VIII.  P S Y C H O T H E R A P I E

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Hinweise/ Einführung

 „Sei überzeugt, dass diese fremden Gestalten über Dich nichts vermögen;
nur der Glaube an ihre feindliche Gewalt kann sie Dir in der Tat feindlich machen.“
 E.T.A. Hoffmann : Der Sandmann.

In diesem Kapitel gehe ich nur auf bestimmte psychotherapeutische Themen ein, die sich zudem mit den „meta-psychotherapeutischen” Themen aufgrund des Konzepts dieser Arbeit überschneiden.
Bzgl. konkreter therapeutischer Hinweise siehe Abschnitt `Beispiele für Patienten´ in diesem Teil und auch im Teil `Psychiatrie´. 
Ich propagiere eine
primäre” Psychotherapie, die das Selbst der Patienten stärken und sie entlasten sollen - also insbesondere den Patienten gilt, die keine oder nicht mehr ausreichend Ich-Stärke haben, ihre Probleme aus eigener Kraft zu bewältigen.[1]

Definition

• Übliche Definition: „Psychotherapie... ist das gezielte Behandeln einer psychischen Erkrankung, psychischer Folgen körperlicher Erkrankungen oder von Problemen der Lebensführung mit Hilfe verbaler Interventionen auf der Grundlage einer therapeutischen Arbeitsbeziehung. Dabei finden wissenschaftlich anerkannte Verfahren systematische Verwendung.“[2]
• Ich fasse den Begriff Psychotherapie weiter, so, wie er ursprünglich gemeint war: psychḗ - `Seele‘ und therapeúein - `pflegen, sorgen‘. Ich verstehe unter Psychotherapie also alles, was unseren Seelen gut tut - egal ob wissenschaftlich anerkannt oder nicht.
[3] Dieses alte Verständnis von Psychotherapie halte ich für das angemessenere und umfassendere. Die zunehmende Verwissenschaftlichung hat jedoch vor allem im Bereich der Psychologie und Psychiatrie zu einer Vereinseitigung geführt. Warum? Die Einschränkung der Psychotherapie auf nur „wissenschaftlich anerkannte Verfahren“, wie sie auch in der o.g. 1. Definition zum Ausdruck kommt, steht im Widerspruch zum Wesen der Psyche selbst, die nur teilweise wissenschaftlich erforscht und deshalb auch nur teilweise mit wissenschaftlichen Methoden behandelt werden kann. Deshalb sollte nach meinem Verständnis Psychotherapie auch seelsorgerische und existenzielle Bereiche mit umfassen. Die nachteilige Trennung beider: auf der ein Seite `wissenschaftliche´ Psychotherapie, auf der anderen Seite von Kirchen betriebene Seelsorge und den damit zusammenhängenden Esoterikboom habe ich schon erwähnt.

Schwierigkeiten in der Psychotherapie (PT)

Wie müsste die optimale Therapie sein?
Einfach, glaubwürdig, kostenlos und nachhaltig - wie die Liebe und, wie diese, vor allem erlösend.
So einfach das klingt, so treten allerdings zwei Schwierigkeiten auf, die ich
1. „Chronizität der FA“ nennen und
2. unter dem Begriff „Widerstand“ besprechen möchte.

Chronizität der fremden Absoluta (FA)

Die oben genannte „Erlösung“ ist zunächst eine geistige und, wie gesagt, an sich ganz einfach. Die den psychischen Krankheiten zugrunde liegenden FA/Es sind jedoch materialisiert, verkörpert. Sie haben Eigenleben und Eigendynamik gewonnen, die sie i.d.R. nur langsam verlieren. Die Situation, in der wir uns ihnen gegenüber befinden, ist vergleichbar mit einem Gefangenen, der nach jahrelanger Haft freigelassen wird, aber noch durch alte Mächte und Gewohnheiten gebunden ist.[4] D.h. zwar sind durch eine geistige „Revision“ die FA/Es prinzipiell, aber nicht total entmachtet, denn durch ihre Materialisierung dauert es, ähnlich wie beim Drogenentzug, manchmal Monate oder Jahre bis sie ihren Einfluss verloren haben.[5]

Widerstand

Sicht der Psychoanalyse

Die Psychoanalyse hat viel zur Erhellung dieses Phänomens beigetragen.[6]
Unter `Widerstand´ versteht man nach S. Freud die „Abneigung gegen die Bewusstmachung unbewusster psychischer Inhalte und damit gegen die Besserung der Symptome und Heilung.“
S. Freud unterschied mehrere Formen des Widerstandes:
- Verdrängungs-W.: Das Ich wehrt sich gegen die Bewusstmachung verdrängter Triebrepräsentanzen.

- Widerstand gegen möglichen Verlust des sekundären Krankheitsgewinns.
- Widerstand des Es: Nach Freud bei einer Person mit primärem Destruktionstrieb oder - Libido, „die ihre Fixierung nicht verlassen will.“
- Widerstand vom Über-Ich: Hängt mit Schuldgefühl bzw. Strafbedürfnis zusammen. P. darf nicht gesund werden, weil sie es nicht verdient hat, weil sie böse o.ä. war und bestraft sein muss. Dadurch Ausgleich, der im Fall der Gesundung verloren ginge.
• Andere Definition: Widerstand zeigt sich „in der unbewussten Gegenwehr gegen die Verbesserung der eigenen Lage, die sich aus dem sekundären Krankheitsgewinn wie auch aus Sicherheitsgründen und Angstabwehr speist.“
[7]

Eigene Auffassungen

    Ich verstehe den Widerstand - vor allem aus einer metatherapeutischen Perspektive - umfassender als die Psychoanalyse. Es geht mir nicht nur um den Widerstand des Kranken gegen seine Gesundung bzw. gegen die Therapie, sondern, in einem weiteren Sinne, um den Widerstand von uns Menschen gegen das Sinnvolle überhaupt, denn letzterer Widerstand umfasst den ersteren.
Der Widerstand kann sowohl vonseiten des Patienten als auch vonseiten des Therapeuten bestehen.
[8]
Widerstand entsteht - nach dem Verständnis dieser Arbeit - überall dort, wo fremdes Absolutes (FA) bzw. Fremd-Selbst (FS) relativiert werden soll.
[9] Genauer: Wo es um den möglichen Verlust der Vorteile der +FA/FS oder um die Akzeptanz eines −FA/FS geht. Über die meist kurzfristigen Vorteile der Fremd-Selbst gegenüber dem eigentlichen Selbst habe ich im Kapitel `Vergleich der Dynamik der 1. und 2. Wirklichkeiten´ geschrieben. Sie sind für das Verständnis des Widerstands wichtig. Versucht man ein FA oder FS zu relativieren, so wäre das an sich nicht so schwierig, wenn nicht für den Einzelnen wegen spezieller Gründe diese oder jene FA/FS absolut wichtig erschienen. D.h. dieser Widerstand ist nicht alleine aus dem möglichen Verlust von positiven Seiten von irgendetwas zu verstehen, sondern eben dadurch, dass dieses Etwas verabsolutiert wurde. Handelt es sich um etwas Negatives, das verabsolutiert wurde, dann wird es dem Betroffenen lebensnotwendig erscheinen, es unbedingt zu vermeiden oder zu bekämpfen. In beiden Fällen: Weil für den Betreffenden seine Fremd-Selbsts wichtiger als sein Selbst wurden, wird er der Relativierung der FS und der Stärkung seines Selbst paradoxerweise Widerstand entgegensetzen. So wird er auch das Gesundmachende torpedieren und das Krankmachende fördern. Die Person (P) soll das, was sie für das Leben hält, relativieren („sterben“ lassen = Entzug) und das, was sie für den Tod hält akzeptieren - und beides ist sehr schwer. Das Symbolbild soll die Orte des Widerstandes verdeutlichen:

Widerstand entsteht an zwei „Stellen“:
1. Dem subjektiv empfundenen Qualitätsverlust vom verabsolutierten Positiven* (+FA) zum objektiv nur relativ Positiven hin (Pfeil nach oben) wird Widerstand (Querbalken) entgegengesetzt.
2. Widerstand entsteht auch, wenn man das absolut negativ Empfundene (-FA), das man unbedingt vermieden hat, nur relativ negativ und damit akzeptabel nehmen soll. (Pfeil und Querbalken unten). (0 hier nicht berücksichtigt).


Die Person muss so lange den Widerstand aufrechterhalten, so lange sie nicht mit einem stärkeren Selbst (am besten dem eigentlichen Selbst) die empfundenen Qualitätsverluste ausgleichen kann. Anders gesagt: P muss so lange der Therapie (bzw. +Veränderungen) Widerstand entgegensetzen, so lange sie nicht ein besseres Absolutes als das bisherige hat.
[10]
Wird der Druck, den Widerstand aufzugeben, zu groß, kann die Person auch auf ein Gegen-FS oder ein anderes FS ausweichen. Je größer der äußere oder innere Druck wird, die Widerstände aufzugeben, desto mehr wird P in die Enge getrieben. Sie wird immer teurere Abwehrmechanismen (s.a.a.O.) einsetzen, um ihre FA zu erhalten. Widerstand und auch teure Abwehr sind so wichtige/ verständliche Notlösungen, solange keine eigentliche Lösung gefunden wird. Sie sollten deshalb vom Betroffenen und Therapeuten akzeptiert werden. Gleichzeitig sollte aber auf die Möglichkeit tieferer Lösungen hingewiesen werden.
Der Widerstand
ist vergleichbar mit dem Widerstand gegen den harten Entzug von Drogen. Ich komme im Kapitel `Psychotherapie der Schizophrenie´ auf diese Thematik noch einmal zurück.
  • Bezüglich des Widerstandes im engeren, üblichen Sinn, sehe ich große Übereinstimmungen mit der Psychoanalyse, leite aber auch diesen Widerstand aus der Rolle der FA ab.
[11]

Widerstand wogegen?

1. Widerstand gegen Verlust der Vorteile der FA/FS
2. Widerstand gegen Nachteile des +A bzw. Selbst.
[12]
3. Widerstand gegen Relativierung eines −FA.

1. Widerstand gegen Verlust eines +FA/FS
[13]
Allgemein
- Widerstand gegen den Verlust des +*, etwa des Kicks, des Verlustes eines, wenn auch labilen, Gleichgewichts; W. gegen Verlust von nötig erachteten Ersatz-Selbsts, Ersatzidentitäten, Ersatzsicherheiten, Ersatzwirklichkeiten, Ersatz-Ganzheit, Ersatzautonomie usw. W. vor allem gegen den möglichen Verlust der positiven Hyperformen.
Insgesamt: W. gegen den Verlust aller +* (also auch der +Kehrseiten von
−FA und 0) aller Aspekte.
Krankheit verdeckt häufig ein tiefer gelegenes ungelöstes existenzielles Problem. Die Krankheit verschafft Freiraum, Schutz. Sie sagt Nein wo ich es mir selbst nicht traue zu sagen usw. Ist es nicht so, dass wir unseren inneren Diktatoren manchmal nicht genauso gerne folgen wie den äußeren, vor allem wenn wir in der Rolle der Mitmacher sind und nicht in Opposition zu ihnen stehen?
- Insgesamt Ʃ W. gegen Verlust von: (+ASEEUPU SLQZ 23)² (siehe ggf.
Übersichtstabelle SpalteN).
Beispiele:

• Wenn ich mich mit dem fremden +Absoluten identifiziere, dann werde ich selbst +FA und bekomme das Gefühl, ich stürbe, wenn ich mein +FA aufgeben sollte, denn ich nehme mit dieser Fehlidentifizierung das +FA wichtiger als mich selbst. So ist es eine logische Konsequenz, wenn ich im Konfliktfall lieber mich aufgebe als meine +FA/Es. Ich habe das Empfinden, ich opferte mein +Absolutes, mein Heiligstes - in Wirklichkeit aber opfere ich nur etwas Relatives. W. also, weil wir `Es´ nicht sterben lassen wollen.
• Ein persönliches Beispiel: Ich bin ehrgeizig und ich fühlte mich wohl, wenn ich mein`FA Ehrgeiz*´ mit Erfolgen füttern kann. Es tut mir wohl, zu hören, ich sei ein besserer Mensch oder Therapeut als andere. Dann kann ich auf die kostenlosen Selbstzusagen gerne verzichten - zumal sie andere auch schon haben. Deshalb werde ich Einflüssen, die mir dieses schöne Gefühl nehmen wollen, Widerstand entgegensetzen, solange ich mich von dieser FS-Basis aus beurteile. Das ist ganz menschlich. Es wäre aber klüger und gesünder, diesen Widerstand aufzugeben und mich auf mein eigentliches Selbst zu verlassen - auch wenn es mir weh tut.

• Einzelbeispiele aus der Literatur:
- Ein Psychiater versuchte seinen schizophrenen Patienten mit den Worten: „Nun werden Sie doch endlich wach und stellen sich der Realität!“ aufzurütteln. Dessen Antwort: „Wenn ich wach werde, sterbe ich.“
[14] - Country-Sänger Johnny Cash (als Beispiel für viele drogenabhängige Künstler): Vor den Phasen ohne Drogen „hatte ich mehr Angst als vor dem Sterben!“[15]
Häufige Situation in Familientherapien:[16] W. gegen Verlust eines teuren familiären oder eigenen seelischen Gleichgewichts um den Preis einer partiellen Selbstaufgabe oder Krankheit, weil der Patient fürchtet, das durch die Symptome erreichte, wenn auch labile, Gleichgewicht zu verlieren oder gar ins Gegenteil umzukippen.
Wenn etwa eine Familie ihr Gleichgewicht durch Befolgung einer pazifistischen Ideologie aufrechterhielt, dann muss sie fürchten, in Kampf und Aggression umzukippen.

2. Widerstand gegen Nachteile eines + = W. gegen die Liebe, Gott, eigenes Selbst, richtige Therapie, Wahrheit usw.
Wie gesagt hängen 1a und 1b zusammen, da sie parallel zueinander ablaufen.
Beispiele:
W. gegen Gesundung (Krankheit aufzugeben, Gesundheit anzunehmen).
Wenn es mir besser geht
→  weniger Zuwendung, habe ich mehr zu verlieren, bekomme ich evtl. Schuldgefühle, mehr Verantwortung die "Fallhöhe" wird größer usw. Statt Droge und Kick erwarten den Patienten Entziehung, Katharsis (im phil. Sinn), Schmerz und Verantwortung.
Es bestehen deutliche Analogien bezüglich des Widerstands gegen Gott, gegen das Selbst, gegen Gesundung, gegen Therapie usw.:
Jörg Müller. „~ Viele Menschen suchen Gott, aber viele fürchten auch, ihn zu finden.“
`Gebet´: „Gott nimm´ mir die Krankheit, aber rühre nicht an die Ursachen.“
Sobald Du beginnst, etwas zu transzendieren, wirst Du automatisch mit Deiner eigenen Endlichkeit oder überhaupt mit den letzten Dingen konfrontiert. Das ist zunächst belastend. Frage: Wie viel Wahrheit verträgt der Mensch?
Widerstand gegen Gott und +A bedeutet Verzicht auf Selbsterlösung = eigene Leistungen absolut zu setzen, nicht mehr wert als andere zu sein.
W. weil Mensch eigene Ohnmacht anerkennen muss. Dann lieber Wahn, wir könnten alles in den Griff bekommen.
Kein eigenes Selbst haben zu wollen ist auch „vorteilhaft". Keine Selbstverantwortung tragen zu müssen, keine Selbstbestimmung wagen zu müssen mit entsprechenden Entscheidungen, keine Schuld zu haben, weil man nicht verantwortlich ist. Befreiung von der Last der eigenen Existenz. Flucht vor der eigenen Freiheit wie sie schon Kierkegaard beschrieben hat
Widerstand entsteht, wenn wir uns selbst finden, nur auf uns selbst zurückgeworfen sind. Dann sind wir ganz alleine - wehe dem, der dann ungeborgen bleibt. Verständlich, wenn jemand, der das positive Absolute nicht kennt, sich an ein FA klammert.
Die Angst liege in der Freiheit. Freiheit sei zugleich höchstes Gut und größte Bürde des Menschen.
Diktatoren, Großinquisitoren (s. Dostojewski) versprechen, uns diese Angst zu nehmen
→ keine Selbstverantwortung mehr, also die Freiheit abschaffen, Einheit mit der Kollektivpsyche, nicht mehr Qual der Wahl.[17]
Aber: Müssen nicht alle Helden in den Märchen Widerstände überwinden, um Befreiung zu bringen?

3. Widerstand gegen Relativierung eines −FA. Widerstand entsteht auch, wenn ein −FA, ein absolut negativ Empfundenes, das man unbedingt vermieden hat, nur relativ negativ und damit akzeptabel genommen werden soll. Ich wiederhole: Wir opfern lieber uns selbst als unsere FA. Wir geben lieber uns selbst auf als die Liebes- und Hassobjekte, auf die wir fixiert sind.
[18]

Aus der Sicht unterschiedlicher Wirklichkeiten kann man formulieren: Versucht P aus einer zweitrangigen  in eine erstrangige Wirklichkeit  zu kommen, so muss sie durch einen Nullpunkt (ein Punkt voller Ohnmacht und Unsicherheit), der Angst macht.

Widerstand und Abwehr

Abwehr ist gerichtet gegen negativ Empfundenes.
Widerstand ist gerichtet gegen subjektiv Negatives, aber objektiv Positives.
Nun könnte man Widerstand auch eine spezielle Art der Abwehr (ABW) nennen, also Widerstand als `Abwehr‘ gegen das negativ Empfundene, aber eigentlich Positive. Das führt aber zu Missverständnissen.
Beispiel: Schulden. ABW: Verdrängen der Schulden. Widerstand gegen Sparen.
Nach Wöller u.a.
betrifft Abwehr die Inhalte, mit denen sich die Therapie befasst, Widerstand dagegen die Ebene der therapeutischen Beeinflussung.[19]

Wunsch und Widerstand
Der Doppelcharakter der hinter den Krankheiten stehenden Inversionen verursacht in uns ambivalente Tendenzen, denn wir setzen dem Widerstand entgegen, das objektiv besser für uns ist und wünschen das, was objektiv ungünstiger ist; Daneben bleiben glücklicherweise die ursprünglichen „gesunden" Strebungen und Wünsche bestehen. In bestimmten Phasen sind die widersprüchlichen Tendenzen in einem teuren Gleichgewicht: Wir wünschen das objektiv Bessere - und wir wünschen gleichzeitig das objektiv Ungünstigere. Wir wollen und fürchten das Gute wie das Schlechte gleichermaßen. Wir wollen gleichzeitig die subjektiven Vorteile des objektiv Schlechteren und die Vorteile seines Gegenteils. Wir wollen das Krankmachende gleichzeitig behalten und loswerden, wir wollen gesund werden und doch nicht. Wir wollen befreit werden und zugleich gefangen bleiben. Wir bekommen Angst, wenn wir versuchen, das Gleichgewicht, auch wenn es teuer ist, zu verändern. Wir haben keinen Mut zu jenem `stirb und werde´. Aber wir sollten keine Angst haben. Wir fürchten zu sterben, aber wir sterben nur einen Nebentod und kommen danach in das eigentliche Leben.

Wunsch und Widerstand treten vor allem dann zusammen auf, wenn wir uns nicht um unserer selbst willen lieben. Warum? Wir lieben uns dann vor allem um unserer Leistungen willen. Erfüllen wir diese Leistungen, dann fühlen wir uns super und haben das Verlangen nach weiteren Leistungen. Gleichzeitig wird deren Erfüllung auf die Dauer zu anstrengend und wir werden den Leistungsanforderungen nun Widerstand entgegensetzen. Wir pendeln also zwischen dem Wunsch und dem Widerstand bestimmten Leistungen gegenüber hin und her bzw. Wunsch und Widerstand können in einer bestimmten Phase der Dynamik gleich stark sein. Ebenso pendeln wir zwischen dem Wunsch um unserer selbst willen oder um unserer Leistungen Willen geliebt zu werden und dem Widerstand gegen das eine oder das andere hin und her oder Wunsch und Widerstand bestehen gleich stark nebeneinander. So können wir zwischen verschiedensten Widersprüchen hin und her pendeln oder diese bestehen gleichzeitig und können uns dann zerreißen.
Das Problem ist aus der zweitrangigen Perspektive unlösbar. P² müsste eine erstrangige Perspektive einnehmen, um zu einer Lösung zu kommen, damit aber auch auf die Vorteile der P²-Position verzichten.

Schwierigkeiten und Widerstand seitens des Therapeuten

Es bestehen zunächst allgemeine Schwierigkeiten für die Psychotherapie in Konkurrenz zu esoterischen Strömungen, die schon erwähnt wurden, schließlich auch in Konkurrenz zu Psychopharmaka-Therapien, auf die ich noch eingehen werde. Im Übrigen können Schwierigkeiten und Widerstand in Bezug auf eine optimale Psychotherapie in der Person des Therapeuten genauso liegen wie in der Person des Patienten, wie sie zuvor berichtet wurden. Zusätzlich wird sich aber der Therapeut in der Regel, im Gegensatz zum Patienten, einer bestimmten Psychotherapieschule verpflichtet fühlen, die möglicherweise auch bestimmte Schwierigkeiten in der Therapie mit sich bringt. Die gegenwärtigen Psychotherapieschulen sind stark rationalistisch und empiristisch geprägt und haben entsprechende Vor- und Nachteile.20] Weil die in der Person des Psychotherapeuten liegenden Schwierigkeiten wie gesagt im Prinzip dieselben sein können, wie die oben besprochenen seitens des Patienten, gehe ich auf diese nur kurz ein, diskutiere aber mögliche Schwierigkeiten vonseiten der verschiedenen Psychotherapieschulen bei deren Besprechung genauer.
Eine Hypothese lautet: Wie der Patient, so wird auch der Therapeut im Wesentlichen durch seine Absolutheiten bestimmt.
Balthasar Staehelin dazu am Beispiel Freuds: „ Dieses … Gezwungensein Freuds, nur Diener einer solchen wissenschaftlichen Einseitigkeit und Ausschließlichkeits sein zu müssen, trieb ihn in seinen wahrscheinlich größten Fehler: er konnte nicht mehr dem Patienten unvoreingenommen zuhören, sondern er vernahm aus dem Gehörten nur das, was er als seine philosophische Überzeugung über das Wesen des Menschen an diesen selbst herantrug. … Nur aus diesem philosophischen Vorentwurf kam Freud dazu, jegliches religiöse Erleben des Menschen und eine allfällige Existenz Gottes als krankhafte Illusion zu verwerfen, obwohl wahrscheinlich auch die Mehrzahl seiner Patienten immer wieder auf ihr religiöses Empfinden zu sprechen gekommen sind.“ (S. 22)
Typisch für uns Therapeuten ist die Verabsolutierung von möglichst schnellem Erfolg, der Rolle als Helfer, von Gesundheit, Funktionalität - und manchem von uns männlichen Therapeuten wird es zu wichtig sein, dass sein weibliches Gegenüber hübsch, klug, jung und vielleicht auch privat versichert ist usw.
Bezüglich der `Situation von Psychologie, Psychotherapie und Psychiatrie heute´, ihren Ängsten und Widerständen vor Veränderungen siehe gleichlautendes Kapitel später.
Im Folgenden will ich versuchen darzustellen, welche Psychotherapierichtungen es gibt, welche Therapieziele sie haben und welche Vor- und Nachteile sie haben können.

Psychotherapierichtungen (kritische Übersicht)

Wenn ich in den folgenden Abschnitten wichtigste Psychotherapierichtungen nur kurz reflektiere, dann deshalb, weil ich die meisten für gut oder suboptimal, aber keineswegs für schlecht halte. Es ist für mich vor allem eine theoretische Auseinandersetzung, denn in der Praxis werden sich viele Therapeuten über manche schulmedizinische Normen und Einengungen hinwegsetzen und dann eher ihrem Herzen als diesen folgen.[21]

ÜBERSICHTSTABELLE


Anthropozentrische, säkulare Psychotherapien

Es geht um Psychotherapierichtungen, die von einem anthropozentrischen Menschenbild ausgehen und deren philosophische Grundlage in der Regel der Materialismus ist. Erkenntnistheoretisch gesehen sind sie i.d.R. rationalistisch und empiristisch. Man könnte sie auch `säkular fundierte Psychotherapien´ oder, genauer, `säkularistische Psychotherapien´ nennen.

Kritik und Hypothesen

- Die absichtliche Selbstbegrenzung der Psychologie auf ein anthropozentrisches, nur wissenschaftlich fundiertes Menschenbild führt automatisch zu einer begrenzten Therapie. Nach Karl Jaspers geht das Denken der Philosophie auf das Ganze, das Denken der Wissenschaft auf das Partikulare. Die Wissenschaft bezahle den Preis einer ungenügenden Seinserkenntnis, den die Philosophie habe und die Philosophie zahle den Preis einer ungenügenden Sacherkenntnis, den die Wissenschaft habe. „An der Unerkennbarkeit der Transzendenz muss alles wissende Denken scheitern. Transzendenz ist `draußen´. Aber am Ende Existenz wird `gleichsam der Lichtfaden´ spürbar, der alles Seiende mit ihr verbindet. So wird sie immanent, aber nicht als greifbare Endlichkeit, sondern als schwebende, grenzenlos vieldeutige Chiffre.“[22] So sind auch säkulare Psychotherapien in gewisser Weise unrealistisch, da sie nur den Teil der Wirklichkeit erfassen, der beweisbar ist. Alles andere ist für sie wenig oder nicht relevant.
Ein weiteres Problem bleibt: Der Mensch kann sich nicht selbst erlösen, er kann nur im Rahmen seiner Möglichkeiten Probleme lösen. Mir scheint, dass uns alles Irdische, inklusive uns Menschen, nur bedingt helfen, retten, erlösen und lieben kann und wir im Letzten mutterseelenallein sind. Diese bittere Wahrheit wird aber von den meisten Ideologen bemäntelt. Wer gibt denn dem Volk Opium? Doch nicht Christus, bzw. ein sich wirklich auf ihn gründendes Christentum, sondern die meisten Ideologien, auch materialistische, indem sie illusionär verkünden, der Mensch könne sich irgendwann einmal selbst erlösen oder irgendwann würde der Fortschritt die Menschheitsprobleme lösen. Tatsächlich wird eine nackte, trostlose, kalte und sterile, weil nur materialistische Weltanschauung verkündigt, die den Menschen auf Materie reduziert und ihm nimmt, was ihn eigentlich erst zum Menschen macht.
- Ein einseitiger Anspruch auf reine Wissenschaftlichkeit macht blind für eine Metaebene, das heißt für Lösungen die außerhalb des Beweisbaren liegen. Diese Psychotherapien bleiben im rein Rationalen und Objektiven stecken.
- In säkularen Psychotherapien werden sich Patienten mit existenziellen und spirituellen Problemen schlechter verstanden fühlen.
[23]
- Anthropozentrische Psychotherapien machen die Lösung aller Probleme am Menschen selbst fest. Einige dieser Probleme kann der Mensch lösen und bewältigen, andere nicht - dann ist er überfordert. Die Person wird letztlich immer auf ein aktives Ich (von sich oder anderen) zurückgeworfen. D.h. säkulare Psychotherapien setzen letztlich auf Ich-Stärke. Im Zentrum steht die Förderung von, aber auch Forderung nach Ich-Stärke (die m.E. der Selbst-Stärke unterzuordnen ist). Dadurch werden der Therapeut und der Patient zu sehr unter Druck gesetzt. Beide müssen
bestimmte Leistungen unbedingt erfüllen. Die Therapien haben so nicht genügend Erlösungskraft.
- Säkulare Psychotherapien stellen selten ihre philosophischen oder metaphysischen Grundlagen dar.
[24]
- Es fehlt das Optimum des Zusammenspiels von maximaler Orientierung („Gesetz“) und noch größerer Liebe (Gnade). Anders formuliert: Es fehlt die Absolutsetzung der Liebe (religiös: Gottes), die optimale Orientierung gibt, aber diese der Liebe unterordnet - eine Einstellung, wie wir sie, in der Beziehung zu unseren Kindern versuchen einzunehmen. Wenn die Orientierungen
einseitig oder erstrangig werden, drohen sie , den Patienten zu überfordern. Eine häufige Notlösung, besteht dann darin, diese Orientierungen zu negieren - in diesem Fall unterfordern wir den Patienten.
- Säkulare Psychotherapien enthalten oder erzeugen Paradoxien, wenn sie durch reine Wissenschaft dem Menschen rationale Macht über das Irrationale, Metaphysische geben wollen oder wenn sie nur mit Objektivität das Subjektivste des Menschen, seine Psyche, behandeln wollen. Wo solche Paradoxien entstehen, sind sie krankheitsfördernd.
- Säkulare Psychotherapien kämpfen zu sehr gegen nur relativ Negatives und für relativ Positives und geben andererseits bei existenziellen Problemen zu schnell auf oder verdrängen diese.
-  Säkulare Psychotherapien neigen dazu, psychische Gesundheit und Funktionalität zu verabsolutieren.
- Säkulare Psychotherapien gehen von einem zu relativen bzw. zweitrangigen Menschenbild aus, das keine optimale Therapiegrundlage bietet.
[25]
- Säkulare Psychotherapien neigen dazu, Leid und Krisen vermeiden. (Zu wenig Trauerarbeit.)

- Unbewusstes soll bewusst werden, ungünstiges Verhalten durch günstiges ersetzt werden usw., ohne dass eine relativierende Metaebene genannt wird. Dies ist nachteilig, denn erstens ist Unbewusstes manchmal besser als Bewusstes und ungünstiges Verhalten manchmal besser als günstiges; und zweitens: selbst
wenn in unserem Falle das Bewusste und das günstige Verhalten auch objektiv die besseren Alternativen sind, so ist der Betroffene oft nicht imstande, diese Ziele zu erreichen.
- Die dem Materialismus immanente Leugnung eines freien Willens wirkt sich auf Psychotherapien lähmend aus. Täter werden so schnell zu Opfern.
- Säkulare Psychotherapien neigen zu Normierungen. Selbst so eine banale Frage wie: „Wie komme ich am besten in die nächste Stadt?" kann nicht schematisch beantwortet werden, geschweige denn Lebensfragen. Die konkreten Antworten/ Lösungen sind immer individuell, trotz aller Erfahrungen.
- Säkulare Psychotherapien sind gefährdet, manipulativ zu werden. Der Patient wird schnell zum Fall und der Psychiater zum Techniker.

- Säkulare Psychotherapien verschieben die eigentliche, absolute Lösung in die Zukunft. Es heißt nicht: „Du bist schon“, sondern: „Du wirst, wenn du das oder das erreichst."
- Säkulare Psychotherapien zeigen selber Abwehrmechanismen, die sie für ihre Patienten reduzieren möchten: Verdrängung existenzieller Fragen, Rationalisierung, Intellektualisierung, Regression auf einen Alleinvertretungsstandpunkt, Projektionen, Ausgrenzung (Zusammenarbeit nur mit anderen Wissenschaften) usw.

     Ich halte es jedoch für falsch, säkulare bzw. atheistische Auffassungen von vornherein abzuwerten. Ein humanistisch orientierter Atheismus ist oft besser als ein missverstandener Glaube an Gott. Außerdem haben die meisten Therapeuten so viel Empathie, dass dadurch manche Schwachstelle ihrer Theorie ausgeglichen wird. Dennoch kann eine stringent angewandte säkulare Psychotherapie im besten Fall nur suboptimal sein, denn sie muss, wie gesagt, dazu neigen, irgendwelche Forderungen an die Existenzberechtigung des Menschen zu stellen und ihn zu überfordern (sowohl den Patienten als auch den Therapeuten), weil die Existenz einer unbedingten positiven spirituellen Kraft verneint wird und der Mensch letztlich aus eigener Kraft mit seinem Schicksal und seinen Problemen fertig werden muss. Ein Urvertrauen, das über den Menschen hinausweist, wird verneint und dem Menschen selber die letzte Verantwortung aufgebürdet. Das funktioniert nur solange, solange die Beteiligten genügend Kraft haben, mit den Problemen fertig zu werden. Werden die Probleme jedoch größer als die vorhandenen Kräfte, kommt das System in eine Krise. Das trifft auf entsprechende intrapersonale wie auch interpersonale, also auch therapeutische Situationen zu. Die meist unausgesprochene Illusion, der Mensch könne letztlich selbst Herr über seine Probleme oder sein Schicksal werden, wird dann offenkundig.
Während atheistische Auffassungen sowohl das Menschenbild als auch die entsprechende Therapie entgeistigen und stattdessen technisieren, besteht andererseits auch die Gefahr missverstandener Spiritualität vor allem in realitätsfremden spiritistischen Auffassungen. Während atheistische Therapeuten dazu neigen, Fragen zu vermeiden, die uns Menschen voller Ohnmacht zeigen, wie unheilbare Krankheit oder Tod, werden manche spirituelle Therapien oder Auffassungen dazu neigen, die Menschen einseitig auf das Jenseits zu vertrösten und vorhandene Eigenverantwortung zu unterschätzen oder gar zu lähmen.

(Sonst siehe auch die Kritik  Materialialismus im Teil `Metapsychotherapie‘).
[26]
Materialistische oder idealistische PT?

Eine weitere Unterteilung der anthropozentrisch orientierten Psychotherapien in materialistische oder idealistische, ist für manche PT-Richtungen etwas willkürlich, hat aber eine gewisse Bedeutung insofern, weil die Psychotherapien mit idealistischer Grundlage auch Unbeweisbares (Ideen, Geist  usw.) mitberücksichtigen. Während die analytisch orientierten Psychotherapien (Psychoanalyse, Tiefenpsychologie) und die Verhaltenstherapien eine materialistische Ausgangsposition einnehmen, neigen die Psychotherapien, die ich unter „spirituell-integrative“ aufgeführt habe, eher zum Idealismus und/ oder beziehen teilweise eine religiöse Position.

Analytisch-tiefenpsychologische PT

Ich behandle hier nur ganz kurz einzelne Themen, die für das Verständnis dieser Arbeit notwendig sind.
Dabei nehme ich zu einigen Punkten schon in eckigen Klammern Stellung und erläutere anderes in einem gesonderten Abschnitt.

Psychoanalyse

Die Psychoanalyse geht davon aus, dass psychische Konflikte, die nicht gelöst werden, krank machen können. Der ungelöste psychische Konflikt bzw. das unverarbeitete Trauma geht ins Unbewusste, verwandelt sich und erscheint in anderer Gestalt (chiffriert, symbolisiert) - etwa als Traum oder Symptom. Das Symptom wird so zum Symbol der ungelösten/ unverarbeiteten unbewussten Konflikte/ Traumata.
In der Psychoanalyse erkannte man früh, dass ein Verbot bzw. die Unterdrückung von wichtigen Trieben (wie etwa dem Sexualtrieb) zu psychischen Störungen führen kann
[27] und umgekehrt eine Bewusstmachung und Aufhebung dieses Verbots auch dessen negative Folgen beseitigt.
[ Nach meinerTerminologie entspricht Letzteres einer Relativierung eines negativen fremden Absoluten (−FA). Ich glaube, das entscheidende `Therapeutikum´ der Psychoanalyse besteht aber weniger darin, unbewusste Komplexe zu entdecken und bewusst zu machen, sondern jedem Menschen das Schlimmste zu unterstellen - wie etwa den Vater töten zu wollen, um mit der Mutter schlafen zu können -
und diese scheinbar abnormen Wünsche als normal anzusehen und den Patienten so zu akzeptieren. Denn selbst wenn es nicht diese Wünsche sind, so sind doch, so die Theorie, ähnliche Abgründe in jedem von uns. Darin ist sich Sigmund Freud durchaus mit Jesus einig, auch wenn Freud das nicht intendierte. ]
    Nach Th. Auchter u. L. V. Strauss geht es bei Freud vor allem um das Ziel der Einsparung seelischer Energie und die Aufrechterhaltung des seelischen Gleichgewichts. Bei Freud sei das Gleichgewicht zwischen Lustprinzip und Realitätsprinzip zentral, die moderne Ich-Psychologie sieht daneben das Gleichgewicht von Sicherheitsprinzip und Wohlbefinden, die intersubjektive Theorie (Benjamin) das Prinzip wechselseitiger Spiegelung und Anerkennung als grundlegendes Regulationsprinzip der Psyche. Die Psychoanalyse „sensibilisiert den Menschen dafür, in einer `unendlichen Analyse´ das heißt, einem fortwährenden Fragen und Nachdenken, dem Sinn und der Bedeutung seines Handelns und Lebens forschend auf die Spur zu kommen. Insofern ist die Psychoanalyse eine Form der unaufhörlichen Wahrheitssuche, wie Freud es formulierte. Heute sprechen wir eher von einem fortwährenden Bemühen um Erkenntnis und einem nicht endenden Fragen nach dem Sinngehalt von Erleben und Verhalten.“
[28]
[ Diese „unaufhörliche Wahrheitssuche“, dieses Nie-endgültig-an-ein-Ziel-Kommen, das dem konfuzianischen und buddhistischen Motto `Der Weg ist das Ziel´ gleicht, erscheint mir persönlich - und wohl auch den meisten Menschen, die das ernst nähmen - zu anstrengend und frustrierend. Es bleibt auch die Frage unbeantwortet: Was ist die Instanz, die bestimmt, ob die Verarbeitung adäquat ist oder nicht? ]
    S. Freud sah,
seinem Dreiinstanzenmodell folgend, diese Grundkonflikte:
a) Ich gegen Es
b) Über-Ich gegen Es
c) Ich gegen Über-Ich und Es
Nach Mentzos wiederum sind alle psychischen Konflikte Variationen des Grundkonfliktes zwischen: Abhängigkeit und Autonomie.
[29]
[ Ich unterscheide einen absoluten Grundkonflikt zwischen +A und –A und relative Konflikte vor allem zwischen +A und den FAs, den FAs untereinander und innerhalb eines jeden FA bzw. Es. ]

Kritik an der Psychoanalyse

Literaturauswahl

Ich nenne hier nur die Kritiken, denen ich mich auch anschließe.
• Die `Neue Wiener Schule´ sieht die Person als leiblich-seelisch-geistige Einheit. Sie wirft der Psychoanalyse Freuds vor, die geistige Dimension der Person zu vernachlässigen, ohne die die Person keine menschliche Ganzheit darstellen könne. „Das Ganze der menschlichen Seele wird innerhalb der Psychoanalyse atomistisch gesehen, indem es gedacht wird als zusammengesetzt aus einzelnen Teilen, den diversen Trieben, und diese wiederum aus Partialtrieben... Dadurch jedoch wird die Seele, die menschliche Person, wird deren Ganzheit irgendwie zerstört: Die Psychoanalyse depersonalisiert den Menschen geradezu; freilich nicht ohne die einzelnen ... Instanzen ... ihrerseits zu personifizieren (nämlich zu selbständigen, eigenmächtigen, pseudopersonalen Entitäten zu machen) ...“ Außerdem: „Menschliches Sein wird von der Psychoanalyse so von vornherein als Getriebensein interpretiert." Weiter: Freud habe das Ich an das Es sozusagen verraten, weil er das Ich zu einem bloßen Epiphänomen des Es gemacht habe. Die Psychoanalyse behaupte letztlich: `Das Ich zieht sich selbst am Schopf des Über-Ich aus dem Sumpf des Es
[30]

• H. Wahl: Freud propagierte eine „Erziehung zur Realität“. Freud käme „über das tapfer resignierende Festhalten am Realitätsprinzip
nicht hinaus…“
[31]
• Ernst Bloch: Die Psychoanalyse sei zu rückwärtsgewandt.
• „Gute Geschichte, aber schlechte Wissenschaft“ (Zimbardo)
[32]
• "Psychoanalyse ist Beichte ohne ABsolution" (G.K. Chesterton aus www.quotes.net/quote/35717 )
• Sonst siehe z.B.
Wiesenhütter E.: „Freud und seine Kritiker“.[33]

Weitere Kritikpunkte[34]Siehe auch die Kritik an den säkularen PT.
• Die Psychoanalyse kennt keine Transzendenz, so auch kein +A. Freud dazu: „Wer nach dem Sinn des Lebens fragt, ist krank, denn den Sinn des Lebens im objektiven Sinn gibt es ja nicht.”
[35]
Liebe wird als Libido dargestellt. Gott gibt es nicht, er ist eine Illusion.
• Die Psychoanalyse beschreibt im Grunde genommen die Vorgänge des zweitrangigen Personalen. Das, was ich erstrangiges Personales nenne, finde ich nicht.
• Auch die Weiterentwicklungen der Freud´schen Psychoanalyse stellen für mich in ihrer Anthropozentrik Selbsterlösungskonzepte dar, die den Menschen überfordern. Die Menschen müssen mit ihren Problemen selber fertig werden. Vor allem in Bezug auf schwerere psychische Erkrankungen, wie den Psychosen, scheinen mir diese therapeutischen Konzepte zu schwach, da sie auf Ich-Stärkung und weniger auf Selbst-Stärkung aufbauen. S. Freud hat sich deshalb vielleicht nicht ohne Grund skeptisch bezüglich einer Psychotherapie von Psychosen geäußert. (Dazu a.a.O. mehr).
• Die Psychoanalyse geht in der Charakteristik der Person vom Pathologischen aus. Die drei Hauptinstanzen sind letztlich Instanzen einer verfremdeten bzw. kranken Person. Sie sind auch dementsprechend definiert. Nach der Psychoanalyse hat das Ich die Aufgabe das seelische Gleichgewicht zwischen den Instanzen herzustellen, Es und Über-Ich in den „Griff" zu bekommen. Freud: „Eine Handlung des Ichs ist dann korrekt, wenn sie gleichzeitig den Anforderungen des Es, des Über-Ichs und der Realität genügt, also deren Ansprüche miteinander zu versöhnen weiß."
[36]
[ Was für eine Anstrengung und Gratwanderung (!), wenn das Ich zwischen Über-Ich, Es und Realität vermitteln muss. Günstiger ist es, wenn Ich, Es und Über-Ich dem Selbst der Person untergeordnet sind. Das ist nur dann möglich, wenn ihnen keine absolute Bedeutung zukommt. (Außer dem genannten `Wahlabsoluten´ des Ich). Die Person bekommt keine Panik, wenn das Es über die Stränge schlägt, sie lässt sich auch nicht vom Über-Ich falsche Schuldgefühle machen und fordert kein Ich, das alles in den Griff oder ins Gleichgewicht bringen müsste. Es, Über-Ich und Ich sind Akzente aber keine Dominanten. ]
• Die Feindschaft zwischen Vater und Sohn, wie sie Freud im Ödipus-Komplex beschrieben hat, ist nur eine Möglichkeit einer ungelösten Problematik zwischen Vater und Sohn, eine Art Anti-Komplex - eine weitere Möglichkeit ist die Symbiose zwischen Vater und Sohn und die dritte Möglichkeit ist die Indifferenz zwischen beiden. Vor allem die beiden letzteren Möglichkeiten sind heute verbreiteter als der Ödipuskomplex. Diese Möglichkeiten gelten zudem zwischen allen Bezugspersonen und nicht nur zwischen Vater und Sohn.
• Theorieimmanente Dilemmata: Es ist ein Widerspruch, wenn Freud mit seinem „Gott Logos“ das Unbewusste erhellen will, von dem er andererseits meint, es unterliege nicht den Gesetzen der Logik.
Es ist ein Widerspruch, wenn Freud zum Ziel hat, das Ich solle freiwerden bzw. „Wo Es war soll Ich sein“, andererseits soll das Ich zwischen Es und Über-Ich vermitteln.
Wenn vor Freud die Triebe durch die Moral* unterdrückt wurden, wurden sie nach ihm durch die Vernunft* unterdrückt.
S. Freud hat sich auch unterschiedlich zu dem Phänomen der Freiheit geäußert und es i.d.R. als unwissenschaftlich gekennzeichnet.
• Freuds Psychoanalyse ist pessimistisch.
[
Warum sollte man sich mit einer letztlich pessimistischen Therapie behandeln lassen? ]

Stichwortartige Zusammenfassung:
Positiv: Alte Götter, wie sie Moral und Eltern, vor allem zur damaligen Zeit darstellten, wurden von der Psychoanalyse zu Recht entlarvt und entthront und die Menschen von ihnen befreit. [Dafür aber der „Gott Logos“ etabliert]. Die Psychoanalyse propagiert die unbedingte Annahme aller Schattenseiten des Patienten; Sie ist sehr differenziert mit vielen neuen Erkenntnissen und trotz des Anspruchs auf Wissenschaftlichkeit über diese hinausgehend.
[37] Sie ist gegen falsche Tabus und kennt keine Unterwerfung unter den Zeitgeist.
Negativ: z.T. pseudoreligiös, zu pessimistisch, zu überfordernd, als Analyse nie endend, fehlende Spiritualität, fehlendes +A, zu zurückblickend, P. wird vom Negativen her erklärt und positive, gesunde Seiten zu wenig berücksichtigt; zu einseitige Berücksichtigung der Sexualität und Aggressionen (Freud); Vernachlässigung des Subjekts. Sprache zu materialistisch, technisch, mechanistisch usw. - so werden Personen z.T. wie Objekte oder Dinge bezeichnet (z.B. psychischer `Apparat´, `Objekte´, womit auch Personen gemeint sind).
[Leere Fußnoten:
[38][39][40][41]]

Spätere Psychoanalytiker

Einige Stichworte (Quellen: Dieter Wyss `Die tiefenpsychologischen Schulen...´ und Wikipedia).
Bei Freud stand v.a. die Triebtheorie im Mittelpunkt.
Sandor Ferenczi, Michael Balint und Melanie Klein stellten die frühkindlichen Beziehungen zu Bezugspersonen ins Zentrum ihrer Theorien = Objektbeziehungstheorien. Nach Melanie Klein können die früheren Bezugspersonen („Objekte") entweder geliebt oder gehasst werden. Das zeigt deutliche Parallelen zu Freuds Libido und Destrudo [und eine Parallele zu +FA und −FA].
Heinz Kohut entwickelte eine Selbstpsychologie. Er untersuchte, inwieweit eine Person Objekte benötigt, um die psychische Funktionsfähigkeit seines Selbst zu bewahren bzw. überhaupt erst aufzubauen. Kohut ging davon aus, dass „das Ziel des Selbst darin besteht ... einen Zusammenhalt des Selbsterlebens zu erreichen." Besonders positive Affekte erhöhten die Lebendigkeit des Selbst und verhinderten Tendenzen in Richtung Entleerung und Fragmentierung des Selbst. Das Selbst benötige das Erleben von befriedigenden Selbstobjekt-Erfahrungen. Ein Mangel an sympathischer Resonanz der elterlichen Selbstobjekte bedinge eine Störung des Selbst.
[42]
Erich Fromm: Neurose entstehe dort, wo der Mensch seiner Freiheit ausweicht.
[43]
Franz G. Alexander: „... ging von der Beobachtung aus, dass Neurotiker in der Regel nicht nur in irgendeiner Weise übermoralisch, und sondern ebenso zu wenig moralisch sind. Er erkannte, dass sowohl die Unmoral als auch die neurotische Pseudomoral zwei Seiten ein und derselben Medaille sind und dass sie in einem funktionalen Abhängigkeitsverhältnis zueinander stehen
."
[44]
[Entspricht der Pro-und-Kontra-Position des Es des Asp.12]
C. G. Jungbetonte in seiner Lehre die Archetypen.
Kritik dazu durch W. Schmidt (?) -
die Archetypen seien die neuen Götter C.G. Jungs. Erst der Bezug auf sie verleihe dem Leben seinen Sinn. Der letzte metaphysische Halt eines Menschen liege so in ihm selbst. Psychologie werde zur Weltanschauung. Die Vorstellung des Archetypus sei ein gedankliches … hypostasiertes Abstraktionsprodukt.
Zu C.G. Jungs Aussagen: Werde der du bist", Erkenne dich selbst" (Individuation).[45]
Kritik dazu von Trüb: Jung suche `die wesentliche Bestimmung des Menschen letztlich im Prozess des psychologischen Selbstbezugs. ´
[46]
(Siehe auch meine Kritik bzgl. `Individuation´a.a.O.)

Primärtherapie von A. Janov

    Ich nenne diese Therapie von Arthur Janov extra, weil mir einige seiner Gedanken sehr naheliegen, obwohl seine Theorien von der offiziellen Psychotherapie nie anerkannt wurden und in den letzten 20 Jahren, zumindest in Deutschland, immer mehr an Bedeutung verloren haben.
Anfang der 1970er Jahre erschien sein Buch `Der Urschrei
´, auf das ich mich im Wesentlichen beziehe.[47] Dort beschreibt er seine `Primärtherapie´, die, ähnlich wie die Psychoanalyse von S. Freud, davon ausgeht, dass Neurosen durch verdrängte Erinnerungen an traumatische Erlebnisse aus der Kindheit entstünden. Allerdings bezog sich Janov nicht nur auf frühkindliche Traumatisierungen, sondern auch auf peri- und pränatale Traumata - hier wiederum besonders auf eine bewusste oder unbewusste Ablehnung des Fötus durch Mutter und/ oder Vater. Die primäre Bedürfnisse des Ungeborenen bzw. Säuglings nach bedingungsloser Annahme und Liebe würden nicht befriedigt und riefen in ihm einen `Urschmerz´ hervor, der Ursache für spätere neurotische Störungen sei. Dieser Urschmerz müsse bewusst gemacht und noch einmal durchlebt werden („Kathartisches Durcherleben") - meist mit dem sogenannten Urschrei verbunden, um das `wahre Selbst´ freizulegen. Mit diesem lebe es sich dann ganz einfach. Es sei eine Herkulesarbeit „zu sein, was man nicht ist. Man selbst zu sein ist das Allereinfachste.“[48]
• Diskussion:
- Auch ich glaube, dass es sich mit einem wahren oder eigentlichen Selbst am leichtesten lebt, das man es jedoch nicht selbst, wie bei Janov, erringen muss, sondern schon hat.
- Janov verbindet das `wahre Selbst´, wie ich, v.a. mit Kind-Sein. Ich halte allerdings das `Kind-Sein´ an sich für problematisch, als primäres Ziel sogar
für gefährlich, wenn es sich nicht in einem größeren Ganzen (für mich `Gott´) geborgen fühlt. Es ist sonst allein und verletzbar und der Therapeut nicht immer anwesend und insgesamt für diese Rolle zu schwach.
- Janov versucht, die Abwehrmechanismen zu reduzieren oder überflüssig zu machen, wobei er diese jedoch zu negativ sieht. Ich sehe deren Rolle eher zweitrangig und versuche sie zu stärken, damit sie im Notfall zur Verfügung stehen.
- Janov verlegt die Ursachen von Neurosen, den Urschmerz, in den pränatalen bzw. perinatalen Bereich, nicht erst in die frühe Kindheit. Das ähnelt in gewisser Weise meiner Theorie, nach der ich, wie ihm Teil `Metapsychiatrie´ beschrieben, den Urschmerz darin sehe, dass wir das Paradies verloren haben. Allerdings ist der Urschmerz nicht der einzige Schmerz, den wir erleiden.
- Unbedingte Liebe und Anerkennung haben für Janov zentrale Bedeutung, allerdings ohne religiösen Bezug. Insofern für mich zu anstrengend.
- Relativierung von Autoritäten: Alte Götter, wie sie Moral, Eltern usw. darstellen können, werden zu Recht entthront. Der Betreffende erlebt, dass ihm gar nichts passiert, dass er gar nicht stirbt, wenn er die Moral oder die Eltern oder Anderes vom Thron gestürzt hat - im Gegenteil, er fühlt sich befreit und gut.
Tragen wir nicht alle die Sehnsucht in uns, frei sein zu dürfen: ohne Verantwortungen, ohne Leistungen, ohne Angst. Sind nicht gerade die schönsten Augenblick in unserem Leben, die, in denen wir uns, wie im Orgasmus, einfach fallen lassen,  nichts mehr kontrollieren, keine Abwehrmechanismen benötigen und manchmal auch `urschreimäßig´ schreien! ?
M.E. ist so an der Primärtherapie „einiges dran“, das man nicht einfach als unwissenschaftlich abtun sollte - vielleicht gerade, weil es den Bereich erhellt, den Wissenschaft alleine nicht erhellen kann? Versuchen wir nicht in unseren Psychotherapiesitzungen eine ähnliche Atmosphäre für unsere Patienten zu schaffen, in der sie sich frei, geborgen und verstanden, also wie geliebte Kinder fühlen dürfen? Haben nicht immer wieder Psychotherapeuten mit Recht dazu aufgerufen, das „innere Kind in uns“ zu lieben und manche das als „Neugeburt" oder „Wiedergeburt“ (Rebirthing) des Selbst bezeichnet, wie die `Reinkarnations-Therapie´ in Anlehnung an die buddhistische Religion. Auch die christliche Religion spricht von einem (geistigen) neugeboren Werden, wenn wir wagen, Kinder Gottes (nicht: Kind der Eltern!) zu sein.
Aber: Wie hätte sich eine etablierte Psychotherapie, die sich als Wissenschaft versteht, und als solche beobachtet, misst, prüft und kontrolliert, auf so eine unkontrollierbare Methode, wie die Urschreitherapie, einlassen können ? Stellen Sie sich, liebe Leser, einmal vor, wie es gewesen wäre, hätte die Urschreitherapie Einzug in unsere Praxen und Kliniken gehalten. Wer hätte wohl das ganze Gestöhne und Geschreie und Gerede von Wiedergeburt akzeptiert? Wir etablierten Psychotherapeuten wagen ja kaum noch einen Patienten zu umarmen oder mit ihm zu weinen.
[49]
• Andere Meinungen:
Bert Hellinger über seine eigene Therapie bei Janov: „Es hat mich betroffen gemacht. Aber auf der anderen Seite bekommst du natürlich in einem solchen Augenblick eine unglaubliche Freiheit.“
[50]
Siehe aber auch die sehr negative aber z.T. berechtigte
Kritik von Hansjörg Hemminger.[51]

Neuere Literatur

Quelle: W. Wöller, J. Kluse: Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie.[52]

W. Wöller und J. Kruse unterscheiden vier Paradigmen der Psychoanalyse:
1. Das trieb-psychologische Paradigma:   

    Aggressionstrieb und Sexualtrieb gelten als motivierende Kräfte.
2. Das ich-psychologische Paradigma:

    Das ich-psychologische Paradigma hat mehr die Abwehrmechanismen und andere Ichfunktionen im Auge.
3. Das selbst-psychologische Paradigma:

    Nach Kohut sind Veränderungen in der Therapie nicht in erster Linie die Folge von Deutungen oder Einsicht, sondern von Empathie.
4. Das (neuere) objektbeziehungstheoretische Paradigma:
Dieses geht davon aus, dass alle seelischen Strukturen ein Niederschlag früherer Objekterfahrungen sind:
Äußere Objektbeziehungen werden verinnerlichte Objektbeziehungen. „Diese verinnerlichten Objektbeziehungen bilden eine Welt der Repräsentanzen. Der Begriff der Repräsentanz bedeutet in diesem Zusammenhang, dass aus realen Interaktionen mit bedeutsamen anderen Personen (Objekten), seien sie nun reale oder fantasierte Interaktionen, innere Bilder, Repräsentanzen entstehen, die einen Objektaspekt (Objektrepräsentanz) und einen Selbstaspekt (Selbstrepräsentanz) haben." „Intrapsychische und interpersonelle Aspekte sind eng miteinander verschränkt. Durch Vorgänge der Identifikation, Introjektion und Internalisierung werden ausinterpersonellen Prozessen intrapsychische - durch die Mechanismen der Projektion und Externalisierung aus intrapsychischen Prozesseninterpersonelle." (S. 26)
Nach Kernbergs Objektbeziehungstheorie organisieren sich die Repräsentanzen in gute und schlechte, je nachdem wie diese die Bedürfnisse befriedigen. Zunächst handele es sich um undifferenzierte gute bzw. schlechte Selbst-Objekt-Einheiten, die sich erst allmählich voneinander differenzieren.
(S.17)

Wie in `Metapsychiatrie´ erwähnt, verdanken wir Winnicott das Konzept des wahren und des falschen Selbst, wobei nach Kohut ein lebenslanges Bedürfnis nach Widerspiegelung durch sog. empathische Selbstobjekte besteht. Die Autoren betonen, wie wichtig es ist, wie die nächsten Bezugspersonen, etwa Mutter oder Therapeut usw., auf den Säugling bzw. Patienten reagieren.
[53]
[ Kurzgesagt wir brauchen alle Liebe. Wo aber soll P Liebe herbekommen, wenn die Bezugspersonen auch Liebesdefizite haben oder die Gesellschaft lieblos ist? ]

Die Verfasser empfehlen eine Vielfalt von Perspektiven in der Therapie: also die Perspektive der Konfliktorientierung, der Stärkung der Ich-Funktionen, die Perspektive einer möglichen Traumatisierungen, die Perspektive der Übertragungsbeziehung, die Problemperspektive und Ressourcenperspektive, wie auch eine Perspektive, die Lösungen statt Probleme im Zentrum hat. (S.29)
[ Ich versuche in der vorliegenden Arbeit noch vielfältigere Perspektiven darzustellen - die sich zudem in einer darüber stehenden „Dimension“, dem +A, integrieren lassen, die in diesen Konzepten aber fehlt. ]
[54]

Verhaltenstherapien

In diesem Kapitel beschränke ich mich nur auf einige Aspekte der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT).
[ Wie zuvor schreibe ich meine Auffassungen dazu in eckigen Klammern oder führe sie ausführlicher aus. ]

Stichworte zur kognitiven Verhaltenstherapie (KVT)[55]

    Grundlage der KVT ist der Kognitivismus. Der Kognitivismus ist ein Teilgebiet der Psychologie, das sich vorrangig mit der Informationsverarbeitung und den höheren kognitiven Funktionen des Menschen beschäftigt.[56] Dieser wiederum hat eine materialistische Grundlage. Die Kognitiven Therapieverfahren, zu denen die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) und die Rational Emotive Verhaltenstherapie (REVT) gehören, gehen davon aus, dass die Art und Weise, wie wir denken, bestimmt, wie wir uns fühlen und verhalten. Ziel der Therapie ist es, dem Klienten zu vermitteln, dass Denkfehler und irrationale Annahmen negative Folgen haben. Deshalb sei es wichtig, die negativen Gedanken zu identifizieren, in Frage zu stellen und zu korrigieren. Dies soll dazu führen, dass alternative, genauere und angepasstere Gedanken entwickelt werden.

Bezüglich der Auseinandersetzung mit der KVT in diesem Rahmen verweise ich auf die Kritik des Materialismus (in `Metapsychotherapie´) und auf den oben stehenden Abschnitt `säkulare Psychotherapien‘. Da diese Kritiken im Wesentlichen auch auf die KVT zutreffen, will ich sie hier nicht noch einmal wiederholen. Die Diskussion zwischen kognitivistischen und non-kognitivistischen Standpunkten kann man in entsprechenden Veröffentlichungen verfolgen.[57]

Ich will zusätzliche Kritikpunkte an der bekannten kognitiven Therapie der Depressionen von A.T. Beck deutlich machen.
[58] Aufgrund der in der Kindheit gelernten Schemata findet laut Beck bei Depressiven eine fehlerhafte Informationsverarbeitung statt. Diese führen zu folgenden „Denkfehlern":

1. Willkürliche Schlussfolgerungen: ohne sichtbaren Beweis oder sogar trotz Gegenbeweisen werden willkürlich Schlussfolgerungen gezogen.
2. Übergeneralisierung nach dem Muster: aufgrund eines Vorfalls wird eine allgemeine Regel aufgestellt, die unterschiedslos auf ähnliche und unähnliche Situationen angewendet wird.
3. Dichotomes Denken: Denken in Alles oder Nichts-Kategorien.
4. Personalisierung: Ereignisse werden ohne klaren Grund auf sich selbst bezogen.
5. Selektive Abstraktion: Einige Einzelinformationen werden verwendet und überbetont, um eine Situation zu interpretieren. Damit werden bestimmte Informationen auf Kosten anderer überbewertet. Zum Beispiel wenn jemand, der von allen gegrüßt wird, von einem Anderen nicht beachtet wird und denkt, dass ihn keiner mag.
6. Maximieren und Minimieren: Negative Ereignisse werden übertrieben und positive Ereignisse untertrieben. Zum Beispiel: „Dass ich einen bestimmten Abschluss hinbekommen habe, ist nichts wert... “
7. Katastrophisieren: Das Eintreffen oder die Bedeutung von negativen Ereignissen wird stark überbewertet. „Meinen Kindern wird bestimmt etwas Schlimmes passieren!"
8. Emotionale Beweisführung: Das Gefühl wird als Beweis für die Richtigkeit der Gedanken genommen. „Ich fühle, dass ich nichts wert bin, also ist das auch so!"
9. Etikettierung: Aus einer Handlung wird ein umfassender Sachverhalt gemacht, z.B. „Ich habe verloren - ich bin ein absoluter Verlierer!"
10. Gedankenlesen: Man meint ohne nachzufragen, die Gedanken der anderen zu kennen. „Die anderen denken, ich bin ein Versager!"
11. Tunnelblick (selektive Aufmerksamkeit): Jemand sieht nur einen bestimmten Aspekt seines gegenwärtigen Lebens. „Wenn ich Stress auf der Arbeit habe, dann ist mein Leben verpfuscht!"
 

Diskussion:
Ich kann ohne Schwierigkeiten, die `in der Kindheit gelernten Schemata´ von Beck mit den von mir postulierten `Inversionen´ vergleichen und die von ihm genannten 11 Folgen als Folgen, wie ich sie unter anderem in der `
Übersichtstabelle ´ in den Spalten `personale Folgen‘ aufgeführt habe, sehen. Anders formuliert: Auch ich gehe, wie Beck und andere, davon aus, dass bestimmte ungünstige `Schemata´, die auch Beck (ähnlich wie die FA/Es) als „eindimensional, global, invariabel, verabsolutierend oder irreversibel“ charakterisiert hat, psychische Krankheiten hervorrufen können.
Es bestehen allerdings folgende Unterschiede in den Konzepten:
Ich sehe diese ungünstigen Schemata nur als relativ ungünstig an, auch wenn sie für den Betreffenden Absolutheitscharakter haben. Das bedeutet auch, dass sie auch relativ günstig sein können, dass sie für den Betreffenden eine wichtige Funktionen oder gar einen Sinn haben können, auch wenn sie im Allgemeinen eher ungünstig sind. Diese Sicht hat aber zur Folge, dass es nicht primäres Therapieziel sein sollte, `
negative Gedanken zu identifizieren, in Frage zu stellen und zu korrigieren, um so alternative, genauere und angepasstere Gedanken zu entwickeln´.
Es wäre also fragwürdig, allgemein als ungünstig erkannte Schemata und ihre Folgen primär `wegtherapieren´ zu wollen, denn
1. könnte es sein, dass diese, wie gesagt, für den Betreffenden nicht ungünstig, sondern günstig und sinnvoll sind und
2. Selbst wenn sie für den Betreffenden objektiv ungünstig sein sollten, könnte es sein, dass dieser nicht dazu in der Lage ist, diese „Denkfehler“ zu korrigieren und sich dann einem therapeutischen Anspruch gegenübersieht, der ihn überfordert und frustriert und so möglicherweise seine Symptome noch verstärkt. Das ist häufig der Fall, wenn sich der Betroffene (vor allem als Kind) übermächtigen Ideologien gegenübersieht, die ihm ihre `Schemata´ aufoktroyieren und gegen die er keine Chancen hat. Ich würde deshalb im Einzelfall relativ ungünstige Schemata und Denkfehler nicht nur positiv bewerten, sondern sogar verstärken bzw. sie einüben - insbesondere dann, wenn sie vom Betreffenden oder seiner Umgebung (so auch von manchen Therapeuten) tabuisiert sind. Diese Art des Vorgehens liegt ja auch den paradoxen Interventionen zur Grunde. Sie haben zum Ziel, fixierte Einstellungen, auch von uns Therapeuten, aufzubrechen und Alternativen aufzuzeigen. Aber so sehr
diese auch in die richtige Richtung gehen, so stellen sie m.E. keine echte unabhängige Metaebene her, denn man setzt diese paradoxen Interventionen letztlich doch mit dem Ziel ein, das Therapieziel nun auf dem Umweg zu erreichen. Was fehlt, ist in beiden Fällen eine von allen verabsolutierten Therapiezielen unabhängige Metaposition, ein +A, das besagt, dass alle Therapieziele zwar einen Wert haben, letztlich aber von relative Bedeutung sind. Sollten wir jemanden, dem es schlecht geht und den wir mögen, nicht zuerst umarmen und trösten und dann erst überlegen, was man machen könnte.
Verhaltenstherapie umarmt nicht, ihr fehlt die Liebe.
Das Vorgehen der KVT ähnelt manchen „christlichen“ Ratschlägen, man müsse nur richtig leben oder glauben oder genug beten, dann würde man schon gesund. Im Sinn dieser Arbeit könnte man auch formulieren, die KVT und ähnliche säkulare Therapien versuchen, ein FA durch neue FA auszutreiben. Diese neuen FA heißen hier v.a. Ich-Stärke, richtige Kognitionen, Gesundheit, Funktionalität, richtiges Verhalten, Ratio, Realität, Objektivität.
 [59] (Siehe auch: das Problem der Verabsolutierung von Gesundheit und Funktionieren und Realitätsanpassung im Teil `Metapsychiatrie´).    
Bei manchen Symptomen, wie etwa den Phobien, kann man sehr gut mit Hilfe einer kognitiven Verhaltenstherapie, begleitet von entsprechenden Übungen, die deutlich machen, wie unbegründet die Angst war, Erfolge erzielen. Dennoch bleibt auch in solchen Fällen, selbst wenn die Wahrscheinlichkeit der übermäßig gefürchteten Gefahr nur 1:1000 ist, das Grundproblem, diese von uns unbeeinflussbare `1´ nie in den Griff zu bekommen. Und sehnen wir uns nicht danach oder haben zumindest die Hoffnung, dass auch diese eine Möglichkeit eines Unglücks verschwindet? Und steht oft nicht diese eine Möglichkeit stellvertretend für viele andere? Sie wird dann über die Vernunft schwer zu beseitigen sein.
Jeder Psychiater weiß, wie unwirksam etwa vernünftige Argumente gegen die Wahngedanken eines Psychotikers sind. Ja man wird im Gegenteil, je mehr man an die Vernunft und Logik des Patienten appelliert, erreichen, dass dieser sich umso mehr in sein Wahnsystem zurückzieht, weil er sich in seiner Irrationalität nicht verstanden fühlt - nicht verstanden fühlen kann! Ebenso werden durchaus vernünftige und objektiv richtige Korrekturen der negativen Ansichten eines schwer Depressiven kaum Erfolg haben, ja ihn ab einem bestimmten Punkt nur noch depressiver machen.
[60]

Positives Denken (mentaler oder psychologischer Positivismus)[61]

Kritik: Wenn diese Methode nur eine relative Bedeutung hat (im Sinne eines gesunden Optimismus), die auch ihr Gegenteil zulässt und in den richtigen Situationen eingesetzt wird, hat sie durchaus Sinn. (Genauso Sinn hat es, negatives Denken zu üben, insbesondere dann, wenn man glaubt, das Negative verdrängen oder bekämpfen zu müssen). Ansonsten sehe ich folgende Nachteile der Methode des „positiven Denkens“: zu anthropozentrisch, zu selbsterlösend, damit zu überfordernd, zu unrealistisch, zu manipulativ, zu einseitig und einengend (negative Gedanken sind unerwünscht oder verboten), ab einem bestimmten Punkt kontraproduktiv.62] Dann sind Realitätsverluste und Enttäuschungen vorprogrammiert, die zu Selbstanklagen und Depressionen führen können, nach dem Motto: „Wenn du keinen Erfolg hast, dann bist du eben selber schuld.... Der Trainer [Therapeut} aber bleibt unfehlbar.“ (O. Neuberger).
Ähnlich ist meine Kritik an „The Work“ von Katie Byron und ähnlichen Programmen zur Selbstoptimierung. (
Im Gegensatz zu "The Work" würde ich meinen Ansatz "The Relief" nennen.)
Der 2007 preisgekrönte norwegische Film: „Die Kunst des negativen Denkens“ karikiert in herrlicher Weise das überzogene positive Denken.
Insgesamt mögliche Nachteile siehe
Übersichtstabelle Spalte M.

Zusammenfassung

• KVT ist insgesamt eine sehr differenzierte Therapie mit guten Erfolgen bei Phobien und anderen leichten psychischen Krankheiten.
• Die KVT ist anthropozentrisch mit allen Vor- und Nachteilen. Hauptnachteil: der Mensch ist auf sich alleine gestellt. (Selbsterlösungskonzept).
• Die KVT erscheint als zu symptomatische Therapie.
• Ratio und Funktionieren werden verabsolutiert. Der Mensch aber ist mehr als seine Ratio und kann mehr als nur über seine Ratio erreichen.
Der Mensch ist von Natur aus auch irrational. Seine Irrationalität erhält in diesem Konzept eine zu negative Bewertung und muss von P (unbewusst) bekämpft oder negiert/ verdrängt werden. „Rationale Argumente erweisen sich oft, trotz Einsicht des Klienten, als ineffektiv.“ (J. Teasdale)
[63]
• KVT ist zu psychologistisch, zu operationalisiert.
• Die von Beck und Anderen angegebenen Denkfehler (s.o.) werden zu einseitig negativ bewertet.
• Im Konzept von Beck u.a. wird der Gegenpol zur Depression, die Manie, sowie deren gemeinsame Hintergründe zu wenig beachtet.

• Die angegebenen Denkfehler sind ubiquitär und finden sich nicht nur bei Depressionen.
Siehe auch  Kritik  Materialialismus als philosophische Grundlage.

Rational-emotive Verhaltenstherapie (REVT)[64]

    Begründet 1955 von Albert Ellis. Versteht sich als humanistische Psychotherapie, als „umfassende, integrative, aktiv-direktive, philosophisch und empirisch fundierte Psychotherapie“. Sie verfügt nach eigenen Angaben über einen explizit formulierten philosophischen Hintergrund (Stoa, Epikureismus, Skeptizismus, Existenzphilosophie, Konstruktivismus und Sprachphilosophie). Sie baut auf dem sogenannten "ABC-Modell" auf. Ein auslösendes äußeres oder innerpsychisches Ereignis (A=activating event), wie z. B. der Tod eines Familienangehörigen, wird aufgrund bestimmter bewusster oder unbewusster Überzeugungen, Bewertungsmuster, Einstellungen oder Lebensregeln (B=beliefs oder belief systems), die in der auslösenden Situation aktiviert werden, bewertet. Diese Bewertung der Ereignisse ruft als Konsequenz (C=consequences) dann emotionale Reaktionen und Verhaltensweisen (z. B. Trauer, Sorge, Angst) hervor. D.h. dass die Bewertung eines Ereignisses die emotionalen Reaktionen und Verhaltensweisen bestimmt. Wenn ein Ereignis als irrelevant bewertet wird, führt dies zu keiner emotionalen Reaktion. Die Bewertung eines Ereignisses als günstig führt zu positiven Emotionen und die Bewertung als ungünstig zu negativen Emotionen. Nach Ellis werden psychische Störungen durch „irrationale“ Überzeugungen bzw. Bewertungsmuster bedingt. Als „irrational“ bezeichnet man Überzeugungen, wenn sie subjektiv belastend sind und die Verwirklichung der eigenen Lebensziele behindern. „Rationale“ Überzeugungen hingegen sind im Hinblick auf Emotionen und Verhaltensweisen hilfreich und zielführend. Die von Ellis beschriebenen irrationalen Überzeugungen werden in vier Grundkategorien zusammengefasst:
1. Absolute Forderungen: („ich muss …“, „die anderen müssen …“);
2. Globale negative Selbst- und Fremdbewertungen: statt einzelner Eigenschaften, wird die ganze Person als minderwertig bewertet („ich bin wertlos/ein Versager …“, „der andere taugt nichts …“);
3. Katastrophisieren: negative Ereignisse werden überbewertet („es wäre absolut schrecklich, wenn …“);
4. Niedrige Frustrationstoleranz: Glaube, negative Ereignisse nicht aushalten zu können („ich könnte es nicht ertragen, wenn …“).
„Viele irrationale Überzeugungen stellen eine Verknüpfung von absoluten Forderungen (Kategorie 1) und Bewertungen der Kategorien 2 bis 4 dar. Die Forderung, alles schaffen zu müssen, führt bei Nichterfüllung z. B. zu der Schlussfolgerung, wertlos zu sein oder es nicht aushalten zu können.“
„Ziel des Verfahrens ist es, die irrationalen ... Bewertungen zu erkennen und zu verändern. Dies soll dem Patienten idealerweise zu einer `rationaleren´ Lebensanschauung verhelfen…“

Meine Kritik

Insgesamt wie Kritik der kognitiven Verhaltenstherapie. Vor allem: dysfunktionale bzw. irrationale kognitive Einstellungen bekommen aufgrund des zugrunde liegenden Therapiekonzepts eine zu negative Bedeutung. Sie fungieren dann wie ein −FA.
• Die REVT erfasst zwar philosophische Perspektiven, die allerdings zu anthropozentrisch sind und neben entsprechenden Vorteilen auch die Nachteile haben, wie ich sie im Teil `Metapsychotherapie´ beschrieben habe.
[65]

Dialektisch-behaviorale Therapie“[66]

    Therapiemodell insbesondere zur Behandlung von Borderline Persönlichkeitsstörungen (BPS). Therapeut soll Balance finden zwischen Verstehen und Veränderungen (dialektische Strategie). Scheinbare Gegensätze in der Welt des Patienten sollen aufgelöst und integriert werden.
Das Manual umfasst Therapieelemente der kognitiv behavioralen Therapie, Sozialpsychologie, Neurobiologie und Aspekte der fernöstlichen Meditation und Spiritualität.
Das Fertigkeitentraining findet regelmäßig, mindestens einmal wöchentlich, statt und besteht aus den fünf Modulen:
    Innere Achtsamkeit
    Zwischenmenschliche Fertigkeiten
    Umgang mit Gefühlen
    Stresstoleranz und
    Selbstwert bzw. Selbstakzeptanz

Meine Kritik
• Insgesamt sehr differenzierte und z.T. auch philosophisch begründete Therapie mit guten Erfolgen bei Borderline Störungen.
• Die buddhistischen Elemente der Therapie sind zu anthropozentrisch.
• Ähnliche Nachteile wie KVT. (Sonst siehe auch Kritik am Anthropozentrismus‎ und Buddhismus).

Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie

    „Zur `Achtsamkeitsbasierten Kognitiven Therapie´ (Mindfulness­Based Cognitive Therapy, MBCT) zeigen methodisch anspruchsvolle Studien, dass sie als Rückfallprophylaxe bei ehemals depressiven Patienten wirksamer ist als die übliche Behandlung und mindestens ebenso effektiv wie antidepressive Erhaltungstherapie. Möglicherweise ist sie auch bei chronischer Depression und Schlaflosigkeit ein wirksames Verfahren. Die Art und Weise, wie achtsamkeitsbasierte Therapieansätze (und auch Meditation) wirken, ist nicht abschließend geklärt, und die Indikationen und Kontraindikationen sind noch genauer zu bestimmen.“[67]
• Siehe Kritik KVT, Anthropozentrismus‎ und Buddhismus.
[68]

Metakognition
„Metakognitionen sind Überzeugungen über Kognitionen, kognitive Prozesse und Prozesse der Aufmerksamkeitslenkung. Sie bestimmen, auf welche Strategien eine Person als Reaktion auf innere Ereignisse zurückgreift und steuern und überwachen ihren adäquaten Einsatz... In der metakognitiven Theorie werden positive und negative Metakognitionen unterschieden. Positive Metakognitionen beschreiben den Nutzen einer bestimmten Strategie und sind verantwortlich für die Auswahl einer ebensolchen... Negative Metakognitionen hingegen sind Überzeugungen über die Unkontrollierbarkeit bestimmter Prozesse... oder ihre Gefährlichkeit... Sie tragen zur Entstehung zusätzlichen Leidens und eines perseverierenden Einsatzes der gewählten Strategie bei... Diese problematischen [Auffassungen] Strategien werden unter dem Begriff `Kognitives Aufmerksamkeitssyndrom (CAS)´ zusammengefasst.... Folgerichtig bestehen die Ziele der MCT darin, das CAS abzuschaffen und die zugehörigen metakognitiven Überzeugungen zu verändern. Die Patienten gewinnen dadurch die flexible Kontrolle über ihre kognitiven und Aufmerksamkeitsprozesse…“[69
Diskussion
: Metakognition bleibt trotz ihres Anspruchs in einem ähnlich geschlossenen System wie die VHT, einer etwas größeren Kiste statt der kleineren. Statt der Beseitigung unlogischer Denkmuster ist nun das Ziel ungünstige Überzeugungen zu verändern, um die Kontrolle über die Denkkprozesse zu gewinnen.
Sonst Kritik wie bei KVT.
VHT der Zukunft?

Unsere Computer werden vielleicht bald optimiertere Beratungs- und Verhaltensprogramme parat haben als der beste Verhaltenstherapeut. Beim Schachspiel ist der Computer dem Menschen schon überlegen. Wie ein Schachcomputer wird dieser `VHT-PC´ für abermillionen Probleme die jeweils beste Antwort wissen. Die Kranken werden dann wie Maschinen behandelt und umprogrammiert - es gibt Programme zur Steigerung des Selbstwertgefühls, gegen Depressionen, gegen Stress usw. usf. Das heißt, der Computer wird nach Eingabe vieler Daten einen wissenschaftlich fundierteren und funktional besseren Rat als der Therapeut geben. Nicht dass solche Programme schlecht sind, aber auf die entscheidenden und existenziellen Antworten wird auch der beste Computer keine Antwort haben: Wer bin ich? Was ist Glück? Gibt es Gott? Gibt es ein Leben nach dem Tode? Liebt mich meine Frau? Hat das Leben einen Sinn? D.h. ab einem bestimmten Punkt nützen auch die optimalsten, aber sterilen, blutleeren Antworten eines Computers oder eines ebenso agierenden Psychokraten nichts mehr und laufen ins Leere oder haben gegenteilige Effekte.

Humanistische Psychotherapien[71]

Die Humanistischen Psychotherapie -Verfahren werden oft als `dritte Kraft´, neben den tiefenpsychologischen Verfahren und der Verhaltenstherapie, bezeichnet. Sie gehen von einer ganzheitlichen Sicht des Menschen aus, der in seinem Leben nach Sinn, Selbstverwirklichung und persönlichem Wachstum strebt.
Unter anderem können folgende Verfahren dazu gezählt werden:
[72]
• Gesprächspsychotherapie
• Integrative Psychotherapie und Gestalttherapie
• Logotherapie (V. Frankl)
• Psychodrama
• Systemische Psychotherapien
[73]

V. Frankls Logotherapie

Die Logotherapie „zielt auf die Aktivierung der noetischen (von der Vernunft einsehbaren) Schichten der Persönlichkeit, um den Patienten in die Lage zu versetzen, den Sinn seines Daseins zu finden und sich dadurch von den neurotischen Lebensbeantwortungen zu befreien.“[74]

Systemische Psychotherapien

Ich persönlich halte eine systemische Sicht in Analyse und Psychotherapie für unerlässlich.
Eine `Schwachstelle´: Systemmitglieder werden zu kontextabhängig gesehen. Sie besitzen kein eigenes Absolutes i.S. dieser Arbeit.
Im Kapitel `Beziehungsstörungen’ bin ich auf diese Thematik näher eingegangen.

Integrative Psychotherapie und Gestalttherapie

Sie will analytische, humanistische, verhaltenstherapeutische und systemische Ansätze integrieren. Sie sei allgemein, differentiell, eklektisch, integrativ und Schulen- und methodenübergreifend. „Der Einzelne als abhängiges (dependentes), auf Korrespondenz angewiesenes Leibwesen kann sich mit dem für die Gestaltarbeit zentralen Begriff der Begegnung (Kontakt) mit dem Anderen und der Welt neu erfahren lernen. Die Idee der Kreatürlichkeit - des spielerischen, experimentellen So-seins - verbunden mit der reflexiven (neu: mentalisierenden) Option eigener Existenzerfahrung führt zu einer anderen sich `verbindenderen´ und verbindlicheren Form des In-der-Welt-Seins.“[75]

Bezüglich der Kritik der humanistischen Psychotherapien siehe: `Kritik des Humanismus‘.

Salutogenese[76]

Ins Zentrum seiner Antwort auf die Frage „Wie entsteht Gesundheit?“ stellt Antonovsky, der Begründer der Salutogenese, ein sog. 'Kohärenzgefühl'. „Das Kohärenzgefühl ist eine globale Orientierung, die ausdrückt, in welchem Ausmaß eine Person ein durchdringendes, dynamisches Gefühl des Vertrauens darauf hat, dass
 - die Stimuli, die sich im Verlauf des Lebens aus der inneren und äußeren Umgebung ergeben, strukturiert, vorhersehbar und erklärbar sind;
 - die Ressourcen zur Verfügung stehen, um den Anforderungen zu begegnen, die diese Stimuli stellen;
 - diese Anforderungen Herausforderungen sind, die Anstrengung und Engagement lohnen.“
Die Sieben Merkmale einer salutogenetischen Orientierung beinhalten, dass die Menschen beziehungsweise Methoden
    sich an Stimmigkeit, aufbauender Kohärenz (Verbundenheit) orientieren;
    sich auf Gesundheit (attraktive Ziele, Vorstellungen) ausrichten;
    sich auf Ressourcen ausrichten;
    das Subjekt und Subjektive (Selbstwahrnehmung, subjektive Theorien, Eigenaktivität usw.) wertschätzen;
    Aufmerksamkeit für systemische Selbstorganisation und -regulation (auch Selbstheilungsvermögen) haben;
    dynamisch sowohl prozess- als auch lösungsorientiert denken...;
    mehrere Möglichkeiten einschließen: z. B. sowohl salutogenetisch als auch pathogenetisch.
„In der Sichtweise der Salutogenese wird [etwa] der Kopfschmerz als ein Hinweis verstanden, der eine Chance bietet, um zur flexiblen Mitte zurück zu gelangen. Rigiditäten können also Teil von zu heilenden psychischen Verhaltensstrukturen sein, an denen Helfer anknüpfen können. Wird der Kopfschmerz jedoch durch ein Medikament aufgehoben, ist kein Signal (Indikator/Hinweis) mehr zur Heilung gegeben. Bildlich ausgedrückt: Statt das Feuer zu bekämpfen, wurde der Brandmelder abgeschaltet.“
• Kritik
+: keine Fixierung auf Pathologie, ressourcenorientiert.
 −: Schwächen wie bei den säkularen PT beschrieben.

Resilienzforschung [77]

Die Resilienzforschung (Resilienz = Widerstandsfähigkeit) nahm ihren Ausgangspunkt in der Untersuchung von Traumaopfern und deren Vulnerabilität. Dabei konnten folgende Faktoren identifiziert werden, die Erwachsenen ermöglichen ein Trauma zu verarbeiten:
 - Sie gehen mit Stress effektiv um.
 - Sie haben gute Problemlösefähigkeiten.
 - Bei Problemen bitten sie um Hilfe.
 - Sie glauben, dass es Möglichkeiten gibt mit Lebensproblemen umzugehen.
 - Ihre Beziehungen zu Freunden und Familienmitgliedern sind eng.
 - Mit Freunden und Familie sprechen sie über das Trauma und ihre Gefühle.
 - Sie sind spirituell/religiös eingestellt.
 - Statt als "Opfer" sehen sie sich als Überlebende.
 - Sie helfen Anderen.
 - Sie versuchen dem Trauma etwas Positives abzugewinnen.
 - Sie werden durch Freunde und Familie unterstützt.
• Kritik
+: keine Fixierung auf Pathologie, ressourcenorientiert, spirituell-religiöse Ressourcen mitberücksichtigt.
[78]

Zusammenfassende Tabelle: Vor- und Nachteile anthropozentrischer Psychotherapierichtungen
VHT

Vorteile

Nachteile

Bemerkungen

(auf Symptomebene) gezielter, nachweisbarer, berechenbarer

Weniger kausal, oberflächlicher bzw. vordergründiger, kurzfristiger wirksam.
Probleme z.T. verschiebend
. Heilung zu sehr durch Tun, zu wenig durch Lassen.
Zu manipulativ, zu normativ, zu fremdbestimmend.
Gefahr: wie beim Cortison Strohfeuer. Symptom weg - Krankheit bleibt.

zudeckend
Für leichte Fälle und als Ergänzungstherapie schwerer Erkrankungen sehr gut geeignet.

Analytische Verfahren

Vorteile

Nachteile

Bemerkungen

kausaler als VHT

Zu pessimistisch; fehlt spiritueller Bereich; Ich ist überlastet, Selbsterlösung; Therapeut schwer hinterfragbar; aufwändiger, elitärer.
Zimbardo: zu unwissenschaftlich, zu spekulativ; unscharfe Begriffe, zentrale Hypothesen nicht zu beweisen, damit unwiderlegbar; zu rückblickend.
P. wird vom Negativen her erklärt und positive, gesunde Seiten zu wenig berücksichtigt; zu einseitige Berücksichtigung der Sexualität und Aggressionen; männliches Modell als Norm.

aufdeckend und für mittelschwere Fälle gut geeignet.

Alle weltlichen, rein naturwissenschaftlichen PT

Vorteile

Nachteile

Bemerkungen

s.o.

Nur zweitrangiges Menschenbild, fordern Ich-Stärke,
Gefahr der Überforderung. ↓Glaubensquellen/ Spiritualität.
Zu gegenständliches Denken und Handeln: Das Objektive, Messbare, Berechenbare, Funktionale, Machbare und die Symptombeseitigung wird zu einseitig betont; Mechanistische Wortwahl. Als Materialismus steril, kalt.
↓ Gefühle, Glaube, Liebe, Innenwelt, Menschlichkeit.

Verhalten, Funktion wichtiger als Leben. (S. auch H.E. Richter: Der Gotteskomplex)

 

Neurowissenschaft

                                    „Eines habe ich in meinem langen Leben gelernt, nämlich, dass unsere ganze Wissenschaft,
                                     an den Dingen gemessen, von kindlicher Primitivität ist.“ Albert Einstein

Kritische Anmerkungen:
Heute versucht die Psychiatrie seelische Vorgänge oder Krankheiten zunejmend mit Gehirnfunktionen zu erklären. Ich lese etwa über die wesentlichen Folgen einer seelischen Traumatisierung etwas einseitig erklärt: „PTBS kann entwickeln, wer mit Angst, Sterben und Schmerz in extremem Ausmaß konfrontiert war ... Die Sinneswahrnehmungen ...  können dabei zu einer Reizüberflutung führen. Die Mandelkerne, die im Gehirn wie Alarmanlagen den Reizen eine Art Schweregrad zuordnen und sie gefiltert an die Erinnerungsareale weiterleiten, sind dann überfordert.“
[79]
Bringt uns das weiter? Wahrscheinlich ein Stück. Sollten aber bei einem primär psychischen Prozess, von dem ich ausgehe, Erklärungen und Therapie nicht primär im psychologischen Bereich liegen? Ich fürchte, dass in Zukunft die meisten geistig-seelischen Prozesse und Zustände nur neurobiologisch erklärt werden, was einerseits eine Scheinsicherheit verursacht, aber die wichtigsten Therapiemöglichkeiten außer acht lässt.
Ich folge der Kritik von Felix Hasler:[80] „Seit der »Dekade des Gehirns« in den 1990er Jahren haben die »neuen Wissenschaften des Gehirns« einen Siegeszug ohnegleichen durchlaufen. Weit über die Grenzen der Naturwissenschaften hinaus durchdringen Erklärungsmodelle aus der Hirnforschung ehemalige Hoheitsgebiete der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften. Die Nichtexistenz des freien Willens zu beweisen, biologische Marker für kriminelles Verhalten zu entdecken oder neuromolekulare Ursachen von Angst, Zwang und Depression zu finden: All dies traut sich die Hirnforschung unserer Tage mit großer Selbstsicherheit zu. Zwar noch nicht gerade heute, aber schon in absehbarer Zukunft sollen auch derart großkalibrige Probleme lösbar werden... Es wird der fundamental falsche Eindruck erweckt, die Hirnforschung wisse genau Bescheid über die biologischen Vorgänge, die unserem Erleben, Denken und Handeln zugrunde liegen. Und deshalb könne die Medizin »evidenzbasiert« und zielgerichtet im Gehirn eingreifen, wenn etwas schief läuft. Beispielsweise bei einer psychischen Störung. Im klassischen »bio-psycho-sozialen Modell psychischer Erkrankungen« hat längst eine dramatische Verschiebung hin zum Pol der Biologie stattgefunden. Auffälligstes Anzeichen dieser wissenschaftsideologischen Ausrichtung ist die zunehmend außer Kontrolle geratende Praxis der Verschreibung von Psychopharmaka.“ Ähnlich argumentiert Heinzpeter Hempelmann: „Neurowissenschaften erlauben - endlich - präzise Aussagen über das Denken des Menschen. Sie dürfen freilich nicht vergessen oder gar unterschlagen, dass ihr - hoffentlich anhaltender Erfolg - auf einer entscheidenden Reduktion ihres Erkenntniswillens beruht. Sie fragen eben nicht philosophisch: Was ist Geist, was ist Denken? Was ist Bewusstsein? Genau diese philosophischen Fragen sind ja nicht zureichend beantwortbar. Sie fragen vielmehr: Was ist der Mensch, konkret: das menschliche Denkvermögen, sein Empfinden, sein Bewusstsein... insofern wir es aus einem bestimmten, festgelegten Blickwinkel anschauen. Diese Perspektive ist sehr eingegrenzt. Sie nimmt den Menschen als Gehirn in den Blick, präziser: als Nervensystem. Und sie untersucht dieses Nervensystem unter dem Gesichtspunkt, was man chemisch und elektrophysiologisch an unterschiedlichen Potentialen abbilden kann. Sie fragt nicht nach dem Wesen des Denkens, nach dem Wesen des Menschen als einem denkenden Wesen, nach dem Wesen des Geistes, der Empfindungen, des Bewusstseins. Sie beansprucht als Wissenschaft auch gar nicht – ich rede hier idealtypisch! –, auf diese Fragen Antworten geben zu können. Denn das ist ja Aufgabe der Philosophie. Sie sieht den Menschen an, wie er sich für eine bestimmte Untersuchungsmethode, etwa und v.a. bildgebende Verfahren, darstellt.... Diese eingeschränkte und beschränkte Perspektive führt sie - um den Preis der Reduktion der Ausgangsfragestellung - zu sehr präzisen, wiederum quantitativen Ergebnissen mit hohem, naturwissenschaftlichen Geltungsanspruch. Neurowissenschaftler können uns zwar nicht sagen, was der Geist des Menschen ist; aber sie können uns sehr präzise Auskunft geben, welche elektrischen Potentiale sich bei welchen Signalreizen in welchen Regionen des Gehirns zeigen...
Für die Bewertung neurowissenschaftlicher Aussagen heißt das:
1. Aussagen über das Wesen des Menschen sind der Neurowissenschaft nicht möglich.
2. Neurowissenschaften erkennen den Menschen nicht als solchen, sondern beschreiben ihn nur aus einer qualitativ `banalen´, weil sehr eingeschränkten, weil nur so Aussagen ermöglichenden Perspektive. Sie messen etwa Voltspannungen in Nerven; Aussagen über den freien Willen liegen - Pardon! - auf einer kategorial anderen Ebene.
3. Der Preis für die Kontrollierbarkeit und Konsensfähigkeit ihrer Aussagen ist die Abstraktion von der Frage nach dem Menschenbild.
4. Neurowissenschaftliche Resultate haben womöglich Bedeutung für ein neues Menschenbild, bedeuten aber eo ipso kein solches.
5. Neurowissenschaften liefern endlich nichtspekulative Aussagen über das Denken, Empfinden, Bewusstsein des Menschen. Diese Aussagen sind belastbar aber nur, insoweit sie quantitative Größen und keine Interpretationen darstellen. Sie beschreiben den Menschen nur, erklären ihn aber nicht.“
[81] 
Ich glaube, dass die meisten Ursachen für psychische Krankheiten, die man im neurobiologischen Bereich findet, Sekundärursachen sind - also solche, die Folge von primären (wie ich meine geistigen) Ursachen sind. Dafür spricht auch die Möglichkeit von Gehirn- und sogar Genveränderungen durch Stress und Traumatisierungen.[82]
Zu den Kritiken am `Human Brain Projekt´, das zum Ziel hat, neuronale Netzwerke des Gehirns durch Computer zu erfassen und von der EU mit 1 Milliarde € (!) gefördert wird (ähnlich in den USA) siehe entsprechende Literatur, z.B.:  https://de.wikipedia.org/wiki/Blue_Brain.

Spirituell-religiös fundierte PTs

Spiritualität in der Psychotherapie?

Ich zitiere M. Richard und H. Freund[83], die das Thema aus heutiger psychotherapeutischer Sicht übersichtlich darstellen: „Die akademische Psychologie als die Hauptbezugswissenschaft hat sich immer als eine säkulare Wissenschaft verstanden. In ihrer rasanten Entwicklung im 20. Jahrhundert besetzte sie zunehmend Deutungs­ und Handlungsfelder, die bis dahin der Theologie und kirchlichen Institutionen vorbehalten waren. Bis in die 1980er Jahre wurde in der klinischen Psychologie vorwiegend zu negativen Auswirkungen von Religion auf psychische Gesundheit geforscht, erst später kamen auch die gesundheitsförderlichen Aspekte ins Blickfeld... Wenige Jahre später vertrat C. G. Jung (1940) die Auffassung, dass nahezu alle psychischen Probleme eine religiöse Dimension besitzen und daher Religion konstruktiv in die Psychotherapie einzubeziehen sei. Auch andere Wegbereiter der Psychotherapie wie Viktor Frankl oder Carl Rogers erkannten den existenziellen Wert der Religion bei der Krisenbewältigung an (Demling, 2004). Neuere psychoanalytische Autoren diskutieren die Fähigkeit, etwas glauben zu können, als bedeutsam für psychische Gesundheit (Britton, 1998). In der Verhaltenstherapie ist neuerdings bei den sogenannten `Verfahren der Dritten Welle´ eine Renaissance religiös/spiritueller Konzepte aus dem Kontext des Buddhismus und fernöstlicher Religionen zu beobachten (Hathaway & Tan, 2009). Eine empirische Überprüfung, wie es nun tatsächlich um die persönliche Einstellung von Psychotherapeuten zu Religiosität und Spiritualität bestellt ist und welche Bedeutung diese Dimension im jeweiligen praktischen therapeutischen Handeln hat, erfolgte erst relativ spät seit den 1980er Jahren. Der größte Teil der Befunde stammt aus den USA, einem Land mit umfangreicher religionspsychologischer Forschungstradition. In Deutschland sind einige wenige, aber dennoch sehr aussagekräftige Studien durchgeführt worden.... 81% der Psychotherapeuten (berichteten), entweder gar nicht oder kaum in ihrer Psychotherapieausbildung auf diese Themenstellungen vorbereitet worden zu sein und 66% wünschten sich explizit eine stärkere Berücksichtigung in der Psychotherapieausbildung. Insgesamt betrachtet, deutet die Studie auf eine hohe Relevanz von Religiosität und Spiritualität in unterschiedlichen Facetten für Psychotherapeuten hin.... Hundt (2003)... Die Autorin... diskutiert die Möglichkeit einer weltanschaulichen Beeinflussung von Klienten durch Psychotherapeuten. Damit ist die wichtige Frage nach der weltanschaulichen oder religiösen Neutralität der Psychotherapeuten aufgeworfen. Die ethischen Implikationen einer Integration von religiösen/spirituellen Themen im Behandlungsverlauf werden neuerlich sehr heftig diskutiert... Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das anfangs gezeichnete religionskritische bis ­indifferente Psychotherapeutenbild sich in Deutschland nicht mit den empirischen Befunden deckt... Es ist Zeit, das bisherige Schattendasein dieses Themas in der wissenschaftlich­therapeutischen Diskussion zu überwinden und sich ihm vermehrt zuzuwenden... [84] Bestehende Ansätze wie z. B. die Buddhistische Psychotherapie (Ennenbach, 2010), die Transpersonale Verhaltenstherapie (Piron, 2007) oder das Konzept der `IGNIS Akademie für Christliche Psychologie´ (Halder, 2011) führen eher ein Schattendasein und sind noch nicht in ihrer Wirksamkeit im Vergleich zu einer Kontrollgruppe untersucht worden... Es gibt einige wenige Kliniken, die in ihrer konzeptionellen Ausrichtung die Spiritualität bzw. Religiosität der Patienten in die psychotherapeutische Behandlung integrieren...“[85] Obwohl schon 2006 viele Psychotherapeuten in der `Bonner Erklärung´ gegen die bestehenden Richtlinien protestierten, hat sich diesbezüglich in Deutschland wenig geändert. Immerhin finden sich in der neueren Literatur mit M. Seitlinger, D. Heil, P. Schellenbaum, E. Frick, J. Kornfield, H. Jellouschek, J. Armbruster et al. Autoren, die die Berücksichtigung von Spiritualität propagieren. [Literatur siehe M. Seitlinger (Hg.)]

„Dritte Wiener Schule“ der Psychotherapie

Viktor Frankls Logotherapie habe ich oben schon erwähnt. Frankl, Caruso und Daim bilden die sogenannte dritte Wiener Schule der Psychotherapie. Von ihnen hat am ehesten Wilfried Daim einen religiös fundierten Ansatz.[86] Er steht mir theoretisch sehr nahe, da er, wie ich auch, das Absolute, das er mit Gott identifiziert, in den Mittelpunkt seiner Überlegungen stellt. Es gibt allerdings auch einige Unterschiede in den Auffassungen, auf die hier einzugehen, nicht der Platz ist.
Daim sieht sich als Psychoanalytiker auch in gewisser Nachfolge zu S. Freud, aber auch an entscheidenden Punkten im Gegensatz zu diesem. Diesen Gegensatz hat vor allem Dieter Wyss herausgestellt. In der Sicht von Daim und Caruso werde „... das Anliegen der Psychoanalyse dialektisch in seinen Gegensatz verkehrt: verdrängt wird der Geist, der Trieb gewinnt die Oberhand,... während bei Freud der Trieb vom Geist verdrängt wird und dadurch die Neurose entsteht... Mit dieser Umkehrung des ursprünglichen Ansatzes der Psychoanalyse in sein Gegenteil wird eben das Problem der Beziehung zwischen Geist und Trieb nicht gelöst, sondern es beharrt im dialektischen Gegensatz, ohne zu einer Klärung vorzustoßen."
Weiter Wyss: beides sei möglich- der Trieb kann durch den Geist und der Geist kann durch den Trieb verdrängt werden. [87]
Um bei dieser Wortwahl zu bleiben: Ich sehe die Genese der „Neurose“ primär in der Verdrängung des absolut positiven Geists durch verabsolutierte Relativa (FA), die sowohl geistiger als auch triebhafter  oder anderer Natur sein können.
Den religiösen Bezug von Daim deutet Wyss m.E. irrtümlich als moralistische Position.

Transpersonale Psychologie

Ein Überblick geben die folgenden Zitate:
„Die Transpersonale Psychologie und die darauf aufbauende Transpersonale Psychotherapie erweitern die klassische Psychologie und Psychotherapie um philosophische, religiöse und spirituelle Aspekte... Transpersonale Psychologie untersucht Bewusstseinszustände `jenseits´ (trans) der personalen Erfahrung: Bewusstsein, Mysterium, Übersinnliches, Bewusstseinserweiterung, Irrationales, Transzendenz, Spiritualität, Religion, etc. ... Wesentliche Begründer und Theoretiker der transpersonalen Psychologie waren und sind Stanislav Grof, Anthony Sutich, Frances Vaughan, Roger Walsh, Abraham Maslow, Ronald D. Laing, Charles Tart, Roberto Assagioli und Ken Wilber. In Europa wurden auch Elemente der Analytischen Psychologie von C.G. Jung, der von Viktor Frankl begründeten Logotherapie und der von Karlfried Graf Dürckheim begründeten Initiatischen Therapie in die transpersonale Psychologie integriert... In der Transpersonalen Psychotherapie werden neben Elementen verschiedener humanistischer Therapieverfahren vor allem meditative und hypnotische Techniken sowie Methoden der Körpertherapie, der initiatischen Therapie von Graf Dürckheim, psycholytische Psychotherapie..., schamanische Techniken und andere spirituelle Techniken eingesetzt. Dadurch sollen bewusstseinserweiternde Erfahrungen möglich werden, die sich dann auf das Leben des Menschen nachhaltig auswirken... In der klassischen Psychologie wird die Transpersonale Psychologie oft aufgrund dieser Kombination spiritueller und psychologischer Konzepte kritisch gesehen.“
[88]
„Lange Zeit hat die westliche Wissenschaft angenommen, dass mit der Ausgestaltung einer stabilen Persönlichkeit und dem Erreichen der Rationalität die Potenziale des Menschen ausgeschöpft sind. Doch an diesem Punkt beginnen die spirituellen Disziplinen erst mit ihrer Arbeit. Sie aktivieren Ebenen des Bewusstseinsspektrums, die in der westlichen Welt zumeist noch als übernatürlich oder pathologisch gelten. Heute gelingt es der modernen Bewusstseinsforschung, allen voran der transpersonalen Psychologie zunehmend, die Weisheiten der alten Systeme wiederzuentdecken.
[89]
Wesentliche Kritik der transpersonalen Psychologie an der Schulpsychologie: Die westliche Wissenschaft erkenne die transrationalen und transpersonalen Bereiche als real existierende, spirituelle Bewusstseinsebenen nicht an und müsse sämtliche spirituellen Erfahrungen durch das Nadelöhr des monistischen Materialismus pressen.
[90] „Vertreter der `Transpersonalen Psychologie und Psychotherapie´...  kommen darin überein, dass die `traditionelle Psychotherapie´ zwar weiterhin unentbehrlich ist, jedoch bei fast allen psychischen Störungen erweitert werden muss durch transpersonale Erfahrungen, die das Überschreiten der eigenen Person hin zum Erleben einer umfassenden, überindividuellen Ganzheit ermöglichen...“[91]
• Diskussion: Die „transpersonalen“ Theorien erweitern zwar die Theorien der Schulpsychologie um spirituell-religiöse Aspekte, die jedoch v.a. buddhistische und hinduistische Hintergründe haben. Siehe Kritik am Buddhismus im Teil `Metapsychotherapie´.
[92]

Pastoralpsychologie

Schwierigkeiten macht dem Laien das Wort `Pastoral´. Es steht für (katholische) Seelsorge.
„Die Pastoralpsychologie reflektiert religiöse und kirchliche Praxis aus psychologischer Sicht, um neue Perspektiven und erweiterte Handlungsmöglichkeiten zu gewinnen. Sie befragt human- und sozialwissenschaftliche Theorie und Praxis aus der theologischen Perspektive auf ihre anthropologischen Prämissen hin. Sie fördert den Dialog zwischen Theologie und Human- bzw. Sozialwissenschaften.“
[93]
„Sie arbeitet interdisziplinär und mehrperspektivisch. Erkenntnisse aus der Theologie, der Psychologie und der Soziologie werden miteinander verzahnt und für kirchliche Praxis fruchtbar gemacht.“
[94]
Pastoralpsychologie sei Theologie und Psychologie.
• Kritik: Sicher ist es fruchtbar, wenn die Theologie und Psychologie zusammenarbeiten. In der Praxis ist es allerdings so, dass sich die Theologie in psychologischen Fragen der Schulpsychologie eher unterordnet und pathologische Phänomene nicht diskutiert, während andererseits religiöse Fragen vom Mainstream der heutigen Psychologie weitgehend negiert werden.

Pastoralpsychiatrie

 „Pastoralpsychiatrie beschäftigt sich mit der Seelsorge im Umfeld der Psychiatrie. Der Ausdruck `Pastoral psychiatry´ hat schon vielerlei zwischen `Geistheilung´ und `Psychiatrie für Theologen´ bezeichnet.
In Deutschland wurde erstmals 1973 an der Ruhr-Universität Bochum eine Professur für das Fach eingerichtet, die bis 1996 mit dem Theologen Thomas Bonhoeffer besetzt war.“
[95]
• Mir ist nicht bekannt, dass unter dieser Bezeichnung Arbeiten über Hintergründe und Therapie psychischer Erkrankungen veröffentlicht wurden.

Seelsorge

„Die angewandte christliche Seelsorge hat eine lange Geschichte. In der zeitgenössischen Seelsorgelehre gibt es im Wesentlichen vier Ansätze:
    nuthetischer Ansatz: durch Zurechtweisung und Ermahnung; jedes Problem hat eine biblische Lösung,
    kerygmatischer Ansatz: Seelsorge als Verkündigung des Wortes Gottes an den Einzelnen,
    pastoralpsychologischer Ansatz: Seelsorge als beratendes Gespräch zur Befreiung,
    evangelikaler Ansatz: Seelsorge als `biblische" Therapie´...“
[96]
„Die Lehre der Seelsorge nennt sich `Poimenik´. Diese ist Teilgebiet der Praktischen Theologie. „Seelsorgliches Handeln ist nicht zu verwechseln mit psychotherapeutischem Handeln. Jedoch kommen in der Seelsorge auch psychotherapeutische Methoden zur Anwendung. Insbesondere die durch Carl Rogers und die niederländische Seelsorgebewegung in Deutschland beeinflusste Pastoralpsychologie legt auf einen engen Austausch zwischen Seelsorge und Psychologie (hier meist Psychotherapie) Wert... Mitte der 1960er kam die Seelsorgebewegung über die Niederlande nach Deutschland und führte auch dort zur Entwicklung der Pastoralpsychologie... In den 1980ern entwickelte... Eugen Drewermann... seine tiefenpsychologische Auslegung der Bibel, insbesondere im dreibändigen Werk Psychoanalyse und Moraltheologie. Gleichzeitig entwickelte Michael Dieterich die Biblisch-Therapeutische Seelsorge, die besonders im pietistischen und freikirchlichen Umfeld rasche Verbreitung fand.
Arten der Seelsorge: Kirchliche Seelsorge geschieht heute in den verschiedensten Handlungsfeldern (Gemeinde, Krankenhausseelsorge, Notfallseelsorge usw. ... Gemeinsam ist allen Handlungsfeldern der Anspruch, Menschen in Lebens- und Glaubensfragen zu begleiten. Dies geschieht im persönlichen Gespräch, je nach Situation aber auch durch Gebet, durch tröstende und aufmunternde Worte aus der Bibel, durch Segensgesten (z. B. Handauflegung) aber auch durch soziale Unterstützung... In der Biblisch-Therapeutischen Seelsorge (BTS) beispielsweise ergänzen bzw. durchdringen sich biblische und psychologische bzw. psychotherapeutische Ansätze.“
[97] Über Seelsorge und Psychotherapie / Psychiatrie arbeitet auch Samuel Pfeifer und seine `Akademie für Psychotherapie und Seelsorge´. Ähnliche Intentionen hat Helmut Jaschkes „Christlich orientierte Psychotherapie“ und die „Hagiotherapie“ von Tomislav Ivancic.
• Kurze persönliche Bemerkungen dazu:
- Das Konzept der `
Biblisch-Therapeutischen Seelsorge´ erscheint mir in manchen Punkten zu dogmatisch.
- Samuel Pfeifer trennt in seinem Buch: „Die Schwachen tragen“ die moderne Psychiatrie zu strikt von der biblischen Seelsorge.

Soteriogenese

Geht, wie ich, von somatischen, psychischen und spirituellen Bereichen des Menschen aus, die zusammenhängen und verschiedene therapeutische Ansatzpunkte bieten.
• In Bezug auf die Pathogenese psychischer Störungen sehe ich große Unterschiede. In Bezug auf deren Heilung weniger.
[98]

Selbsthilfegruppen mit Spiritualität

Abseits des offiziellen psychotherapeutischen Mainstreams finden unsere Patienten Spiritualität auch in folgenden von Laien geführten und sehr erfolgreichen anonymen Selbsthilfegruppen:
Anonyme Alkoholiker (AA), Anonyme Arbeitssüchtige (AAS), Angehörige und Freunde von Alkoholikern (AL-Anon), Kinder von Alkoholikern (Alateen), Drogen/Narcotics-Anonyme (NA), Anonyme Messis (AM), Anonyme Sexaholiker (AS), Anonyme Borderliner (BA), Anonyme Co-Abhängige (CoDA), Emotionale Anonyme (EA), Anonyme Essgestörte (FA und OA), Anonyme Spieler (GA) und deren Angehörige (GamAnon), Anonyme Internetsüchtige.
Die „Anonymen“ sind keine religiöse Organisation und empfehlen kein bestimmtes Glaubenssystem. Im Zentrum aber steht das Vertrauen auf eine `liebende höhere Macht´, der Versuch, „unser Leben der Sorge Gottes - wie wir ihn verstanden - anzuvertrauen.“ Sie lehren grundsätzliche spirituelle
Prinzipien wie Glaube, Vertrauen, Ehrlichkeit, Offenheit, Bereitschaft und Demut.
Die Gründer empfahlen auf dem Weg zur Heilung `12 Schritte´:

  1. Wir gaben zu, dass wir dem Alkohol gegenüber machtlos sind - und unser Leben nicht mehr meistern konnten.
  2. Wir kamen zu dem Glauben, dass eine Macht, größer als wir selbst, uns unsere geistige Gesundheit wiedergeben kann.
  3. Wir fassten den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes - wie wir Ihn verstanden - anzuvertrauen.
  4. Wir machten eine gründliche und furchtlose Inventur in unserem Inneren.
  5. Wir gaben Gott, uns selbst und einem anderen Menschen gegenüber unverhüllt unsere Fehler zu.
  6. Wir waren völlig bereit, all diese Charakterfehler von Gott beseitigen zu lassen.
  7. Demütig baten wir Ihn, unsere Mängel von uns zu nehmen.
  8. Wir machten eine Liste aller Personen, denen wir Schaden zugefügt hatten, und wurden willig, ihn bei allen wiedergutzumachen.
  9. Wir machten bei diesen Menschen alles wieder gut - wo immer es möglich war -, es sei denn, wir hätten dadurch sie oder andere verletzt.
  10. Wir setzten die Inventur bei uns fort, und wenn wir Unrecht hatten, gaben wir es sofort zu.
  11. Wir suchten durch das Gebet und Meditation die bewusste Verbindung zu Gott - wie wir Ihn verstanden - zu vertiefen. Wir baten Ihn nur, uns Seinen Willen erkennbar werden zu lassen und uns die Kraft zu geben, ihn auszuführen.
  12. Nachdem wir durch diese Schritte ein spirituelles Erwachen erlebt hatten, versuchten wir, diese Botschaft an Alkoholiker weiterzugeben und unser tägliches Leben nach diesen Grundsätzen auszurichten. [`Anonyme Alkoholiker´ - siehe Literaturangaben]
Parallel dazu gibt es die `12 Versprechen´:

Wir werden eine neue Freiheit und ein neues Glück kennen lernen.
Wir wollen die Vergangenheit weder beklagen, noch die Tür hinter ihr zuschlagen.
Wir werden verstehen, was das Wort Gelassenheit bedeutet... und erfahren, was Frieden ist.
Wie tief wir auch gesunken waren, wir werden merken, dass andere aus unseren Erfahrungen Nutzen ziehen können.
Das Gefühl der Nutzlosigkeit und des Selbstmitleids wird verschwinden.
Unsere Ich-Bezogenheit wird in den Hintergrund treten, das Interesse an unseren Mitmenschen wird wachsen.
Unser Egoismus wird dahin schmelzen.
Unsere Einstellung zum Leben und unsere Erwartungen werden sich ändern.
Angst vor den Menschen und vor wirtschaftlicher Ungewissheit werden schwinden.
Ohne lange nachzudenken werden wir jetzt mit Situationen fertig, die uns früher umgeworfen haben.
Plötzlich wird uns bewusst, dass Gott für uns das erledigt, wozu wir allein nicht in der Lage sind.
(Hervorhebung von mir).