur ich habe das getan.“ Auch in dem Sinn: „Ich und nur ich habe das willentlich, absichtlich, bewusst getan.“ Die Hinzunahme des „selbst“ zeigt also etwas ganz Individuelles, Unauswechselbares an. Es zeigt den Menschen selbst, wie nackt und bloß, ohne Drum und Dran, ohne alles Relative, aber mit Würde, Einmaligkeit und Autorität. Wir werden später sehen, dass das Ich nur mit dem eigentlichen Selbst, nicht aber mit Fremd-Selbsts störungsfrei „zusammenarbeiten“ kann. (s.a. zum Gebrauch des Wortes `selbst´ und `Ein Plädoyer...´).
Das Ich und das eigentliche Selbst bilden eine natürliche Einheit, wenn das Ich das eigentliche Selbst bestätigt hat, zu ihm und damit zu sich selbst steht. Es ist dann das Ich-Selbst. Es ist ein ursprüngliches Bedürfnis des Ich, es selbst, also Ich-Selbst, zu sein. Warum wir Menschen diesem ursprünglichen Bedürfnis oft nicht nachkommen, dazu später Näheres.
Das Selbst alleine kann jedoch nicht als Subjekt fungieren.[61] Man kann nicht sagen: „Selbst antwortet“ oder „Selbst handelt“ oder „Selbst bin.“
Man kann aber sagen: „Ich selbst bin.“ Das Selbst braucht also das Ich (und Gott) zum Agieren, so wie das Ich ein Selbst braucht. Die Aktionen des Ich sind nicht ohne irgendeinen Zusammenhang zu so etwas wie einem Selbst denkbar. Wer anders sollte denn handeln, wenn nicht ich selbst. Wenn man nicht immer sagt „Ich selbst“, sondern nur „Ich“, so vereinfacht man doch nur aus Bequemlichkeit, denn man ist es doch immer selbst, der da handelt? Oder drückt sich in dem Weglassen des `Selbst´ vielleicht aus, dass man manchmal selbst doch nicht so eindeutig der Handelnde ist, wie es auf den ersten Blick so selbstverständlich erscheint? Ich denke, das ist der Fall. Sicher sind wir es immer, die da handeln, aber wir sind es nicht ausschließlich, ja manchmal sind so viele fremde Kräfte und Motivationen in uns, dass da von dem eigentlichen Selbst kaum noch etwas übrig bleibt. Dieses Andere, Fremde, aus dem wir eben auch handeln können, wird in dieser Arbeit Fremd-Selbst oder `Es´ genannt. Manchmal wird uns diese Fremdbestimmung bewusst. Wenn ich beispielsweise nur die Erwartungen anderer Leute erfülle, dann bin ich fremdbestimmt. Zwar handele immer noch ich, aber es ist nicht das eigentliche, sondern ein fremdes Selbst, das mich bestimmt.
Das Ich kann also aus dem eigentlichen oder aus einem fremden Selbst heraus handeln. In den meisten Fällen wird es sich dabei um unbewusste Prozesse handeln.
Man kann auch formulieren: Es kann das eigentliche Ich oder ein Fremd-Ich (bzw. Fremd-Ichs) existieren. Das Fremd-Ich ist zwar auch Ich, aber nicht eigentlich, weil es sich im Fremd-Selbst, im Uneigentlichen, gründet. Auch dazu später mehr.

Aus religiöser Sicht:

    Ich und Selbst hängen zusammen, sind aber nicht identisch. Ich und Selbst sind aber ein Ganzes, wenn das Selbst ein quasi göttliches ist. Ich-Selbst und Gott sind dann eins ohne Verlust der Identität oder Individualität.
Man könnte weiter formulieren: Das eigentliche Selbst ist die geistige Basis (Voraussetzung) für das eigentliche Ich, d.h. das Ich hat seine Wurzeln im Selbst und das Selbst in Gott (und mir selbst). Das Ich findet die meiste Kraft und seinen inneren Frieden, ja die Möglichkeit der Erfüllung aller Aspekte im eigentlichen Selbst, in Gott. Das Selbst wird, wie Gott, andererseits vom Ich bestätigt, braucht dessen Bestätigung. Der Mensch muss das eigentliche Selbst (wenn auch nur als unbewusste prinzipielle Herzensentscheidung) bestätigen, dass er es so will. Das Ich ist also in der Entscheidung für oder gegen ein eigentliches Selbst - und damit für oder gegen Gott - oder „das gute Prinzip“ selber absolut. Aber wohl nur hier. Denn sonst kann das Ich sich nicht ohne Störungen absolut setzen. Es versuchte dann, sein eigenes Selbst, sein eigener Gott, zu sein und wäre damit maßlos überfordert. Die Situation ist dann so, als würden unsere Kinder nicht glauben, dass sie um ihrer selbst willen geliebt sind, sondern dass sie diese Liebe, diesen Grundwert (und alles was wir vom Selbst noch geschrieben haben) erst erringen müssten. Die Lebensformel lautet dann nicht: „Erst darf ich sein (und bin immer gut genug) und dann will ich das Gute versuchen, ohne es zu müssen“, sondern: „Erst muss ich mich beweisen, muss die Selbstkriterien erst erarbeiten, dann erst darf ich sein, darf ich mich wohl fühlen, bin ich gut genug und habe Existenzberechtigung." Man könnte sagen, dass dann das Ich zum Fremd-Selbst (zum eigenen Götzen und Teufel und Nichts) wird.
Das eigentliche Selbst dagegen integriert und kompensiert alle Ich-Positionen - egal wo das Ich steht: Ob es richtig oder falsch handelt, verantwortungsvoll oder verantwortungslos, ob es gesund ist oder krank, erfolgreich oder erfolglos, auch, ob es von einer Fremd-Selbst-Basis aus lebt oder nicht (!), immer kann die Person mit sich identisch sein, sie darf sich wert und wohl fühlen und hat auf alle anderen o.g. Selbstzusagen Anspruch. Das Ich-Selbst ist immer gleich wert und mit sich identisch, weil es sich nicht vom relativen Bereich her bestimmt. Wir können den Wert des Ich-Selbst nicht erhöhen und müssen es auch nicht. Das, was das Ich-Selbst im relativen Bereich tut, hat nur relative Bedeutung. Das Ich-Selbst ist also keineswegs fehlerfrei. Die Person, die aus dem Selbst heraus lebt, mag auch mehr Fehler als andere machen, ihr Selbst (Gott) kompensiert alles. Die Lebensbreite, die das eigentliche Selbst bietet, ist fast unbegrenzt. Nur im Fall der genannten absoluten Entscheidung für das absolute Böse, verliert der Betreffende sich selbst.
Wie gesagt, sind im Fall eines Lebens aus Fremd-Selbsts heraus, die Zusagen des Selbst/ Gottes nach wie vor da - der Betreffende macht nur den Fehler, dass er an das Fremd-Selbst mehr glaubt als an sein eigentliches Selbst, so dass er subjektiv auf die eigentliche Basis verzichtet. „Objektiv“, an sich und eigentlich sind sie jedoch unzerstörbar.[62]

Ich, Selbst und meine `Etwas´

    Ich, Selbst und Etwas (von mir) hängen zusammen. Sie bilden `normalerweise´ ein ungeteiltes Ganzes. Das Ich gründet, wurzelt im Selbst. Ich und Selbst bilden das Ich-Selbst. `Etwas´ ist wie relative Teil(e) des Ich-Selbst. Man kann den Aufbau der Psyche mit einem Baum vergleichen: Der Baum hat Wurzeln, die die Basis bilden (das Selbst), er hat Blätter (Etwas) - das Ganze ist der Baum (Ich-Selbst). Der Begriff des Ich-Selbst umfasst das Etwas wie der Begriff des Baumes die Blätter. Der Begriff der Blätter umfasst aber nicht den des Baums und: Ein Baum ist auch ohne Blätter noch ein Baum. So umfasst der Begriff des Etwas nicht den des Ich-Selbst und: Das Ich-Selbst ist auch ohne Etwas noch ein Ich-Selbst.

Das Ich gründet, wurzelt also in einem Selbst und bildet mit ihm das Ich-Selbst, die individuelle Person. Nun kann das Ich ein eigentliches Selbst als Basis oder Wurzel haben, es kann aber auch auf einem uneigentlichen Selbst basieren. Es ist dann wie ein auf eine andere Basis aufgepfropfter Baum. Es ist ein Mischling, ein Zwitter oder Bastard. Die Person ist dann nicht mehr individuell = unteilbar, sondern `dividuell´ = teilbar. So ist ein Ich, das nicht auf einem eigentlichen Selbst/ Absoluten basiert, ein Fremd-Ich - ein Fremd-Ich, basierend auf einem Fremd-Selbst.
Das Selbst ist das personale Absolute. Es hat demzufolge auch dessen Charakteristika. Es ist das personale Absolute, Selbst, Eigentliche, Einheitliche, Unbedingte, Primäre und Unabhängige. Wenn nun ein Relatives (ein Etwas) diese Rolle des Selbst einnimmt, dann nennen wir dieses `Fremd-Selbst´.
Im theoretischen Idealfall vollständiger seelischer Gesundheit (besser: geistigen Heilseins) basiert das Ich auf dem eigentlichen +Selbst, ist mit sich identisch und integriert personales Relatives (Etwas). Das Ich-Selbst umfasst also (alle) Etwas, alles personell Relative, ohne mit ihm identisch zu sein. Das Ich-Selbst ist auch-Etwas, aber Etwas ist nicht identisch mit dem Ich-Selbst. Das Absolute (Selbst) dominiert also über das Relative (Es).
Das folgende Symbolbild soll die vorrangige Stellung des Selbst gegenüber dem Etwas verdeutlichen.
               

Schon jetzt sei gesagt, dass postuliert wird, dass psychischen Krankheiten durch eine `Inversion´ der Rollen des Selbst und irgendeines Etwas entstehen können. Das eigentliche Selbst wird dann eine Art Etwas und Etwas wird eine Art Selbst.

Es geht um die Frage: Wer dominiert?
Verkürzt formuliert: Habe ich Etwas oder hat Etwas mich? (Im letzteren Fall nenne ich das dominierende Etwas dann `Es´). Bin ich Ich (und auch Etwas), oder bin ich vor allem Etwas/Es und noch ein wenig Ich?
Bei seelischer Krankheit wird also der Absolutbereich der Person, das Selbst, gestört, so dass deshalb Schutz und Stärkung des Selbst zentrale Therapieziele sein sollten. Dieses Modell hat gewisse Ähnlichkeit mit den Annahmen der sogenannten Selbstpsychologie, die v.a. von H. Kohut entwickelt wurde. Leider kann ich im Rahmen dieser Arbeit auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede dazu nicht weiter eingehen.
(Weiteres siehe unter „Das Ich und das Selbst“).
Die psychische Konfliktdynamik spielt sich vor allem zwischen dem Ich auf der Basis eines Selbst einerseits und Ich-Anteilen auf der Basis von Fremd-Selbsts andererseits ab. Sie hat Parallelen zur allgemeinen Dynamik des Menschen zwischen Absolutem und Relativem oder, poetisch formuliert, sie zeigt den Menschen im Spannungsfeld zwischen Himmel, Erde und Hölle.

Die absolute Grundeinstellung des Ich

Synonyme: absoluter Entscheidungspunkt, absolute Wahlmöglichkeit, Wahlabsolutes, absoluter Wille. Abkzg.IA.
Im positiven Fall: Primärtugend (siehe auch dort), prinzipielle Gutwilligkeit.

Die Person/ Ich-Selbst mit der absoluten Wahlmöglichkeit zwischen dem positiven und negativen Absoluten:


Der Mittelpunkt des Ich-Selbst und damit der Person wird gebildet von einem absoluten Entscheidungspunkt für das +A oder für das −A. An diesem Punkt steht das höchste oder eigentlichste Absolute der Person den anderen eigentlichen Absolutheiten (+A und −A) absolut und direkt gegenüber.
Ich verwies schon auf folgende eigentliche Absoluta: Gott, als positives Absolutes (+A)[63] einerseits und ein negatives Absolutes (A) andererseits und deren freie Wahl durch den Menschen.[64] Ich glaube, zumindest in diesem Punkt ist der Mensch völlig er selbst und absolut frei. D.h. das Ich hat aus sich selbst heraus nur in einer absoluten, existenziellen Entscheidung für das absolut Gute oder für das absolut Böse absolute Bedeutung. Genauer: Was das Ich auf der Basis des eigentlichen Selbst, also das Ich-Selbst für eine absolute Entscheidung trifft, also eine absolute Entscheidung für das absolute Gute oder Böse, gibt ihm absoluten Charakter. D.h. wie Kierkegaard, Herder u.a. sehe ich die Person hier dem Absoluten gegenüber in einer absoluten Wahl-/ Entscheidungsfreiheit (die nicht bewusst sein muss!). Im Letzten geht es bei der Entscheidung +A oder –A, um ein existenzielles Selbstbestimmungsrecht des Menschen. S. Freud hat mit der Unterscheidung von Libido und Destrudo (Destruktionstrieb) vielleicht in eine ähnliche Richtung gedacht. Goethe sah im "Konflikt des Unglaubens und Glaubens" den Grundkonflikt des Menschen. (West-östlicher Divan).
Das sind zwar Hypothesen, die irrelevant erscheinen könnten. Doch sind sie im positiven Fall, wie ich später noch ausführen will, Angelpunkt für die Annahme eines grundlegenden, positiven, absoluten Selbst und damit die wichtigste und „allereinzige" therapeutische Voraussetzung.
Für mich ist die Existenz eines absoluten Entscheidungspunktes auch deshalb wichtig, weil ich glaube, dass die Liebe, bzw. Gott uns diese freie Wahl lässt und seine Liebe nicht aufzwingt bzw. nicht deterministisch festlegt, welches die „guten“ und welches die „bösen“ Menschen sind, sondern der Mensch steht in diesem Punkt Gott auf Augenhöhe gegenüber und kann prinzipiell (!) das Gute oder das Böse wollen. Will ein Mensch prinzipiell das Gute, so hat er sich damit, nach meinem Verständnis, für ein absolut positives, unzerstörbares (Kern-) Selbst entschieden. Will ein Mensch prinzipiell und unwiderruflich das absolut Böse, so führt das, so glaube ich, zu seiner eigenen Zerstörung (sog. „Todsünde").[65]

Andere Wahlmöglichkeiten

In allen anderen Fällen hat das Ich nur einen relativ freien Willen, nur relative Wahlmöglichkeiten und trifft nur relative Entscheidungen. (Für P¹ ist relativ = auch-absolut).
Das hat eine günstige und eine ungünstige Seite. Günstig daran ist, dass Ich selbst in einem absoluten Sinn nur eine (vielleicht auch unbewusste) Entscheidung treffen muss, um mich als einheitlich, mit mir identisch, eigentlich und erlöst usw. ansehen zu dürfen. Das gibt der Person fast absolute Freiheit und Erleichterung! Was ich mache, kann ich freiwillig und auch zu meinem (und der anderen Menschen) Vorteil tun. Und: ich muss es nicht richtig machen. Mehr noch: ich muss nichts unbedingt machen.
Die „ungünstige“ Seite besteht darin, dass das Ich im absoluten Bereich auch nicht mehr machen kann. Mit anderen Worten, es kann sich auch nicht durch irgendwelche besondere Taten selbst erlösen oder seinen Wert erhöhen. Es bleibt letztlich erlösungsbedürftig, von Gott abhängig.

Weil das Ich, außer in der absoluten Entscheidung, aus sich heraus nur relativ ist, kann es selbst auch zum Selbstfremden (Fremd-Selbst) werden.
Der Mensch entfremdet sich dann sich selbst, bzw. entfremdet sich seinem eigentlichen Selbst.
Diese relativen Entscheidungen sind nie ganz eindeutig, so wie es die `absolute Entscheidung´ ist.[66]